Als Römische Militärlager Limburg-Eschhofen werden zwei temporäre spätrepublikanische Militärlager auf der Gemarkung des heutigen Eschhofen, eines Stadtteils des hessischen Limburgs an der Lahn bezeichnet. Sie stammen aus der Zeit Gaius Iulius Caesars, wurden also noch deutlich vor der geplanten Eroberung der Germania magna, auf deren Gebiet sie lagen, errichtet. Damit sind sie die ältesten bislang auf rechtsrheinischem Gebiet entdeckten römischen Militärlager. Die beiden Anlagen wurden 2010 entdeckt und in den folgenden Jahren untersucht.
Lage, Topographie, Geologie und Geomorphologie mini|360px|Schematische Position der spätrepublikanischen Lager Die Fundstellen befinden sich oberirdisch nicht sichtbar oberhalb des südlichen Ufers des Flusses Lahn auf einer bis 2012 intensiv landwirtschaftlich genutzten Fläche des 182 m NHN hohen Bergsporns „Greifenberg“. Sie erstrecken sich im Bereich der Trassenführung der Bundesautobahn 3 südlich der Lahntalbrücke Limburg bei der Anschlussstelle 43 „Limburg-Süd“ und westlich der Eisenbahn-Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main zwischen Lahntalbrücke und Bahnhof Limburg Süd. Bereits beim Bau der Reichsautobahn (RAB 31) war am „Hammerberg“ ein Einschnitt in den Höhenzug vorgenommen und dabei eine Lagerhälfte einer römischen Fortifikation zerstört worden. Der 2013 begonnene Neubau der Autobahnbrücke in Limburg – die neue Brücke liegt weiter östlich als der Vorgängerbau – machte eine neue Trassenführung nötig, durch welche die Fundstätte aufgedeckt wurde.
Schon in vorgeschichtlicher Zeit waren Limburg und das Limburger Becken ein über Altstraßen erschlossener Siedlungsraum, in dem eine Furt die Querung der Lahn ermöglichte.Vgl. Egon Eichhorn: Zur Topographie der mittelalterlichen Fern- und Landstraßen zum und im Limburger Becken. In: Nassauische Annalen Bd. 76, 1965. In der Antike gehörte das Gebiet des Lahntals zu der vom römischen Reich nicht unterworfenen Germania magna.
Die zwei entdeckten Feldlager dürften im Zusammenhang mit Caesars in De bello Gallico beschriebenen Rheinüberquerungen in den Jahren 55 v. u. Z. und 53 v. u. Z. stehen. Die römischen Truppen fanden in den Gebieten östlich des Rheins und nördlich der Donau völlig andere Bedingungen vor als in dem bereits eroberten Gallien. Politische, administrative und wirtschaftliche Zentren, auf die sich eine römische Herrschaft hätte stützen können, existierten nicht. So bot sich das an den Rhein () anschließende Lahntal einer römischen Militärexpedition als schnelle Transport- und Nachschubverbindung an, auch wenn die Lahn selbst nur bedingt schiffbar war. Der Standort in der Limburger Lahntalweitung wurde wohl sorgfältig und aufgrund strategischer Gesichtspunkte gewählt, denn von hier aus ließen sich das gesamte Umland einfach überblicken und das Lahntal sowie die Täler ihrer Zuflüsse Elbbach (Westerwald) und Emsbach (Taunus) kontrollieren.Jan Bohatý, Sabine Schade-Lindig, Jessica Meyer: Überblick zu Geologie und Naturraum. In: Sabine Schade-Lindig (Hrsg.): Archäologie am Greifenberg bei Limburg a.d. Lahn. Spuren von der Jungsteinzeit bis zur Römischen Republik (= Hessen-Archäologie. Sonderband 4). WBG Theiss, Darmstadt 2020, ISBN 978-3-8062-4225-6, S. 19–46.
Entdeckung und Forschungsgeschichte Im Rahmen des Ausbaus der Strecke 31 (Frankfurt am Main–Köln) der Reichsautobahn traten im Bereich der Limburger Lahntalbrücke beim Einschnitt in den Höhenzug am „Hammerberg“ Funde aus vorrömischer Zeit zutage. 1936/37 wurde das Areal durch Ferdinand Kutsch – zwischen 1927 und 1956 Direktor des Landesmuseums Nassauische Altertümer in Wiesbaden (heute Teil des Museums Wiesbaden) – archäologisch untersucht. Dabei wurden diverse Fundstücke geborgen und der Grundriss eines jungsteinzeitlichen Hauses sowie Gruben einer keltischen Siedlung der Latènezeit entdeckt.Lina Müller: Steinzeitfunde am Hammerberg bei Limburg. In: Westerwälder Schauinsland 30, 1937 Spuren der zwei römischen Militärlager waren damals nicht aufgefallen, da sich die feinen Bodenunterschiede der Verfüllung der Lagergräben, die sich nur wenig vom umliegenden Boden unterschieden, nicht wahrgenommen wurden. Ein Teil des römischen Militärlagers, das sich bis unter die Autobahn erstreckte, wurde so durch das damalige Straßenbauprojekt zerstört.
