Der Markt ist der zentrale Platz in der sächsischen Stadt Radeberg. Fast alle Gebäude, die den Markt umgeben, stehen unter Denkmalschutz. Wichtige städtische Einrichtungen wie das Rathaus, das Standesamt, das Bürgerbüro und die Stadtbibliothek befinden sich am Markt.

Lage Der rechteckige gepflasterte Platz befindet sich inmitten der historischen Innenstadt. Die markantesten Objekte am Markt sind das von Samuel Locke entworfene und 1769 fertiggestellte Rathaus sowie die 2012 neu errichtete Postdistanzsäule. Rings um den Markt befinden sich hauptsächlich Wohnhäuser und verschiedene Einzelhandelsgeschäfte. Der Platz ist über die Hauptstraße und die Pirnaer Straße zu erreichen, die Oberstraße führt vom Markt stadtauswärts. Die Schloßstraße führt vom Schloss Klippenstein, die Niederstraße vom Stadtbad direkt auf den Marktplatz. Der Markt wird von den Buslinien 28 (Stadtverkehr Radeberg) und 755 (Regionalverkehr) des Regionalbus Oberlausitz (RBO) angefahren. Beide Linien sind in den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) eingebunden.

Geschichte Bereits bevor Radeberg am 16. März 1412 von Landgraf Friedrich IV. (Meißen und Thüringen), genannt der Friedfertige oder Einfältige, auch der Jüngere, das Stadt- und Weichbildrecht erhielt, entwickelte sich im 14. Jahrhundert der Marktplatz des Ortes. Diese Entwicklung wurde sowohl durch die Burg Radeberg (Vorgängerbauwerk des Schlosses Klippenstein) als auch durch den Ausbau des Straßennetzes (vor allem der Böhmischen Salzstraße) positiv beeinflusst. Der Markt bekam gemeinsam mit der Stadt eine immer größere Bedeutung in der Region. Der Handel mit Salz spielte über mehrere Jahrhunderte eine wichtige Rolle. Der Frischemarkt im nahen Dresden bezog viele Waren und Güter aus dem Umland über den Radeberger Markt. Auch das Brauwesen erwarb seine Rohstoffe über die Händler des Marktes.

Im 15. und 16. Jahrhundert kam es mehrfach zu Unstimmigkeiten zwischen den Märkten der Städte Pirna und Radeberg, der Radeberger Markt entwickelte sich jedoch durch seine günstigere Lage schneller und erfolgreicher als der Markt in Pirna. In überlieferten Stadtplanungsunterlagen aus dem 16. Jahrhundert wurde von planmäßigen Ausbauten des Marktplatzes innerhalb der Stadttore berichtet. Regelmäßig wurden Jahrmärkte in Radeberg abgehalten. Im Jahr 1745 eröffnete das Unternehmen Riquet & Co. eine Teehandelsniederlassung am Radeberger Markt.Hans-Werner Gebauer: Zur frühen Rechts- und Verfassungsgeschichte des Marktes zu Radeberg. Eine Standortbestimmung. In: Große Kreisstadt Radeberg in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte (Hrsg.): Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte. Band 8, Radeberg, 2010.

mini|Radeberger Markt um 1900 Im 18. und 19. Jahrhundert war Radeberg eine Garnisonsstadt. Das Wachgebäude, der zentrale Militärstandort, befand sich von 1769 bis 1824 auf dem Markt (etwa am Standort des Hauses Markt 2).

Bevor die Haushalte Radebergs an eine öffentliche Wasserversorgung angeschlossen wurden, hatten sich auf dem Markt große Wassertröge aus Holz befunden, um die Versorgung der Stadt zu gewährleisten. Im 19. Jahrhundert wurden sie durch steinerne Tröge ersetzt, da diese weniger Verschleiß aufwiesen. Als Radeberg ab 1886 ein eigenes Wasserleitungsnetz bekam, verloren die Wassertröge ihre Funktion. Im Jahr 1894 wurde der größte, 15.000 Liter fassende Steintrog abgebaut.Bertram Greve: Die Radeberger Mitte – Der Markt. In: Große Kreisstadt Radeberg in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte (Hrsg.): Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte. Band 8, Radeberg, 2010.

Die erste Gasbeleuchtung auf dem Markt wurde 1896 installiert. Im Jahr 1900, zur Einweihung des König-Albert-Denkmals, wurden zwei große Gaskandelaber auf dem Platz errichtet. Durch die beiden Weltkriege und den zeitlichen Verfall stark beschädigt, wurden die Reste dieser beiden Kandelaber bei einer Neugestaltung des Marktes 1954 entfernt; eine für die Zeit typische Straßenbeleuchtung wurde eingerichtet.

