Der Hamburger Hauptbahnhof ist einer der wichtigsten Eisenbahnknoten Deutschlands. Mit mehr als 550.000 Fahrgästen pro Tag (darunter 270.000 der S-Bahn) im Jahr 2022 bzw. lt. Anfrage an die Bundesregierung 345.000 Reisenden im Jahr 2024 (Vergleichszahl 2015: 420.000) ist er der meistfrequentierte Fernbahnhof der Deutschen Bahn sowie nach dem Bahnhof Paris-Nord der meistfrequentierte Bahnhof Europas.Drehscheibe des Nordens in: Eisenbahn Journal Special 2019, S. 19. Dem Zentralgebäude und den offenen Gleisanlagen sind im benachbarten Untergrund die U-Bahnhöfe Hauptbahnhof Nord und Hauptbahnhof Süd der Hamburger Hochbahn und ein Richtungsbahnsteig der S-Bahn Hamburg angegliedert. Die regionalen Bahnlinien sind in den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) integriert.

Die Station gehört zu den 21 Bahnhöfen der höchsten Preisklasse 1 von DB InfraGO. Gemessen an den täglichen Verkehrszahlen im Personenfern- und Regionalverkehr auf zwölf Bahnsteiggleisen ist er nach Angabe des ehemaligen Bahnchefs Rüdiger Grube der größte „Flaschenhals“ im Netz der Deutschen Bahn. Seit 2010 gilt der Bahnhof als überlasteter Schienenweg. (PDF; 837 KiB) Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Gastel, Stephan Kühn (Dresden), Tabea Rößner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 18/6149 – Überlastete Schienenwege in Deutschland

Der Durchgangsbahnhof wurde ab 1904 als Ersatz für die früheren verstreut liegenden Kopfbahnhöfe verschiedener Bahngesellschaften erbaut und am 6. Dezember 1906 in Betrieb genommen.

Lage mini|links|Luftbild des Hamburger Hauptbahnhofs von Nordwesten (2020)

Der Hamburger Hauptbahnhof liegt am östlichen Rand der Hamburger Altstadt und befindet sich etwa 800 Meter nordöstlich vom Hamburger Rathaus, die kürzeste Entfernung zur Elbe bzw. den Anlagen des Hamburger Hafens ist 600 Meter, zur Binnen- und zur Außenalster sind es etwa 450 Meter. Er wurde auf dem Gelände des einstigen Hamburger Stadtwalles sowie der alten Steintorfriedhöfe erbaut, die in Tieflage errichteten Gleisanlagen folgen etwa dem Verlauf des alten Wallgrabens zwischen Hamburg und der östlich davon gelegenen ehemaligen Vorstadt St. Georg. Der Verlauf der heutigen Stadtteilgrenzen um den Bahnhof ordnet diesen gänzlich dem Stadtteil St. Georg zu. Die postalische Anschrift ist Hachmannplatz 16.

Die Ausgänge auf der Ostseite führen weiter in diesen Stadtteil mit dem dort gelegenen Hachmannplatz/Heidi-Kabel-Platz mit dem Ohnsorg-Theater im Bieberhaus und dem Deutschen Schauspielhaus an der Kirchenallee, dem Richtung Steintorplatz gelegenen Museum für Kunst und Gewerbe und dem Zentralen Omnibusbahnhof Hamburg (ZOB). Die Ausgänge auf der Westseite führen jenseits des Straßenzuges Glockengießer-/Steintorwall direkt in den Stadtteil Hamburg-Altstadt mit den Einkaufsstraßen Mönckebergstraße, der Fußgängerzone Spitalerstraße sowie der Hamburger Kunsthalle, dicht an den nordwärts führenden Schienensträngen.

Im Fernstreckennetz ist der Hamburger Hauptbahnhof Knotenpunkt für die Verbindungen nach Norden (Nordfriesland, Dithmarschen, Kiel, Dänemark), nach Nordosten (Lübeck, Schwerin, Rostock), Osten (Berlin, Prag) und Süden/Südwesten (Hannover, Bremen, Süddeutschland).

Geschichte

Vorgeschichte und Vorgängerbahnhöfe

mini|Lage der ehemaligen Hamburger Bahnhöfe mit neuer Gleisführung ab 1906

Vor dem Bau des Hauptbahnhofes endeten die in Hamburg ankommenden Eisenbahnstrecken in jeweils eigenen Kopfbahnhöfen, die sich etwa 200 bis 600 Meter voneinander entfernt am südöstlichen Rand des ehemaligen Stadtwalls verteilten. Dies waren der 1846 errichtete Berliner Bahnhof der Berlin-Hamburger Bahn, der 1865 errichtete Lübecker Bahnhof der Lübeck-Büchener Eisenbahn, der 1866 erbaute Bahnhof Klosterthor der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn und der 1872 errichtete „Venloer Bahnhof“, der 1892 in Hannoverscher Bahnhof umbenannt wurde.

