mini|US-Marines im Koreakrieg (Aufnahme vom 26. Dezember 1950) mini|Lage von Korea

In diesem Artikel wird der anhaltende Konflikt zwischen Nord- und Südkorea sowie deren Verbündeten beleuchtet. Dabei geht es vor allem um die Vorherrschaft auf der Koreanischen Halbinsel, die Bewältigung vergangener Konfliktpunkte sowie den Streit um das nordkoreanische Kernwaffenprogramm und nicht zuletzt die Interessen verbündeter Drittstaaten (insbesondere USA und die VR China, früher auch die Sowjetunion), was sich z. B. im Koreakrieg – einem Stellvertreterkrieg – äußerte.

Verlauf des Konflikts Im Folgenden werden die Entstehung und Ursachen des Korea-Konflikts beschrieben.

Die Teilung Koreas mini|140px|Karte des geteilten Koreas

Wie in der Kairoer Erklärung 1943 angekündigt, wurden nach der Kapitulation Japans 1945 im Zweiten Weltkrieg alle Okkupationen des Kaiserreichs Japans rückgängig gemacht. Zusätzlich wurde das Staatsgebiet Japans auf seine heutige Größe beschränkt. Die aus dem Kaiserreich Japan ausgegliederten Gebiete wurden den vorherigen Besitzern übereignet. Einen Sonderfall stellt in der Kairoer Erklärung dabei Japans ehemalige Kolonie Korea dar. Da diese vor ihrer Kolonialzeit ein eigener Staat war, sollte sie wieder zu einem eigenen Staat gemacht werden.

Wie in der Konferenz von Jalta beschlossen, wurde Korea nördlich des 38. Breitengrades von der Sowjetunion, südlich davon von den Vereinigten Staaten von Amerika besetzt, da unter ihrer Treuhandschaft das verkündete freie und unabhängige Korea entstehen sollte.

Die UdSSR begann nach ihrem Einmarsch in den Norden Koreas, ihre Zone nach kommunistischen Vorstellungen umzuformen, wenn auch zunächst nicht in dem Maße wie in den osteuropäischen Staaten. Im Zuge einer Landreform wurden die japanischen Großgrundbesitzer enteignet, wichtige Industriezweige wurden verstaatlicht. Die Sowjetunion hatte ein strategisches Interesse daran, einen ihr wohlgesinnten koreanischen Pufferstaat aufzubauen, da Korea als mögliche Operationsbasis für einen Angriff galt. Dieses Vorhaben schien umso wichtiger, da sich Japan nach seiner Kapitulation rasch zu einem Verbündeten der USA entwickelte und diese eine eigene Operationsbasis ausbauten. Einflussreichster Vertreter der Sowjetunion in Korea bis zur Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea war Generaloberst Terenti F. Schtykow.

Nachdem die Verhandlungen zwischen den beiden Supermächten über ein vereinigtes Korea bis 1947 ergebnislos verliefen, brachten die USA die Koreafrage vor die Vereinten Nationen. Dies wurde von der sowjetischen Seite als Verstoß gegen die Abmachung, dass die Koreafrage von einer US-amerikanisch-sowjetischen Kommission gelöst werden solle, gewertet. Die UdSSR beteiligte sich fortan nicht an Konferenzen der Vereinten Nationen zu diesem Thema.

Am 14. November 1947 erreichten die USA eine UN-Resolution, die freie Wahlen, den Abzug aller ausländischen Truppen und die Schaffung einer UN-Kommission (UNTCOK: UN Temporary Commission on Korea) für Korea vorsah. Die USA und die UdSSR zogen ihre in Korea stationierten Truppen bis Ende 1948 vertragsgemäß aus Korea ab. Die ersten amerikanischen Soldaten kamen erst 10 Tage nach dem Einmarsch nordkoreanischer Truppen nach Südkorea zurück.

Am 10. Mai 1948 fanden im Süden Wahlen statt, die Rhee Syng-man gewann. Allerdings wurden die Wahlen von den linken Parteien boykottiert. Am 13. August 1948 übernahm Rhee Syng-man offiziell die Regierungsgeschäfte von der US-amerikanischen Militärregierung. Der sowjetisch kontrollierte Norden beantwortete dies mit der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea am 9. September 1948, deren erster Präsident Kim Il-sung wurde. Beide Regierungen sahen sich als rechtmäßige Regierung über ganz Korea an und erklärten darüber hinaus, diesen Anspruch auch militärisch durchsetzen zu wollen.

