Die Straßenbahn Krefeld bildet seit dem Jahr 1883 das Rückgrat des Öffentlichen Nahverkehrs in Krefeld. Nachdem es in den 1960er Jahren Bestrebungen zur Stilllegung des Straßenbahnnetzes gegeben hatte, in deren Folge viele Streckenabschnitte eingestellt wurden, wurden seit 1980 wieder Neubaustrecken eröffnet. Am 9. Juni 2013 wurde jedoch der einen Kilometer lange Streckenabschnitt zur ehemaligen Hauptverwaltung der Thyssen-Edelstahlwerke (heute: Outokumpu Nirosta) stillgelegt. In den letzten Jahren wurden neue Niederflurwagen des Typs Bombardier Flexity Outlook C beschafft.

Heute wird das meterspurige Netz von vier Linien bedient und umfasst rund 43 Kilometer Linien- und 36,7 Kilometer Streckenlänge. Davon sind 14,8 Kilometer auf einem eigenen Bahnkörper verlegt und somit beinahe unbeeinflusst vom Individualverkehr.

Betrieben wird die Straßenbahn von der SWK MOBIL GmbH, einem Unternehmensbereich der in städtischem Besitz befindlichen SWK Stadtwerke Krefeld AG. Außerdem verkehren die normalspurigen Linien U 70 und U 76 der Stadtbahn Düsseldorf, die in der Krefelder Innenstadt auf Drei- bzw. Vierschiengleisen gemeinsame Streckenabschnitte nutzen.

Geschichte Pferde- und Dampfbahn Im Jahr 1883 beauftragte die Stadt Krefeld das Berliner Unternehmen Eisenbahnbau- und Betriebs-Gesellschaft Reymer und Masch mit dem Bau eines Straßenbahnnetzes. Innerhalb eines Jahres baute es drei meterspurige Dampfbahnstrecken zu benachbarten Orten und eine Pferdebahn zur Verbindung dieser Strecken im Stadtgebiet.Michael Kochems: 125 Jahre Straßenbahn in Krefeld. In: Straßenbahn Magazin, Juni 2008, S. 14–23. Am 1. Januar 1884 gründete die Stadt die Crefeld-Uerdinger Localbahn AG und erteilte ihr eine 40-jährige Konzession für den Betrieb der Straßenbahnen in Krefeld.

Eröffnungsdatum Strecke Art 3. Mai 1883 Rheinstr. – Uerdinger Str. – Kaiserstr. Dampfbahn 10. Mai 1883 Neusser Str. – Hochstr. – Friedrichstr. Pferdebahn 11. Mai 1883 Thiergarten – Bockum Dampfbahn 12. Mai 1883 Friedrichstr. – Sternstr. – Drießendorfer Str. Pferdebahn 8. Juni 1883 Bockum – Bahnübergang in Uerdingen Dampfbahn 10. Juni 1883 Drießendorfer Str. – Oranierring Pferdebahn 25. Juli 1883 Drießendorfer Str. – Hüls Dampfbahn 5. September 1883 Bahnhof – Kölner Str. – Fischeln Dampfbahn 5. November 1883 Bahnübergang – Uerdingen, Markt Dampfbahn Dieses Netz wurde mit 13 Dampflokomotiven, 30 Personenwagen und 13 Pferdebahnwagen befahren. Die Depots befanden sich an der Kreuzung Vinzensstraße/Kronprinzenstraße (heute Philadelphiastraße) in Krefeld und in Fischeln. Später entstand ein drittes Depot in Hüls.