Die archäologischen Funde aus augusteischer Zeit im Römerlager Lahnau-Dorlar und im Römischen Forum Lahnau-Waldgirmes rückten das Lahntal im ausgehenden 20. Jahrhundert in den Mittelpunkt der provinzialrömischen Forschung in Hessen. Bekannte frühe römische Fundstätten unweit der Lahnmündung wie das römische Kastell von Koblenz und die flussaufwärts gelegenen Neuentdeckungen bei Lahnau sowie die Erkenntnis, dass die römischen Befehlshaber die Abstände zwischen ihren Lagern so wählten, dass sie der Entfernung entsprach, die römische Truppen innerhalb eines Tages zurücklegen konnten, legten zunächst die Vermutung nahe, die im Limburger Becken gefundenen Römerlager stammten ebenfalls aus dieser augusteischen Eroberungsphase Germaniens. Dass sie tatsächlich sogar mehrere Jahrzehnte älter und mit Caesars bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich literarisch belegter Strafexpedition in das rechtsrheinische Germanien in Verbindung zu bringen sind, gilt auch in Fachkreisen als archäologische Sensation.
Im Vorfeld des notwendigen Neubaus der Lahntalbrücke bei gleichzeitiger Verlegung der Bundesautobahn 3 inklusive der Anschlussstelle Limburg-Süd in Richtung des Gewanns „Im Ahlen“, gab es im Frühjahr 2010 erste Baugrunduntersuchungen. Diese veranlassten das Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) eine geomagnetische Teilprospektion der betroffenen Fläche durchzuführen. Auf dem Messbild waren geradlinige Grabenstrukturen mit rund ausgeformten Ecken zu erkennen. Diese Spielkartenform ist typisch für römische Militärlager. Weitere Prospektionen zeigten dann ein zweites römisches Lager in direkter Nachbarschaft. Um den Brückenbau auf der Taunusseite nicht zu verzögern, wurde vereinbart, dass das LfDH sich auf eine auf acht Monate veranschlagte Grabungskampagne beschränkte. Das zehnköpfige Grabungsteam, unter der Leitung der zuständigen Gebietsreferentin und Bezirksarchäologin Sabine Schade-Lindig sowie der örtlichen Grabungsleitung von Jessica Meyer, begann seine Arbeiten am 10. April 2012. Um die archäologische Ausgrabung bis zum November desselben Jahres abschließen zu können, arbeitete das Team unter allen Wetterbedingungen mehr als 40 Stunden in der Woche.Sabine Schade-Lindig (Hrsg.): Archäologie am Greifenberg bei Limburg a.d. Lahn. Spuren von der Jungsteinzeit bis zur Römischen Republik (= Hessen-Archäologie. Sonderband 4). WBG Theiss, Darmstadt 2020, ISBN 978-3-8062-4225-6.
Vorrömerzeitliche Befunde und Datierungen Aus der Zeit vor und bei der Ankunft der Römer konnten Befunde des Neolithikums, der Bronzezeit und der Latènezeit festgestellt werden.
Jungsteinzeitliche Siedlungen Im Bereich der Prospektionen und Ausgrabungen wurden gleich zwei verschiedene neolithische Siedlungen entdeckt, ein Weiler der Linearbandkeramischen Kultur im Süden des Baufelds unmittelbar östlich der neuen Autobahntrasse und nördlich der Bundesstraße 8 und eine befestigte Höhensiedlung der Michelsberger Kultur auf dem Rücken des Greifenbergs. Zwischen den beiden Siedlungen besteht keine funktionaler oder zeitlicher Zusammenhang.Sabine Schade-Lindig, Jessica Meyer, Sandra Fetsch: Die Besiedlung des Greifenberges während der Jungsteinzeit. In: Sabine Schade-Lindig (Hrsg.): Archäologie am Greifenberg bei Limburg a.d. Lahn. Spuren von der Jungsteinzeit bis zur Römischen Republik (= Hessen-Archäologie. Sonderband 4). WBG Theiss, Darmstadt 2020, ISBN 978-3-8062-4225-6, S. 27–46.
