mini|Ehemaliges Kanzleigebäude der syrischen Botschaft, Andreas-Hermes-Straße (2014) mini|Ehemaliges Residenzgebäude der syrischen Botschaft, Ferdinand-Lassalle-Straße (2014) Die Botschaft der Arabischen Republik Syrien in der Bundesrepublik Deutschland hatte von 1990 bis 2002/03 ihren Sitz im Bonner Ortsteil Hochkreuz. Im Februar 2026 wurde dort nach jahrelangem Leerstand ein syrisches Generalkonsulat eröffnet. Die früheren Botschafts- und heutigen Konsulatsgebäude liegen am Südrand des Bundesviertels am Rande der Rheinaue zwischen Andreas-Hermes-Straße (Hausnummer 5) und Ferdinand-Lassalle-Straße.

Geschichte Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland 1953 eröffnete Syrien eine Gesandtschaft am Regierungssitz Bonn, die zunächst am bisherigen Standort des syrischen Generalkonsulats im Kölner Stadtteil Marienburg (Lindenallee 64) beheimatet war.Adressbuch der Bundeshauptstadt Bonn 1952/53, J.F. Carthaus, Bonn 1953, S. 540.Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Deutscher Bundes-Verlag, 1953, S. 1072. Sie zog bereits kurz darauf (bis 1954) nach Bad Godesberg um, den räumlichen Schwerpunkt der diplomatischen Vertretungen, wo sie sich in der Villa Kronprinzenstraße 2 niederließ. Mit dem Zusammenschluss von Syrien und Ägypten zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) im Jahre 1958 wurde die vormalige Gesandtschaft Syriens zur gemeinsamen Botschaft beider Länder umgewandelt. Nach dem Auseinanderbrechen der Union 1961 war dort nicht mehr die syrische, sondern die ägyptische Vertretung beheimatet. Die Arabische Republik Syrien unterhielt seitdem eine Botschaft in der Villa Rheinallee 9, mit Militärabteilung in der Südstadt (Argelanderstraße 61)Stamm-Leitfaden durch Presse und Werbung, Stamm-Verlag, 1965, S. 191. Während die diplomatischen Beziehungen Syriens zur Bundesrepublik in Folge ihrer Anerkennung Israels ab dem 13. Mai 1965Tobias C. Bringmann: Handbuch der Diplomatie 1815–1963: auswärtige Missionschefs in Deutschland und deutsche Missionschefs im Ausland von Metternich bis Adenauer, Saur, München 2001, ISBN 978-3-598-11431-1, S. 401. unterbrochen waren, nahm von dort aus die Botschaft Pakistans mit einer „Abteilung für die Interessen der Arabischen Republik Syrien“ die Geschäfte für das Land wahr. Mit Wiederaufnahme der Beziehungen am 7. August 1974 eröffnete Syrien erneut eine Botschaft, die ihren Sitz wiederum in Bad Godesberg (Am Kurpark 2) nahm. Die Leitung der Botschaft hatte zunächst ein Gesandter als Geschäftsträger a. i. inne.Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in Bonn (Stand: September 1974) Die Residenz der Botschaft, Wohnsitz des ab Juni 1976 amtierenden Botschafters, befand sich im Ortsteil Muffendorf (Klosterbergstraße 72).Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in Bonn (Stand: Juni 1977)Feuer in der ehemaligen syrischen Residenz, General-Anzeiger, 12. Juni 2003

