The Heartland Institute ist eine US-amerikanische konservative und libertäre Denkfabrik mit Sitz in Chicago und Zweigstelle in London. Die 1984 von Joseph Bast gegründete Organisation gehört dem Atlas Network an und hat sich vor allem dem Abbau von Umwelt-, Gesundheits- und Klimaschutzvorschriften in Amerika und Europa verschrieben. Während zunächst die Verteidigung von Tabakprodukten und DDT zu den Schwerpunktthemen zählte, avancierte später die Klimawandelleugnung zum zentralen Thema. Seit 2020 verbreitete die Organisation Falschinformationen und Verschwörungstheorien zur COVID-19-Pandemie. Es hält enge Verbindungen zur Regierung Trump und trug zur Erstellung des Project 2025 bei, einem Plan zum Umbau der USA, der als Roadmap für diese Regierung angesehen wird.Rei Takver: Heartland Institute Podcast Questions Whether All Americans ‘Should Have the Right to Vote’. In: Desmog, 4. Mai 2026. Abgerufen am 7. Mai 2026.
Das Heartland Institute wird als pseudowissenschaftlicher Thinktank beschrieben und zählt zu den zentralen Akteuren der organisierten Klimawandelleugnerszene. Sein Kernziel liegt darin, für die fossile Energieindustrie Klima- und Umweltschutzmaßnahmen zu verhindern.Aktiv gegen Klimaschutz – Die Klimawandel-Leugner aus Thüringen. In: Mitteldeutscher Rundfunk, 15. Juni 2025. Abgerufen am 25. Januar 2025. Recherchen des Institute for Strategic Dialogue kamen auch zum Ergebnis, dass Versuche, die Umweltbewegung mit Denunziation zu überziehen oder verächtlich zu machen fast immer mit Organisationen wie dem Heartland Institute oder dem Committee for a Constructive Tomorrow (CFACT) in Verbindung gebracht werden können, deren Ziel es ist, das Vertrauen in die Klimaforschung zu zerstören.Julia Ebner: Massenradikalisierung. Wie die Mitte Extremisten zum Opfer fällt. Berlin 2023, S. 73.
Finanziert wird Heartland unter anderem von der Tabak-, Kohle- und Erdölindustrie. Wichtige Geldgeber sind bzw. waren u. a. Philip Morris, die R. J. Reynolds Tobacco Company, die Koch Family Foundation, die Mercer Family Foundation und ExxonMobil.
Geschichte Die Organisation wurde 1984 gegründet und hat sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, marktwirtschaftliche Lösungen für soziale und wirtschaftliche Probleme zu fördern und zu entwickeln. Zunächst beschäftigte man sich mit Themen des mittleren Westens der USA und weitete ab 1993 das Programm deutlich aus.
Bis in die 1990er-Jahre war es ein kleiner regional operierender Thinktank, entwickelte sich dann aber im anschließenden Jahrzehnt zu einer der führenden Kräfte der organisierten Klimawandelleugnerszene.
Personal Heartland beschäftigte im Januar 2020 40 Mitarbeiter.Katarina Huth, Jean Peters, Jonas Seufert: Die Heartland Lobby. In: Correctiv, 4. Februar 2020. Abgerufen am 16. Februar 2020. Langjähriger Leiter war Joseph Bast, der die Organisation seit ihrer Gründung bis 2017 als Präsident führte, seine Nachfolge trat der der Tea-Party-Bewegung nahestehende ehemalige Kongressabgeordnete Tim Huelskamp an. Ende 2017 warf Huelskamp dem Ölkonzern ExxonMobil – historisch gesehen einer der wichtigsten Finanziers der Klimaleugnerbewegung – vor, ein langjähriges Mitglied der „diskreditierten“ und gegen die Energiebranche kämpfenden „Globale-Erwärmung-Bewegung“ zu sein. Huelskamp verließ im Juni 2019 Heartland. Dessen Nachfolge trat Frank Lasée an, ein ehemaliges Mitglied im Senat des Bundesstaates Wisconsin. Unter seiner Führung entließ Heartland etwa die Hälfte seiner Mitarbeiter. Laut Huffington Post war es in eine wirtschaftliche Schieflage geraten.
