mini|Unterseite eines Blattes von Caladium mit zahlreichen Partula-Schnecken, Saipan, Juli 1920 Partula ist der Name einer Gattung von Schnecken in der Familie Partulidae, nachtaktiver, lebendgebärender Baumschnecken, die in Polynesien verbreitet sind. Durch die Zerstörung des Lebensraums und Einschleppung invasiver Tierarten sind die meisten der etwa 75 bekannten Arten ausgestorben.
Merkmale Die bei ausgewachsenen Schnecken meist nicht über 2 cm langen Gehäuse sind rechts oder links gewunden, in der Regel spitz eiförmig und haben ein kegelförmiges Gewinde. Der bauchige Körperumgang ist höher als das Gewinde. Die Gehäusemündung ist kurz und mit Zähnchen oder Wellen verstärkt. Die Schnecken sind wie andere Lungenschnecken Zwitter, die sich mit ihren Penissen gegenseitig begatten. Die Jungschnecken werden lebend geboren.André E. de Férussac: Tableaux systématiques des animaux mollusques classés en familles naturelles: suivis d'un prodrome général pour tous les mollusques terrestres ou fluviatiles. Bertrand, Paris 1822, S. 65. genre cinquième. Partule, Partula. Die Schnecken leben von abgestorbenem Pflanzenmaterial und mikroskopischem Pflanzenbewuchs der Bäume, auf denen sie leben.World Association if Zoos and Aquariums WAZA: Pacific Tree Snails (Partula spp.)
Verbreitung Die Schnecken leben auf Bäumen in den Wäldern der Inseln des Pazifiks von den Gesellschaftsinseln bis Palau. Daher rührt auch der Trivialname „Polynesische Baumschnecken“, mit dem aber auch auf andere Schnecken wie z. B. die Gattung Achatinella auf Hawaii bezeichnet werden.Searching for "Partula". In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.3. Die auf Tahiti untersuchten Partula-Arten wurden insbesondere auf Unterseiten der Blätter von Caladium und Bananenstauden gefunden, daneben auch an Drachenbäumen und Kurkuma.
Gefährdung Die Zerstörung der Wälder und die Einschleppung afrikanischer Großer Achatschnecken (Achatina fulica), welche die heimischen Schneckenarten durch Nahrungskonkurrenz erfolgreich verdrängten, werden im Zusammenhang mit dem Rückgang und Aussterben der Partula-Arten gesehen. Zur Bekämpfung der Achatschnecken wurden im Jahre 1974 räuberische Rosige Wolfsschnecken (Euglandina rosea) ausgesetzt, die jedoch an Stelle von Achatschnecken die einheimischen Arten fraßen. Die Wolfsschnecke, die sich von Tahiti auf zahlreiche Inseln ausbreitete, ist als Hauptursache für die Vernichtung der Partula-Schnecken erkannt worden. Auf anderen Inseln, so auf Guam, wird die aus Neuguinea eingeschleppte Landplanarie Platydemus manokwari als wichtigste Ursache für das Verschwinden von Partula-Arten und anderer heimischer Schnecken vermutet.Platydemus manokwari (flatworm): General Impact. Global Invasive Species Database. Abgerufen am 12. Oktober 2015. Inzwischen betreibt Zoological Society of London ein Programm zum Erhalt der verbliebenen Partula-Arten in Gefangenschaft im Vereinigten Königreich, Frankreich und den USA (Partula Programme Consortium).
2025 sind laut der Roten Liste der IUCN von 73 Partula-Arten nur noch 32 Arten wild lebend und davon 18 „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered) (davon 7 Arten möglicherweise schon ausgestorben), 8 Arten sind „gefährdet“ (endangered), der Gefährdungsstatus von 2 Arten ist „vulnerabel“ (vulnerable) und nur 4 Arten sind „nicht gefährdet“ (least concern). 9 Arten sind „in freier Wildbahn ausgestorben“ (extinct in the wild) und 32 Arten sind „ausgestorben“ (extinct).IUCN (2025). IUCN Red List of Threatened Species. Version 2025-2
Bedeutung für den Menschen mini|Kette aus Schneckenhäusern von Partula-Arten Die Schneckenhäuser dienten einst den Polynesiern als zeremonieller Schmuck. So wurden die Zoologen Henry Crampton und Yoshio Kondo auf die Schnecken aufmerksam und untersuchten diese über einen Zeitraum von 50 Jahren. Auf Grund der zahlreichen Daten über die morphologische Vielfalt, ökologische Nischen und Verhalten konnten sie ein klassisches Beispiel für adaptive Radiation beschreiben.Younghun Jung, Lee Taehwan, John B. Burch, Diarmaid Ó Foighil: Historical phylogeny of Tahitian Partula. Proc. Joint Conference – American Malacological Society and Western Society of Malacologists 2005.