Nachdem Bonn sich als Regierungssitz etabliert hatte, gehörte Syrien in den 1980er-Jahren zu den Ländern, die ihre diplomatische Vertretung in einem geplanten Botschaftsviertel am Rande des Rheinauenparks im Süden des damaligen Parlaments- und Regierungsviertels neu errichten wollten. Als einziges Land auf diesem Gelände begann Syrien noch kurz vor dem Mauerfall am 9. November 1989, der Bonns Status als Regierungssitz in Frage stellte, mit dem Bau eines – sowohl die Kanzlei als auch die Residenz umfassenden – Botschaftsgebäudes. Mit dem Entwurf für den Neubau der syrischen Botschaft wurde der Architekt N. Kasri aus Köln (Unterschrift im Bauantrag), mit der Innenarchitektur Mohammed Walid Seirawan beauftragt. Entscheidenden Einfluss auf die Ausgestaltung nahm der seinerzeitige Botschafter Suleyman Haddad. Die Innenausstattung wurde in Gänze aus Syrien importiert, an ihrer handwerklichen Ausarbeitung wirkten vor Ort 40 syrische Künstler mit. Der Bau nahm 14 Millionen D-Mark in Anspruch, einige Einrichtungsgegenstände wurden von Unternehmern und Privatpersonen gespendet. Der Bezug des neuen Botschaftsgebäudes mit etwa 30 Mitarbeitern fand im Frühjahr 1990 statt, als einziger in dem geplanten Botschaftsviertel und vorletzter in Bonn überhaupt.Michael Wenzel: Kleine Geschichte(n) Bad Godesberger Botschaften, 2. Auflage 2011, S. 66–69.

Im Zuge der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin (1999) zog die syrische Botschaft 2002/03Diplomatische Missionen und konsularische Vertretungen in der Bundesrepublik Deutschland, Stand: September 2002 (Bundesanzeiger Verlag)Noch 22 Botschaften mit erster Adresse in Bonn, General-Anzeiger, 28. November 2002 dorthin um. Seither wurde sie, weiterhin im Eigentum Syriens befindlich, gelegentlich für Veranstaltungen der Deutsch-Syrischen-Gesellschaft genutzt.Reise in den Orient beginnt in der syrischen Botschaft, General-Anzeiger, 11. Juli 2008Weitere leerstehende Botschaften und Residenzen, General-Anzeiger, 15. April 2010Exterritoriales Gebiet, Berliner Zeitung, 21. Juli 2010Deutsch-Syrische Gesellschaft – Veranstaltungen 2005 beschloss die syrische Regierung, in dem Gebäude ein Generalkonsulat sowie ein Kultur- und Tourismuszentrum einzurichten. Die Umsetzung dieser Entscheidung wurde allerdings von Beginn an von der Finanzierung abhängig gemacht und ist nicht erfolgt.Ein Wohnpark in Stadtnähe, Kölner Stadtanzeiger, 30. Dezember 2005 Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien 2011 demonstrierten Oppositionelle wiederholt vor dem Gebäude, das im November 2012 von Kurden im Rahmen einer solchen Demonstration auch gestürmt wurde.Westdeutscher Rundfunk, Lokalzeit aus Bonn, November 2012 Im Juni 2017 wurde bekannt, dass Syrien entgegen der früheren Planung beabsichtigt, die Immobilie im Rahmen eines zweimonatigen Bieterverfahrens zu veräußern.Syrien verkauft seine ehemalige Botschaft in Bonn, General-Anzeiger, 28. Juni 2017 2023 war der Verkauf noch nicht erfolgt.Viele Ex-Botschaften in Bonn stehen leer und verfallen, General-Anzeiger, 14. März 2018 Vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland wurde mittlerweile der Denkmalwert des ehemaligen Botschaftsgebäudes festgestellt (Stand: 2024).Angelika Schyma, Elke Janßen-Schnabel: Das ehemalige Parlaments- und Regierungsviertel in Bonn: Topografie einer Demokratie (= LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Andrea Pufke [Hrsg.]: Arbeitshefte der Rheinischen Denkmalpflege, Band 87). Michael Imhof Verlag, Petersberg 2024, ISBN 978-3-7319-1398-6, S. 137/138. Im Februar 2026 wurde das Generalkonsulat der Arabischen Republik eröffnet, nachdem das Assad-Regime im Dezember 2024 gestürzt worden war und die diplomatischen Beziehungen zwischen Syrien und Deutschland wieder verstärkt wurden. Zur Eröffnung kam der syrische Außenminister Hassan al-Schaibani nach Bonn. Nach der Wiedereröffnung der deutschen Botschaft in Damaskus im März 2025 war dies der zweite gegenseitige diplomatische Schritt zur Vertiefung der gegenseitigen Beziehungen. Mit Stand Februar 2026 verfügte Syrien über drei diplomatische und konsularische Vertretungen in Deutschland.Deutsche Botschaft nach 13 Jahren wiedereröffnet. In: tagesschau.de Der Konsularbezirk umfasst die Länder Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Am 25. Juni 2026 wurde dem Leiter des Generalkonsulats, Molham Alkhan, das Exequatur als Generalkonsul erteilt.Berufskonsularische Vertretung der Arabischen Republik Syrien in Bonn – Bekanntmachung des Ministerpräsidenten M 4 – 03.40-1/26 vom 25. Juni 2026, Ministerialblatt (MB.NRW), Ausgabe 2026 Nr. 166 vom 26. Juni 2026

