Die Archäologie des Ortes Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut ist von den reichen Salzvorkommen des Hallstätter Salzberges geprägt, der sich oberhalb des heutigen am See gelegenen Ortes in den Ostalpen befindet. Die Hallstätter Salzvorkommen werden nachweislich seit 1500 v. Chr. durch Bergbau erschlossen und bescherten dem Ort großen Reichtum. In der Archäologie ist Hallstatt vor allem durch Funde aus einem Gräberfeld der älteren Eisenzeit berühmt, die den Ort namengebend für diese Epoche in ganz Europa werden ließen. Neben dem Gräberfeld mit seinen außergewöhnlich reichen Grabbeigaben sind inzwischen auch die Funde aus den prähistorischen Bergwerken weltweit bekannt, die dank der Erhaltungsbedingungen im Salzberg ein außergewöhnlich breites Spektrum umfassen.

Spuren menschlicher Tätigkeit in Hallstatt Spuren über 7000-jähriger menschlicher Tätigkeit in Hallstatt fanden sich bislang vor allem im Salzbergtal oberhalb des heutigen Ortes und im heutigen Ortsgebiet am Hallstätter See. Bekannt sind derzeit Strukturen aus der Bronzezeit, der Hallstattzeit, der Latènezeit und der Römerzeit. Diese werden ergänzt durch auch in Schriftquellen gut belegte Anlagen aus Hoch- und Spätmittelalter sowie der Neuzeit. Aus der Jungsteinzeit, der Völkerwanderungszeit und dem Frühmittelalter gibt es bislang lediglich vereinzelte Funde.

Auf dem Hallstätter Salzberg kennt man aus der Bronzezeit den Bergbau und Anlagen einer Fleischindustrie. Aus der Hallstattzeit sind der Bergbau und das Gräberfeld bekannt. In die Latènezeit gehört eine Siedlung auf der Dammwiese, die sich nahe an den ebenfalls bekannten Bergbauanlagen befindet. Im Tal und damit im Bereich des heutigen Ortsgebietes wurden eine Siedlung und ein Gräberfeld der römischen Kaiserzeit gefunden. Im Hochmittelalter angeschlagene Stollen, die zum Teil heute noch in Verwendung sind, finden sich ein wenig unterhalb der unteren Dammwiese. Bislang sind für keine Epoche Bergbau, Siedlung und Bestattungsplatz gemeinsam bekannt, sodass für jeden Zeitabschnitt nur ein beschränkter Blick in die Vergangenheit möglich ist. Die Geschichte Hallstatts ist zu allen Zeiten eng mit dem Salzabbau verwoben. Da das gewonnene Salz, anders als andere Handelsprodukte, an seinem Bestimmungsort üblicherweise gänzlich verbraucht wird oder vergeht, ist es schwierig, eine Vorstellung von den Handelswegen und mitunter auch von der konkreten Nutzung zu gewinnen. Dass man mit Salz Fleisch und Milchprodukte konservieren kann, war auch den Menschen der Vorzeit bekannt. Darüber hinaus fand und findet es auch in Medizin und Viehzucht Verwendung. Zu allen Zeiten und in den unterschiedlichsten Kulturen haben die Menschen jedoch Wege gefunden, Salz zu ersetzen, sodass es nicht zwingend auf diese Weise verwendet worden sein muss. Denkbar ist auch eine Nutzung von Salz als Prestigeobjekt (siehe Salzgeld).

Jungsteinzeit (ca. 5500–2200 v. Chr.) Wann die ersten Menschen das Salzbergtal aufsuchten, ist nicht geklärt. Durch die Solequellen am Berg, die damals wie heute mit ihrem salzhaltigen Wasser Tiere anlockten, könnten sich Menschen, die diese Tiere jagten, schon recht früh im Tal aufgehalten haben.

mini|Hirschgeweihpickel aus dem Hallstätter Salzbergtal, radiokarbondatiert auf 5000 v. Chr.

