Margot Bieler (* bei LeipzigRo.: Wir stellen vor: Margot Bieler. In: Stuttgarter Neues Tagblatt vom 1. September 1943. Seite 2.M. Jaeger: Vier neue Gesichter im Schauspielensemble. In: Württemberger Zeitung vom 18. September 1943. Seite 4.; † ?) war eine deutsche Theaterschauspielerin und Hörspielsprecherin.
Leben Margot Bieler ergriff den Schauspielberuf gegen den Widerstand ihres Elternhauses, insbesondere gegen den Willen des Vaters. Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie an der Schauspielschule Dresden. Bieler spielte im Verlauf ihrer Karriere auf der Bühne ein breites Repertoire, das Tragödien der Antike, Werke von William Shakespeare, die Frauenfiguren der Klassik (Gretchen, Iphigenie, Luise, Jungfrau von Orleans), insbesondere aber auch Theaterstücke der Jahrhundertwende, der Moderne und des damals zeitgenössischen Theaters umfasste. Bieler wurde anfangs im Rollenfach der jugendlichen Heldin und der jugendlichen Liebhaberin besetzt, übernahm jedoch bald auch verstärkt das Charakterfach.
Während des Zweiten Weltkriegs begann sie ihre Bühnenlaufbahn in der Spielzeit 1941/42 am Stadttheater Reichenberg im damaligen Reichsgau Sudetenland. Ab April 1942 spielte sie dort die Annke in der Erstaufführung der historischen Tragödie Annke von Skoepen des nationalsozialistischen Dramatikers Friedrich Bethge. In der Spielzeit 1942/43 folgten die Thekla in Wallenstein, die Cordelia in König Lear und die Titelheldin in Agnes Bernauer von Friedrich Hebbel.
Ende 1942 wurde sie von dem damaligen Stuttgarter Generalintendanten Gustav Deharde für drei Jahre an das Württembergische Staatstheater Stuttgart verpflichtet. Ab der Spielzeit 1943/44 gehörte sie dem Württembergischen Staatstheater Stuttgart an, wo sie als Guntrada in der Komödie Spuren im Schnee des Journalisten und Bühnenautors Josef Nowak (1901–1988) debütierte.Schauspielbeginn beim Staatstheater. In: Stuttgarter Neues Tagblatt vom 11. August 1943. Seite 2.Neue Staatstheater-Mitglieder. In: Württemberger Zeitung vom 12. August 1943. Seite 3. Ab September 1943 stand sie am Württembergischen Staatstheater Stuttgart als Prinzessin Sidselill in Gerhart Hauptmanns Komödie Schluck und Jau auf der Bühne.Hermann Dannecker: „Schluck und Jau“ in den Württ. Staatstheatern erstausgeführt. Aufführungskritik. In: Stuttgarter Neues Tagblatt vom 20. September 1943. Seite 2.Erwin Bareis: „Schluck und Jau“ – Die Komödie zweier Landstreicher. Aufführungskritik. In: Württemberger Zeitung vom 22. September 1943. Seite 4. Ab November 1943 übernahm sie mit der Luise in einer Neuinszenierung von Kabale und Liebe ihre „erste große Rolle“ am Württembergischen Staatstheater Stuttgart, für die sie gute Kritiken erhielt.Ulrich Rothermel: Kabale und Liebe. Aufführungskritik. In: Stuttgarter Neues Tagblatt vom 26. November 1943. Seite 2.Erwin Bareis: „KABALE UND LIEBE“ in neuer Inszenierung im Kleinen Haus. Aufführungskritik. In: Württemberger Zeitung vom 27. September 1943. Seite 4. Zu ihren weiteren Rollen in der Spielzeit 1943/44 gehörten die Eleonore in Das Käthchen von Heilbronn, die Ismene in Antigone und die Isabella in Maß für Maß.Ulrich Rothermel: Riedys Neuinszenierung des „Käthchens von Heilbronn“. Aufführungskritik. In: Stuttgarter Neues Tagblatt vom 27. Dezember 1943. Seite 2.Erwin Bareis: Kleists „Käthchen von Heilbronn“ in neuer Inszenierung. Aufführungskritik. In: Württemberger Zeitung vom 27. Dezember 1943. Seite 4.Ulrich Rothermel: Die Antigone des Sophokles in der Uebertragung Hölderlins. Aufführungskritik. In: Stuttgarter Neues Tagblatt vom 24. Januar 1944. Seite 2.Ulrich Rothermel: Shakespeares „Maß für Maß“ im Württ. Staatstheater. Aufführungskritik. In: Stuttgarter Neues Tagblatt vom 13. Mai 1944. Seite 2. Ab Juli 1944 spielte sie bis zur Schließung aller Theaterbühnen im Deutschen Reich noch die Sklavin Lesbia in Gyges und sein Ring von Friedrich Hebbel.Ulrich Rothermel: Hebbels „Gyges und sein Ring“ im Staatstheater. Aufführungskritik. In: Stuttgarter Neues Tagblatt vom 10. Juli 1944. Seite 2.
