Tupperware (Standarddeutsch [], auch ursprünglich []) ist ein Markenname, unter dem das gleichnamige US-amerikanische Unternehmen mehrheitlich aus Kunststoff bestehende Küchen- und Haushaltsartikel sowie auch Kosmetik- und Körperpflegeprodukte vertreibt.

Im September 2024 stellte Tupperware in den Vereinigten Staaten einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren. Im November 2024 meldete auch das deutsche Tochterunternehmen Insolvenz an und stellte im Januar 2025 die Geschäftstätigkeit ein. Noch im selben Jahr wurde der Vertrieb von Tupperware in Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien und Polen wiederbelebt.

Unternehmensgeschichte

Startphase Das Unternehmen wurde 1938 von dem Chemiearbeiter Earl Silas Tupper, dem Sohn eines Farmers und einer Wäscherin, als Earl S. Tupper Company in Leominster, Massachusetts gegründet. Tupper hatte keine einschlägige Ausbildung, sondern hat wie sein Vater zunächst in der Landwirtschaft gearbeitet. Mit einer ersten eigenen Geschäftsidee scheiterte er. Beim Chemiekonzern DuPont lernte Tupper den Kunststoff Polyethylen (PE) kennen. Gegenstände aus Kunststoff sind leicht, unzerbrechlich, flexibel und einfacher herzustellen als die in den damaligen Haushalten üblichen Behälter aus Metall, Glas oder Porzellan. PE lässt sich beliebig einfärben und ist weitgehend geschmacks- und geruchsneutral.

Tupper stellte zunächst Perlen, Plastikbehälter für Zigaretten und Seife her. 1944 wurde das Unternehmen in Tupper Plastic Company umbenannt und erhielt nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg einige lukrative Aufträge von den US-Streitkräften, Teile für Gasmasken und Signallampen zu fertigen. 1946 entwickelte er die Kunststoffformen.

Einsetzender Erfolg und Inhaberwechsel Nach dem Krieg entwickelte Earl Tupper Kunststoffprodukte für den wachsenden Haushaltsmarkt. Eines der ersten zivilen Produkte, die er 1946 auf den Markt brachte, war die wonderlier bowl, die „Wunderschüssel“, eine luft- und wasserdichte Vorratsdose mit Sicherheitsverschluss, in der sich Lebensmittel länger frisch hielten. Das war in einer Zeit, in der ein Kühlschrank noch nicht zur regulären Kücheneinrichtung gehörte, ein revolutionäres Produkt zur Lagerung von leicht verderblichen Lebensmitteln.

Tupperware-Verkäuferin Brownie Wise, die das Konzept der Tupperpartys erfand, wurde mit der Zeit zur Leiterin der Verkaufsabteilung und zur Vizepräsidentin von „Tupperware Home Parties“. Sie setzte auf eine starke emotionale Bindung der Kunden und Verkäufer an die Marke Tupperware. Da sie aufgrund ihres Erfolges relativ freie Hand hatte, veranstaltete sie jedes Jahr eine große Party für alle Verkäufer, am Ende im Wert von damals 48.000 Dollar. Earl Silas Tupper befürchtete, dass die Bindung der Verkäufer Wise galt und nicht den Produkten, und entließ Wise 1958 ohne offizielle Begründung. Keiner der 2000 anwesenden Verkäufer folgte Wise zu ihrem neuen Kosmetik-Vertrieb. Anschließend ließ Tupper Wise aus der Unternehmenschronik tilgen. Der Gründer zog sich noch im gleichen Jahr aus dem aktiven Geschäft zurück und verkaufte das Unternehmen für 16 Millionen US-Dollar an Justin Dart von der Rexall Drug Company.

In Deutschland wurde zuvor ein der Tupperparty ähnliches Konzept durch die Porzellanfabrik Sorau angewandt.

Weitere Unternehmensentwicklung Tupperware Brands Corporation war mittlerweile zu einem international tätigen Unternehmen geworden und seit 1962 auch in Deutschland vertreten. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 12.800 Mitarbeiter, davon etwa 900 in den Vereinigten Staaten. Der Verkauf von Küchen- und Haushaltsartikeln bildet zwar noch das Hauptgeschäft, doch musste Tupperware zwischen 1996 und 2006 in diesem Bereich einen Umsatzeinbruch von bis zu 26 % und einen noch stärkeren Gewinneinbruch hinnehmen. Von seinem Höhepunkt 1996, als das Unternehmen mit dem ausschließlichen Verkauf von Küchen- und Haushaltsartikeln weltweit noch einen Umsatz von 1,369 Milliarden Dollar erwirtschaftete, fiel der weltweite Umsatz in dieser Sparte auf nur noch 1,013 Milliarden Dollar im Jahr 2002. Im Heimatmarkt Nordamerika ging der Umsatz mit Küchen- und Haushaltsartikeln zwischen 2002 und 2006 um fast die Hälfte zurück. In Deutschland musste Tupperware in den Jahren 2005 und 2006 ebenfalls einen Umsatzrückgang von über 20 % hinnehmen.