Die ältesten Fundobjekte, die die Anwesenheit von Menschen im Salzbergtal und auch im Gebiet des heutigen Ortes beweisen, datieren in die Jungsteinzeit. Etwa 7000 Jahre alt ist ein Pickel aus Hirschgeweih, den man 1838 im Kaiser-Josef-Stollen fand und der inzwischen einer Radio-Karbon-Analyse unterzogen wurde. Auf dem Hallstätter Salzberg und in der Umgebung des Ortes wurden außerdem mehrere Steinbeile gefunden. Sie datieren in den Zeitraum von 5000 bis 2000 v. Chr. Ihre Anzahl und die Vielfalt der Formen zeigen, dass Steinbeile auf dem Salzberg regelmäßig benutzt wurden. Da das Salzkammergut zu dieser Zeit nach derzeitigem Stand der Forschung noch nicht besiedelt war, könnte die frühe Anwesenheit von Menschen im Gebiet des heutigen Hallstatt ebenfalls auf die reichen Salzvorkommen zurückzuführen sein.Kerstin Kowarik, Hans Reschreiter: Erste Spuren. In: Anton Kern, Kerstin Kowarik, Andreas W. Rausch, Hans Reschreiter: Salz-Reich. 7000 Jahre Hallstatt. VPA 2, Wien 2008, S. 44f.

Bronzezeit (ca. 2000–800 v. Chr.) Bergbau Der erste Salzabbau im Hallstätter Salzberg lässt sich um 1500 v. Chr. nachweisen. Spuren dieses bronzezeitlichen Bergbaus wurden unter anderem in den neuzeitlichen Grubenteilen Appoldwerk, Christian von Tuschwerk und Grünerwerk gefunden.

Die drei bislang bekannten bronzezeitlichen Bergwerke sind Schachtanlagen. Bei diesem Abbauverfahren wird ein Schacht vertikal in den Berg getrieben, bis man einen der reichen Kernsalzzüge erreicht, von denen der Hallstätter Salzberg durchzogen ist. Durch den Abbau des Salzes in diesen Kernsalzzügen entstehen seitlich vom Schacht abgehende Abbauräume.Hans Reschreiter, Kerstin Kowarik: Der Salzbergbau beginnt. In: Anton Kern, Kerstin Kowarik, Andreas W. Rausch, Hans Reschreiter: Salz-Reich. 7000 Jahre Hallstatt. VPA 2, Wien 2008, S. 50. Die Schachtanlagen von Hallstatt erreichten Tiefen von über 100 m.

mini|links|Rekonstruktion des bronzezeitlichen Salzabbaus an der Fundstelle Christian von Tuschwerk in Hallstatt.

Im Christian von Tuschwerk gelang es für einen bronzezeitlichen Abbauraum die Mindestmaße zu ermitteln. Dieser Raum hatte eine Grundfläche von 50 × über 20 m und war an manchen Stellen über 10 m hoch. Soweit bislang bekannt, wurde Salz in prähistorischer Zeit in Hallstatt ausschließlich im trockenen Abbau gewonnen. Die Bergarbeiter schlugen dazu mit ihren Bronzepickeln parallele Rillen in den Fels und lösten damit kleinere Salzstücke. In Tragsäcken brachte man das kleinteilige Salz über hölzerne Stiegen zum Schacht und mittels Wollsäcken über Seile anschließend an die Oberfläche. Eine dieser Holztreppen aus der Bronzezeit hat sich im Christian von Tuschwerk komplett erhalten. Die Treppe wurde dendrochronologisch untersucht und konnte auf die Jahre 1344 und 1343 v. Chr. datiert werden. Damit ist sie bislang die älteste erhaltene Holztreppe Europas.Fritz Eckart Barth, Johann Reschreiter: Neufund einer bronzezeitlichen Holzstiege im Salzbergwerk Hallstatt. In: Archäologie Österreichs 16/1 (2005) S. 27ff. Die Auftrittsbreite von über 1 m erlaubte ein gleichzeitiges Benutzen in beiden Richtungen bzw. das Nebeneinandergehen von mehreren Menschen, wie es beim Tragen sehr schwerer Lasten erforderlich gewesen sein könnte. Die Stiege besteht prinzipiell aus drei Elementen: den beiden seitlichen Holmen, den Auftrittbrettern und den Distanzbrettern, die über und unter jedem Auftrittbrett in die seitlichen Holme eingelassen sind. Die beiden seitlichen Holme bilden die Wangen der Treppe. Sie bestehen aus Baumstämmen von 20 bis 35 cm Durchmesser. In diese ist je eine 6 cm breite und 8 cm tiefe Längsnut eingearbeitet. Die Auftrittbretter sind lediglich mit einem viereckigen Zapfen in den Wangen zu beiden Seiten in die Nut geschoben.

mini|Bronzezeitliche Stiege aus den Hallstätter Salzbergwerken, dendrochronologisch auf 1344 und 1343 v. Chr. datiert.

