Der Friedhof Am Palastweiher (auch Alter Friedhof genannt) ist einer von drei Friedhöfen in der Altstadt von Königswinter im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Er geht auf das Jahr 1808 zurück und steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.
Lage Der Friedhof liegt am Rande der Altstadt unmittelbar östlich der rechtsrheinischen Eisenbahnstrecke zwischen der namensgebenden Straße Am Palastweiher im Westen und der Winzerstraße im Osten. Südlich grenzt das städtische Wilhelm-Auguste-Viktoria-Haus, nordwestlich grenzen Industrieflächen an.
Geschichte Der Friedhof wurde 1808 aufgrund einer unter französischer Besatzung erlassenen Verordnung angelegt und löste den Friedhof an der Pfarrkirche ab, von dem einige Grabkreuze hierher versetzt wurden. Die erste Beisetzung fand am 23. Mai 1808 statt. 1835, 1853, 1894/95Echo des Siebengebirges, 27. Oktober 1894, S. 2 (zeitpunkt.nrw)Echo des Siebengebirges, 30. September 1905, S. 3 (zeitpunkt.nrw) und 1907/08Echo des Siebengebirges, 3. Januar 1907, S. 2 (zeitpunkt.nrw)Echo des Siebengebirges, 14. November 1908, S. 2 (zeitpunkt.nrw) erfolgten Erweiterungen des Friedhofs.Ein Zeuge der Geschichte des Ortes, Kölnische Rundschau/Bonner Rundschau, 4. November 2011Leopold Schlösser: Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Königswinter. In: Echo des Siebengebirges, 3. Juni 1933 (zeitpunkt.nrw) Ende des 19. Jahrhunderts wurde das damals größte Wegekreuz in Königswinter mit einem altarförmigen Unterbau (errichtet 1725/26) auf den Friedhof versetzt.Echo des Siebengebirges, 17. Oktober 1900, S. 2 (zeitpunkt.nrw)Echo des Siebengebirges, 21. April 1927, S. 2 (zeitpunkt.nrw) Nach einer starken Beschädigung gegen Kriegsende 1945 durch Granateinschläge wurde es in den 1950er-Jahren abgetragen.Herbert Menden: Königswinter in alten Ansichten. Band 2, Europäische Bibliothek, Zaltbommel 1981, Abb. 23.
1938 wurde der Friedhof letztmalig um etwa 15 Meter nach Süden hin erweitert.General-Anzeiger Bonn, 14./15. Mai 1938, S. 9 (zeitpunkt.nrw) Seit der Anlage des neuen Friedhofs Oberweingartenweg 1960/61 wird der Friedhof Am Palastweiher auch „Alter Friedhof“ genannt.Norbert Schloßmacher; Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.): Rheinische Kunststätten. Katholische Kirchen im Talbereich der Stadt Königswinter, Heft 411, 1. Auflage, Neusser Druckerei und Verlag, Köln 1995, ISBN 3-88094-787-2, S. 10. Die Eintragung des Friedhofs in die Denkmalliste der Stadt Königswinter erfolgte am 1. August 1988. Seit der Schließung des Friedhofs Oberweingartenweg für Neubelegungen zum Jahresbeginn 2011 ist er der einzige für herkömmliche Erd- und Urnenbestattungen offene Friedhof der Königswinterer Altstadt., Kölnische Rundschau, 9. September 2010
Beschreibung Die ältesten erhaltenen Grabstätten sind unter anderem einige als qualitätvoll geltende in neogotischen Formen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu den bekanntesten gehören neben dem mit einem Grabkreuz erhaltenen des letzten Mönchs der Abtei Heisterbach Aloys Olzem (1771–1859)Das Grabmal des letzten Mönchs von Heisterbach, Virtuelles Brückenhofmuseum und den Familiengräbern der Industriellenfamilien Mülhens, Lemmerz sowie der Familie Leonhart-Kurtzrock die Gräber von Stephan Freiherr von Sarter (1833–1902), Erbauer von Schloss Drachenburg, sowie eines späteren Besitzers dieses Anwesens, Paul Spinat (1904–1989). Die Friedhofskapelle ist ein neoromanischer Putzbau aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts mit Portal in Werkstein; das Friedhofskreuz besteht aus Trachyt und umfasst einen mächtigen, gestuften Sockel sowie ein hohes Kreuz mit Steinkorpus.
