Der Trizonesien-Song, https://www.discogs.com/de/release/1002115-Karl-Berbuer-Trizonesien-Song-Kann-Man-Denn-Nüchtern-Sein auch als Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien bekannt, ist ein von Karl Berbuer geschriebenes Karnevalslied. Das Stück wurde 1948 von Berbuer eingesungen und im Dezember auf Schallplatte veröffentlicht. Es wurde über die Grenzen des Rheinlands hinaus bekannt und übernahm teilweise die Funktion einer Nationalhymne in der Trizone, also der Besatzungszonen der drei Westalliierten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Hintergrund Am 1. Januar 1947 wurden die amerikanische und britische Besatzungszone zum Vereinigten Wirtschaftsgebiet zusammengelegt. Das Bizone genannte Gebiet wurde am 8. April 1949 durch Beitritt der Französischen Besatzungszone zur Trizone. Möglicherweise entstand der ironische Begriff „Trizonesien“ bereits nach der in den drei westlichen Besatzungszonen am 20. Juni 1948 eingeführten Währungsreform.Axel Jockwer, Unterhaltungsmusik im Dritten Reich, 2005, S. 279.

Entstehungsgeschichte Die Idee für den Marsch-Fox hatte Karl Berbuer bereits 1947. Er saß in der Nähe des Kölner Doms in einem Restaurant, als dort über die sogenannte Bizone gesprochen wurde. Jemand aus der Runde erwähnte die Wortschöpfung „Bizonesien“.WDR: Stichtag vom 11. November 2013, Karnevalshit nach dem Zweiten Weltkrieg Als sich kurz vor der Vorstellung des Lieds die Erweiterung zur „Trizone“ abzeichnete, änderte Berbuer den Text entsprechend. Das Stück wurde der Öffentlichkeit zum Karnevalsauftakt am 11. November 1948 vorgestellt und am 17. Dezember von Berbuer auf Schallplatte veröffentlicht.

Text Allgemein mini|Trizone 1948

Das Lied hat einen eingängigen Refrain: Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien, Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm! Wir haben Mägdelein mit feurig wildem Wesien, Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm! Wir sind zwar keine Menschenfresser, doch wir küssen um so besser. Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien, Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm!

Dieser wurde sehr populär, so dass der mit hochdeutschem Text versehene Karnevalsschlager letztlich ein großer Erfolg für Berbuer wurde.

Textanalyse Das Lied wird als Indiz für gewonnene Distanz zum vergangenen Krieg gedeutet, als humorvolles Lachen über die eigene Situation.Werner Mezger: Schlager. 1975, S. 151. Fred Ritzel: Wir sind zwar keine Menschenfresser, doch wir küssen um so besser: Deutschlandbilder im Schlager. In: Detlef Hoffmann, Karl Ermert (Hrsg.): Deutschlandbilder – oder doch nur Bilder von Deutschland? In: Loccumer Protokolle, 65/1990, Loccum 1991, S. 62–77. Das Wort ‚Menschenfresser‘ ist ein eng mit Eingeborenen assoziierter Begriff. Der Musikwissenschaftler Fred Ritzel bezeichnet 1998 in seiner Songanalyse die Verwendung dieses Wortes vor dem Hintergrund der Kriegstoten und Judenmorde als erschreckend und skrupellos.Fred Ritzel: Was ist aus uns geworden? – Ein Häufchen Sand am Meer … In: Popular Music, Vol. 17, No. 3, Cambridge 1998 In einer musikpsychologischen Untersuchung fand man Hinweise auf den Wunsch zur Überwindung der nationalen Isolation. Der Text verballhornt das Schlagwort vom Deutschen Wesen zum wilden Wesien.

Das Karnevalslied sei ein „Spiegel der Mentalitäts- und Politikgeschichte 1948“Dirk Urbach: Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien. In: Praxis Geschichte, 17, 2004/5, S. 26–30. und der „in Selbstironie verpackte Wunsch, die nationale Isolation zu überwinden“.Gisela Probst: Zur psychologischen Funktion des Karnevalsschlagers. In: Rheinischer Karneval, Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde, Jg. 23, 1978, S. 38. Es schildere ironisch wie kein anderes die Lage der Deutschen zwischen Währungsunion und Republikgründung. „Wir ‚Trizoniesier', so streichelte das (…) Liedchen die arg gekränkte Volksseele, sind ganz, ganz harmlose Menschen“.Thommy Herrwerth: Katzeklo & Caprifischer, Die deutschen Hits aus 50 Jahren. 1998, S. 10. Nach Neugebauer reflektiert das Lied wie kaum ein anderes zeitgenössisches Dokument die Befindlichkeit der Deutschen in den drei westlichen Besatzungszonen.Karl-Volker Neugebauer: Die Zeit nach 1945 – Armeen im Wandel. 2008, S. 41.

Rezeption Da es zu dieser Zeit noch keine deutsche Nationalhymne gab, wurde das Lied ersatzweise bei Sportveranstaltungen gespielt. In England wurde es zunächst als Hinweis auf einen aufkommenden Revanchismus gewertet, später aber auch als Ersatznationalhymne gespielt. Auch bei einem Radrennen in Köln im Jahre 1949 wurde es bei der Siegerehrung angestimmt. Da die anwesenden alliierten Offiziere es für die deutsche Nationalhymne hielten, erhoben sie sich von ihren Sitzen.Ulfried Weißer: Die Bundesrepublik Deutschland – ein Erfolgsprojekt. Frank & Timme, Berlin 2015, S. 127. Es wurde für den aus Köln stammenden Sieger Jean Schorn gespielt, der auf der Radrennbahn im Müngersdorfer Stadion beim ersten internationalen Radrennen nach dem Krieg gewonnen hatte.Neue Illustrierte (Köln), 21. April 1949 Hierzu nahm Konrad Adenauer in einer Pressekonferenz am 19. April 1950 in Berlin Stellung:

Das Lied wurde unter anderem von den Bläck Fööss (LP Was habst Du in die Sack; 1988) https://www.discogs.com/de/master/365075-Bläck-Fööss-Was-Habst-Du-In-Die-Sack und von Konrad Beikircher (LP Und singt ein Lied dabei; 2008) https://www.discogs.com/release/14834317-Beikircher--Und-Singt-Ein-Lied-Dabei interpretiert.

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Einzelnachweise

Kategorie:Lied 1948 Kategorie:Karnevalslied Kategorie:Alliierte Besetzung Deutschlands