Die Straßenbahn Bochum/Gelsenkirchen verkehrt seit dem Jahr 1894 in Bochum und seit 1895 in Gelsenkirchen. Das Streckennetz reicht auch in die Nachbarstädte Hattingen, Herne und Witten. Betrieben wird sie von der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (BOGESTRA), welche dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) angehört.

Von Beginn an verkehrte die Straßenbahn elektrisch. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg konnte der Verkehr nur beschränkt aufrechterhalten werden und wurde 1945 für gut einen Monat ganz eingestellt. Nach der erneuten Inbetriebnahme erreichte das Netz jedoch nicht mehr den Umfang der 1930er Jahre. Durch die neu eröffnete U-Stadtbahn sollte die Straßenbahn im Laufe der Jahre stillgelegt werden. Letztlich wurden jedoch nur zwei meterspurige Strecken durch je eine normalspurige Stadtbahn ersetzt, nämlich die 106 in Gelsenkirchen-Horst durch die U 11 sowie die 305 von Bochum-Querenburg nach Herne durch die U 35. Die anderen Tunnelbauten werden auf Dauer von den Straßenbahnlinien genutzt.

An den Endhaltestellen wird in der Regel in einem Stumpfgleis die Fahrtrichtung geändert; lediglich vor dem Wanne-Eickeler Hbf (Linie 306/316) existiert eine Wendeschleife.

Seit dem Jahr 2019 verkehren auf einem Streckennetz von 86,2 Kilometern Länge zehn Linien. Dabei verlaufen 11,7 Kilometer in Bochum und Gelsenkirchen im Tunnel. Zwei Straßenbahnlinien (306 und 318) werden am Wochenende und vor Feiertagen auch in den Nachtstunden im Stundentakt auf der Schiene bedient, dies entspricht mehr als der Hälfte des Bochumer Streckennetzes.

Geschichte 1894–1907 Der Bau der Straßenbahn in Bochum und Gelsenkirchen geht auf das Unternehmen Siemens & Halske AG zurück, das am 23. November 1894 die erste Straßenbahnstrecke von Bochum Kortländer nach Herne Bahnhof mit einer Länge von 6,9 Kilometern eröffnete. Am 3. November 1895 wurde die erste Strecke in Gelsenkirchen von der Stadtmitte nach Gelsenkirchen-Bismarck mit 3,4 Kilometern Länge eröffnet. Am 27. Dezember folgte die Linie von Schalke über Gelsenkirchen und Wattenscheid zur Zeche Holland mit einer Länge von 4,8 Kilometern. Damit war das Straßenbahnnetz in den Städten Bochum, Gelsenkirchen und Wattenscheid schon Ende 1895 15,1 Kilometer lang.