Die Treppe war durch diese Konstruktionsweise einfach zu bauen, zu transportieren und zu reparieren. Sie gehört zu jenen Spezialentwicklungen des bronzezeitlichen Bergbaus, die in dieser Form nur in Hallstatt belegt sind. Da der Bergdruck die erhaltene Stiege im Christian von Tuschwerk zu beschädigen drohte, war es notwendig, sie an ihrem Fundplatz abzubauen und umzusiedeln. Die Stiege wurde vor dem Abbau umfassend am Fundort dokumentiert. Dann wurde sie in über 60 Einzelteile zerlegt, wobei aufgrund der Enge des Bergwerks und der umgebenden Fundschichten die Stiegenwangen zersägt werden mussten. Die Teile wurden ins Naturhistorische Museum nach Wien gebracht, wo eine umfassende technische Aufnahme durchgeführt wurde. Darüber hinaus wurde sie unter anderem erneut dendrochronologisch untersucht und es wurde eine Computertomographie durchgeführtDetails der Stiegenübersiedlung sind nachzulesen im Stiegenblog der Hallstatt-Forschung auf https://hallstatt-forschung.blogspot.co.at/. Da die Stiege für ihre Erhaltung sehr spezielle klimatische Bedingungen benötigt, wie sie im Hallstätter Salzberg herrschen, und sie zudem der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte, wurde sie im Besucherbergwerk der Salzwelten Hallstatt neu aufgestellt. In einem eigens dafür angelegten Schauraum ist sie dort seit Frühjahr 2015 Teil der regulären Führungen. Zuvor war sie ausschließlich im Rahmen von Sonderführungen zu sehen. Um ein konstantes Klima für das bronzezeitliche Holz zu gewährleisten, wurde für die Stiege eine Großraumvitrine errichtet, die durch eine diffusionsdichte Folie vom Besucherraum abgeschlossen ist. Das Klima im Inneren der Kammer wird zusätzlich überwacht durch ein umfassendes Klima-Monitoring. Im Schauraum, dem „Bronzezeit-Kino“, informiert ein vierminütiger Dokumentarfilm unter anderem über einige der interdisziplinären Forschungen, die im prähistorischen Bergwerk durchgeführt werden. Die Arbeitsabläufe im bronzezeitlichen Bergbau werden in Form einer Animation visualisiert.

Aufgrund der ausgereiften Technik des Betriebes in den bekannten Grubenrevieren, vermuten die Hallstätter Montanarchäologen, dass diese bronzezeitlichen Bergwerke nicht die ältesten auf dem Salzberg sind.Hans Reschreiter, Kerstin Kowarik: Der Salzbergbau beginnt. In: Anton Kern, Kerstin Kowarik, Andreas W. Rausch, Hans Reschreiter: Salz-Reich. 7000 Jahre Hallstatt. VPA 2, Wien 2008, S. 50. Diese Vermutung stützt sich neben der Größe der Abbauräume auch auf die Hallstätter Spezialentwicklungen, die sich unter den gefundenen Arbeitsmitteln immer wieder feststellen lassen. Sie waren exakt auf die Bedürfnisse in den Hallstätter Salzbergwerken abgestimmt und scheinen unabhängig zu sein von Anregungen aus anderen Bergwerken, wie etwa dem nahegelegenen Kupferbergbau am Mitterberg. Neben der oben beschriebenen Stiege gehören zu diesen Entwicklungen unter anderem Tragsäcke (siehe Kapitel Experimentelle Archäologie) und Schutzleder für die Hände. Die drei bekannten bronzezeitlichen Bergwerke wurden im 13. Jahrhundert v. Chr. durch einen Schuttstrom verschüttet. Das von der Oberfläche in die Hohlräume eingedrungene Material hat im Grünerwerk und im Christian von Tuschwerk verhindert, dass der Bergdruck die Abbauräume wieder verschloss. Ob nach diesem Ereignis an anderer Stelle auf dem Salzberg unmittelbar neue Abbaubereiche erschlossen wurden oder ob es daraufhin bis in die Hallstattzeit keine professionelle Salzgewinnung auf dem Hallstätter Salzberg gab, ist noch ungeklärt.

Fleischproduktion und Almwirtschaft