Koreakrieg mini|140px|Kriegsverlauf (Nordkorea rot und Südkorea grün)

Am 25. Juni 1950 überschritt die Nordkoreanische Volksarmee die Grenze am 38. Breitengrad und leitete damit den Koreakrieg ein. Ziel des Angriffs war die gewaltsame Integration Südkoreas in die sozialistische Demokratische Volksrepublik. Der amerikanische Präsident Harry S. Truman hatte bereits wieder einige Truppen nach Südkorea geschickt, die jedoch keinesfalls ausreichten, um die materielle Überlegenheit der Nordkoreaner über die südkoreanische Armee auszugleichen. Die Hauptstadt Seoul fiel bereits nach drei Tagen, und rund einen Monat später kontrollierten die Nordkoreaner bereits die gesamte Koreanische Halbinsel bis auf einen schmalen Streifen im Süden um Busan. Erst hier gelang es den Südkoreanern, die Lage zu stabilisieren, die Situation blieb aber gefährlich. Nordkorea hatte bei Beginn des Krieges damit gerechnet, dass sich die Bevölkerung des Südens nach dem Angriff auf seine Seite schlagen und so der südkoreanische Staat von selbst zusammenbrechen würde. Zwar wurden die Truppen des Nordens zunächst auch freudig begrüßt, jedoch verging diese Sympathie schnell, als die Nordkoreaner in den besetzten Gebieten eine Bodenreform durchführten und die Besatzungstruppen anfingen, diejenigen, die sich dem diktatorischen Regime nicht fügen wollten, zu terrorisieren und zu töten.

Der UNO-Sicherheitsrat beschloss in der Resolution 85 in Abwesenheit der vetoberechtigten Sowjetunion, auf Seite Südkoreas einzugreifen. Mit der Landung bei Incheon Mitte September 1950 gelang es den UN-Truppen, die zu 90 % aus US-amerikanischen Truppen bestanden, die Erfolge der Nordkoreaner zu beenden. Am 30. September überschritten die Truppen Südkoreas den 38. Breitengrad, um Korea unter eigener Flagge wiederzuvereinigen. Im November erreichte man erste Abschnitte des Grenzflusses Yalu zu China. Die kommunistische Staats- und Parteiführung in Peking befürchtete, dass die UN-Truppen die Grenze überschreiten könnten, wie der für die UN-Operation verantwortliche General Douglas MacArthur gefordert hatte, und griff daraufhin mit eigenen Truppen (die Rede ist in China noch heute von einer „Freiwilligenarmee“) in den Koreakrieg ein. Die UN-Truppen wurden bis über den 38. Breitengrad zurückgedrängt, wo sich die Situation festigte.

Ab 1951 begann man unter der Vermittlung der Sowjetunion mit Waffenstillstands-Verhandlungen. Der Waffenstillstand wurde am 27. Juli 1953 beschlossen, unterzeichnet wurde er von der UN, Nordkorea und China. Der Präsident Südkoreas Rhee Syng-man weigerte sich, den Vertrag zu unterzeichnen. Vorgesehen wurde die Einrichtung einer vier Kilometer tiefen demilitarisierten Zone ungefähr am 38. Breitengrad sowie von Verhandlungsräumen in Panmunjeom. Die demilitarisierte Zone stellt auch heute noch die Grenze der beiden koreanischen Staaten dar.

Jüngere Geschichte bis heute

Ab 1960: Kalter Krieg Oktober 1966 bis 1969 – Im Konflikt um die demilitarisierte Zone (DMZ) kommt es zu einer Serie militärischer Scharmützel zwischen Nordkorea, das in die DMZ eingreift, und Südkorea bzw. den USA („Zweiter Koreakrieg“). 21. Januar 1968 – Nordkoreanische Agenten versuchen den südkoreanischen Präsidenten Park Chung-hee im „Blauen Haus“ zu ermorden, scheitern aber dabei. 11. Dezember 1969 – Eine NAMC YS-11 der Korean Air Lines wird entführt. August 1971김영호. 사실로 본 한국 근현대사. 2nd ed. 서울:황금알, 2011. Print. – Die ersten Rotkreuz-Gespräche zwischen Nord- und Südkorea finden statt. 4. Juli 1972 – Das „North-South Joint Statement“, in dem die drei Voraussetzungen für eine Wiedervereinigung festgelegt wurden, wird veröffentlicht: Erstens, die Wiedervereinigung muss unabhängig von verbündeten oder fremden Mächten stattfinden. Zweitens, die Wiedervereinigung muss in einer friedlichen Weise und ohne den Einsatz von Waffengewalt stattfinden. Drittens, die Wiedervereinigung muss die Differenzen der Ideologien und Regierungen überwinden und auch eine geistige Vereinigung des koreanischen Volkes vorsehen. 18. August 1976 – In Panmunjeom findet der „Axt-Mord“ (koreanisch: ) statt, bei dem zwei Soldaten der US-Armee von nordkoreanischen Soldaten in der Joint Security Area getötet werden. Die US-Soldaten waren Teil einer Arbeitsgruppe, die in der DMZ Bäume fällen sollten. Daraufhin wurde die Operation Paul Bunyan gestartet.

