mini|St. Andreas (2014) mini|Ansicht der Kirche von Nordosten St. Andreas ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Korschenbroich. Pfarrpatron ist der heilige Apostel Andreas. Zur Pfarre St. Andreasgehören auch die Nebenpfarrkirchen St. Dionysius Kleinenbroich, St. Georg Liedberg, Herz Jesu Herrenshoff und St. Marien Pesch.

Die Pfarrgemeinden von Korschenbroich sind Teil des Bistums Aachen, nur die Pfarrgemeinde St. Pankratius im Stadtteil Glehn ist Teil des Erzbistums Köln.

Geschichte mini|hochkant=1|Hochstraße und Kirche St. Andreas nach dem Bombenangriff 1943 Möglicherweise entstand der erste Kirchenbau an dieser Stelle auf den Resten eines früheren römischen Bauwerks. Bei Ausgrabungen im Bereich der Kirche wurden römische Mauern und Fundamente mit einer Dicke von 1 m entdeckt. Ob es sich dabei um die Überreste einer villa rustica handelt oder um einen gallo-römischen Umgangstempel, kann derzeit nicht verifiziert werden. Für einen Tempel spricht die Tatsache, dass kaum Keramik oder Tierknochen gefunden wurden, die auf eine Wohnbebauung hinweisen würden.St. Andreas Korschenbroich - Beiträge zur Kirchen-, Bau- und Pfarrgeschichte aus Anlass des Kirchturm-Jubiläums 2004. Herausgeber: Pfarre St. Andreas Korschenbroich [Gesamtredaktion Rita Mielke], Korschenbroich 2004, S. 21f.

Einige Bodenfunde lassen Rückschlüsse zu, dass um 1000 n. Chr. ein Kirchenbau unter Verwendung von römischen Leistenziegeln, Brohler Tuffstein und Liedberger Sandstein errichtet wurde.

Auf das Jahr 1471 kann eine spätgotische, dreischiffige Kirche datiert werden. 1504 wurde das Wahrzeichen Korschenbroichs, der 46 Meter hohe Kirchturm aufgebaut. Es ist das älteste noch erhaltene Bauwerk der Stadt. Er hat drei Stockwerke und besteht bis zur Mitte des zweiten Geschosses aus Tuff- und Backsteinen, im oberen Teil aus Ziegelsteinen. Früher gehörte ein Kirchturm nicht notwendig zum Gotteshaus, sondern war vielmehr ein Beiwerk zur Repräsentation einer Gemeinde und musste somit von ihr finanziert werden. Der Kirchturm von St. Andreas lässt daher auf eine wohlhabende Kirchengemeinde schließen. Das Patronat über St. Andreas gehörte seit dem 15. Jahrhundert bis 1795 zur Herrschaft Myllendonk.

Die spätgotische Hallenkirche aus dem Jahr 1471 wurde 1888 abgerissen, da die wachsende Zahl der Gläubigen eine größere Kirche erforderte. Nur der backsteinerne Kirchturm mit Bändern aus Tuffstein blieb stehen und wurde in den Bau der neuen Kirche einbezogen.

1890 wurde mit dem Bau der neuen Kirche begonnen – man entschied sich für eine neugotische Pseudobasilika aus Backstein. Die Kirche wurde im August 1892St. Andreas Korschenbroich - Beiträge zur Kirchen-, Bau- und Pfarrgeschichte aus Anlass des Kirchturm-Jubiläums 2004. Herausgeber: Pfarre St. Andreas Korschenbroich [Gesamtredaktion Rita Mielke], Korschenbroich 2004, S. 23. durch den Weihbischof und späteren Kardinal des Erzbistums Köln Anton Fischer feierlich eingesegnet.

Während der Bombennacht vom 22. auf den 23. August 1943 wurde das gesamte Kirchenschiff zerstört. Es wurde von 1947 bis 1949 wieder aufgebaut.

Umfassende Grundsanierungsarbeiten an der Bausubstanz und eine liturgiegerechte Neugestaltung des Kirchenraums erfolgten ab 1982 und gaben der Kirche ihre heutige Gestalt. Dabei entstand auch eine achteckige Altarinsel.

Zum 1. Januar 2026 wurde die Pfarre St. Andreas/Korschenbroich um die mit Ablauf des 31. Dezembers 2025 aufgehobenen Pfarren St. Dionysius/Kleinenbroich, St. Georg/Liedberg, Herz Jesu/Herrenshoff und St. Marien/Pesch erheblich erweitert.

