mini|Die Kirche in Dimbach Die Kirche St. Maria de Rosario (dt. Maria im Rosenkranz) im Volkacher Ortsteil Dimbach ist eine der Pfarrei Reupelsdorf zugeordnete römisch-katholische Wallfahrtskirche.
Geschichte Die Kirche in Dimbach hat eine wechselvolle Geschichte. Obwohl das Dorf niemals Sitz einer eigenen Pfarrei war, prägte vor allem die einsetzende Wallfahrt im 17. und 18. Jahrhundert und die Rosenkranzbruderschaft Kirche und Gemeinde nachhaltig.
Errichtung und Propstei (bis 14. Jahrhundert) Ein erstes Kirchengebäude aus dem 11. Jahrhundert wurde durch Grabungen belegt. Es handelte sich um eine kleine Kapelle, der in späterer Zeit ein Chorturm angefügt wurde. In den Quellen wird eine Gemeinde in Dimbach erstmals im Jahr 1113 fassbar. Damals war die Kirche eine Filiale von Gerlachshausen. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann man mit dem Bau der heutigen Kirche am jetzigen Standort. Dies belegen spätromanische Reste im Inneren des Gotteshauses.
Nachdem Ort und Gemeinde im 12. und 13. Jahrhundert oft die Dorfherren gewechselt hatten, erhielt im Jahr 1306 Abt Sifrid von Münsterschwarzach die Vogteirechte über Dimbach. Das Kloster behielt dieses Recht bis zur Säkularisation im Jahr 1803. Im Jahr 1325 wurde wieder am Kirchengebäude gearbeitet. Fürstbischof Wolfram Wolfskeel von Grumbach beauftragte den gotischen Ausbau der bisher romanischen Kapelle, die der heiligen Maria geweiht war.
Kurze Zeit später, im Jahr 1334, richtete das Kloster Schwarzach im Ort eine Propstei ein, die mit drei Mönchen besetzt war und vielen Äbten des Klosters als Alterssitz diente. Daneben wurden immer wieder unliebsame Mönche nach Dimbach abgeschoben.Julier, Jürgen: Wallfahrtskirche Dimbach. S. 3. Im gleichen Jahr fand auch die Weihe des Westturms und der Seitenschiffe statt.
Der Beginn der Wallfahrt (bis 17. Jahrhundert) Der Markgräflerkrieg in der Mitte des 15. Jahrhunderts vernichtete das Dorf Dimbach und ließ die Propstei veröden. Das Gotteshaus wurde in der Folgezeit kaum benutzt. Diese Umstände führten im Jahr 1491 zur Auflösung der Propstei; nun übernahm das Kloster Schwarzach die Verwaltung im Ort. Der Niedergang von Dorf und Kirche endeten erst mit dem Jahr 1593. Abt Johannes Burckhardt begann eine umfassende Renovierung des Kirchengebäudes, die 1611/1612 beendet war. Die Erneuerung des Turmhelms schloss sich im Jahr 1617 an. Bischof Julius Echter von Mespelbrunn wandelte Dimbach wieder in eine Filiale von Gerlachshausen um.
Das 17. Jahrhundert brachte für die Kirche in Dimbach die Gründung einer Rosenkranzbruderschaft im Jahr 1630. Diese berief sich auf Überlieferungen einer Wallfahrt in früheren Jahrhunderten und förderte das Pilgern in den Ort. Die Bruderschaft musste sich nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1661 fast komplett neu gründen.Bistum Würzburg: Wallfahrt Dimbach, abgerufen am 4. März 2019. Im Jahr 1653 entsandte das Kloster einen ständigen Kuratus nach Dimbach. Ab dem Jahr 1667 setzte ein Anwachsen der Wallfahrt ein. Sie steigerte sich bis ins 19. Jahrhundert, blieb aber immer auf umliegende Klostergemeinden beschränkt.
Im Jahr 1685 wurde in der Kirche erstmals ein Taufstein geweiht, Grundlage für eine selbständige Pfarrei. Die Aufnahme in den zur gleichen Zeit erschienen Schematismus des Bistums Würzburg spricht ebenfalls für die angestrebte Aufwertung als selbständige Pfarrei. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Ausstattung der Kirche umfassend erneuert, die gegenwärtig kaum mehr erhalten ist. Hierzu zählte eine Rosenkranzmadonna, die ähnlich der Maria im Weingarten freischwebend im Raum hing.Brückner, Wolfgang: Gnadenbild und Legende. S. 76.