Linearbandkeramische Kultur Im Bereich des südlichen Baufelds hatte bereits Ferdinand Kutsch 1936 den nordwestlichen Teil eines Hausgrundrisses der Linearbandkeramischen Kultur des Mittelneolithikums aus der Zeit um 5000 v. u. Z. freigelegt. Im Rahmen des Autobahnneubaus wurden neun weitere Hausgrundrisse sowie Gruben dieser Epoche identifiziert und dokumentiert, die zusammen mit dem Befund von 1936 für eine kleine weilerartige Siedlung sprechen. Damit sind sie die bisher ältesten Spuren einer Besiedlung des Limburger Raums. BezeichnungGrößeAusrichtungAnmerkungenHaus 19,8 m × 7,0 mNNW/SSOBohlen- und Ständerbautechnik. Hausbegleitende Längsgruben, mit Abfällen verfüllt. Funde der mittleren und späteren Linearbandkeramik.Haus 2Lediglich Pfosten- und Grubenreste erhaltenNNW/SSOPfostenbau. Hausbegleitende Gruben. Funde der späten mittleren Linearbandkeramik.Haus 3Breite 5,9 m; erhaltene Längen 3,50 m und 5,28 mNNW/SSOHausbegleitende Längsgruben. Funde der späten Flomborn-Phase und der frühen mittleren Linearbandkeramik.Haus 4Erhalten 5,7 m Länge; 5,9 m BreiteNSHausbegleitende Längsgruben. Funde der späten Flomborn-Phase und der frühen mittleren Linearbandkeramik.Haus 5Erhalten 5 m/5,5 m Länge; 6,6 m BreiteNSHausbegleitende Längsgruben. Funde der mittleren Linearbandkeramik.Haus 6Lediglich Reste bis zu 3,3 m Länge erhaltenNSKeine Gruben, nicht datierbar.Haus 7Lediglich einige Pfostengruben erhaltenNW/SOKeine Gruben, nicht datiert.Haus 8Erhalten 7 m Länge; 3,7 m Breite (unvollständig)NW/SOKeine Gruben, nicht datiert.Haus 9Erhaltene Längen 2,8 m und 3,1 mNNW/SSOKeine Gruben, nicht datiert. Die Gruben waren ursprünglich zur Entnahme von Lehm angelegt worden, der zum Bau der Häuser diente. Später wurden sie sekundär als Abfallgruben verwendet. Das Fundmaterial aus diesen Gruben setzte sich aus Schlachtabfällen, Keramik, Fragmenten von Mahlsteinen, Silices, Steinen, Hüttenlehm von Flechtwerkwänden und Ofenkuppeln, sowie Holzkohle zusammen.
Michelsberger Kultur Auf dem Bergsporn des Greifenbergs wurden schon 2011 Reste einer befestigten Höhensiedlung der Michelsberger Kultur aus der Zeit zwischen 4200 und 3600 v. u. Z. entdeckt. Die Entdeckungen dort waren nicht von Bauarbeiten verursacht, sondern durch die Geländebegehungen des Privatsammlers Dirk Seiler, der dort im Laufe mehrerer Jahre bei Begehungen über 50 Kilogramm Keramikscherben sowie Fragmente von Mahlsteinen und Steinbeilen gefunden hatte. Daraufhin wurden im Rahmen eines Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geophysikalische Messungen und Sondierungsgrabungen vorgenommen.Projekt: Die Anfänge sozialer Komplexität: Erdwerke, Rohstoffnutzung und Territorialität im Neolithikum. Deutsch-französische Forschungen zur Michelsberger Kultur auf der Webpräsenz der DFG, abgerufen am 5. Februar 2026. Dabei wurden im Norden und Osten des Bergsporns die segmentierten und gestaffelten Gräben eines Erdwerkes festgestellt, das im Norden aus einem Graben, im Osten aus zwei parallel verlaufenden Gräben zu bestehen scheint. Zudem wurden innerhalb und außerhalb der Gräben mehrere Reste von Gruben festgestellt. Der äußere Graben wies, bei einer anzunehmenden Erosion von 0,8 m bis 1,2 m immerhin noch eine Resttiefe von 1,7 m und eine Breite von rund acht Metern auf. Das aus dem Graben geborgene Fundmaterial wies eindeutig auf die Michelsberger Epoche. Knochenfunde konnten mittels Radiokarbonmethode auf die Zeiten zwischen 3964 v. u. Z. und 3804 v. u. Z., sowie zwischen 3782 v. u. Z. und 3709 v. u. Z. datiert werden. Die Innenfläche der Grabenanlage könnte bis zu 12 Hektar groß gewesen sein.Sandra Fetsch: Michelsberger Siedlungsspuren am Greifenberg. In: Sabine Schade-Lindig (Hrsg.): Archäologie am Greifenberg bei Limburg a.d. Lahn. Spuren von der Jungsteinzeit bis zur Römischen Republik (= Hessen-Archäologie. Sonderband 4). WBG Theiss, Darmstadt 2020, ISBN 978-3-8062-4225-6, S. 37–43.Sandra Fetsch: Die Michelsberger Kultur in Hessen. Eine Analyse chronologischer und räumlicher Entwicklungen. Dissertation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 2017, insbesondere S. 28–37.