Elektrische Straßenbahn bis zum Ersten Weltkrieg Seit dem 15. Dezember 1898 wird die Stadt durch die, von der Rheinischen Bahngesellschaft AG betriebene und normalspurige, K-Bahn aus Richtung Düsseldorf angefahren. Da diese gut angenommen wurde, die Pferdebahn an ihre Kapazitätsgrenze stieß und die Dampflokomotiven wegen ihres Lärms und ihrer Abgase nicht sehr beliebt waren, änderte die Stadt am 13. September 1899 mit dem Betreiber der Bahn den Konzessionsvertrag so, dass alle Strecken elektrifiziert werden sollten. Darüber hinaus sollten bis zum 1. Juli 1902 noch sechs weitere Strecken gebaut werden. Im ursprünglichen Vertrag war festgesetzt, dass die Gesellschaft am 31. Dezember 1942 in den Besitz der Stadt übergehen sollte. Damit wurde die Lokalbahn Eigenbetrieb der Stadt.

Als erstes wurde durch die Firma Siemens & Halske ein Elektrizitätswerk an der heutigen Hansastraße errichtet. Dieses versorgte die Bahn mit 550 Volt Gleichspannung. Die Oberleitungen wurden von der Union Electricitäts-Gesellschaft aus Berlin hergestellt. Am 12. Oktober 1900 fand die erste Probefahrt auf der Strecke zwischen Fischeln und Krefeld statt, die reguläre Eröffnung der ersten Linie folgte am 1. November. Ende 1901 waren die Elektrifizierungsarbeiten beendet. Folgende Strecken wurden bis 1904 neu gebaut: Eröffnungsdatum Strecke 21. November 1900 Bahnhof – Kanalstr. – Ostwall – Moerser Str. – Moerser Platz 19. November 1900 Ostwall – Rheinstr. – Kronprinzenstr. – Cracauer Str. – Bismarckplatz 19. April 1901 St.-Anton-Str. – Bahnhof St. Töniser Str. 18. September 1901 Bahnhof St. Töniser Str. – Uerdinger Markt 22. September 1902 Wasserturm – Gladbacher Str. – Behringshof 31. Juli 1903 Bismarckplatz – Hohenzollernstr. – Stadtwald 6. August 1903 Frankenring – Marktstr. – Karlsplatz – Westwall – Dreikönigenstr. – Alte Linner Str. – Seidenstr. – Dießemer Str. – Oppumer Str. 23. Juli 1904 Bahnhof St. Töniser Str. – St. Tönis Insgesamt wurden Ende 1904 sechs neue Linien in Krefeld und Umgebung durch die Crefelder Straßenbahn AG betrieben. Sie waren mit römischen Ziffern und Farben (farbige Hinterlegung) gekennzeichnet. Nummer Strecke Takt (Minuten) I Uerdingen Markt – Bockum – Rheinstr. – Markthalle – St. Tönis 15 Ia St. Töniser Str. – Markthalle – Rheinstr. – Thiergarten 5/10 II Hüls – Moritzplatz – Markthalle – Hochstr./Neumarkt – Bahnhof Nordseite 20 IIa Moritzplatz – Markthalle – Hochstr./Neumarkt – Bahnhof Nordseite 5/10 III Moerser Platz – Nordwall – Ostwall – Bahnhof Nordseite – Hubertusstr. – Amtsgericht 10 IIIa Stadtwald – Bismarckplatz – Rheinstr. – Ostwall – Bahnhof Nordseite 10 IV Schlachthof/Bahnstr. – Dreikönigenstr. – Westwall – Marktstr./Frankenring 10 V Fischeln – Bahnhof Südseite – Saumstr. – Heideck/Wasserturm – Behringshof 10 VI Augustaplatz – Martinstr. – Friedhof 10

Bis 1914 wurde das Netz regelmäßig erweitert. Es kamen folgende Abschnitte neu hinzu: Eröffnungsdatum Strecke 16. November 1906 Amtsgericht – Westparkstr. 16. April 1908 Oppumer Str. – Oppum – Linn Mitte 31. Mai 1908 Linn Mitte – Linn Rheinhafen 7. Dezember 1909 Moerser Platz – Moerser Str. – Moerser Landstr. – Traar Rathaus 7. Dezember 1908 Moerser Eck – Hüttenallee – Stadtwald 1. Oktober 1910 Heideck – Willich – Schiefbahn 8. Dezember 1908 Behringshof – Stahlwerk 3. Februar 1913 Bahnstr. – Oberdießemer Str. – Oberdießem 26. September 1908 Alter Friedhof – Heideckstr. – Neuer Friedhof