In den nächsten 10 Jahren wuchs das Netz rasch. Hinzu kamen folgende Streckenabschnitte: Eröffnungsdatum Strecke Betrieb 14. Februar 1896 Gelsenkirchen Zeche Holland – Zeche Centrum – Kreisgrenze Bochum BOGESTRA 26. Februar 1896 Schalke Markt – Schalke Bahnhof BOGESTRA 1. März 1896 Bochum-Kortländer – Bergisch-Märkischer Bahnhof BOGESTRA 5. April 1896 Bochum-Bongardstraße – Kanonenwerkstatt (des Bochumer Vereins) BOGESTRA 23. April 1896 Kanonenwerkstatt – Kreisgrenze Gelsenkirchen BOGESTRA 20. Oktober 1896 Gelsenkirchen Neumarkt – Bulmke – Hüllen – Bhf Wanne BOGESTRA 20. Oktober 1896 Bochum – Eickel – Wanne BOGESTRA 23. / 25. Oktober 1897 Gelsenkirchen Neumarkt – Rotthausen – Kray – Steele BOGESTRA 4. Juni 1898 Verlängerung Steele – Spillenburg (Zornige Ameise) BOGESTRA 22. Juni 1898 Bergisch-Märkischer Bahnhof – Weitmar BOGESTRA 3. August 1898 Bochum-Bongardstraße – Laer BOGESTRA 4. Januar 1899 Witten Markt – Bhf Witten Nord – Bhf Annen Nord – Bhf Annen Süd Märkische Straßenbahn 5. Januar 1899 Bommern Bhf – Witten Markt – Crengeldanz – Langendreer Markt – Bhf Langendreer Nord Märkische Straßenbahn 11. Januar 1899 Langendreer Markt – Bhf Langendreer Süd (heute Langendreer West) Märkische Straßenbahn 9. Mai 1899 Verlängerung Bommern Bhf – Bommern Denkmal Märkische Straßenbahn 12. August 1900 Bhf Langendreer Süd (heute Langendreer West) – Werne Amt – Werne Ewald – Lütgendortmund Markt Märkische Straßenbahn 6. September 1900 Verlängerung Bhf Langendreer Nord – Kranefeld (Merklinde) Märkische Straßenbahn 4. Oktober 1900 Steele – Königssteele (Bhf Steele Nord, heute Steele Ost)Nach Königssteele BOGESTRA 22. Februar 1901 Laer – Werne Amtshaus – Werne Berg BOGESTRA 24. Juni 1901 Bismarck – Buer – Horst BOGESTRA 21. August 1901 Weitmar – Dahlhausen BOGESTRA 25. August 1901 Kranefeld (Merklinde) – Castrop Märkische Straßenbahn 1. Oktober 1901 Gelsenkirchen Hauptbahnhof – Rotthausen BOGESTRA 21. Dezember 1901 Laer – Kaltehardt – Crengeldanz – Witten BOGESTRA 21. Dezember 1901 Laer – Ümmingen Märkische Straßenbahn 1. Oktober 1902 Linden – Hattingen BOGESTRA 16. Oktober 1902 Witten Markt – Bhf Witten West (heute Witten Hbf) Märkische Straßenbahn 11. Dezember 1902 Lütgendortmund Markt – Bhf Lütgendortmund Märkische Straßenbahn 29. Mai 1905 Verlängerung Spillenburg – Rellinghausen BOGESTRA 9. Juni 1905 Bhf Bochum Süd – Wiemelhausen – Zeche Carl Friedrich Erbstollen BOGESTRA

Somit hatte das Netz nach zehn Jahren eine Länge von rund 61 Kilometern. Aufgrund des raschen Aufbaues des Netzes, der wegen der Konkurrenz anderer Verkehrsbetriebe so forciert worden war, mussten schon bald zahlreiche Wagen verstärkt und das Netz saniert werden. Und obwohl die Fahrgastzahlen stiegen, konnte dieser Anstieg die Investitionen in das Streckennetz nicht kompensieren. So folgte rasch ein Stillstand bei der Netzerweiterung, und andere Verkehrsbetriebe bauten Strecken in Bochum und Gelsenkirchen. Da die Siemens & Halske AG das Interesse an den nicht oder nur wenig ertragreichen Linien verlor, trennten sich die Städte Bochum und Gelsenkirchen Ende 1907 von dem Unternehmen und übergaben die Betriebsführung der bereits 1895 gegründeten Bogestra. Die Siemens & Halske AG blieb für die nächsten 15 Jahre Lieferant der Fahrzeuge.

