mini|400px|Offshore-Finanzplätze 2010 nach Angaben der OECD und des Tax Justice Network

Offshore-Leaks (auch OffshoreLeaks) ist ein Leak vom April 2013, das die unternehmensinternen Datenbestände der beiden Weltmarktführer für Gründung und Verwaltung von Trusts an Offshore-Finanzplätzen betrifft. Es handelt sich um einen Auszug eines größeren Datenbestandes, der 2010 an diverse Steuerbehörden und drei Jahre später über eine anonyme Person an die Journalisten des Internationalen Konsortiums für investigative Journalisten (ICIJ) gelangte. Der Umfang der Daten ist weit größer als bei allen vorangegangenen Leaks: Die Dokumente enthalten Daten über die Kundenbeziehungen, die etwa 130.000 Personen aus verschiedenen Ländern betreffen, darunter auch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Sie enthalten außerdem Informationen über die Beteiligung zahlreicher Großbanken an diesem Geschäft.

Weltweit berichteten Medien über die aufgedeckten Kapitalbewegungen. Die Journalisten behaupten, dass die offengelegten Geschäfte der Steuerflucht in Steueroasen dienten; es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass solche Konstrukte die fremde Rechtsordnung nutzen können, um von Bürokratieerleichterungen im internationalen Handelsverkehr und von steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten zu profitieren.http://www.icij.org/offshore/secret-files-expose-offshores-global-impact

Anfang April war erst ein sehr kleiner Teil des Materials gesichtet. Dem Nachrichtenmagazin Focus, das nicht an der ursprünglichen Enthüllung beteiligt war, liegen nach eigenen Aussagen Datensätze über Ein- und Auszahlungen vor, wonach 100.000 Deutsche Vermögen an Offshore-Finanzplätzen verstecken.Leck noch viel größer: Millionäre, Geschäftsleute, Rentner – 100 000 Reiche aus Deutschland gehen offshore, Focus online vom 6. April 2013

Im Juni 2013 wurden Teile der Datenbank für die Öffentlichkeit durchsuchbar online gestellt.Datenbank;

Projekt „offshore leaks“ Herkunft der Daten Die Festplatte mit der Datensammlung stammt aus einer anonymen Quelle. Es handelt sich um Daten von Firmen, die von den zwei Trust-Gesellschaften „Portcullis TrustNet“ und der „Commonwealth Trust Limited“ (CTL) gegründet wurden. Im Falle der dem Focus vorliegenden Daten ist noch unklar, welche Trust-Gesellschaften betroffen sind.

Umfang der Daten Der Leak umfasst 2,5 Millionen Dokumente mit einem Datenvolumen von 260 Gigabyte. Damit war Offshore-Leaks der bis dato größte Leak.Bastian Brinkmann: Wie Computer-Forensik das Offshore-System entschlüsselte, sz.de, 4. April 2013 Die von der anonymen Quelle übersandten Daten betreffen insgesamt neun Steueroasen: Britische Jungferninseln und Kaimaninseln (britische Überseegebiete), Mauritius, Singapur, Cookinseln, Samoa, Seychellen, Hongkong und Malaysia. Zahlreiche andere Steueroasen sind nicht betroffen.Riesiges Netzwerk von Steuerhinterziehern enttarnt, Wiener Zeitung, 4. April 2013 Im Mai 2013 wurde bekannt, dass Steuerbehörden verschiedener Länder ein Datenpaket mit Offshore-Steuerdaten von etwa 400 Gigabyte Größe zugespielt wurde, wobei das ursprünglich nur von Journalisten ausgewertete Datenpaket ein Teilbestand dieses Gesamtpakets gewesen sein soll.

Auswertung der Daten durch Journalisten „Offshore-Leaks“ ist ein umfangreiches, monatelang währendes Rechercheprojekt, an dem über 86 Journalisten von 38 Zeitungen sowie Hörfunk- und Fernsehstationen aus 46 Ländern beteiligt sind. Die Kooperation ist historisch einzigartig und eine der größten grenzübergreifenden Investigativ-Recherchen in der Geschichte des Journalismus. Zum Auswahlverfahren äußerte sich das Konsortium bisher nicht.Secrecy for Sale: Inside the Global Offshore Money Maze, The International Consortium of Investigative Journalists, Kurier, 4. April 2013 An der Analyse beteiligt sind unter anderem Mitarbeiter von der BBC, The Guardian, Washington Post, Le Monde, der Schweizer SonntagsZeitung, sowie in Deutschland vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) und von der Süddeutschen Zeitung (SZ)., NDR Die Datenmenge wurde mithilfe von Computer-Forensik ausgewertet, indem die Daten erst durchsuchbar gemacht wurden und anschließend Beziehungen zwischen Firmen, Konten und Personen erarbeitet wurden.