Die barocke Dorfkirche (bis heute) Im 18. Jahrhundert wurde das Kirchengebäude barock erneuert. Im Jahr 1747 brachte man in den Fenstergewänden ornamentale Malerei an. Zehn Jahre später ließ Abt Dominikus Otto von Bamberg die Flachdecke einziehen und die Obergadenfenster auf das heutige Maß verkleinern. Die meisten Ausstattungsgegenstände stammen aus dieser Zeit. Im Jahr 1767 war die barocke Neugestaltung abgeschlossen. Ab 1790 begann das Ende der kurzen Blüte der Wallfahrt nach Dimbach; die Aufklärung trug hierzu bei.
Die Auflösung des Klosters Schwarzach durch die Säkularisation im Jahr 1803 betraf auch die Kuratie in Dimbach. Im Jahr 1817 nahm man noch kleinere Ausbesserungen des Turmes vor, bevor ein Jahr später Dimbach Filiale der Pfarrei Stadtschwarzach wurde. Der Versuch im späten 19. Jahrhundert, eine kleine Kaplanei zu errichten oder fortan als Reupelsdorfer Filiale zu gelten, scheiterte. In den 1920er und 1930er Jahren besserte man das Kirchengebäude notdürftig aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Neugründung des Klosters Münsterschwarzach kam Dimbach im Jahr 1962 wieder zu seiner alten Pfarrei. In den Jahren 1972–1980 renovierte man das Gotteshaus umfassend.Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S. 20. Heute ist Dimbach Filiale der Pfarrei Reupelsdorf. Das Kirchengebäude wird vom Landesamt für Denkmalpflege unter der Nummer D-6-75-174-176 als Baudenkmal verzeichnet. Reste von Vorgängerbauten im Boden haben die Nummer D-6-6127-0085.Geodaten: , abgerufen am 19. November 2013. Die Kirche steht am Fränkischen Marienweg.
Architektur mini|Eine figürliche Konsole in der Turmhalle Die Kirche St. Maria de Rosario präsentiert sich als dreischiffige Basilika mit vier Jochen. Sie ist geostet und besitzt einen Westturm. Sie zitiert, vor allem in Turm und Chor, die Formen der Gotik. Das lange Dach beginnt im Westen als Satteldach und läuft im Chor als Walmdach aus.
Chor Der Chor der Kirche entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts und ist damit das jüngste Bauteil der heutigen Kirche. Ein von zwei Jochen gebildeter Fünfachtelschluss schließt ihn nach Osten ab. Am ersten Chorjoch enthalten auf beiden Seiten quadratische Anbauten eine Kapelle und die Sakristei. Gegliedert wird der Chor äußerlich durch sechs kaum verzierte Strebepfeiler. Vier zweibahnige Lanzettfenster weisen Drei- und Vierpass-Maßwerk auf. Lediglich das Chorhauptfenster unterscheidet sich davon. Es ist dreibahnig und besitzt asymmetrisches Passmaßwerk.
Im Inneren ist der Chor mit Kreuzrippengewölbe ausgestattet. Tiefe Strebepfeiler ragen weit in den Chor hinein. Die Gewölbeschlusssteine tragen von Osten nach Westen Rankwerk, eine Taube und eine Rose. Die Türe der Sakristei hat Spitzbogengewände.Julier, Jürgen: Wallfahrtskirche Dimbach. S. 7.
Turm Mit dem Turmbau im Westen der Kirche wurde um das Jahr 1300 begonnen.Breuer, Tilmann: Franken: die Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. S. 277. Fertiggestellt wurde der Kirchturm im Jahr 1334. Er besitzt vier Geschosse und wurde querrechteckig vor das Mittelschiff gesetzt. In den ersten drei Geschossen enthält er zwei Nebenräume, von der nördliche lange Zeit als Totenkammer benutzt wurde und nur über den Friedhof zu erreichen war. Nach außen sind die Nebenräume von einem einfachen Pultdach abgeschlossen. Ein zentrales gekehltes gotisches Portal bildet im unteren Geschoss den Haupteingang der Kirche. Darüber befindet sich ein schlichtes Rundfenster.
Ein weiteres Rundfenster im vorletzten Geschoss weist Dreipassmaßwerk auf. Darüber ist die Glockenstube mit vier Bogenfenstern mit Fischblasenmaßwerk untergebracht. Im Norden, Süden und Westen dieses Geschosses befinden sich Uhren. Der birnenförmige Helm wird vom Turmknauf und Maria im Strahlenkranz als Windrichtungsgeber abgeschlossen.
Die sogenannte Turmhalle ist durch einen Spitzbogen vom Langhaus getrennt. Ein Kreuzgewölbe mit Birnstabprofil spannt sich darüber. Alle Konsolen der Westwand sind figürlich gestaltet: im Süden ein Mann mit Mütze, nördlich eine Figur im Kapuzengewand mit übereinandergeschlagenen Beinen und einem Beutel am Gürtel. Sie trägt ein Schwert in der rechten Hand, die linke scheint die Gewölberippen zu tragen.