1908–1930 mini|Sprengwagen von 1914

Ab 1905 eröffneten zahlreiche andere Unternehmen Straßenbahnstrecken in Bochum und Gelsenkirchen: Datum Strecke Gesellschaft 16. Januar 1908 Baukau – Eickel – Günnigfeld – Wattenscheid – Höntrop Kommunale Straßenbahn-Gesellschaft Landkreis Gelsenkirchen 1. Mai 1908 Resse – Middelich Vestische KleinbahnLinie 13 auf gelsenkirchener-nahverkehr.de 21. Oktober 1908 Herne – Kolonie Constantin Straßenbahn der Stadt Herne 23. Dezember 1908 Bochum Kanalstraße (Schwanenmarkt) – Kirchharpen und Gerthe Kleinbahn Bochum-Gerthe-Harpen 20. Dezember 1909 Verlängerung Gerthe – Castrop Bochum-Castroper Straßenbahn 1. April 1909 Essen-Katernberg – Gelsenkirchen Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft 22. Dezember 1910 Verlängerung Kolonie Constantin – Gerthe Straßenbahn der Stadt Herne 20. Januar 1912 Verlängerung Kirchharpen – Harpen – Lütgendortmund Markt Bochum-Castroper Straßenbahn 28. November 1913 (behördliche Abnahme) Bhf Langendreer Nord – Werne Amtshaus Westfälische Straßenbahn 24. Juni 1914 Hattingen Bhf – Henrichshütte Tor Lohfeld – Blankenstein Hattinger Kreisbahn

Ab 1910 eröffnete auch die Bogestra weitere Strecken. Es folgten: Eröffnungsdatum Strecke Ende September 1910 Stadtstrecke Bochum: Kanalstraße (Schwanenmarkt) – Rathaus – Bhf Bochum Süd 3. Oktober 1911 Gelsenkirchen Hans-Böckler-Straße – Gelsenkirchen-Heßler 15. Dezember 1912 Ehrenfeld – Bhf Bochum Süd – Bochum-Grumme 1913 Gelsenkirchen Zeppelinallee – Trabrennbahn – Kreisgrenze KaternbergFlugplatzlinie auf gelsenkirchener-nahverkehr.de 25. Juli 1913 Bochum Kanonenwerkstatt – Eppendorf – Grenze Oberdahlhausen 4. August 1913 Grenze Oberdahlhausen – Oberdahlhausen 6. Dezember 1913 Gelsenkirchen-Heßler – Horst (Anschluss Recklinghauser Straßenbahn) 21. Dezember 1913 Stadtstrecke Bochum („Hellweglinie“) Bhf Bochum Nord – Bhf Bochum Süd 16. Mai 1914 Gelsenkirchen-Hauptbahnhof – Zeche Alma – Grenze GünnigfeldNach Günnigfeld auf gelsenkirchener-nahverkehr.de, abgerufen am 16. Februar 2022 1914 Gelsenkirchen Trabrennbahn – Grenze Essen

Der Erste Weltkrieg verhinderte den weiteren Ausbau des Netzes. Aufgrund der wirtschaftlich schlechten Lage beteiligte sich die Straßenbahn auch in Bochum und Gelsenkirchen am Güterverkehr. 1920 kam es zeitweise zur Einstellung des Betriebes. Erst nachdem die Fahrgastzahlen, die zuvor stets gesunken waren, im Jahr 1924 wieder zu steigen begannen, wurde die Erweiterung des Netzes fortgesetzt. Eröffnungsdatum Strecke Betrieb 15. Dezember 1915 Veränderte Streckenführung in Witten: Neubaustrecke zwischen Pferdebachstraße / Ardeysstraße und Annenstraße Westfälische Straßenbahn 1921 kurze Verbindung Bochum Hellwegstraße – Südhellweg – Wiemelhauser Straße BOGESTRA 23. Dezember 1921 Wanne-Eickel Hbf – Holsterhausen Dorstener Straße Westfälische Straßenbahn 16. September 1924 Höntrop – Günnigfeld – Ulrichstraße BOGESTRA 1924 Verlängerung Grumme – Zeche Constantin BOGESTRA 11. Oktober 1925 Wattenscheid – Leithe Westfälische Straßenbahn 1. November 1926 südliche Verlängerung Ehrenfeld – Wohlfahrtstraße BOGESTRA 18. Dezember 1926 Zeche Carl Friedrich Erbstollen – Stiepel Blick / Henrichshütte Tor Lohfeld Hattinger Kreisbahn 15. November 1928 ? Gerthe, Richtungsverkehr auf dem Castroper Hellweg zwischen Schürbankstraße und Lothringer Straße Westfälische Straßenbahn 1. Oktober 1929 Witten – Heven – Herbede (östliches Ruhrufer) Westfälische Straßenbahn 1. Dezember 1929 Herne – Hiltrop Westfälische Straßenbahn 17. Dezember 1929 Verlängerung Höntrop – Höntrop Bhf Westfälische Straßenbahn Herbst 1934 Verlängerung Herbede: östliches Ruhrufer – Ruhrbrücke – Herbede BOGESTRA