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs existierten insgesamt elf Linien in und um Krefeld, welche bis auf eine Ausnahme mit Nummern und Kennfarben versehen waren. Nummer Strecke Takt (Minuten) 1 Uerdingen Markt – Bockum – Tiergarten – Rheinstr. – Markthalle – St. Töniser Str. – St. Tönis 10 2 Tiergarten – Rheinstr. – Markthalle – St. Töniser Str. 10 3 Hüls – Moritzplatz – Markthalle – Ostwall – Hauptbahnhof – Königshof – Fischeln 15 4 Moritzplatz – Markthalle – Ostwall – Hauptbahnhof – Königshof 15 5 Frankenring – Westwall – Dreikönigenstr. – Bahnstr. – Dießem 20 6 Frankenring – Westwall – Dreikönigenstr. – Bahnstr. – Oppum – Linn – Rheinhafen 20 7 Moerser Platz – Ostwall – Hauptbahnhof – Tannenstr. – Hubertusstr. – Amtsgericht – Kaserne 10 8 Traar – Verberg – Moerser Platz – Ostwall – Rheinstr. 60 9 Stadtwald – Bismarckplatz – Uerdinger Str. – Ostwall – Hauptbahnhof – Augustaplatz – Behringshof – Stahlwerk 10 10 Deutscher Ring – Augustaplatz – Stahldorf – Willich – Schiefbahn 60 - Augustaplatz – Martinstr. – Friedhof Pendellinie ohne Takt

Vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg Wie in anderen Straßenbahnbetrieben auch, wurden in Krefeld zahlreiche Männer zur Armee einberufen, sodass ihre Posten von Frauen übernommen wurden. Zusätzlich wurden acht Wagen für die Beförderung von Kranken und Verwundeten umgerüstet. Ab 1917 kamen Gütertransporte hinzu. Da hierzu auch die Beförderung von Kohle gehörte, stellte man am 8. Februar 1918 eine Verbindung zwischen Traar und Moers her und erhielt direkten Anschluss an die Moers-Homberger Straßenbahn GmbH. Im Westen erfolgte in Schiefbahn der Anschluss an die Straßenbahn München-Gladbach (damaliger Name von Mönchengladbach). Ab der Fertigstellung verkehrten auf diesen Gleisen zwischen Moers, Krefeld, Willich, München-Gladbach und Rheydt vier dampfbetriebene Züge.

Nach dem Ende des Krieges begann am 19. Mai 1919 auch die Personenbeförderung zwischen Krefeld und München-Gladbach. Allerdings mussten Reisende in Schiefbahn umsteigen. Ab dem 15. November 1920 gab es auch eine elektrifizierte Strecke zwischen Krefeld und Moers.

Infolge der Inflation und der damit einhergehenden Engpässe in der Versorgung mit Kohle kam es in den Nachkriegsjahren mehrfach zu Einstellungen des Fahrbetriebs. So ruhte der Verkehr zwischen dem 21. Dezember 1919 und dem 12. Januar 1920, dem 22. Januar und 1. Februar 1920 sowie dem 21. September und dem 15. Oktober 1923. mini|Ehemalige Krefeld-Wagen in Weimar im Einsatz (Richtung Falkenburg) Ende 1924 wurden acht Gebrauchtwagen (1900 gebaut) an die Straßenbahn Weimar verkauft und in Weimar im Januar 1925 in Betrieb genommen. Zwei weitere Wagen aus der Serie gingen im selben Jahr an die Herkulesbahn in Kassel.