Angesichts dieser Entwicklung und eines 60-prozentigen Gewinneinbruchs zwischen 1996 und 2000 sah sich Tupperware zu einem Wechsel seiner bisherigen Unternehmensstrategie gezwungen. Die neue Geschäftsstrategie sieht die Erweiterung auf zusätzliche Konsumgüter vor. Diese begann im Oktober 2000 mit der Übernahme des im Kosmetikbereich tätigen Unternehmens BeautiControl Inc., das aber nur einen bescheidenen Beitrag am Umsatz leistete. Mit der Übernahme der Direktvertriebssparte von Sara Lee Corporation vollzog Tupperware im Dezember 2005 einen wichtigen Schritt zum Aufbau seines zweiten Standbeines und änderte zugleich auch seine bisherige Firma von Tupperware Corporation in Tupperware Brands Corporation.

2007 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 1,87 Milliarden US-Dollar. Der Verkauf von Küchen- und Haushaltsartikeln machte dabei knapp zwei Drittel des Umsatzes aus und erbrachte etwas mehr als die Hälfte des Gewinnes. (englisch) 2008 konnte der Umsatz auf 2,2 Milliarden Dollar gesteigert werden, wovon 1,5 Milliarden Dollar auf Produkte der Marke Tupperware entfielen.

Niedergang Die höchsten Umsatzerlöse der Unternehmensgeschichte wurden im Geschäftsjahr 2013 erzielt. Damals wurde mit 13.100 Mitarbeitern ein Umsatz von 2,67 Mrd. US-Dollar erzielt (nach heutiger Kaufkraft rund Mrd. US-Dollar).2013 Form 10-K Report, auf www.sec.gov, abgerufen am 21. Juni 2025 Seither sind die Umsätze fast jedes Jahr gesunken, wenn auch erst nur in geringem Umfang. Anfang 2020 (kurz vor Beginn der COVID-19-Pandemie) teilte Tupperware einen großen Umsatz- und Gewinneinbruch mit. Am Ostermontag 2023 stürzte die Aktie um fast die Hälfte ab, nachdem das Unternehmen eine Gewinnwarnung abgegeben hatte. Unternehmenschef Miguel Fernandez sprach davon, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um eine Insolvenz abzuwenden. Im Juli des Jahres fiel die Aktie auf rund 62 US-Cent. Im August 2023 teilte das Unternehmen mit, sich mit seinen Gläubigern auf eine Restrukturierung seiner Schulden geeinigt zu haben. Anfang September 2023 hatte die Aktie sich auf rund 2,37 Dollar erholt. Von Januar 2023 bis September 2024 wurden laut gerichtlichen Gläubiger-Angaben 67 Millionen Dollar für Restrukturierungsmaßnahmen ausgegeben, bei einem gleichzeitigen Schuldenstand von 818 Millionen Dollar.

Im September 2024 beantragte das Unternehmen in den Vereinigten Staaten ein Insolvenzverfahren gemäß Chapter 11. Als Grund für diese Entwicklung wird angenommen, dass Konkurrenzunternehmen, der Internethandel und nicht zuletzt Essenslieferdienste Tupperware zu schaffen machten und zunehmend das Geschäftsmodell – die Notwendigkeit, große Mengen an Essensresten aufzubewahren – infrage stellten.Tupperware meldet in den USA Insolvenz an, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. September 2024, S. 23 Am 27. November 2024 meldete die deutsche Tochter Tupperware Deutschland GmbH beim Amtsgericht Frankfurt am Main Insolvenz an. Seit dem 8. Januar 2025 galt die Abwicklung von Tupperware in Deutschland als sicher; der Geschäftsführer für Deutschland hatte sich vergeblich um neue Lizenzverträge von der US-Muttergesellschaft bemüht. Im selben Monat stellte das Unternehmen die Geschäftstätigkeit in Deutschland ein.Tupperware stellt Geschäft in Deutschland ein. manager-magazin.de, 16. Januar 2025. Für rund 200 Beschäftigte in Deutschland bedeutete dies den Verlust des Arbeitsplatzes, Kunden verloren ihre Garantieansprüche.Alexander Arnö: Nach Tupperware-Aus: Deutschland-Geschäft eingestellt. BR 24, 20. Januar 2025.