In den Jahren 1925/1926 wurde der Betriebshof in Gelsenkirchen erweitert und am 3. April 1928 eröffnete an der heutigen Universitätsstraße in Bochum der bis dahin größte Betriebshof Westdeutschlands mit einem Fassungsvermögen von 200 Wagen.

1931–1939 mini|Ehemaliger Sitz der Westfälischen Straßenbahn in Gerthe-Hiltrop, zuletzt HauptwerkstattHauptwerkstatt Gerthe auf tramtracks.de, abgerufen am 13. Juni 2022 mini|Liniennetz im August 1939 Am 12. August 1931 übernahm die Bogestra die Linien der zahlungsunfähig gewordenen Westfälischen Straßenbahn. Damit gingen 79 km Strecke sowie 76 Trieb- und 19 Beiwagen an die Bogestra über. Am 15. September 1933 wurde auch der Straßenbahnbetrieb der Hattinger Kreisbahn von der BOGESTRA übernommen.

Zu Beginn des Jahres 1938 umfasste des Straßenbahnnetz, nachdem schon einige Linien auf den Omnibusverkehr umgestellt wurden, Strecken mit 195 km Länge, sowie 266 Triebwagen und 131 Beiwagen. 1939 gingen die Strecken von Horst-Mitte nach Horst-Süd und von Schalke nach Buer von der Vestischen Kleinbahn an die Bogestra über.

1940–1951 mini|Liniennetz im Mai 1949

Auch im Zweiten Weltkrieg wurde von der Straßenbahn Güterverkehr ausgeführt. Hinzu kamen Postfahrten. Ein eigens im Jahr 1942 gebautes Betriebsgleis in Wattenscheid diente wahrscheinlich nur dem Postverkehr. 1943 begannen die Bombenangriffe auf Bochum und Gelsenkirchen. Dies führte auch zu Zerstörungen im Gleisnetz und im Fuhrpark. Trotz der Schäden gelang es, den Betrieb auf zahlreichen Strecken aufrechtzuerhalten, so dass selbst 1944 noch 24 Linien in Eigenregie und zwei Linien zusammen mit der Vestischen Kleinbahn betrieben werden konnten. Am 4. und 6. November 1944 wurden beide Städte Ziel von massiven Bombenangriffen, denen etwa 2/3 der Gleisanlagen und die Hälfte des Fuhrparks zu Opfer fielen. Bis zum Einmarsch der alliierten Truppen am 10. April 1945 konnte nur noch ein provisorischer Betrieb aufrechterhalten werden, der aber dann vorerst eingestellt wurde.

Am 24. Mai 1945 konnte durch den Einsatz des Personals auf rund 55 km Strecke der Betrieb wiederaufgenommen werden. In der Folgezeit wurden weitere Strecken instand gesetzt und wieder eröffnet, im Mai 1946 von Hattingen nach Blankenstein, Mai 1947 von Bochum nach Wanne-Eickel, im August 1948 von Bochum nach Ehrenfeld und 1950 bis nach Grumme. Ende des Jahres 1950 waren insgesamt wieder 27 Linien in Betrieb und der Wiederaufbau konnte als abgeschlossen angesehen werden. Hierbei fuhr die Linie 8 von Recklinghausen bis nach Blankenstein und war mit 31,4 km Länge die längste durchgehende Verbindung im Ruhrgebiet.

1951–1969 mini|Inzwischen verschwundene ÜberresteWitten: Hauptbahnhof auf tramtracks.de, abgerufen am 14. Juni 2022. der Wendeschleife der Linie 320 vor dem Hauptbahnhof in Witten