Im Sommer 1945 trat sie, noch dem Ensemble des Württembergischen Staatstheaters Stuttgart angehörend, beim „Theater-Markt Tübingen“ als Julia in einer Freilichtaufführung von Romeo und Julia auf dem Marktplatz von Tübingen auf.Johannes Großmann/Thomas Theurer: Die Franzosen in Tübingen. Ein virtueller Stadtrundgang: „Museum“. Zitat: „Im „Museum“ fanden mit Unterstützung der französischen Militärregierung die ersten Theater- und Kinovorführungen nach dem Krieg statt. Aus einer Freilichtvorführung von „Romeo und Julia“ durch eine junge Schauspieltruppe auf dem Marktplatz entwickelte sich schließlich das Städtische Schauspielhaus. Dieses nahm seinen Spielbetrieb unter der Leitung von Günther Stark am 19. Oktober auf.“ Mit einem Foto aus Romeo und Julia mit Margot Bieler.Hellmut Schlien: Theaterbeginn in Tübingen. In: Südkurier vom 2. November 1945, Seite 2. Ab der Spielzeit 1947/48 gehörte sie zum Schauspielensemble der Städtischen Bühnen Essen.Margot Bieler. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1945/1948. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 56. Jg., Berlin 1948, S. 463 (Register). In der Spielzeit 1949/50 übernahm sie dort die Rolle der Titelheldin in einer Neuinszenierung des Trauerspiels Stella.Wernher Witthaus: Ein Schauspiel für Liebende. Aufführungskritik. In: General-Anzeiger vom 3. Oktober 1949. Seite 2.
1949 spielte sie am Landestheater Hannover das Gretchen in einer Faust-Neuinszenierung.Gräfin Mariza. Städtische Bühnen Hannover. Programmheft Spielzeit 1947/48. Darin: Mitteilungen der Intendanz, Seite 11/12.Faust in der Bundesrepublik Deutschland (1949-1989). In: Bernd Mahl: Goethes "Faust" auf der Bühne (1806-1996). Fragment - Ideologiestück - Spieltext. Metzler Verlag. Stuttgart, Weimar 1998. ISBN 978-3-476-01609-6, S. 135. Ab der Spielzeit 1952/53 war sie fest am Landestheater Hannover engagiert, wo sie als „Darstellerin mit starker Ausstrahlung“ galt.Margot Bieler. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1953. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 61. Jg., Hamburg 1953, S. 202 und S. 358 (Register).Kurt Erhardt und sein Ballhof-Stil. Hannovers Theatergeschichte. Offizielle Internetpräsenz Niedersächsisches Staatstheater Hannover. Abgerufen am 21. April 2026. 1953 spielte sie dort an der Seite von Ludwig Anschütz die Rhodope in Hebbels Schauspiel Gyges und sein Ring. In der Spielzeit 1955/56 trat sie am Landestheater Hannover in der Titelrolle des Schauspiels Die heilige Johanna auf.Herbert A. Frenzel, Hans Joachim Moser (Hrsg.): Kürschners biographisches Theater-Handbuch. Schauspiel, Oper, Film, Rundfunk. Deutschland, Österreich, Schweiz. De Gruyter, Berlin 1956, S. 52. () In der Spielzeit 1957/58 übernahm sie dort die Titelrolle in Maria Stuart (Regie: Kurt Ehrhardt).In: Rolf Aurich · Torsten Musial (Hg.): Eberhard Fechner. Chronist des Alltäglichen. edition text + kritik, 2019. ISBN 978-3-869-16868-5, Seite 196. In der Spielzeit 1958/59 spielte sie dort die Emilia in Othello.Othello. Spielzeit 1958/59. Besetzung. Abgerufen am 21. April 2026.