Der Berliner Bahnhof befand sich am Oberhafen, anstelle des ersten Bahnhofs für die Bahnstrecke nach Bergedorf von Mai 1842, die in die Strecke nach Berlin einbezogen wurde. An dieser Stelle befinden sich heute die Deichtorhallen, das ehemalige Gleisvorfeld zwischen Banksstraße und Högerdamm ist noch erhalten und wird heute als Abstellanlage genutzt.

Der Lübecker Bahnhof lag etwas weiter südlich an der Spaldingstraße errichtet, wo heute der S-Bahn-Viadukt in Richtung Harburg herausgeführt wird. Der Bahnhof Klosterthor befand sich südlich der heutigen Altmannbrücke.

Die von 1872 bis 1900 in den Hannoverschen Bahnhof mündendeBahnstrecke Hannover–Hamburg der Hannöverschen Staatsbahn endete zunächst in der bis 1866 zum Königreich Hannover gehörenden Stadt Harburg. Die Querung von Süd- und Norderelbe mit zwei aufwendigen Elbbrücken von Harburg zum Hamburger Grasbrook führte die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft erst 1872 als Teil der Hamburg-Venloer Bahn durch. Der Bahnhof diente so als Endpunkt der Strecke nach Hannover und, als Teil der Venloer Bahn, nach Wanne-Eickel Richtung Ruhrgebiet und Rheinland. Da letztere der nördlichste Abschnitt des aus Frankreich initiierten Projektes einer Bahnstrecke Paris–Hamburg war, wurde der Endpunkt der Venloer bzw. Hannoverschen Bahn auch Pariser Bahnhof genannt.

Bau eines zentralen Durchgangsbahnhof zur Jahrhundertwende

Nachdem im Jahr 1899 die Verträge zur Schaffung eines Zentralbahnhofes in Hamburg ratifiziert worden waren, entstand bis 1906 nördlich des Bahnhofs Klosterthor mit Einbezug der Strecke der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn der neue zentrale Hamburger Hauptbahnhof, der die Einzelbahnhöfe ersetzte. Die Bauausführung oblag der Preußischen Eisenbahnverwaltung. Symbolisch dafür sind zwei Steinreliefs mit dem Landeswappen Hamburgs und dem Wappen Preußens in der Mitte der Nordfassade der Bahnhofshalle.

Die Strecken der Kopfbahnhöfe wurden in den neuen Durchgangsbahnhof eingefädelt. So wurde sowohl ab dem Lübecker Bahnhof als auch ab dem Hannoverschen Bahnhof eine mehrgleisige Verbindungsstrecke gebaut. Der Lübecker Güterbahnhof wurde aufgegeben und dessen Gleisanschlüsse zum Güterbahnhof Rothenburgsort umgeleitet, diese Gleisverbindung wurde später zum ersten Teilstück der Güterumgehungsbahn Hamburg.

Nach dem Bau des zentralen Hauptbahnhofs wurde das Gelände des Hannoverschen Bahnhofs aufgrund seiner Hafennähe zum ersten Hauptgüterbahnhof der Hansestadt und während der NS-Zeit zum zentralen Deportationsbahnhof der Hamburger Juden.

Die Gleisanlagen des Klosterthorbahnhofs wurden später zum Bahnpostamt Hühnerposten, in dem sich heute die Zentralbibliothek der Hamburger Bücherhallen befindet.Historisches Foto vom Bahnhof Klostertor mit der neuen Halle des Hauptbahnhofs im Hintergrund (um 1906) Vom Bahnhof Klosterthor wurde später ein Gleis vor das Portal des Berliner Bahnhofs gebaut und vom etwa 600 m entfernten Lübecker Bahnhof ein Güterverkehrs-Gleis dorthin herangeführt.

Seit 1940/41 befindet sich auf der Ostseite unter dem Hachmannplatz eine zweigeschossige Bunkeranlage für 950 Personen, deren Kapazität in den 1960er Jahren auf etwa 1700 Plätze erweitert wurde. Auf der Westseite wurde zwischen 1941 und 1944 ebenfalls eine, hier dreigeschossige Bunkeranlage als Reichsbahnbunker unter dem Steintorwall für 2460 Personen errichtet (erweitert bis 1970 auf 2702 Plätze). Aus dem Südstegtunnel konnten die Reisenden diesen Bunker direkt erreichen.

2009 wurden im Hauptbahnhof wassersparende 3,5-Liter-Toiletten eingeführt. 2012 wurde im Keller ein Pilotprojekt gestartet, in dem die Exkremente getrennt und bearbeitet werden. Dabei wird der Kot mit Holzkohle und Mikroorganismen vermischt und zu Terra preta umgewandelt. Der Urin wird mit Mikroorganismen versetzt, die organische Bestandteile zersetzen. Das Abwasser wird danach durch einen Nanofilter geleitet. Auch Medikamente können ausgefiltert werden.

