Die Rue Notre-Dame des Champs ist eine Straße im 6. Arrondissement von Paris. Sie beginnt bei der Rue de Rennes (als Abzweigung zwischen den Hausnummern 125 und 127) und endet bei der Avenue de l’Observatoire.

Lage Auf einer Länge von mehr als einem Kilometer durchquert die Straße das 6. Arrondissement von West nach Ost. Dabei folgt sie der kurvenreiche Trasse des Feldweges, der hier ursprünglich verlief.

In unmittelbarer Nähe ihres Anfangs befindet sich die Station Saint-Placide, die von der Linie 4 der Pariser Métro bedient wird. Gut 200 Meter nach dem Beginn der Straße befindet sich an der Kreuzung zum Boulevard Raspail die zur Linie 12 der Pariser Métro gehörende Station Notre-Dame-des-Champs und in unmittelbarer Nähe ihres Endes die zur Linie B des Pariser Schnellbahnnetzes RER gehörende Bahnhof Port-Royal.

Namensursprung Die Straße wurde ursprünglich als Weg zur Kapelle Église Notre-Dame-des-Champs angelegt und bezieht hieraus ihren heutigen Namen.

Geschichte Der Weg existierte nachweislich bereits im 14. Jahrhundert und war ursprünglich unter der Bezeichnung Chemin Herbu bekannt. Später firmierte die Straße als Rue du Barc, Chemin de Coupe Gorge (1670), Rue Neuve Notre-Dame des Champs und während der Revolution als Rue de la Montagne des Champs.

Sehenswürdigkeiten Haus Nr. 22: Collège Stanislas Haus Nr. 28: Institut supérieur d’électronique de Paris Haus Nr. 53: Kulturzentrum Lucernaire. Haus Nr. 68: ehemaliges Mutterhaus der Schwestern Unserer Lieben Frau von Sion Haus Nr. 82: errichtet von 1904 bis 1905 vom Architekten Constant Lemaire; die Skulpturen stammen von Louis Hollweck«82, Rue Notre-Dame des Champs», www.pass-archi.eu. Haus Nr. 107–109: École alsacienne

Berühmte Bewohner Nr. 19: Hier stand das Haus, in dem Sainte-Beuve 1830 wohnte.Hortense Allart, Nouvelles Lettres à Sainte-Beuve, 1832–1864, Librairie Droz, 1965, ISBN 978-2-600-03473-9 Hier stand das Haus eines kleinen Seminars (bis 1914).Jacques Hillairet, Dictionnaire historique des rues de Paris, Paris, Éditions de Minuit, 1972, 1985, 1991, 1997 usw. (1. Ausg. 1960), 1 476 S., 2 Bd., ISBN 2-7073-1054-9, OCLC 466966117, Bd. 2, S. 188 Nr. 27 (ehemals 11): Victor Hugo lebte hier von April 1827 bis Februar 1830. Nr. 28: Der Bildhauer Francis La MonacaSeine italienische Homepage zog 1911 hier ein.An dieser Stelle wurde das ISEP errichtet. Nr. 34: Atelier von Auguste Renoir von 1871Gerhard Finckh, Auguste Renoir und die Landschaft des Impressionismus, Von der Heydt-Museum, 2007, S. 188 bis 1873Ambroise Vollard, Auguste Renoir, Éditions G. Crès et Cie, 1920, S. 63 Nr. 53: 1870 wohnte Paul Cézanne in dem Haus, das damals diese Adresse hatte.(fr) Les adresses de Cézanne à Paris, La Société Paul Cezanne Nr. 70 und 70 bis: In den Ateliers dieser Adresse wohnten, arbeiteten oder unterrichtetenNamensangaben ohne separate Einzelnachweise gemäß Patrick Modiano / Christian Mazzalai: 70 bis, Entrée des artistes (s. Literatur). u. a. Jean-Léon Gérôme (Maler und Bildhauer), Xavier de Montépin (Roman- und Bühnenschriftsteller), Janet Scudder (US-amerikanische Bildhauerin), Fredrik Ulrik Wrangel (schwedischer Maler), Alexander Harrison (US-amerikanischer Maler), Frederik Hendrik Kaemmerer (niederländischer Maler), Henry Ossawa Tanner (afroamerikanischer Künstler), Frank Burty Haviland (Maler) und sein Bruder Paul (Fotograf), Anna Coleman Ladd (US-amerikanische Bildhauerin), Ezra Pound (US-amerikanischer Dichter), Claude Cahun und Suzanne Malherbe (Künstlerinnen), Ossip Zadkine (russisch-französischer Maler und Bildhauer), Paul Jouve (Maler). Nr. 73: Der Maler Othon Friesz (1879–1949) unterhielt von 1914 bis zu seinem Ableben am 10. Januar 1949 ein Atelier. Nr. 83: Hier lebte von 1972 bis zu seinem Tod der Schriftsteller und Philosoph Manès Sperber (1905–1984). Die Wohnung wird noch heute von seinem Sohn Dan Sperber (* 1942) bewohnt.(fr) la plaque apposée sur la façade Nr. 86: Atelier des Amerikaners James McNeill Whistler von 1892 bis 1902Isabelle Enaud-Lechien, James Whistler. Le peintre et le polémiste (1834–1903), ACR Éditions, coll. «Poche Couleur», 1995, S. 162 Atelier von Fernand Léger,«Fernand Léger dans son atelier, 8, 6, rue Notre-Dame-des-Champs», 1937, Foto von Brassaï, collection particulière er gründete hier 1924 die Académie de l’art moderne mit Amédée Ozenfant (1886–1966), wo Letzterer bis 1928 unterrichtete; daraus wurde dann 1934 die Académie de l’art contemporain.Fernand Léger et la vérité optique, Beilage in Presse de l’exposition rétrospective au Centre Georges-Pompidou du 29 mai au 29 septembre 1997 Der Fresko Maler Marcel-Lenoir zog 1928 hier ein.Marie-Ange Namy, « Marcel-Lenoir et la fresque », InSitu. Revue des patrimoines, N° 22, 2013 Nr. 96: Charles Champigneulle, GlasmalerBiographie de Charles Champigneulle sur le site du musée de la Marine Nr. 111: Camille ClaudelJanet Souter, Camille Claudel, traduction de Marion Olivier, Parkstone International, ISBN 978-1-85995-107-1, S. 19 (fr) nachzulesen Nr. 113: Ernest Hemingway von 1924 bis 1926.The New York Times: «Hemingway’s Paris», 2006 Das Haus wurde im 19. Jahrhundert vom Bankier Louis-Prosper Claudel und seiner Familie bewohnt.vgl. Artikel über Jessie Lipscomb Nr. 117: Camille Claudel (1864–1943)Reine-Marie Paris: Camille Claudel 1864–1943, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-10-059003-9, S. 27 mietete seit 1882 zusammen mit weiteren früheren Absolventen der Art Training School – Amy Singer, Emily Fawcett und Jessie Lipscombarchive.wikiwix.com – ein gemeinsames Atelier, in dem die jungen Frauen von Alfred Boucher unterrichtet wurden. (französisch; abgerufen am 1. Juli 2012) Auch der Maler Charles Gleyre (1806–1874) unterhielt in der Straße ein Atelier, in dem um 1856/57 der spätere Zeichner und Schriftsteller George du Maurier (1834–1896) ein Kunststudium absolvierte.vgl. Liste der Wohnadressen von George du Maurier