Langhaus und Seitenschiffe In der Mitte des 13. Jahrhunderts gestaltete man den Vorgängerbau in das heutige Langhaus um. Die gekehlten Spitzbogenfenster gliedern außen die Seitenschiffe. Portale auf beiden Seiten haben einfache Gewände. Auf der Südseite kündet eine Inschrift im Gewände von einer Renovierung: „D·A·M·S 1·7·6·7“.Meyer, Herbert: Propstei und Wallfahrt in Dimbach. S. 230. Die Obergadenfenster, ursprünglich ebenfalls mit Spitzbögen versehen, sind heute einfache Rechtecke.
Im Inneren trennen achteckige Pfeiler mit gekehlten Basen die Seitenschiffe vom Langhaus. Ihre Kapitelle tragen die Spitzbogenarkaden des Langhauses. Die Seitenschiffe haben rundbogige Gurtbögen. Die Baukunst des Langhauses wird im Dachstuhl der Kirche fortgesetzt. Sprengwerkartige Sparrenbinder bilden das Rückgrat des heutigen Gotteshauses.
Ausstattung mini|Der Hochaltar mit der Gnadenmadonna Die Innenausstattung der Kirche ist von der barocken Umgestaltung im 18. Jahrhundert geprägt. Ältere Stücke sind ein Kreuzigungsrelief aus dem 11. Jahrhundert und die Gnadenmadonna im Hochaltar.
Hochaltar und Gnadenmadonna Der Hochaltar in den Formen des Spätbarocks, der den Chor der Kirche ausfüllt, wurde im Jahr 1719 im Zuge der barocken Erneuerung der Kirche fertiggestellt. Ein viersäuliger Aufbau bildet das Grundgerüst für das Altarretabel. Die Säulen sind rund und verjüngen sich nach oben hin leicht. Das Säulenkapitell ist schlicht gehalten mit wenigen Ornamenten. Zwischen den Säulen befinden sich die lebensgroßen Figuren der Klosterpatrone der Abtei Münsterschwarzach, links die heilige Felicitas, rechts der heilige Benedikt.
Ein wuchtiges, zentral von einem Wappen des Abtes Januarius Schwab unterbrochenes Gesims leitet zum Altarauszug über. In die Amtszeit Schwabs fiel die Errichtung des Altars. Den eigentlichen Aufbau bildet eine Figurengruppe der Heiligsten Dreifaltigkeit in einer Wolkengloriole, von Putten umgeben. Ein Baldachin mit Glockenblumenornament, gestützt von zwei Voluten, umgibt die Szene. Darauf befinden sich zwei Engelsfiguren mit den Attributen der Justitia.Julier, Jürgen: Wallfahrtskirche Dimbach. S. 14. Ein Kreuz bekrönt den Altar.
Den Mittelpunkt des Altars bildet die Gnadenmadonna. Sie wird dort seit dem Jahr 1724 anstelle eines Altarbildes aufbewahrt. Seit 1767 befindet sie sich in einem mit Muschelwerk eingerahmten Glasschrein, den mehrere Putten zieren und zwei Engel bekrönen. An seinen Seiten befinden sich marmorierte Paneele, um die Basen der inneren Säulen zu verdecken. Der Tabernakel davor ist von gewirrlten Säulen umgeben und wird von einem goldenen Adler beherrscht.
Die Gnadenmadonna im Mittelpunkt des Hochaltars war das Ziel der Pilger. Ihre Verehrung begann erst in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Sie wurde im Jahr 1398 geschaffen, belegt durch eine Inschrift im Sockel: „anno. dm. m. ccc. Ixxxxviii. iar. wart. ich. bereit“.Bauer, Hans: Das Kitzinger Land. Band I. S. 40. Da auch die Rückseite der Figur farblich gestaltet ist, kann man davon ausgehen, dass sie zunächst als Prozessionsmadonna verwendet wurde.
Im 15. Jahrhundert wurde eine zweite Farbschicht, die wieder sichtbar ist, auf die Figur aufgetragen. In nachmittelalterlicher Zeit wurde sie erneut zweimal übermalt. Gesichter und Haare wurden danach noch mit einer fünften Farbschicht versehen. Mit dem Jahr 1611 begann die Bekleidung des Gnadenbilds. Dabei musste das Jesuskind vom rechten Knie auf den rechten Arm Marias versetzt werden. Die Bekleidung wurde bis ins Jahr 1974 fortgesetzt, bevor man die Muttergottesfigur in den Jahren 1975/1976 restaurierte. Zuvor, im Jahr 1724, war die Gnadenmadonna in den Mittelpunkt des Hochaltars versetzt worden.