mini|Kirche St. Johannes mini|Blick durch den InnenraumSt. Johannes ist eine katholische Kirche mit Pfarrzentrum und Pfarrbücherei im Stadtteil Steinrausch der saarländischen Kreisstadt Saarlouis.

Die Kirche trägt das Patrozinium Johannes des Täufers.

Ursprünglich bildete das Pfarrzentrum eine Pfarrei mit Christkönig in Roden. Im Jahr 2011 wurde die Pfarrei Teil der Pfarreiengemeinschaft "rechts-der-Saar", aus der am 1. Januar 2023 die Pfarrei Heilige Familie hervorging. Sie umfasst außerdem die Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit (Fraulautern) sowie St. Apollonia (Fraulautern), St. Josef (Fraulautern-Kreuzberg), Maria Himmelfahrt (Roden) und Christkönig (Roden).

Geschichte Der 1962 begonnene Aufbau des Saarlouiser Steinrausches hatte zur Folge, dass aufgrund der wachsenden Bevölkerung nach der 1972 beschlossenen Ernennung zu einem eigenen Stadtteil im Jahre 1982 mit dem Bau einer modern gestalteten Kirche namens Sankt Johannes begonnen wurde. Zuvor bestand ab 1973 eine Notkirche auf dem benachbarten Grundstück. Die Notkirche wurde nach Zustimmung des Bischöflichen Generalvikariats vom 6. April 1973 von der Pfarrgemeinde Christkönig in Roden erworben. Dabei handelte es sich um eine ehemalige Kantine der Grube Ensdorf, die anschließend als Notkirche hergerichtet wurde. Anfang 1980 konnte sich der Architekt Joseph Schmitz aus Traben-Trarbach beim Architektenwettbewerb gegen 57 weitere Entwürfe durchsetzen und wurde mit der Planung beauftragt. Bereits am 26. April 1982 begannen die Bauarbeiten am neuen Pfarrzentrum. Die Vergabe der Rohbauarbeiten erhielt die Bauunternehmung Schäfer aus Dillingen/Saar. Zum 28. April 1980 wurden die bisher zu Hl. Dreifaltigkeit und Maria Himmelfahrt zugehörigen Bezirke des Steinrausches zur Gemeinde Christkönig umgepfarrt. Das Baugrundstück wurde der Kirchengemeinde von der Stadt Saarlouis überlassen. Am 3. Juli 1982 wurde der Grundstein gelegt. Die erste Heilige Messe fand an Ostern 1984 im fast fertigen Kirchengebäude statt. Am 23. Juni 1984, dem Vorabend des Johannistags, wurde die neue Kirche von Bischof Hermann Josef Spital konsekriert. Die Katholische öffentliche Bücherei Steinrausch wurde bereits im November 1974 gegründet und bezog zum 24. Juni 1984 die neuen Räumlichkeiten im Pfarrzentrum. Am 11. Januar 1977 gründete sich die Katholische Frauengemeinschaft Steinrausch (kfd).

In der ca. 20 Meter hohen Kirche mit ebenfalls gleich großem Kirchturm wurde der Altarraum von Heinz Oliberius gestaltet. Dieser moderne Kirchenbau setzt die Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils um. Die Kirche besitzt ein hauptsächlich aus Holz bestehendes Inneres, sowie eine elektronische Kirchenorgel. Da im Stadtteil selbst kein Friedhof existiert, werden dort gefeierte Beerdigungen hauptsächlich auf dem benachbarten Kreuzberg beigesetzt.

Gebäude Die Kirche besteht aus dem eigentlichen Gotteshaus, einer Pfarrbücherei sowie einem Pfarrzentrum. Das Gotteshaus befindet sich in der Kurt-Schumacher-Allee, in der Nähe des Ortskernes. Parkplätze sind vor und zwischen Kirchengebäude und Kirchturm reichlich vorhanden. Ausschließlich der 20 Meter hohe, in Richtung des Pfarrzentrums offene Kirchturm befindet sich ungefähr 15 Meter neben dem Gebäude. Auffallend ist das 5 Meter hohe Holzkreuz, welches sich vor dem Kirchturm in einer Art Verschachtelung aus Beton befindet. Bis Ende der 80er Jahre hatte die kath. Gemeinde lediglich eine Notkirche (Barackenbau aus Holz) mit einer Leihbücherei zur Verfügung. Diese wurde abgerissen, nachdem in unmittelbarer Nähe das Pfarrzentrum errichtet wurde. Durch das auffallend schiefe Dach ist die Architektur der Kirche eine Besonderheit des Steinrausches.