Ausstattung mini|Innenansicht (2013) mini|hochkant|Barockaltar Den Mittelpunkt der Kirche und der Eucharistiefeiern bildet der Zelebrationsaltar, der aus einem kräftigen Marmorblock besteht, der durch ein kunstvoll gearbeitetes Wurzelflechtwerk mit dem Boden verwachsen scheint und so mit der Erde fest verwurzelt ist. Er steht auf der Altarinsel knapp unter der Vierung. Die Vorderseite des Altars wird geschmückt mit eucharistischen Motiven aus Ähren, Trauben und einem Pfauenbild. Dem Altar haftet eine besondere Würde an und er stellt für die Gläubigen zugleich eine Opferstätte als auch einen zentralen Ort der Danksagung dar.St. Andreas Korschenbroich - Beiträge zur Kirchen-, Bau- und Pfarrgeschichte aus Anlass des Kirchturm-Jubiläums 2004. Herausgeber: Pfarre St. Andreas Korschenbroich [Gesamtredaktion Rita Mielke], Korschenbroich 2004, S. 128.

Das Fensterbild im Apsisscheitel preist den Auferstehungssieg des hingerichteten Messias. An der Westseite des Kirchenraums sind sechs Bildnisse von Aposteln (Andreas, Petrus, Jakobus d. Ä., Bartholomäus, Thaddäus und Philippus) zu sehen, die 2001/2002 von dem italienischen Künstler Viktor Seroner geschaffen wurden. Das Portalfenster stellt ein Opferlamm dar und geht auf Arbeiten des Künstlers Hermann Gottfried zurück.St. Andreas Korschenbroich - Beiträge zur Kirchen-, Bau- und Pfarrgeschichte aus Anlass des Kirchturm-Jubiläums 2004. Herausgeber: Pfarre St. Andreas Korschenbroich [Gesamtredaktion Rita Mielke], Korschenbroich 2004, S. 130.

Bei den Arbeiten 1982/83 wurde im Mittelgang eine Grabkammer gefunden, die heute von kunstvollen Bronzegittern bedeckt wird und wohl zeitweilig als besonders ehrenvolle Grablege der Herrschaften von Myllendonk gedient hatte.St. Andreas Korschenbroich - Beiträge zur Kirchen-, Bau- und Pfarrgeschichte aus Anlass des Kirchturm-Jubiläums 2004 Herausgeber: Pfarre St. Andreas Korschenbroich [Gesamtredaktion Rita Mielke], Korschenbroich 2004, S. 127.

Das verzierte Taufbecken aus dem späten 19. Jahrhundert steht in der linken Seitenapsis. Der Künstler Ernst Rasche gestaltete 1983 eine neue Haube, wobei er die aufgesetzte Taube als Symbol des Heiligen Geistes von der ursprünglichen Haube übernahm.

Der als Stele konzipierte Tabernakel befindet sich in der rechten Apsis. Die Stele und die Einfassung wurden ebenfalls von Ernst Rasche gestaltet.

1998 wurde ein 125 Jahre verschollener Barockaltar im Scheitelpunkt des Chorraumes wieder aufgestellt. Er hatte noch vor einigen Generationen als Altar für die Fronleichnamsprozession gedient. Es wird angenommen, dass er aus der Ausstattung der spätgotischen Kirche St. Andreas aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammt. Nach seinem Fund wurden er und die zugehörigen Ölgemälde meisterlich restauriert, und sie schmücken heute die Kirche in neuer Pracht.St. Andreas Korschenbroich - Beiträge zur Kirchen-, Bau- und Pfarrgeschichte aus Anlass des Kirchturm-Jubiläums 2004. Herausgeber: Pfarre St. Andreas Korschenbroich [Gesamtredaktion Rita Mielke], Korschenbroich 2004, S. 131.

Die Umgestaltung der Kirche und die Anschaffung der Meisterwerke der Sakralkunst wurden insbesondere durch Pfarrer Alois Müller vorangetrieben, der die Pfarre von 1974 bis 2005 leitete. Von 2005 bis 2017 wirkte er als Subsidiar der Gemeinschaft der Gemeinden (GDG) weiter. 2017 verstarb Pfarrer Alois Müller, ihm zu Ehren wurde der ehemalige Kirchplatz zum Pfarrer-Müller-Platz umbenannt.

Orgel mini|Orgelprospekt nach der Renovierung von 2000 Über die ersten Orgeln der Pfarrkirche St. Andreas zu Korschenbroich ist wenig bekannt. Erwähnt wird lediglich die Entfernung der Orgel aus dem Chorraum der Kirche im Jahre 1645 sowie die Errichtung einer Orgel im Jahre 1783.Jakob Bremer: Die reichsunmittelbare Herrschaft Millendonk. Mönchengladbach 1939. S. 452f. 1843 baute der Orgelbauer Rudolf Ibach aus Barmen ein Instrument mit 26 Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal.Henning Dembski: Geschichte der Orgeln an St. Andreas Korschenbroich. Link: 1890 fiel diese Orgel dem Abbruch der alten Kirche zum Opfer. Für den Bau einer neuen Orgel erhielt im August 1892 gemäß Beschluss des Kirchenvorstandes der Orgelbauer Heinrich Dautzenberg aus Linnich den Zuschlag. Diese Orgel blieb von den Beeinträchtigungen des Ersten Weltkriegs nicht verschont. Im Jahr 1917 wurden neben den beiden größten Glocken auch 93 Orgelpfeifen beschlagnahmt.

