mini|hochkant=1.1|Maria in der Tanne von Norden mini|hochkant|Das Gnadenbild auf einem Ölgemälde von 1707
Maria in der Tanne ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche in Triberg im Schwarzwald mit dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt. Von 1826 bis 1958 war die Wallfahrtskirche auch Pfarrkirche. Seit 1959 gehört sie zur Pfarrei St. Clemens Maria Hofbauer der Seelsorgeeinheit Triberg Maria in der Tanne im Dekanat Schwarzwald-Baar des Erzbistums Freiburg. Sie dient heute Wallfahrten, Hochzeiten und Gedenkgottesdiensten. Das äußerlich schlichte Gotteshaus ist im Inneren reich barock ausgestattet.
Über Geschichte und Gestalt haben besonders die Triberger Heimatforscher Wilhelm Maier und Karl Lienhard, die Volkskundlerin Kristiane Schmalfeldt (geb. 1957),Persönliche Mitteilung an Coranton. der Lehrer und Kunsthistoriker Hermann Brommer und der ehemalige Triberger Pfarrer Josef Läufer (geb. 1943)Südkurier vom 24. Februar 2003: Josef Läufer: „Pfarrer zu sein, ist ein Traumberuf.“ geforscht (siehe Literatur).Ältere Literatur bei Schmalfeldt 1988 und Läufer 1995.
Pfarrgeschichte Spätestens um 1200 gab es im heutigen Triberg eine Burg, auf der die Herren von Triberg saßen, eine Seitenlinie der Herren von Hornberg, und von der Reste erhalten sind. 1201 ist eine kleine Kirche bei der Burg bezeugt. Sie war dem heiligen Blasius von Sebaste und später zusätzlich dem heiligen QuirinusVermutlich Quirinus von Siscia, der einzige Bischof unter den Heiligen des Namens Quirinus. geweiht. Kirchenrechtlich gehörte sie zur Pfarrei Schonach im Schwarzwald, Mutterpfarrei außer für Triberg auch für Schönwald im Schwarzwald, die heute in Triberg inkorporierten Dörfer Nußbach und Gremmelsbach und das heute in Hornberg inkorporierte Dorf Niederwasser. Um 1440 verlegte der Pfarrer seinen Wohnsitz von Schonach nach Triberg und nannte sich „Kilchherr in Triberg“.Maier und Lienhard 1964, S. 146.
links|mini|Ablass vom 7. Juni 1498
1489 brannten Burg und Stadt, und die Kirche wurde beschädigt. Zugunsten des Wiederaufbaus erwirkte der Triberger Vogt einen päpstlichen Ablassbrief für Beter, die eine Spende leisteten. Der Text auf Pergament beginnt mit dem in großen Initialen geschriebenen Namen eines der beteiligten Kardinäle „OLIVERIUS“ und ist oben und seitlich von Ornamentstreifen umzogen. Die unten angehängten zwölf Wachssiegel sind bis auf Spuren vergangen.Maier und Lienhard 1964, S: 147.
1564 wurde die Triberger Filialkirche von Schonach getrennt und selbständige Pfarrei. Inzwischen – endgültig 1355 – war der Ort nach Aussterben der Herren von Triberg durch Kauf an das Haus Habsburg übergegangen und gehörte damit zu dessen Herrschaftsbereich Vorderösterreich. Mit den Habsburgern blieb Triberg in der Zeit der Reformation katholisch. Die Habsburger verpfändeten es an wechselnde Ortsherren, so von 1562 bis 1584 an ihren Diplomaten und General Lazarus von Schwendi.Maier und Lienhard 1964, S. 47.
mini|St. Blasius und Quirinus im Ortskern vor 1826 In die Zeit des Dreißigjährigen Krieges fiel der Beginn der Wallfahrt. 1697 wurde sie vom Bistum Konstanz approbiert, und es wurde eine steinerne Kapelle errichtet, die 1699 bis 1705 durch einen größeren Bau ersetzt wurde.