Themen Propagierung von Tabak und DDT und Einsatz gegen Luftreinhaltepolitik In den 1990ern half das Heartland Institute zunächst Philip Morris bei der Verbreitung von Material, mit dem der Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs in Frage gestellt werden sollte. Nach James Lawrence Powell in The Inquisition of Climate Science (2012) führten das Heartland Institute und der Tabakkonzern Philip Morris über Jahre eine „symbiotische Beziehung“. Nachdem die Umweltbehörde EPA das Passivrauchen als krebserregend eingestuft hatte, finanzierte Heartland für Philip Morris u. a. eine Konferenz, die sich mit den Auswirkungen dieser Gesetzgebungen befassen sollte und Teil der Gegenreaktion des Konzerns auf diese Entscheidung war. Zudem saß bis 2003 ein Manager des Konzerns im Heartland-Vorstand. 2006 tat sich Heartland mit der National Association of Tobacco Outlets zusammen und lancierte eine PR-Kampagne, die die öffentliche Meinung wieder pro Tabak ausschlagen lassen sollte, um auf diese Weise Rauchverboten vorzubeugen.
Mit Stand 2019 widmet das Heartland Institute einen ganzen Teilbereich seiner Website den Themen Tabak und Alkohol. Dort ruft es u. a. zu „Skeptizismus“ gegenüber „professionellen Anti-Rauch-Aktivisten“ auf, stellt die Gefahren des Passivrauchens in Frage oder schreibt, dass Rauchverbote gegen Eigentumsrechte verstoßen würden.Jessica Glenza, Sharon Kelly and Juweek Adolphe: Free-market groups and the tobacco industry - full database. In: The Guardian. Abgerufen am 24. Februar 2021.
Parallel kämpfte Heartland gegen Maßnahmen zur Reduzierung der Luftverschmutzung. Unter anderem erschien in den 1990er Jahren ein Artikel, in dem sich die Organisation gegen den vermeintlichen „Sauren-Regen-Quatsch“ positionierte.Susanne Götze, Annika Joeres: Die Klimaschmutzlobby. Wie Politiker und Wirtschaftslenker die Zukunft unseres Planeten verkaufen. München 2020, S. 68. Ebenfalls setzte es sich für die Verteidigung des Insektizids DDT ein und beteiligte sich an Diffamierungskampagnen gegen Rachel Carson. Unter anderem behauptete es, dass das DDT-Verbot über eine Million Menschenleben gekostet habe.Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Die Machiavellis der Wissenschaft (Original: Merchants of Doubt: How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco Smoke to Global Warming). Weinheim 2014, S. 280 und 299.
Klimawandelleugnung
Gemeinsam mit anderen konservativen Thinktanks wie z. B. dem Cato Institute, dem Competitive Enterprise Institute und dem George C. Marshall Institute spielt das Heartland Institute eine wichtige Rolle in den Versuchen, die Existenz der menschengemachten globalen Erwärmung durch Angriffe auf die Klimawissenschaft abzustreiten. Nachdem das Competitive Enterprise Institute seine Finanzierung von ExxonMobil verloren hatte, übernahm das Heartland Institute eine Führungsrolle im Leugnen der globalen Erwärmung.James Hoggan, Richard Littlemore: Climate Cover-Up: The Crusade to Deny Global Warming. Greystone Books 2009, S. 85. Von der New York Times wurde das Heartland Institute daraufhin als „führende amerikanische Organisation, die Klimaskeptizismus verbreitet“ bezeichnet, während die Wirtschaftszeitschrift Economist es den „weltweit prominentesten Thinktank, der Zweifel am menschengemachten Klimawandel sät“ nannte.Zit. nach: Gemäß The Guardian ist das Heartland Institute ein von der fossilen Energieindustrie finanzierter Thinktank, der bekannt dafür ist, „radikal antiwissenschaftliche“ Positionen zur Klimakrise zu verbreiten.Naomi Seibt: 'anti-Greta' activist called white nationalist an inspiration. In: The Guardian, 28. Februar 2020. Abgerufen am 28. Februar 2020.