Gebäude Die syrische Botschaft ist einer der wenigen erhaltenen Botschaftsneubauten in Bonn, die mit der Zielsetzung einer Repräsentation durch landestypische Merkmale errichtet wurden. Sie besteht aus einem zur Andreas-Hermes-Straße gelegenen dreigeschossigen Kanzlei- sowie einem zur Ferdinand-Lassalle-Straße gelegenen, über einen Flachbau angebundenen zweigeschossigen Residenzgebäude und umfasst eine Grundfläche von etwa 4000 m². Beide Gebäudeteile haben eine kubische (würfelförmige) Grundform, sind mit weißem Bänderputz versehen und verfügen über Innenhöfe (Lichthöfe). Der mittlere Verbindungsbau nimmt einen repräsentativen Versammlungsraum auf.

Der Gebäudekomplex ist in einer orientalisierenden Formensprache gehalten, die sich insbesondere am Damaskus des 8. Jahrhunderts während der Herrschaft der Dynastie der Umayyaden („Damaszener-Stil“) orientieren soll. Unter breitem Mittelrisalit wird das Eingangsportal der Kanzlei mit einer hölzernen Doppeltür von einem gestuften Gewände eingefasst, die der spärlichen Fenster bestehen aus rotem Granit. Die innere Ausgestaltung des Baus, darunter der zweigeschossigen Hallen, gilt als besonders prachtvoll. Die Böden sind mit Marmor eingelegt, Wände und Decken golden ornamentiert oder mit Intarsien dekoriert. Im Keller findet sich ein Hamam, ein arabisch-islamisches Dampfbad. Der Innenhof der Residenz ist mit Springbrunnen und war ursprünglich auch mit Schlingpflanzen ausgestattet.

Literatur Angelika Schyma, Elke Janßen-Schnabel: Das ehemalige Parlaments- und Regierungsviertel in Bonn: Topografie einer Demokratie (= LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Andrea Pufke [Hrsg.]: Arbeitshefte der Rheinischen Denkmalpflege, Band 87). Michael Imhof Verlag, Petersberg 2024, ISBN 978-3-7319-1398-6, S. 136. Angelika Schyma: In Diplomatischer Zurückhaltung: Botschaftsarchitektur der Bundesrepublik Deutschland in Bonn von der Staatsgründung bis zum Fall der Mauer. In: Botschaften in Berlin. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-7861-2472-8, S. 29–41 (hier: S. 38/39). Hilda Ortiz Lunscken (Hrsg.); Hilda Ortiz Lunscken, Ingeborg Fischer-Dieskau (Fotos: Martin Krockauer): Pour Memoire. To Remind. Zur Erinnerung – Botschafterresidenzen am Rhein. Ortiz-Lunscken Publishers, Bonn 1999, ISBN 3-9806801-0-X, S. 120–121.

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Siehe auch Liste der diplomatischen Vertretungen in Bonn (→ Eintrag) Liste der syrischen Botschafter in Deutschland

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Einzelnachweise

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