In einer projektweit konzertierten Aktion begann die Enthüllung über die große Steueroasen-Maschinerie am Donnerstag, dem 4. April 2013. Die Daten umfassen einen Zeitraum von den 1990er Jahren bis 2011. Zum Zeitpunkt der Enthüllung Anfang April 2013 waren nur wenige Prozent des Materials gesichtet worden, zum Beispiel waren österreichische Fälle kaum untersucht worden.Offshore Leaks: Sind Steueroasen exotische Ausnahmen oder schlicht „part of the game“?, FM4, 5. April 2013. Die Auswertung der Daten wird fortgesetzt.

NDR und SZ haben sich verpflichtet, das Datenmaterial nicht eigenhändig weiterzugeben. Das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) prüft, ob Teile des Materials unter Beachtung des Quellenschutzes öffentlich zugänglich gemacht werden können., NDR, 6. April 2013

Auswertung der Daten durch Steuerbehörden Im Mai 2013 wurde bekannt, dass den amerikanischen, australischen und britischen Steuerbehörden bereits im Jahre 2009 ein Datenpaket mit Offshore-Steuerdaten von etwa 400 Gigabyte Größe angeboten und im Jahre 2010 auch tatsächlich übergeben wurde, wobei das später von Journalisten ausgewertete Datenpaket ein Teilbestand dieses Gesamtpakets sein soll. Warum das den Steuerbehörden im Jahre 2010 übergebene Datenpaket zunächst jahrelang nicht ausgewertet wurde, ist bisher nicht bekannt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bestätigte, dass im Mai 2013 auch das Bundesfinanzministerium über die Existenz der Daten informiert und ihm zugesagt wurde, Zugriff auf die Daten zu bekommen und sie auswerten zu können. Demnach nehmen die USA, Großbritannien, Australien und Deutschland die Auswertung der Daten in einer international koordinierten Aktion gemeinsam vor. Nach Angaben der Behörden handelt es sich unter anderem um Daten über Briefkastenfirmen, Stiftungen und Trusts auf den Cook-Inseln, den Cayman-Inseln, in Singapur und auf den Britischen Jungferninseln. Schäuble gab an, das Bundesfinanzministerium werde die Daten schnellstmöglich zur Auswertung und weiteren Verwendung an die zuständigen Steuerbehörden der Bundesländer weitergeben.

Rechercheergebnisse Betroffene Personen und Banken In den bekanntgewordenen Daten tauchen zahlreiche Einzelpersonen und alle Großbanken wie die Deutsche Bank, JPMorgan Chase, UBS auf. Unter den wenigen bisher bekanntgewordenen Personen sind Prominente wie der schon 2011 verstorbene Gunter Sachs (Erbe von Opel und ZF Sachs), James Mellon (Erbe der Mellon Bank und der Gulf Oil Company), und Denise Rich (geschiedene Frau von Rohstoffhändler Marc Rich), russische Oligarchen wie Michail Fridman sowie Politikerkinder wie Imee Marcos, Tochter von Ferdinand Marcos, die Töchter Leyla Əliyeva und Arzu Əliyeva des aserbaidschanischen Präsidenten İlham Əliyev und die beiden Söhne des kolumbianischen Ex-Präsidenten Álvaro Uribe Tomás und Jerónimo, die über 2000 Briefkastenfirmen haben.Offshore-Leaks: Gigantisches Netzwerk der Steuerhinterzieher enthüllt, Der Spiegel, 4. April 2013Gefährliche Lust auf die Festplatte, Süddeutsche Zeitung 7. April 2013

Zu den deutschen Fällen gehören nach NDR-Recherchen „Selbstständige wie eine Steuerberaterin aus Stuttgart oder ein deutscher Winzer mit Wohnsitz Mallorca, ein Technikhersteller aus Kempten, ein Möbelunternehmer aus Nordrhein-Westfalen, wohlhabende Russen mit Wohnsitz Hamburg oder auch Pleitiers wie der ehemalige Eigentümer einer Krankenhauskette in Süddeutschland.“Ein Kieler Kaufmann und die Steuerversprechen, NDR, 6. April 2013. Im April 2013 wurden auch Verbindungen zu Franz Wolf, dem Sohn des ehemaligen Leiters des Auslandsnachrichtendienstes im Ministerium für Staatssicherheit der DDR Markus Wolf, bekannt.

