mini|Friedhofskirche St. Cyriak mini|Altarraum mit den beiden Seitenaltären mini|Empore mini|Gewölbe mini|Epitaph Ulrich von Rechberg und seiner Frau Anastasia, geb. von Woellwarth

Alt-St. Cyriak (auch St. Cyriakus) ist eine gotische Friedhofs- und ehemalige katholische Pfarrkirche im Schwäbisch Gmünder Stadtteil Straßdorf. Sie ist dem heiligen Cyriak geweiht.

Geschichte Die erste bekannte Erwähnung der Pfarrei ist ein Lorcher Schlichtungsbrief von 1269. Die ältesten Bauteile der bestehenden Kirche werden auf 1283/84 datiert und befinden sich am Chorturm. Nach dem Brand des Pfarrhauses und der Kirche 1477, wurde rasch mit einem Wiederaufbau begonnen. Das Westportal ist auf 1478 datiert. Die Inschrift von 1486 markiert vermutlich das Ende der Auf- und Umbaumaßnahmen. Der Chor und die Sakristei entstanden 1514/15. Eine Glocke wurde um 1600 von Christoph Rosenhart, einem Glockengießer aus Nürnberg, gegossen.Hermann Kissling: Künstler und Handwerker in Schwäbisch Gmünd 1300–1650. Einhorn-Verlag, Schwäbisch Gmünd 1995, ISBN 3-927654-46-9, S. 177 (online). 1733 bis 1736 wurden die Mauern des Turmes verstärkt und die Langhausdecke umgestaltet.

1851 wurde der Boden im Chor ausgewechselt sowie der Turm und das Dach renoviert, 1864 dann die Kirche komplett restauriert. 1877 bis 1879 kam es zu einer weiteren Restaurierung, bei der unter anderem das Rippengewölbe ergänzt, die Fenster ausgewechselt und die Bemalung des Chors mit Chorbogen vorgenommen wurde. Bei einer Renovierung des Innenraumes 1901 wurden gotische Bemalungen entdeckt, 1903 wurde das vorher zugemauerte Chormittelfenster wieder geöffnet, wobei der Aufsatz des Hochaltars mit einem Gemälde des Heiligen Cyriak entfernt wurde. Dieses Gemälde gilt heute (2003) als verschollen.

Ab der Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert wurden Pläne zur Erweiterung der Kirche gehegt, unter anderem beteiligten sich die Architekten Hans Herkommer und Hugo Schlösser. Im Februar 1913 fällte der Kirchenstiftungsrat den Entschluss, die Kirche zugunsten eines Neubaus abzubrechen. Noch im selben Monat legten das Landeskonservatorium und der Landesausschuss für Natur- und Heimatschutz ein Gutachten vor, das die Kirche als ein Musterbeispiel für eine schwäbische Dorfkirche und erhaltenswert einstufte. Ein Kirchenneubau Neu-St. Cyriak wurde dann am Bahnhof in Straßdorf vorgenommen.

1954/55 wurde zunächst das Fundament der Kirche gestärkt, 1960 dann das Kircheninnere unter Albert Hänle restauriert. 1989 bis 1992 erfolgte die letzte Komplettrenovierung.

Sanierung 2026/2027 Die Alte Kirche St. Cyriak in Straßdorf ist seit dem 17. August 2026 für umfassende Sanierungsarbeiten geschlossen. Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis April 2027 dauern. Ziel der Maßnahme ist die dauerhafte Stabilisierung des jahrhundertealten Dachstuhls sowie der durch Risse beschädigten Decke.

Der Zustand des Dachstuhls und der Decke wurde bereits seit 2014 untersucht. Die jahrhundertealte Holzkonstruktion weist infolge von Witterungseinflüssen, Schädlingsbefall und Rückständen früher verwendeter Holzschutzmittel Schwachstellen an den Verbindungen auf. In der Folge kam es zu Rissen in der Putzdecke. Nachdem sich der Zustand der Konstruktion weiter verschlechtert hatte und sich Bauteile zu bewegen begannen, wurden ab 2022 diverse Notsicherungen durchgeführt. Im Rahmen der nun begonnenen Sanierung wird der Dachstuhl dauerhaft stabilisiert und die beschädigte Decke gesichert. Zudem werden alte Bauschutt-Ablagerungen aus den Dachbereichen entfernt. Die Dacheindeckung wird teilweise erneuert, wobei historische Dachplatten nach Möglichkeit wiederverwendet werden. Zudem wird die Lindan-Belastung im Turmbereich behandelt. Bei der Durchführung der Arbeiten müssen zudem naturschutzrechtliche Vorgaben berücksichtigt werden, da im Dachbereich Langohrfledermausvorkommen nachgewiesen wurden. Dies wird insbesondere bei der zeitlichen Planung und Durchführung der Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt.

Ausstattung An der Südseite der Kirche befindet sich eine Renaissance-Kanzel aus dem Jahr 1639, deren Datierung sich an der Brüstung ablesen lässt. Sie ruht auf einer schlanken, profilierten Holzsäule. Der Schalldeckel enthält ein intarsiertes IHS-Monogramm. An der Rückwand der Kanzel befindet sich ein Bild, das auf die Jahre 1760/70 datiert wird. Der Aufgang zur Kanzel ist durch ein Geländer mit Sägebalustern gesichert.

An der Nordseite der Kirche befindet sich ein Gnadenkreuz, das um 1700 geschaffen wurde. Die Darstellung zeigt vier Engel, die das aus den Wunden Christi fließende Blut in Kelchen auffangen. Am Fuß des Kreuzes ist Maria Magdalena dargestellt.

In eine Nische vor dem Marienaltar befindet sich eine Kerker-Christus-Figur. Laut der einer Inschrift ist diese Darstellung aus dem Jahr 1796.

Die Brüstung der Empore ist mit Apostelbildern versehen. Diese stammen aus der Zeit um 1700. Als Maler kommt Johann Christoph Katzenstein der Jüngere in Betracht.

An die Flachdecke des Langhauses schließt sich ein Tonnengewölbe an, das zum gotischen Chor überleitet. Dem Chor ist ein im Kern romanischer, leicht spitzbogig veränderter Triumphbogen vorgelagert. Der Chor besitzt ein Netzgewölbe mit überschneidenden Rippen.

Im Chorraum finden sich mehrere Epitaphe der Familien von Rechberg und von Woellwarth. Das mit fast sechs Metern größte Epitaph ist Ulrich von Rechberg zu Hohenrechberg († 20. November 1572) und seiner Frau Anastasia, geb. von Woellwarth († 23. Februar 1596), gewidmet.

Literatur Richard Strobel: „Die Kunstdenkmäler der Stadt Schwäbisch Gmünd, Band IV: Kirchen und Profanbauten außerhalb der Altstadt. Ortsteile“, Deutscher Kunstverlag und Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, München und Berlin 2003, ISBN 3-422-06381-1, S. 426–440. Kirchenführer Alte Kirche St. Cyriakus und Kapellen - Straßdorf, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1999, ISBN 3-7954-6219-3 Gabi Gokenbach u. a.: Die Epitaphe der Freiherren von Woellwarth, Essingen 2020, ISBN 978-3-00-066983-5, S. 169–173.

Weblinks

Seelsorgeeinheit Unterm Hohenrechberg Internetpräsenz der Seelsorgeeinheit Unterm Hohenrechberg – Straßdorf

Einzelnachweise

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