Einige Bilder aus der Straße

Besondere Einrichtungen In der Straße befindet sich eine Reihe von kirchlichen (Bildungs-)Einrichtungen.

Im ersten Abschnitt zwischen Rue de Rennes und Boulevard Raspail befindet sich im Haus Nummer 18 die Congrégation des Soeurs du Bon Secours de Paris, eine römisch-katholische Ordensgemeinschaft von Krankenschwestern. Unter der benachbarten Nummer 22 befindet sich das katholische Collège Stanislas.Collège Stanislas (französisch; abgerufen am 6. April 2013) Auf der gegenüber liegenden Seite befindet sich unter Nummer 17 die katholische Communauté Foyer de Nazareth.

Auf der anderen Seite, an der Kreuzung mit dem Boulevard Raspail, befindet sich im Haus Nummer 39 die Union Mondiale des Organisations Féminines Catholique (dt. Weltverband der katholischen Frauenorganisationen)World Union of Catholic Women’s Organisations (englisch; abgerufen am 6. April 2013) und die Herberge Association Adèle Picot.

Hinter der nächsten Kreuzung mit der Rue Vavin befindet sich im Haus Nummer 61 ein Schulinternat der Notre-Dame de Sion – Sainte Marie Apel. (französisch; abgerufen am 6. April 2013)

Im Haus Nummer 109 befindet sich die weltliche Privatschule der École Alsacienne.École Alsacienne (französisch; abgerufen am 6. April 2013)

In der Literatur In der zweiten Episode des Romans L’Envers de l’histoire contemporaine von Honoré de Balzac wird Godefroi von der Société des Frères de la consolation im Jahr 1839 in ein Haus in der Rue Notre-Dame des Champs geschickt, das zum Boulevard du Montparnasse führt, wo die Familie von Monsieur Bernard wohnt:

In Der König in Gelb (1895) von Robert W. Chambers beginnt eine der Kurzgeschichten mit dem Titel La Rue Notre-Dame-des-Champs:

Beginnend in der Mitte des 19. Jahrhunderts, widmen Patrick Modiano (Text) und Christian Mazzalai (Auswahl der Illustrationen) den Bewohnern der Ateliers der Adresse „Rue Notre-Dame des Champs 70 bis“ ihr Buch 70 bis, Entrée des artistes (2025; s. Literatur).

Literatur Patrick Modiano, Christian Mazzalai: 70 bis, Entrée des artistes. Gallimard, Paris 2025, ISBN 978-2-07-312363-3.

Weblinks

Die Rue Notre-Dame des Champs auf der Website der Stadt Paris (französisch)

Einzelnachweise

NotreDame des Champs Kategorie:Straße in Europa