Ausblick Seit den 2000er Jahren gibt es immer wieder Planungen dazu, mit denen der stetig steigende Umfang an Passagieren bewältigt werden soll. So stellte im Januar 2008 die DB erstmals Planungen vor, in Verlängerung der Bahnhofshalle nach Süden einen Hochbau zu errichten. Hierzu sollte die angrenzende Straße Steintordamm bzw. die Steintorbrücke geschlossen, verlegt oder überdacht werden. Der Südsteg soll verbreitert werden, damit wesentlich mehr Platz für Geschäfte und Gastronomie geschaffen wird.

Ein 2009 durch das Bundesverkehrsministerium vorgelegtes Gutachten zur „Entwicklung und Bewertung eines Konzeptes für den Schienenknoten Hamburg“ sah im Hauptbahnhof den zentralen Engpass im Knoten Hamburg. Als einzige Erweiterungsmöglichkeit nannte das Gutachten eine zusätzliche Bahnsteigkante. Diese wurde nicht umgesetzt.

Die Ergebnisse einer „Verkehrsuntersuchung Umfeld Hauptbahnhof“ sollten im Herbst 2018 vorliegen. Eine weitere Machbarkeitsstudie der DB sollte dann ebenfalls vorliegen.

Pläne für den Umbau des Hauptbahnhofs wurden im Januar 2019 vorgestellt.Jahrhundertprojekt: So soll der neue Hauptbahnhof in Hamburg aussehen Noch 2019 sollte eine Leistungsvereinbarung über Grundlagenermittlung und Vorplanung für den Bahnsteig am Gleis 9 geschlossen werden. Im gleichen Jahr wurden 537.000 Reisende pro Tag im Bahnhof gezählt.

Im aktuell (2025) gültigen Bundesverkehrswegeplan 2030 wurden im Bereich des Knotens Hamburg verschiedene Maßnahmen zur Steigerung der Kapazität und der Betriebsqualität untersucht mit dem Ziel, die Attraktivität des Schienenverkehrs zu erhöhen und Angebotsausweitungen zu ermöglichen. Demnach ist eine neue Bahnsteigkante im Bahnhof Hamburg Hbf am Gleis 9 auf dem Planum von Gleis 10 vorgesehen. Weitere Maßnahmen (z. B. auf der Strecke Hamburg–Elmshorn) sollen in Zusammenhang mit dem neuen Fernbahnhof Altona untersucht werden.

mini|Zusätzliche Bahnsteigzugänge am Steintordamm (April 2022)

Zur Entlastung der Bahnhofshallen wurden 2022 neue Treppenaufgänge von den Gleisen 7/8, 11/12 und 13/14 auf die Steintorbrücke eröffnet. Die restlichen Aufgänge folgten bis 2024 (Gleise 5/6 und S-Bahngleise 3/4).

Am 7. Dezember 2021 stellte eine Jury den Siegerentwurf zur Erweiterung des Bahnhofsgebäudes vor. Die Steintorbrücke soll ein Dach erhalten und zu einer Mischung aus Fußgängerzone und Bushaltestelle werden. Auf der Ostseite der Bahnhofshalle soll ein überdachter Fußweg entstehen. Der Baubeginn war für das Jahr 2028 vorgesehen, wird nach Verzögerungen aber frühestens 2031 erfolgen. Nachdem der Hauptbahnhof am 10. November 2010 als „vsl. in Zukunft überlastet“ erklärt wurde, legte die Deutsche Bahn im September 2020 einen Plan zur Erhöhung der Schienenwegkapazität vor.

Anfang 2020 wurden Überlegungen des Bundes bekannt, im Zuge des Deutschlandtakts einen S-Bahn-Tunnel entlang der Verbindungsbahn zu bauen. Damit könnten die S-Bahn-Gleise 3 und 4 im Hauptbahnhof für den Fern- und Regionalverkehr freigemacht werden. Eine Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums ergab im November 2020, dass das Vorhaben grundsätzlich technisch machbar sei. Im dritten Gutachterentwurf des Deutschlandtakts sind im Knoten Hamburg einige Infrastrukturmaßnahmen unterstellt. Dafür sind, zum Preisstand von 2015, Investitionen von drei Milliarden Euro vorgesehen. Der Ausbau des Knotens ist eines von 13 Infrastrukturprojekten des Deutschlandtakts, die laut dem im November 2021 vorgelegten Koalitionsvertrag der rot-grün-gelben Bundesregierung „beschleunigt auf den Weg“ gebracht und „mit hoher politischer Priorität“ umgesetzt werden sollen. Im Januar 2022 wurde eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht, die ursprünglich bis Ende 2022 vorliegen sollte. Anfang Mai 2023 wurde die Studie schließlich durch die Stadt Hamburg veröffentlicht.Machbarkeitsstudie für den Verbindungsbahn-Entlastungstunnel veröffentlicht, mehr-bahn-fuer-hamburg.de