In der Spielzeit 1957/58Margot Bieler. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1958. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 66. Jg., Hamburg 1958, S. 290 und S. 445 (Register). übernahm sie am Nationaltheater Mannheim die Titelrolle der Semiramis in der deutschen Uraufführung von Calderons Die Tochter der Luft. Die Frankfurter Allgemeine hob damals ihre Darstellung lobend hervor, wünschte jedoch Bieler hätte „stille überlegene Kälte“ darstellen sollen statt „pausenlose Exaltation“.Henry W. Sullivan: Calderón in the German Lands and the Low Countries: His Reception and Influence, 1654-1980, Cambridge Univ. Press 2009, ISBN 978-0-521-12160-6, S. 391.Christian Weber: Max Kommerell. Eine intellektuelle Biographie, De Gruyter 1979, ISBN 978-3-11-023752-8, 241 Ab der Spielzeit 1959/60 war sie bis zum Ende der Spielzeit 1961/62 für drei Spielzeiten fest am Nationaltheater Mannheim verpflichtet.Margot Bieler. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1960. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 68. Jg., Hamburg 1960, S. 307 und S. 471 (Register).Margot Bieler. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1962. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 70. Jg., Hamburg 1962, S. 314 und S. 489 (Register). Sie wirkte dort in Hauptrollen an mehreren viel beachteten Inszenierungen mit. Über ihre Darstellung der Titelrolle in Hedda Gabler (1960) von Henrik Ibsen schrieb die Presse, in Margot Bieler habe das Nationaltheater „eine Hedda Gabler von mondäner Erscheinung und bedeutsamer schauspielerischer Kraft“.Baden-Württemberg, Baden-Württembergische Verlagsanstalt, 1960, S. 41Herbert Meyer: Das Nationaltheater Mannheim: 1929–1979, S. 209 In einer Inszenierung von Friedrich Siems verkörperte sie 1960 am Nationaltheater Mannheim die Titelrolle in Heinrich von Kleists Drama Penthesilea.Margot Bieler als Penthesilea in der Neuinszenierung. In: Die Rheinpfalz vom 17. Februar 1960. In der Spielzeit 1960/61 trat sie am Nationaltheater Mannheim in der Neuinszenierung des Trauerspiels Miss Sara Sampson (Premiere: September 1960) als Geliebte Marwood auf; ihre Bühnenpartner waren Uta Sax (Titelrolle) und Wolfgang Höper. Zu ihren Bühnenrollen am Nationaltheater Mannheim gehörte auch die Königin Eleonore in Shakespeares Historiendrama König Johann.
Beim Rundfunk betätigte sich Bieler als Hörspielsprecherin, zum Beispiel als Lottchen in Der Bauer als Millionär und als Natalja in Anton Tschechows Einakter Der Heiratsantrag, die 1946 von Radio Stuttgart produziert wurden.Der Bauer als Millionär. Produktionsdetails und Besetzungsliste. Abgerufen am 21. April 2026. In den 1950er Jahren arbeitete sie als Hörspielsprecherin für den NWDR und den NDR.Phantastische Geschichten. Produktionsdetails und Besetzungsliste. Abgerufen am 21. April 2026.Die Nase. Produktionsdetails und Besetzungsliste. Abgerufen am 21. April 2026.Margot Bieler. Einträge in der Hörspieldatenbank 1946–1956. Abgerufen am 21. April 2026. Auch auf kommerziellen Märchenschallplatten war sie als Sprecherin zu hören, so in der Rolle der Mutter in der 1959 bei dem Label Polydor veröffentlichten Fassung des Märchens Der standhafte Zinnsoldat von Hans Christian Andersen..
Ab Anfang der 1960er Jahre reiste Bieler mehrmals nach Mallorca und verfasste Texte über ihre Eindrücke, die 1981, gesprochen von Lis Verhoeven, unter dem Titel Verliebt in Mallorca auf LP und MC eingespielt und bei Polydor veröffentlicht wurden.Verliebt in Mallorca. Liz Verhoeven liest Texte von Margot Bieler, Deutsche Grammophon, Hamburg 1981. ()
Margot Bieler war mit dem u. a. am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Landestheater Hannover verpflichteten Schauspieler Karl Worzel (1921–2001) verheiratet. Im Mannheimer Adressbuch ist sie 1960 unter dem Namen Margot Worzel-Bieler mit der Berufsbezeichnung „Schauspielerin“ eingetragen.In: Mannheimer Adressbuch 1960. Verlag Dr. Haas KG, Mannheim. Seite 831. In den von der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger herausgegebenen Deutschen Bühnenjahrbüchern ist sie zuletzt für die Spielzeit 1961/62 als Mitglied des Schauspielensembles am Nationaltheater Mannheim gelistet. Über eine weitere Tätigkeit Bielers als Schauspielerin ist nichts bekannt.
Einzelnachweise
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