Nach Daten einer dem Focus zugespielten Festplatte sollen in Deutschland weit mehr, nämlich „mindestens 100 000 Menschen aus Deutschland (…) ihr Vermögen in internationalen Steuerparadiesen“ verstecken. Der Datensatz zeige „260 Millionen Ein- und Auszahlungen auf Steueroasen-Konten sowie Anfragen über Kontenstände oder Kundenberatungen“.Leck noch viel größer: Rentner, Millionäre, Geschäftsleute – 100 000 Reiche aus Deutschland gehen offshore, Focus, 6. April 2013.

Am 25. April 2013 wurde bekannt, dass der Vizesprecher der Großen Staats-Chural und ehemalige Finanzminister der Mongolei, Bayartsogt Sangajav (Demokratische Partei), vom Parlament mit 56 zu 8 Stimmen aufgrund der Enthüllungen seines Amtes enthoben wurde. Bayartsogt soll in der Schweiz auf einem Bankkonto zeitweise über 1 Million US-Dollar deponiert haben und war außerdem Miteigentümer einer Firma auf den Britischen Jungferninseln.

Das Netzwerk Gunter Sachs Die Süddeutsche Zeitung, der Norddeutsche Rundfunk und die SonntagsZeitung recherchierten in Zusammenarbeit die Verstrickungen des 2011 verstorbenen, deutsch-schweizerischen Industriellenerben Gunter Sachs in Offshore-Finanzplätze. Dabei wurden in den Daten zahlreiche gescannte Dokumente wie Urkunden und Verträge, kopierte Personalausweise und Gebührenabrechnungen, interne E-Mails und Telefaxe, aber auch handschriftlich unterschriebene Briefe von Gunter Sachs und den beteiligten Unternehmen, Trusts und Anwälten gesichtet. Steuerlich betreut wurde Sachs dabei mehrfach durch die Schweizer Anwaltskanzlei Lenz & Staehelin.Interactive: Gunter Sachs' Offshore Network, The International Consortium of Investigative JournalistPlayboy im Steuerparadies – Das System Sachs, Süddeutsche Zeitung, 4. April 2013, NDR, 4. April 2013«Offshore-Leaks»-Hinweise führen auch in den Kanton Bern, Kanton Bern, 4. April 2013

Die Steuerdaten ab 2008 von Gunter Sachs wurden aufgrund der Berichterstattung von der Steuerverwaltung des Kantons Bern geprüft, die keine Verdachtsmomente feststellte, die die Einleitung eines Steuerverfahrens geboten hätten.Steuerfall Gunter Sachs: Offshore-Leaks läuft auf Grund; NZZ v. 26. Juni 2013

Gründung von Trusts und Scheinfirmen durch die Deutsche Bank Nach Recherchen der SZ und des NDR ist die Deutsche Bank unter den Großbanken besonders aktiv, ihren Kunden Steuerfluchtmodelle anzubieten. Website NDR, Autoren Lena Gürtler, Mareike Fuchs und Christoph Heinzle, 5. April 2013. Abgerufen am 5. April 2013. Allein über ihre Niederlassung in Singapur hat sie 309 Firmen und Trusts gründen lassen. Portcullis TrustNet, Dienstleister in Singapur, registrierte diese Firmen und Trusts für die Deutsche Bank und setzte in mehreren Fällen die Regula Limited, eine Tochterfirma der Deutschen Bank, als Direktorin ein. Die Deutsche Bank bietet in ihren Veröffentlichungen ihren Kunden – in Zusammenarbeit mit deren Rechts- oder Steuerberatern – die „Gründung, das Management und die Verwaltung“ von Trusts, Firmen und Stiftungen in verschiedenen Ländern an.Half die Deutsche Bank Steuerbetrügern?, Tagesschau, 4. April 2013 Die Deutsche Bank preist Mauritius ihren Kunden als eine „steuer-neutrale Umgebung“ an.Deutsche Bank half bei Offshore-Geschäften, Süddeutsche Zeitung, 4. April 2013

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