Trotz der Schwierigkeiten ging der Ausbau des Netzes stetig voran. Unter anderem führte man am 9. Februar 1925 eine durchgehende Linie zwischen Krefeld und München-Gladbach ein. Am 1. April desselben Jahres wurde auch die von der Crefelder Straßenbahn AG und der Moers-Homberger Straßenbahn GmbH gemeinsam betriebene Linie zwischen beiden Städten in Betrieb genommen. Zu Beginn der 1930er Jahre kamen zahlreiche neue Strecken hinzu. Eröffnungsdatum Strecke 15. März 1920 Rheinhafen – Reinholdhütte 1. Mai 1922 Gladbacher Str. – Lehmheide – Heideckstr. – Wasserturm – Gladbacher Str. 15. Mai 1926 Heideckstr. – Stahlwerk 15. Mai 1927 Uerdinger Str. – Grenzstr. – Oppumer Str. 4. April 1928 Uerdingen Röttgen – Kurfürstenstr. – Bahnhof Uerdingen 13. April 1930 Uerdinger Str. – Kronprinzenstr. – Voltastr. 13. April 1930 Friedrichstr. – Hubertusstr. 11. Mai 1930 Friedrichsplatz – Hubertusstr. 30. Juli 1930 Theaterplatz – Carl-Wilhelm-Str. – Lohstr. – Rheinstr. 12. Oktober 1930 Stadtwald – Verberg (auf separatem Bahnkörper) 12. Oktober 1930 Uerdinger Str. – Victoriastr. – Bismarckplatz 12. Oktober 1930 Preußenring – Westbahnhof – Frankenring – Lewerentzstr. – Tannenstr. Parallel zu den Neubauten wurden einige Strecken in benachbarten Straßen stillgelegt. Insgesamt schuf man bis zum 12. Oktober 1930 15 Linien mit einer Gleislänge von 68 Kilometern. Die Kennfarben der Linien waren mittlerweile verschwunden: Nummer Strecke Takt (Minuten) 1 Hohenbudberg Kirche – Uerdingen Bahnhof – Bockum – Rheinstr. – Markthalle – St. Tönis 30 2 St. Töniser Str. – Obergplatz – Markthalle – Rheinstr. – Bockum – Uerdingen Bahnhof 30 3 Hüls – Friedrichplatz – Markthalle – Ostwall – Hauptbahnhof – Königshof – Fischeln 15 4 Inrath – Friedrichsplatz – Markthalle – Ostwall – Hauptbahnhof – Königshof 15 5 Hindenburgstr. – Amtsgericht – Friedrichsplatz – Rheinstr. – Kronprinzenstr. – Voltastr. -Dießem 15 6 Reinholdhütte – Linn – Oppum – Voltastr. – Kronprinzenstr. – Rheinstr. – Amtsgericht – Preußenring – weiter als Linie 11 30 7 Stadtwald – Vluyner Platz – Moerser Platz – Ostwall – Hauptbahnhof – Tannenstr. – Marktstr. – Amtsgericht – Hindenburgstr. 15 8 Rheinstr. – Hauptbahnhof – Stahldorf – Willich Kirche 60 9 Verberg – Stadtwald – Bismarckplatz – Ostwall – Hauptbahnhof – Stahlwerk 15 11 Rheinhafen – Linn – Oppum – Bahnstr. – Hauptbahnhof – Tannenstr. – Frankenring – Westbahnhof – Preußenring – weiter als Linie 6 30 12 Ruhrort – Homberg – Moers – Kapellen – Traar – Verberg – Stadtwald – Moerser Platz – Ostwall – Hauptbahnhof 60 13 (Ruhrort – Homberg – Moers – Kapellen -) Traar – Verberg – Stadtwald – Moerser Platz – Ostwall – Hauptbahnhof 60 14 Rheinstr. – Hauptbahnhof – Stahldorf – Willich Kirche – Schiefbahn – Niersbrücke – München-Gladbach Hauptbahnhof 60 15 Uerdingen Bahnhof – Bockum – Grenzstr. – Ostwall – Hauptbahnhof – Lehmheide – Friedhof 15 16 Hauptbahnhof – Bahnstr. – Grenzstr. – Rheinstr. – Nordwall – Friedrichsplatz – Amtsgericht – Preußenring – Frankenring – Tannenstr. – Hauptbahnhof 30