Systematik Zur Gattung Partula gehören folgende Arten: mini|Partula clara mini|Partula gibba mini|Partula langfordi mini|Partula suturalis mini|Partula taeniata mini|Schneckenhaus einer Partula cramptoni Partula affinis – vom Aussterben bedroht Partula arguta – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Partula assimilis – vom Aussterben bedroht Partula atilis – ausgestorben Partula auraniana – gefährdet Partula aurantia – ausgestorben Partula auriculata – ausgestorben Partula bilineata – ausgestorben Partula clara – vom Aussterben bedroht Partula clarkei – ausgestorben Partula compressa – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Partula cootei – ausgestorben Partula cramptoni – vom Aussterben bedroht Partula crassilabris – ausgestorben Partula cuneata – ausgestorben Partula cytherea – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Partula dentifera – ausgestorben Partula diminuta – ausgestorben Partula dolichostoma – ausgestorben Partula dolorosa – ausgestorben Partula emersoni – vom Aussterben bedroht Partula eremita – ausgestorben Partula faba – ausgestorben Partula flexuosa – nicht gefährdet Partula garrettii – in freier Wildbahn ausgestorben Partula gibba – stark gefährdet Partula grisea – nicht gefährdet Partula guamensis – ausgestorben Partula hebe – in freier Wildbahn ausgestorben Partula hyalina – gefährdet Partula incrassa – vom Aussterben bedroht Partula jackieburchi – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Partula labrusca – ausgestorben Partula laevigata – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Partula lanceolata – gefährdet Partula langfordi – ausgestorben Partula leefei – vom Aussterben bedroht Partula leptochila – ausgestorben Partula levistriata – ausgestorben Partula lirata – gefährdet Partula lugubris – ausgestorben Partula lutea – ausgestorben Partula magistri – ausgestorben Partula meyeri – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Partula micans – nicht gefährdet Partula mirabilis – in freier Wildbahn ausgestorben Partula mooreana – in freier Wildbahn ausgestorben Partula navigatoria – in freier Wildbahn ausgestorben Partula nodosa – in freier Wildbahn ausgestorben Partula obesa – vom Aussterben bedroht Partula otaheitana – gefährdet Partula pacifica – gefährdet Partula pearcekellyi – ausgestorben Partula planilabrum – ausgestorben Partula producta – ausgestorben Partula protracta – ausgestorben Partula pyramis – gefährdet Partula radiolata – gefährdet Partula radiosa – gefährdet Partula remota – ausgestorben Partula rosea – in freier Wildbahn ausgestorben Partula rufa – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Partula sagitta – ausgestorben Partula salifana – ausgestorben Partula similaris – nicht gefährdet Partula suturalis – in freier Wildbahn ausgestorben Partula taeniata – vom Aussterben bedroht Partula tohiveana – vom Aussterben bedroht Partula tristis – ausgestorben Partula turgida – ausgestorben Partula umbilicata – ausgestorben Partula vanikorensis – vom Aussterben bedroht Partula varia – in freier Wildbahn ausgestorben Die ehemals anerkannten Arten Partula approximata, Partula castanea, Partula fusca, Partula levilineata, Partula protea, Partula variabilis und Partula vittata sind laut IUCN allesamt Synonyme der in der Wildnis ausgestorbenen Art Partula navigatoria.
Literatur George W. Tryon und Henry A. Pilsbry: Manual of Conchology. Structural and Systematic. Band XX. Caecilioides, Glessula und Partulidae. Conchological Department, Philadelphia, 1909–1910. Partula FER. S. 155–320. Alfred Goldsborough Mayor (1902): Some species of Partula from Tahiti. A study in variation. Memoirs of the Museum of Comparative Zoology XXVI (2), Cambridge, USA. Henry E. Crampton (1916): Studies on the variation, distribution and evolution of the genus Partula. The species inhabiting Tahiti. Carnegie Institution of Washington, 228, S. 1–311. Henry E. Crampton (1925): Studies on the variation, distribution and evolution of the genus Partula. The species of the Mariana Islands, Guam and Saipan. Carnegie Institution of Washington, 228a, S. 1–116. Henry E. Crampton (1932): Studies on the variation, distribution and evolution of the genus Partula. The species inhabiting Moorea. Carnegie Institution of Washington, 410, S. 1–335.
Weblinks
weichtiere.at: Polynesische Baumschnecken (Partula) Barry D. Smith, Ramsay Cooper-Nurse, Ann Marie Gawel: Survey of the endangered tree snails on navy-owned land in Guam (PDF; 1,3 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Partulidae (Familie) Kategorie:Partulidae