1797 endete die Zugehörigkeit Tribergs zu Habsburg im Gefolge des Ersten Koalitionskrieges, und über Zwischenschritte gelangte der Ort 1807 an das Großherzogtum Baden. Die neue Regierung kassierte nahezu den gesamten, durch die napoleonischen Kriege ohnehin geschrumpften kirchlichen Besitz. Unter Pfarrer Marcus Fidel Jäck (1768–1845)Kristiane Schmalfeldt: Marcus Fidel Jäck und die Gottesdienstlichen Reformen in Triberg 1808–1813. In: Freiburger Diözesan-Archiv 110, 1990, S. 281–298 (Digitalisat). wurde die Wallfahrtskirche 1808 zur Pfarrkirche erhoben und die baufällige Stadtkirche St. Blasius und Quirinus zur Filialkirche degradiert. 1821 kam Triberg vom Bistum Konstanz ans Erzbistum Freiburg. 1826 fiel die Stadtkirche einem Brand zum Opfer und wurde durch eine neue im Weinbrenner-Stil ersetzt. An deren Stelle entstand schließlich von 1956 bis 1958 der heutige Bau, dem heiligen Klemens Maria Hofbauer geweiht, der fünf Monate an Maria in der Tanne gewirkt hatte (siehe unten). 1959 kehrte schließlich die Pfarrfunktion mit einem Dekret von Erzbischof Hermann Schäufele an die Stadtkirche zurück: mini|hochkant|Beginn von Degens Handschrift
Geschichte der Wallfahrt Ursprungserzählung Die Erzählung ist in handschriftlichen, 1722 unter dem Titel „Wunderbarliche Dannen-Frucht Auß einem Unfruchtbaren Felsen auff dem Schwartzwald entsprossen“ gekürzt im Druck erschienenen Aufzeichnungen von Johann Baptist Degen überliefert. Degen wurde am 8. Juni 1680 in Stockach geboren. Nach Studium in Freiburg im Breisgau wurde er 1705 zum Priester geweiht und ging im selben Jahr als Pönitentiar nach Triberg, das er nicht mehr verließ. Er wurde dort Wallfahrtsdirektor, 1707 zusätzlich Nachfolger des freiwillig ausscheidenden Stadtpfarrers Jacob Irslinger an St. Blasius und Quirinus, ebenfalls 1707 zum Dr. theol. promoviert. Aus seiner Ursprungserzählung und seinen zahlreichen Briefen ans Konstanzer Bistum „ergibt sich das Bild eines energischen, selbstbewußten, tatkräftigen Mannes, der Autorität besaß und es verstand, sich durchzusetzen, so im Umgang mit dem Obervogt und den ihm unterstellten Pönitentiaren.“Schmalfeldt 1988, S. 90. Er starb am 24. Juni 1730.
Nach Degen stand am Beginn der Wallfahrt, im Jahr 1644, ein Wunder:Degen 1722, S. 1–5.
Eine Traumstimme versprach dem Kind Heilung, wenn es das Pergamentbild wieder „sambt dem Sturtzlädlein an den grossen Dannen-Baum bey dem Brunnen aufhencken werde“. So geschah es.
Degen kannte Barbara Franz, die 1717 starb, persönlich.
1645 ereignete sich ein zweites Wunder. Der 68-jährige Schneider Friedrich Schwab litt an „Aussatz“, nahm seine Zuflucht zu dem Bild an der Tanne und wurde geheilt. Zum Dank ließ er aus Lindenholz eine kleine Marienstatue schnitzen und stellte sie in dem Rindenloch auf, wo das Pergamentbildchen gehangen hatte. Die Statue wurde das eigentliche Gnadenbild. Man schützte sie mit einem Holzdach und einem Eisenring, an dem ein Opferstock befestigt war. Kamen zunächst viele Gläubige, so ging der Besuch später zurück. Das Holzdach verfiel, der Eisenring zersprang, der Opferstock wurde mehrfach aufgebrochen.