In der Planungsbeschreibung beschreibt der Architekt Joseph Schmitz das neue Gemeindezentrum:

"Das Ensemble der Freiräume baut sich wie folgt auf: zentraler Versammlungsplatz als planerisch zentraler Bezug, trichterförmige Raumentwicklung von der Kurt-Schumacher-Allee mit signifikanter Akzentuierung durch Kirche und Glockenturm, nestförmige Umschließung des zentralen Freiraumes >>Gemeindeplatz<< durch Bauteile und Außenanlagen."

Dabei sollen die tief herabgezogenen Dächer unter anderem durch verklammernde Stütz- und Umfassungsmauern einen Übergang zur Umgebung finden. Während das Foyer als Zentrum der Anlage dient, sind Funktionsflächen und Gruppenräume landschafts- und himmelsrichtungsbegünstigt ausgerichtet. Ihre Ausrichtung orientiert sich an den umliegenden Fußwegen, die das Pfarrzentrum mit der Wohnsiedlung verbinden. Eine starke Begrünung der Parkplätze wurde im Sinne des Immissionsschutzes vom Architekten besonders berücksichtigt. Mehrere Wände des Pfarrzentrums können vollständig vorübergehend entfernt werden, was eine Erweiterung der Kirche je nach Bedarf ermöglicht. Ebenso bieten die Abtrennungen von Gemeindesaal und Jugendbereich verschiedene Variations- und Kombinationsmöglichkeiten.

In der Kirche selbst sind die Sitzplätze im Halbkreis um den Altarbereich angeordnet. Der danebenliegende Pfarrsaal kann bei stark besuchten Festgottesdiensten mit einbezogen werden. Das Pfarrzentrum außerdem über eine Küche, Stuhllager, Requisitenraum und Bühnenbereich.

In seiner Architektur lässt sich das Pfarrzentrum als ein monolithischer Mauerwerksbau mit Stahl- und Betonaussteifung beschreiben. Die Dachkonstruktion besteht aus Leim- und Vollholzbindern. Die Dacheindeckung ist als Titan-Zink-Stehfalzkonstruktion ausgeführt. Für den Bodenbelag nutze man durchgehend gespaltetes italienisches Porphyr in unterschiedlicher Oberflächenbehandlung. Das Mauerwerk trägt innen und außen einheitlichen mineralischen Putz aus weißen Quarzbruch. Dagegen wirken verschiedene Naturholzelemente in der Konstruktion.

Die Kirche verfügt über 300 Sitzplätze sowie Sakristei und Abstellraum. Im Vortragssaal des Pfarrheimes finden sich weitere Sitzplätze für etwa 100 bis 120 Personen. Dieser ist in zwei Räume unterteilt, von denen einer als Altenbegegnungsstätte geplant war. Außerdem bestehen 3 Gruppenräume sowie Küche, Lagerraum und Toilettenanlage. Gruppenräume sowie Saalbereich und Kirche können als Ganzes genutzt werden, haben jedoch jeweils einen eigenen Zugang. Dies entsprach dem Wunsch der Pfarrgemeinde, die Gemeindebildung auch architektonisch besonders zu fördern.

Die Gesamtkosten für den Bau betrugen 3.500.000,- DM. Davon wurden 371.000,- DM aus Eigenmitteln erbracht, während die Zahl der Zuschüsse insgesamt 2.365.000,- DM betrug. Saartoto bezuschusste das Projekt mit 672.000,- DM. Weitere 100.000,- DM wurden der Pfarrei als Darlehen zur Verfügung gestellt. In den Gesamtkosten war nicht die komplette Inneneinrichtung des Pfarrzentrums und der Außenanlagen enthalten.