Vereinigte Staaten Das Heartland Institute zählt sowohl zu den Organisationen, die die meisten klimaskeptischen Schriften produzieren, als auch zu denen, die die größte Reichweite in der Öffentlichkeit finden. Es produziert sowohl längere Abhandlungen als auch kurze Statements, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse geleugnet werden. Zu den wiederkehrenden Motiven zählen das vollständige Ablehnen eines menschlichen Einflusses auf die Erdatmosphäre, insbesondere von Treibhausgasen, was als „Realitätsverlust“ bezeichnet wird, die Diffamierung wissenschaftlicher Erkenntnisse als „Erfindungen“ und „kindliche Panik“ sowie Angriffe auf prominente Klimaforscher wie z. B. Michael E. Mann, den das Heartland Institute als „Alarmist“ bezeichnete, dessen Geschäft und Agenda „das Verbreiten von Falschinformationen und Mythen“ sei.
Um gezielt Verwirrung über den wissenschaftlichen Konsens bezüglich der globalen Erwärmung zu streuen, beteiligte sich das Heartland-Institut an der Gründung des Nongovernmental International Panel on Climate Change. Hierbei handelt es sich um eine Klimaleugnerorganisation, die als direktes Gegenstück zum IPCC fungieren soll und dabei das Ziel hat, in der Öffentlichkeit sowohl Unsicherheit über den Forschungsstand hervorzurufen als auch den Anschein zu erwecken, es gäbe eine vermeintliche große wissenschaftliche Kontroverse über grundlegende Aussagen zum menschengemachten Klimawandel.Riley Dunlap, Aaron M. McCright: Challenging Climate Change. The Denial Countermovement. In: Riley Dunlap, Robert J. Brulle (Hrsg.): Climate Change and Society. Sociological Perspectives. Report of the American Sociological Association’s Task Force on Sociology and Global Climate Change. Oxford University Press 2015, 300–332, S. 308. In einem bekannt gewordenen Budgetplan für 2012 vermerkt das Heartland Institute:
Ebenfalls 2012 geriet das Heartland Institute mit einer missglückten Werbekampagne in die Schlagzeilen. Die Organisation hatte auf elektronischen Plakatwänden den Unabomber Ted Kaczynski mit der Frage „Ich glaube immer noch an die globale Erwärmung. Du auch?“ gezeigt.Climate wars heat up with pulled Unabomber billboards, 4. Mai 2012 (englisch). Geplant wurde angeblich, Charles Manson, Fidel Castro und Osama bin Laden ebenso zu zitieren. Die Kampagne wurde umgehend abgebrochen und hatte dennoch erhebliche finanzielle und personelle Verluste zur Folge.
Infolge der finanziellen Schwierigkeiten wurden deshalb die längere Zeit veranstalteten Konferenzen der Klimaleugnerbewegung in Chicago zeitweise ausgesetzt. Das Kernprojekt von Heartland zu US-Versicherungsthemen ging ebenso verloren und wurde von einer Neugründung ausgetretener Mitarbeiter fortgeführt.Slate zu der Ausgründung unter dem Titel R Street Institute Der Spinoff wurde als R Street Institute ausgegründet und bekennt sich ausdrücklich dazu, keine Klimaskepsis zu verbreiten.David Weigel: Climate Change Believers Split from Heartland Institute. Slate, 05/14/2012 Schätzungsweise entgingen Heartland aufgrund der Plakataktion etwa ein Drittel der geplanten 2,3 Millionen US-Dollar Spendeneingänge.Forecast the Facts, General Motors beendete 2012 nach 20 Jahren seine Unterstützung des Heartland-Instituts, da das Unternehmen davon ausgehe, dass der Klimawandel real sei.Sharon Silke Carty: General Motors Decides Climate Change Is Real, Pulls Support From Heartland Institute . In: The Huffington Post, 30. März 2012. Abgerufen am 5. Mai 2014.