Am 18. Februar 1929 wurde gemäß der Pfarrchronik von Pfarrer Otto mit dem Abbau der Orgel begonnen. Gleichzeitig wurde der Orgelbauer Johannes Klais aus Bonn mit dem Neubau einer Orgel beauftragt. Diese Orgel, die schon im Juni desselben Jahres feierlich eingeweiht wurde, erhielt einen Freipfeifenprospekt, elektropneumatische Kegelladen sowie 32 Register auf zwei Manualen und Pedal. In der Bombennacht vom 22. zum 23. August 1943 wurde auch die Orgel vollständig zerstört.

Die erste Orgel nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1953 ebenfalls von Johannes Klais (Bonn) erbaut. Das Instrument hatte 33 Register auf drei Manualwerken und Pedal, und wiederum einen Freipfeifenprospekt und elektropneumatische Kegelladen. 1970 wurde das Instrument durch die Orgelbaufirma Fischer & Krämer (Endingen) mittels gebrauchter Register umdisponiert. 1977 baute Fischer & Krämer die technische Anlage um und fügte weitere gebrauchte Register hinzu. Das Instrument besaß zu diesem Zeitpunkt 44 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. 1984 wurde die Orgel ebenfalls durch Fischer & Krämer um ein Rückpositiv ergänzt. 1999 erfolgten noch einige kleinere Umbauten wie der Austausch der Freien Kombinationen durch eine Setzeranlage und die Vorbereitung zum Einbau einiger weiterer Register. Im Jahre 2000 wurde die Orgelbaufirma Romanus Seifert & Sohn aus Kevelaer mit der Generalrenovierung und folgenden Arbeiten beauftragt: Neuanfertigung eines viermanualigen Spieltischs, Elektrifizierung der Trakturen, Einbau einer zweiten Schwellwerkslade und eines neuen Schwellwerkgehäuses, farbliche Neugestaltung des Prospekts mit Lackierung der Zinkprospektpfeifen, Dispositionsänderungen, Generalreinigung und Intonation.

I Rückpositiv C–g3 Konzertflöte 8′ Rohrflöte 4′ Quinte ′ Piccolo 2′ Terz ′ Zimbel III 1′ Krummhorn 8′ Tremulant Zimbelstern II Hauptwerk C–g3 Gedeckt 16′ Prinzipal 8′ Rohrflöte 8′ Oktave 4′ Hohlflöte 4′ Quinte ′ Superoktave 2′ Kornett IV 4′ Mixtur IV 4′ Trompete 8′ Horizontaltrompete 8′ Tuba 16′ (v) III Unterwerk C–g3 Gedeckt 8′ Viola 8′ Prinzipal 4′ Spitzflöte 4′ Oktave 2′ Quintflöte ′ Oktävlein 1′ Scharff III ′ Krummhorn 8′ (v) IV Schwellwerk C–g3 Gedeckt 16′ Geigenprinzipal 8′ Orchesterflöte 8′ Gambe 8′ Schwebung 8′ Prinzipal 4′ Traversflöte 4′ Querflöte 2′ Kornettquinte II Mixtur IV ′ Trompete 4′ Klarinette 8′ Oboe 8′ Solotrompete 8′ Fagott 16′ Tremulant Pedal C–f1 Kontrabass 32′ (v) Prinzipalbass 16′ Subbass 16′ Quintbass ′ Oktavbass 8′ Gedecktbass 8′ Cellobass 8′ (v) Choralbass 4′ (v) Trompete 4′ (v) Trompete 8′ Posaune 16′ Kontraposaune 32′ Koppeln Normalkoppeln: I/II, I/III, III/I, III/II, IV/I, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P Superoktavkoppeln: II, IV, IV/II, IV/P Suboktavkoppeln: II, III, IV, III/I, III/II, IV/I, IV/II, IV/III Spielhilfen: 768 Setzerkombinationen; Setzer-Sequenzer als Fußtritt und manuell für Spieler und Registrant; Äqualabschaltungen der Sub- und Superoktavkoppeln für HW / SW / General als Fußtritt Anmerkung: (v) = vakant

2019/2020 wurde das Instrument durch die Orgelbaufirma Weimbs reorganisiert. Die Prospektfront wurde um 66 cm nach vorne versetzt, um mehr Platz für das neue Instrument zu haben. Das Instrument erhielt zudem einen neuen viermanualigen Spieltisch. Die Disposition wurde von vormals 49 auf 79 Register (darunter 10 Transmissionen) erweitert. Hinzugefügt wurde ein Chamadenwerk, welches an jedes Manualwerk bzw. das Pedal frei gekoppelt werden kann.Zur Reorganisation der Orgel auf der Website der Orgelbaufirma Weimbs Das Instrument zählt zu den größten symphonischen Orgeln des Rheinlandes. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektronisch (Manualwerke Schleiflade, Pedalwerk Kegellade).Zur neuen Disposition