Beim Bau wurden verwendet:

460 m³ Mauerwerk 1820 m³ Beton und Stahlbeton 41 t Stahl 3210 m² Schalung 1800 m² Zinkdach 2000 m² Innenputz 1500 m² Außenputz 850 m² Bodenbelag 340 m² Fensterkonstruktion 985 m² Nutzfläche

Glocken Der Kirchturm wurde im Entwurf des Architekten ursprünglich als Träger zweier Kirchenglocken geplant. Dennoch verfügt St. Johannes über kein Geläut. Pläne des ehemaligen Pfarrers Martin Münster, die Glocken der profanierten Christkönigskirche auf den Steinrausch zu transportieren, wurden bislang nicht umgesetzt. Somit entfällt das Glockenläuten zu den Gottesdiensten vollständig. Der Turm verfügt außerdem über keine Turmuhr und ist ungenutzt.

Orgel mini|Spieltisch mit zwei Manualen und Pedal mini|Die elektronische Kirchenorgel stammt aus dem Jahr 2001 und verfügt über 47 Register Die Orgel der Kirche stammt aus dem Jahr 2001 und wurde von der niederländischen Firma Johannus Orgelbouw gebaut. Im Gegensatz zu den meisten anderen Instrumenten im Umkreis ist die Kirchenorgel voll elektronisch, verfügt also über keinerlei Pfeifen. Sie hat insgesamt 47 Register, die durch 20 bit Sampling-Technik und eine Verstärkeranlage von 770 Watt erklingen. Gespielt wird die Orgel über zwei Manuale und Pedal. Neben einigen elektronischen Extras ist im Instrument eine Setzeranlage integriert, mit deren Hilfe es möglich ist, verschiedene Registerkombinationen abzuspeichern und später per Knopfdruck abzurufen. Diese Spielhilfe erlaubt ein Spielen ohne eine zwangsläufige Unterbrechung durch die Auswahl neuer Register. Die Lautstärke der Orgel ist jeweils für jedes Werk einzeln, sowie für das gesamte Instrument zu regeln. Somit hat die Anzahl der ausgewählten Register nicht zwangsläufig eine Auswirkung auf die Lautstärke wie bei gewöhnlichen Pfeifenorgeln.

Disposition I Manual C–c4 1. Bordun 16' 2. Prinzipal 8' 3. Diapason 8' 4. Hohlflöte 8' 5. Flöte coelestis 8' 6. Gamba 8' 7. Oktave 4' 8. Offenflöte 4' 9. Quinte 2 2/3' 10. Oktave 2' 11. Blockflöte 2' 12. Kornett IV 13. Mixtur VII 14. Trompete 16' 15. Trompete 8' 16. Vox humana 8'Tremulant II Manual C–c4 17. Quintatön 16' 18. Prinzipal 8' 19. Rohrflöte 8' 20. Viola di Gamba 8' 21. Vox coelestis 8' 22. Oktave 4' 23. Koppelflöte 4' 24. Salizional 4' 25. Quintflöte 2 2/3' 26. Oktave 2' 27. Waldflöte 2' 28. Nasat 1 1/3' 29. Oktave 1' 30. Sesquialtera II 31. Scharff III 32. Fagott 16' 33. Festival Trompete 8' 34. Dulcian 8' 35. Oboe 8'Tremulant Pedal C–f1 36. Subbass 32' 37. Prinzipal 16' 38. Subbass 16' 39. Oktavbass 8' 40. Gedeckt 8' 41. Choralbass 4' 42. Bassflöte 4' 43. Rauschpfeife IV 44. Bombarde 32' 45. Posaune 16' 46. Trompete 8' 47. Klarine 4'Tremulant Bereits in den 1990er Jahren gründete sich die Chorgemeinschaft St. Johannes Steinrausch, die als Kirchenchor die Gottesdienste musikalisch mitgestaltete. Im Jahr 2016 ging daraus der Projektchor St. Johannes Steinrausch als Nachfolger hervor.

Pfarrer 1973–1984: Ferdinand Christ (1937–2011) 1998–2010: Martin Münster 2010–2024: Hans-Kurt Trapp seit 2024: Hans-Georg Müller (Pfarrverwalter)

Sonstiges Die Kirche wurde im April 2013 durch einen sich in der derzeit geschlossenen Pfarrkirche Christkönig (Roden) ehemals befindenden Kreuzweg, Altarkreuz sowie ein Taufbecken erweitert.

Weblinks

Website der Kirche St. Johannes Website der gesamten Pfarreiengemeinschaft Bericht der Saarbrücker Zeitung über den Brand am 14. April 2012

Einzelnachweise

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