Dass Maria in der Tanne nicht in Vergessenheit geriet, ist einem Ereignis fast fünfzig Jahre später, 1692 zu verdanken. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg war Militär in der Gegend stationiert. Drei Tiroler Soldaten wurden an einem Dezemberabend auf dem Weg von Triberg nach Schonach „mit einem ungewohnlichen Lob-Gesang und gleichsam himmlischer Lieblichkeit ergötzt“ – „ein warhafftes Engel-Gesang“. In ihrer Herberge auf dem Rohrhardsberg erfuhren sie, dass ein Triberger Müller vor einigen Jahren dasselbe erlebt habe und dass in der Nähe eine Marienstatue stehe. Sie machten sich auf die Suche und fanden das halb von Rinde umwallte Bild, das sie tief beeindruckte. Sie brachten ein Fenster davor an, ein Schutzdach mit Inschrift „Sancta Maria, patrona militum, ora pro nobis – Heilige Maria / Patronin der Soldaten / bitt für uns“, sammelten auch „für ein rothes Röcklein für ein Kleid.“Degen 1722, S. 18–25. Ein vierter Soldat, Gabriel Maurer, erkrankte 1694 so an Gliederschmerzen, dass er nur noch an Krücken gehen konnte. Mit größter Mühe pilgerte er zu Maria in der Tanne. Er versprach, in den Kapuzinerorden einzutreten, wenn er geheilt würde. Auf dem Rückweg schlief er ein. Erwachend spürte er „eine solche Linderung an allen seinen Glidern <…> daß er sich understanden / die Achsel-Krucken auf die Seithen zu legen / und einen Versuch an sich selbsten zu thun / ob ihm nicht möglich wär / ohne Krucken weitter zu kommen / ist auch ohne derselben Beyhilff mit GOttes Gnad allein auffgestanden / hat ein lautes krachen und knallen hin / und her in den glidern gehört / und seine Kräfften gähling also wunderbarlich gestärckt befunden.“Degen 1722, S. 31–34. Maurer wurde als Laienbruder eingekleidet und Wallfahrtsbruder in Triberg.Maier und Lienhardt 1964, S. 193.
Nach Schmalfeldt war Maurers Heilung das eigentliche Gründungsmirakel der Triberger Wallfahrt. Mit ihr begann „concursus populi“, der Zulauf des Volks. „Durch die als mirakulös empfundene Heilung des Soldaten hatte sich das Andachtsbild im Baum als imago miraculosa ausgewiesen, der Andachtsort als Gnadenort, an dem auch andere Gläubige hoffen konnten, durch die Fürbitte Mariens Hilfe in ihren Anliegen zu erhalten.“Schmalfeldt 1988, S. 57.
„Bildbäume“ sind im christlichen Kult weit verbreitet. Für Christen symbolisiert ein Baum den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse im Garten Eden , und der Lebensbaum wiederum ist Typos des Kreuzes Jesu.Dazu und zu einer Gestaltung des Themas 2005 durch Clemens Hillebrand in der Gremmelsbacher Kirche St. Josef: Josef Läufer: Triberg-Gremmelsbach Pfarrkirche St. Josef. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2005. ISBN 3-7954-6559-1, S. 8. Quellen an Bildbäumen wie in Triberg legen die Assoziation mit dem Lebensbaum besonders nah. Eine von zahlreichen Bildbaum-Wallfahrten im Erzbistum Freiburg führt zum Giersberg in Kirchzarten. Ein Junge vernahm himmlischen Gesang, als dessen Ausgangspunkt ein Marienbild in einer Baumöffnung ausgemacht wurde. Die Giersberg-Wallfahrt ist jünger als die zu Maria in der Tanne, um 1710, und könnte durch letztere angeregt worden sein.Schmalfeldt 1988, S. 47.
Die Ursprungserzählung zu Maria in der Tanne ist von den kirchlichen Aufsichtsbehörden mehrfach geprüft worden. Degen hat um die Fakten Legenden gerankt. Am Anfang stand wohl die als heilkräftig geltende Quelle. „Das Pergamentbild wird erst später an den Baum geheftet, der also zuerst als eine Art Bildstock fungierte und dessen exponierte Lage in Verbindung mit dem Brunnen sich dazu förmlich anbot. <…> Auf dem sicheren Boden historischer Tatsachen dagegen bewegen wir uns jedenfalls erst mit dem beglaubigten Fundbericht der drei Tiroler Soldaten und dem ersten Mirakel an Gabriel Maurer.“Schmalfeldt 1988, S. 56.
Weitere Entwicklung mini|Steinkapelle 1697
Degen hat die Wallfahrtsgeschichte bis zum Jahr 1727 weitergeführt. Die Wunderheilungen rissen nicht ab. Allein 1894 verzeichnet Degen fünf. „Im Jahr 1694 wurde durch deß Gabriel Maurers, ietzmahligen Wahlfahrtsbrüders wunderbahrlich bey dem dannen-baum erhaltene haylung von einer halbiährigen glidersucht das wunderwürckende Mariäbildlein weith und braith bekant, und algemach schon in formb einer Wahlfahrt auch von weithentlegenen landsgenossenen, Breysgauerenen und Älsässeren andächtig besucht.“Degen zitiert nach Schmalfeldt 1988, S. 57–58.