Bekannte Geschäfte zu Zeiten der DDR waren unter anderem das Zoologische Laboratorium des Insektenkundlers Werner Heinz Muche, ein Delikat (Lebensmittel für den höheren Bedarf) und die Filiale der Sparkasse mit einer Reisezahlungsmittelstelle. Die Bausubstanz der gesamten Radeberger Innenstadt wurde allerdings stark vernachlässigt, auch die Gebäude am Markt verfielen. Im Jahr 1987 wurde von der Stadtverwaltung gemeinsam mit der Bezirksleitung der SED ein Konzept zur Sanierung der Innenstadt entworfen und mit der Umsetzung begonnen. Nach der Wende wurde das Konzept erweitert und ausgebaut, die Gebäude am Markt wurden umfassend saniert, die Innenstadt wurde komplett nach historischen Gesichtspunkten ausgebaut.

Rathaus Ein Rathaus am Radeberger Markt wurde erstmals im Jahr 1517 erwähnt. Ein Stadtbrand vernichtete 1714 die gesamte Innenstadt, das Feuer zerstörte auch das erste Rathaus komplett. Der Wiederaufbau dauerte noch an, als es am 18. Mai 1741 wieder in der Stadt brannte, das Rathaus fiel erneut den Flammen zum Opfer:

Während des Siebenjährigen Kriegs wurde Radeberg von preußischen Truppen besetzt, was einen Neubau des Rathauses zunächst unmöglich machte. Bürgermeister Heinrich Müller ergriff 1767 die Initiative für den Bau eines neuen Gebäudes. Dafür wurden 4100 Taler aufgebracht und der Dresdner Baumeister Samuel Locke bekam den Auftrag, das neue Rathaus zu entwerfen. Der „schlichte Bau“ war 1769 soweit fertiggestellt, dass am 13. Juni die erste Sitzung im neuen Gebäude abgehalten werden konnte. Auch ein Ratskeller war im neuen Gebäude vorhanden. Das Dach wurde 1778 mit verzinntem Blech verkleidet. Das Rathaus erhielt 1787 eine neue Uhr. Die wachsende Stadt erforderte immer mehr Platz für die Stadtverwaltung, so dass ständig Aus- und Umbauten am Rathaus durchgeführt wurden. Das Gebäude wurde im Jahr 1822 um ein drittes Stockwerk aufgestockt und eine „klassizistische Lisenengliederung“ hinzugefügt. Im Jahr 1863 wurde das Mansarddach zu einer vollwertigen Etage ausgebaut. Benachbarte Verkaufsstände, beispielsweise die Fleischbänke, mussten dem Ausbau des Rathauses weichen. Im Jahr 1864 wurde ein größerer Rathaussaal eröffnet, dessen Nutzung auch dem Pächter des Ratskellers oblag. Der historische Ratskeller schloss 1901. Im Zuge der zahlreichen Umbauten waren viele der ursprünglichen Elemente der Fassade verschwunden, die 1904 komplett im Stil des Neobarock neugestaltet wurde. Bis 1925 befand sich eine Filiale der Sparkasse im Rathaus, danach musste sie durch den stets steigenden Platzbedarf der Verwaltung an einen neuen Standort in das Stadthaus Grüne Tanne umziehen.Katja Altmann: Der beschwerliche Wiederaufbau des Radeberger Rathauses und sein berühmter Baumeister. In: Große Kreisstadt Radeberg in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte (Hrsg.): Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte. Band 8, Radeberg 2010.Otto Mörtzsch: Kleine Chronik von Radeberg. Radeberg 1912.

Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten Einheiten der Roten Armee das Rathaus. Soldaten brachten auf der Spitze des Rathausturms einen Roten Stern an. Im Jahr 1947 bekam die Stadt Radeberg das Rathaus zurückübereignet. Der Stern auf der Turmspitze blieb noch für mehrere Jahre bestehen. In der DDR-Zeit wurde der Erhaltung der Bausubstanz des Rathauses – wie bei allen Gebäuden am Markt – wenig Beachtung geschenkt. Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre wurde das Gebäude umfassend saniert, die Fassade wurde wieder in den Zustand der neobarocken Gestaltung von 1904 gebracht.