Neustart Der französische Unternehmer Cédric Meston kaufte im Frühjahr 2025 den französischen Tupperware-Zweig und strebt ein Comeback in Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien und Polen an. In den USA wurde die Hauptzentrale in Orlando 2024 geschlossen, die neue CEO Laurie Ann Goldmann arbeitet von ihrem Zuhause in Manhattan aus.

Produkte und Produktion Tupperware verkauft unter dem Markennamen Tupperware ein breites Sortiment von Küchen- und Haushaltsartikeln sowie Kosmetik- und Körperpflegeprodukte unter den Markennamen Avroy Shlain, BeautiControl, Fuller, NaturCare, Nutrimetics, Nuvo und Swissgarde.

Im Juni 2024 gab Tupperware bekannt, den Standort in Hemingway, South Carolina, das letzte Werk in den USA, zu schließen und die Produktion nach Mexiko zu verlagern. In Europa fertigt Tupperware noch in Belgien, Griechenland und Portugal; ein Werk in Frankreich wurde 2017 geschlossen. Weitere Produktionsstandorte sind China, Brasilien, Indien, Japan, Korea und Südafrika.

Vertrieb Tupperware Brands Corporation verkauft die Produkte überwiegend im Direktvertrieb über ein Vertriebssystem, das nach Unternehmensangaben aus rund 1,9 Millionen selbständigen Vertriebspartnern besteht. Davon entfallen knapp 900.000 auf den Bereich Küchen- und Haushaltsartikel und etwas mehr als eine Million auf den Bereich Kosmetik und Körperpflege. In Deutschland gab es im Jahr 2008 rund 60.000–70.000 Beraterinnen, von denen nicht alle aktiv waren, sowie rund 4.000 Gruppenberaterinnen, die einer der bundesweit 159 sogenannten Bezirkshandlungen zugeordnet waren.Claudia Groß: Multi-Level-Marketing – Identität und Ideologie im Network-Marketing. VS-Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15936-2, S. 103, 105, 106 f.

Tupperware-Party mini|Tupperparty in den 1960er-Jahren

In den Anfangsjahren des Unternehmens wurden die Produkte noch in normalen Haushaltswarengeschäften angeboten. Allerdings verkauften sie sich nicht besonders gut. Zur besseren Vermarktung seines patentierten Sicherheitsverschlusses suchte Tupper nach neuen Vertriebswegen. 1948 wurde er auf Stanley Home Products aufmerksam, ein Vertriebsunternehmen, bei dem zwei Verkäufer, Thomas Damigella und Brownie Wise, beträchtliche Mengen von Tuppers Produkten bei Heimvorführungen verkauften. Zusammen mit ihnen wurde die Idee der „Tupperparty“ entwickelt. Brownie Wise wurde 1951 Verkaufsdirektorin bei Tupperware und als erste Frau auf dem Titelbild der Business Week abgedruckt.Mimi Minnick: National Museum of American History. (englisch) 1954 erreichte sie damit einen Jahresumsatz von 25 Millionen Dollar.

Das Konzept sieht vor, persönliche Beziehungen und Freundschaften zu nutzen, um neue Kunden zu gewinnen. An einem Nebenerwerb interessierte Unternehmensfremde stellen ihre Wohnung für eine Verkaufsveranstaltung zur Verfügung, zu der sie Freunde und Bekannte einladen und bewirten. Die Gastgeber erhalten für ihre Mühen eine Entlohnung in Form von Gratis-Produkten, Preisnachlässen oder Bonuspunkten; auch die Gäste erhalten bei einer Bestellung meist ein Gratisprodukt. Bei diesen Veranstaltungen ist ein geschulter Verkäufer anwesend, der die Produkte vorführt und die Bestellungen der Kunden entgegennimmt. Die direkte Ansprache der Bekannten der Gastgeber in Verbindung mit fehlender Vergleichsmöglichkeit zu Konkurrenzprodukten ist ein wichtiger Faktor, um die vergleichsweise teuren Produkte absetzen zu können.Thomas Hammer: Nach der Verkaufsparty kann die Ernüchterung folgen. In: Süddeutsche Zeitung. 5. April 2006. Laut Unternehmensangaben fanden im Jahr 2006 weltweit 11,9 Millionen solcher Verkaufsveranstaltungen statt. Sie stellten damit zumindest bis in die frühen 2000er Jahre die wichtigste, wenn auch nicht die einzige Vertriebsform von Tupperware-Produkten dar.Party is over for Tupperware UK. In: BBC News. 22. Januar 2003.