Ab 1980: Annäherungsversuche und Auseinandersetzungen 18. bis 27. Mai 1980 – Gwangju-Aufstand; Studenten und Bürger wehren sich gegen die Militärdiktatur, die südkoreanische Armee erschießt – je nach Quelle – 154 bis 2.300 unbewaffnete Demonstranten, tausende werden verletzt. 9. Oktober 1983 – in Rangun verüben nordkoreanische Agenten einen Bombenanschlag auf den südkoreanischen Präsidenten Chun Doo-hwan. 1984 – Das nordkoreanische Rote Kreuz unterstützt den Süden bei einer Flutkatastrophe. 1987 – Nordkoreanische Agenten verüben einen Bombenanschlag auf Korean-Airlines-Flug 858; 115 Menschen sterben. 1988 – Die Olympischen Sommerspiele 1988 finden in Seoul statt. 4. bis 7. September 1990 – Die ersten Friedensverhandlungen finden in Seoul statt. 25. März 1991 – Ein gemeinsames koreanisches Team nimmt unter der Wiedervereinigungs-Flagge an der 41. Tischtennis-Weltmeisterschaft in Japan teil. 6. Mai 1991 – Ein gemeinsames koreanisches Team nimmt an der 8. Junioren-Fußballweltmeisterschaft in Portugal teil. 13. Dezember 1991 – Das Versöhnungsabkommen zwischen Nord- und Südkorea wird unterzeichnet; es vereinbart einen Aggressions-Stopp, Handel und Kooperation. 8. Juli 1994 – Kim Il-sung stirbt. 1994 – Erste Nuklearkrise, die durch Mobilmachungen in Nord- und Südkorea und die Anordnung höchster Alarmbereitschaft der amerikanischen Einheiten vor Ort gekennzeichnet war.FAZ vom 14. April 2013: Korea-Krise Das Drehbuch 8. Oktober 1994 – Kim Jong-il wird zum Ersten Sekretär der Partei der Arbeit Koreas gewählt. 15. Juni 1999 – Die erste Seeschlacht um Yeonpyeong findet statt, nachdem Nordkorea die Northern Limit Line nicht länger akzeptieren will.

Ab 2000: Sonnenscheinpolitik

Erstes innerkoreanisches Gipfeltreffen

Ein erstes innerkoreanisches Gipfeltreffen war bereits für 1994 geplant. Es fand jedoch wegen des Todes von Kim Il-sung nicht statt. Tatsächlich wurde das erste Treffen zwischen Kim Dae-jung und Kim Jong-il von 13. bis 15. Juni 2000 in Pjöngjang abgehalten. Letzterer konnte durch seinen Auftritt Sympathien in der südkoreanischen Gesellschaft gewinnen. Kim Dae-jung wurde für das Treffen im gleichen Jahr der Friedensnobelpreis verliehen. Allerdings stand dieser auch in der Kritik, da zum Gipfel vermutlich 400 Millionen US-Dollar inoffiziell über die südkoreanische Firma Hyundai an Nordkorea gezahlt worden waren.

Vereinbart wurde auf dem Gipfel unter anderem die Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone, der Industrieregion Kaesŏng.Rüdiger Frank: Nordkorea. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2014, Seite 77/78, ISBN 978-3-421-04641-3.

Am 15. August 2000 durften sich erstmals Familien aus Nord- und Südkorea besuchen.

Ab 2002: Sechs-Parteien-Gespräche

29. Juni 2002 – die zweite Seeschlacht um Yeonpyeong findet statt 5. Juli 2006 – Nordkorea testet erstmals Taepodong-2-Raketen 9. Oktober 2006 – erster Atomwaffentest durch Nordkorea

2007: zweites innerkoreanisches Gipfeltreffen Die am 15. Juni 2000 unterzeichnete gemeinsame Erklärung beinhaltete das Ziel, dass die Führer beider Staaten in einer angemessenen Zeit einen zweiten Gipfel abhalten werden. Dies war ursprünglich noch für das Jahr 2000 gedacht, in dem ein zweites Gipfeltreffen in Südkorea stattfinden sollte, wurde aber bis 2007 nicht umgesetzt. So trafen sich erst am 2. Oktober 2007 die Führer beider Länder in der demilitarisierten Zone, um einen erneuten Friedensgipfel abzuhalten. Präsident Roh Moo-hyun vertrat Südkorea, Kim Jong-il Nordkorea.Korean leaders in historic talks, BBC, 2. Oktober 2007In pictures: Historic crossing, BBC, 2. Oktober 2007Mixed feelings over Koreas summit, BBC, 2. Oktober 2007Kim greets Roh in Pyongyang before historic summit, CNN. Abgerufen am 2. Oktober 2007.