Gastronomie am Markt mini|Markt zu Beginn des 20. Jahrhunderts: mittig rechts der Gasthof Zur Grünen Tanne, daneben der Gasthof Stadt Dresden Neben dem Ratskeller im Rathaus existierten im Laufe der Zeit mehrere gastronomische Einrichtungen am Markt. Die exponierte Lage des Platzes machte ihn zu einer bevorzugten Adresse für Gastwirte. Um eine Gaststätte am Markt zu eröffnen, benötigte man ein Privileg des Landesherren. Seit 1683 bestand der Gasthof Zur Grünen Tanne am Markt (Markt 1). Über 100 Jahre blieb die Grüne Tanne neben dem Ratskeller die einzige Gastwirtschaft am Markt. Der Wirt Johann Michael Hamel erwarb 1800 das Grundstück Markt 4 und bewarb sich um eine Gaststättenkonzession. Trotz Widerstands des Wirts der Grünen Tanne bekam er die Genehmigung und eröffnete den Gasthof Zum Goldenen Anker. Im Jahr 1874 eröffnete direkt neben der Grünen Tanne das Gasthaus Stadt Dresden. Im Haus Markt 11 eröffnete 1876 das Gasthaus Mißbach, das später als Sachsenhof bezeichnet wurde. Die Schließung des Ratskellers im Jahr 1901 wirkte sich positiv auf die wirtschaftliche Lage der anderen Gaststätten aus. Im Jahr 1919 wurde die Ortsgruppe Radeberg der KPD im Sachsenhof gegründet.

Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte die Stadt Radeberg das Gebäude der Grünen Tanne. Es wurde Stadthaus Grüne Tanne genannt und als Verwaltungsgebäude genutzt. Lediglich in der unteren Etage gab es noch einen Gasthof mit dem Namen Stadtkeller. Im Jahr 1936 wurde er in Ratskeller umbenannt. Der „neue“ Ratskeller war die letzte Gaststätte am Radeberger Markt. Im Jahr 2000 wurde er durch den Kunsthandwerker Jochen Knie mit einem großen Wandbild sowie einem komplett mit hölzernen Reliefs verkleideten Tresen ausgestattet. Die Gastwirtschaft wurde am 31. Dezember 2011 geschlossen, seither nutzt die Volkssolidarität das Gebäude.

Bauwerke und Denkmale Alte Postdistanzsäule (1729–1852) mini|Der Markt mit der ersten Distanzsäule um 1840, Blick in Richtung Hauptstraße Die heute sichtbare Postdistanzsäule ist eine 2012 errichtete originalgetreue Nachbildung der 1729 aufgestellten Säule.

Im Rahmen der Zweiten Kursächsischen Landvermessung erhielt Adam Friedrich Zürner vom Kurfürsten August dem Starken 1713 die Weisung, das gesamte Kurfürstentum Sachsen zu vermessen und die Ergebnisse in „Mappas Geographicas“ kartografisch darzustellen. Im Ergebnis dessen wurden unter Leitung Zürners ab 1722 Postmeilensäulen und Distanzsäulen zur genauen Angabe der Entfernung zwischen den Ortschaften und als Basis einer exakten Berechnung der Postgebühren aufgestellt. Zürner entwickelte zuvor auch das ab 1722 im Kurfürstentum Sachsen verbindliche System der Entfernungsangaben (in Stunden) und der einheitlichen Markierungspunkte mittels etwa 4,5 Meter hoher repräsentativer Postdistanzsäulen (in den Städten und Orten mit Kreuzungen wichtiger Fernstraßen), 3,75 Meter hohen weniger repräsentativen Ganzmeilensäulen, jede Meile geteilt durch eine kleinere Halbmeilensäule und diese wiederum durch noch kleinere Viertelmeilensteine. Eine kursächsische Meile entsprach (von 1722 bis 1840) nach heutigem metrischem System 9,062 km. Die Entfernungsangaben auf den Säulen wurden in Stunden angegeben, eine Meile entsprach 2 Stunden, eine halbe Meile also einer Stunde = 4,531 km. Die kleinste Entfernungsangabe auf den Säulen war die Achtelstunde.Gerhard Schlegel: Die Kursächsische Postdistanzsäule in Radeberg. In: Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte Heft 02, 2004. Hrsg.: Stadt Radeberg in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte. Diese auf den Säulen angegebenen Entfernungsangaben in Stunden und deren Umrechnungen in Mittlere Post- oder Polizeimeilen (bzw. hach heutigem System in Kilometern) waren bis 1840 gültig, als die Einführung der Kleinen / Neuen Postmeile mit exakt 7,5 km in Sachsen verbindlich und die Stunde als Entfernungsangabe abgelöst wurde.

Diese Distanzsäulen mussten die Städte jeweils an den Stadttoren aufstellen, durch die eine Poststraße führte. Die Kosten für den Bau der Säulen fielen der Stadtkasse zur Last. Da in Radeberg zu dieser Zeit Geldnot herrschte, erhielt die Stadt die Genehmigung, nur eine Distanzsäule errichten zu müssen, welche zentral auf dem Markt zu bauen sei:Gerhard Schlegel: Denkmalpflegerische Konzeption zur Wiedererrichtung der kursächsischen Postdistanzsäule Radeberg. 2008.