Am Nordrand des Friedhofs befindet sich in einer von Hecke umgebenen Anlage ein Soldaten- und Ehrenfriedhof mit Gräbern von Gefallenen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg nebst einem von der Stadt Königswinter gestifteten Kriegerdenkmal des Königswinterer Architekten und Bildhauers Franz Josef Krings. Gruftkapelle der Familie Leonhart-KurtzrockDie Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Grabkapelle ist die Familiengruft der Familie Leonhart-Kurtzrock (auch Kurtzrock-Wellingsbüttel), die in der von ihr erbauten Villa Leonhart beheimatet war und 1935 mit dem Tod von Freiin Sophie von Leonhart-Kurtzrock (* 22. September 1852; † 22. August 1935) erlosch. Sie ist, nach außen geöffnet, in neogotischen Formen ausgeführt und besitzt im Innern Wappentafeln aus Holz. Grabstätte der Familie LemmerzDie vermutlich 1925 erbaute Grabstätte ist eine offene, flachgedeckte und tempelartige Marmorhalle in neoklassizistischen Formen. Auf dem Dach befanden sich ursprünglich zwei bronzene Feuerschalen. Die Familie Lemmerz ist in Königswinter insbesondere aufgrund des gleichnamigen Autoräderwerks bekannt, das Johann Lemmerz 1919 mit seinen Brüdern gründete und von seinem Sohn Paul Lemmerz fortgeführt wurde. Kriegerdenkmal auf dem EhrenfriedhofDas von Franz Josef Krings entworfene Kriegerdenkmal ist in Sandstein errichtet und besitzt eine altarartige Mensa mit totem liegendem Krieger, hinter der sich eine Schauwand mit Bronzetafeln befindet, auf denen die Namen der Gefallenen angeschrieben sind. Eingeweiht zu Allerheiligen (1. November) im Jahre 1929Hermann Ilgen: Deutscher Ehrenhain für die Helden von 1914/18. Dehain-Verlag, Leipzig 1931., wurde das Kriegerdenkmal in Folge des Zweiten Weltkriegs ergänzt.
Beigesetzte Persönlichkeiten Clemens August von Schall (1748–1814), Offizier, Schriftsteller, Bürgermeister von Königswinter 1808–1814 August Mirbach (1808–1891), Bürgermeister von Königswinter 1841–1890 Stephan von Sarter (1833–1902), deutsch-französischer Investor und Spekulant Ferdinand Mülhens (1844–1928), Unternehmer und Gutsbesitzer Emma Bachem (1870–1929), Politikerin Paul Steiner (1876–1944), Archäologe Johann Lemmerz (1878–1952), Konstrukteur und Unternehmer Alfred Heiduschka (1875–1957), Lebensmittelchemiker Carl Feckes (1894–1958), römisch-katholischer Theologe und Dogmatiker Paul Lemmerz (1907–1977), Räderfabrikant und Stifter Paul Spinat (1904–1989), Unternehmer Eduard Rhein (1900–1993), Erfinder, Publizist, Schriftsteller und Journalist Günter Gnodtke (1910–1995), Diplomat Winfried Biesing (1919–2001), Richter und Heimatforscher Frieder Berres (1928–2016), Heimatforscher
Literatur Günter Hank, Sybille von der Hagen: Geschichte(n) vom Gottesacker. Der Alte Friedhof am Palastweiher in Königswinter, Quartett-Verlag, Rheinbreitbach 2011. Angelika Schyma: Stadt Königswinter (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmäler im Rheinland, Band 23.5.). Rheinland-Verlag, Köln 1992, ISBN 3-7927-1200-8, S. 111. Heimatverein Siebengebirge (Hrsg.); Frieder Berres, Heinrich Blumenthal: Königswinter am Rhein – eine Stadt ändert sich. Landschaft, Straßen, Häuser und Einrichtungen der Altstadt im Wandel der Zeit. Königswinter 1988, S. 150–153.
Weblinks
Einzelnachweise Denkmalliste der Stadt Königswinter, Nummer A 76
Am Palastweiher Kategorie:Sakralbau in Königswinter Kategorie:Baudenkmal in Königswinter Kategorie:Königswinter (Stadtteil) Kategorie:Erbaut in den 1810er Jahren