Die zweite Baden der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) war das dritte Schiff der Länder-Klasse und das letzte der Klasse mit einer Passagiereinrichtung für den Südamerika-Dienst.

Das Schiff wurde am 24. Oktober 1930 beim Verlassen von Rio de Janeiro aus einem brasilianischen Fort beschossen, was zu 31 Toten führte. Im Dezember 1940 versenkte die Besatzung das Schiff selbst, als es, beim Versuch das von den Deutschen besetzte Frankreich zu erreichen, vom britischen Schweren Kreuzer Berwick gestellt wurde.

Geschichte Zum ersten Bauprogramm der Hapag nach dem Ersten Weltkrieg gehörten drei Schiffe der Länderklasse, die beim Bremer Vulkan bestellt wurden. Die Schiffe sollte bei einer Größe von 9000 BRT eine Tragfähigkeit von 11.500 tdw haben und dazu noch eine kleine Zahl von Kabinenfahrgästen und etwa 700 Fahrgäste in der III. Klasse aufnehmen. Die beiden ersten Schiffe, die Bayern und die Württemberg wurden schon 1921 fertiggestellt und kamen erst auf dem Nordatlantik zum Einsatz.Kludas, Bd. IV, S. 52.

Südamerika-Dienst Die als drittes Schiff der Serie geplante „Westfalen“ lief als Baden erst im Abstand eines halben Jahres am 25. Februar 1922 in Vegesack vom Stapel und wurde am 4. Mai 1922 ausgeliefert.Kludas, Bd. IV, S. 142. Sie war das zweite Schiff der Hapag, das nach dem deutschen Land Baden benannt war. Die erste Baden (7676 BRT) war im Ersten Weltkrieg mit 12000 t Kohlen von Pernambuco im August 1914 zum Kleinen Kreuzer Dresden im Atlantik gestoßen und hatte ihn und dann das Kreuzergeschwader bis zum Seegefecht bei den Falklandinseln begleitet, wo sie durch den britischen Hilfskreuzer HMS Macedonia versenkt wurde.

Die mit 8803 BRT vermessene neue Baden verließ am 16. Mai 1922 Hamburg zu ihrer Jungfernreise zu den Häfen am La Plata. Den Passagierdienst auf dieser Linie hatte allerdings schon am 14. September 1921 die von den Alliierten zurückgekaufte Teutonia ex Habsburg wieder eröffnet.

1922/1923 erhielt die Hapag mit der Sachsen und der Hessen noch zwei weitere Schiffe der Länder-Klasse vom Bremer Vulkan, die auch nach Südamerika zum Einsatz kamen aber keinen Raum für eine III. Klasse oder Zwischendeckspassagiere vorhielten. Sie konnten anfangs nur 18 Kabinenfahrgäste befördern, was später etwas erweitert wurde und waren Frachter mit einer nicht ganz kleinen Möglichkeit der Fahrgastbeförderung.

mini|links|Die in Flensburg gebaute Tirpitz der Stinnes-Reederei

Vor der Hapag hatte die Firma Stinnes fünf sehr ähnliche Schiffe beim Vulkan bestellt, die auf der Route nach Ostasien eingesetzt werden sollten. Die Hapag und Stinnes bestellten noch je zwei sehr ähnliche Frachter bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, die bei der Hapag als Preußen und Oldenburg in Dienst kamen und der Länder-Klasse zugeordnet wurden.

Den Liniendienst der Hapag nach Südamerika verstärkten zuerst zwei weitere Rückkäufe ehemaliger Schiffe mit der Rugia und der Graecia ex Thessalia und die vorrangig als Frachter eingesetzte Sachsen. Dann kam ab Januar 1923 das Schwesterschiff Württemberg auch auf die Südamerika-Route und schließlich 1924 auch noch das Typschiff Bayern. Gleichzeitig wurden aber auch die drei alten Schiffe wieder abgezogen, um einen neuen Mittelamerika-Dienst aufzubauen.

Die wirtschaftlichen Erfolge des Dienstes waren nicht überragend. Die Übernahme der Übersee-Abteilung der Stinnes-Reederei brachte ein Anwachsen des Dienstes, da diese Reederei auch seit 1922 einen Fracht- und Passagierdienst auf der gleichen Route anbot. Ein Teil der Stinnes-Schiffe war dabei zur Tochtergesellschaft Artus nach Danzig ausgeflaggt (Holm und Artus), während die General Belgrano (ex Bahio Castillo, 1913 Reiherstieg-Werft, 10121 BRT)Kludas, Bd. IV, S. 178. und drei aus Skandinavien angekaufte, kleinere Frachter in Hamburg beheimatet waren, die anfangs auch weiterhin nach Südamerika zum Einsatz kamen. Die eingesetzten Schiffe wurde regelmäßig modernisiert. So erhielten die Schiffe der Länder-Klasse Abdampfturbinen, wodurch die Maschinenleistung auf 5000 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf 13 Knoten stieg. Auch wurde die Artus zur General Mitre (9899 BRT) umgebaut und dennoch 1931 aufgelegt. Die beiden anderen ehemaligen Stinnes-Passagierschiffe wurden 1929 und 1932 zum Abbruch verkauft. Als Neubau kam 1929 die General Osorio zum Südamerikadienst der Hapag und 1930 als Verstärkung die vom Nordatlantik abgezogenen, 11250 BRT großen Schwesterschiffen General San Martin (ex Thuringia) und General Artigas (ex Westphalia).

Der Baden-Zwischenfall Am 24. Oktober 1930 kam es dann vor Rio de Janeiro zu einer Beschießung der Baden. Das Schiff hatte am 4. Oktober Hamburg mit 169 Passagieren verlassen, in Gijón weitere 227 und in Leixões 47 Fahrgäste an Bord genommen und war am 24. Oktober in Rio eingetroffen. An diesem Tag putschte das brasilianische Militär und setzte den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten, Getúlio Vargas (1882–1954), als neuen Präsidenten ein. Der Kapitän der Baden wollte daher schnell den Hafen wieder verlassen, da es Gerüchte über Auslaufverbote gab. Er erhielt eine grundsätzliche Auslauferlaubnis, auf einem handschriftlichen Zettel wurde ihm mitgeteilt, die endgültige Entscheidung würde der Kommandant des Forts Santa Cruz treffen. Die Baden verließ um 17.00 Uhr den Hafen und lief später am Fort Santa Cruz vorbei. Das dort gezeigte Flaggensignal war auf der Brücke der Baden unverständlich und schien nicht auf das Schiff bezogen. Das Schiff lief weiter aus dem Hafen und passierte weitere Forts. Der Warnschuss einer 75-mm-Kanone des Forts Santa Cruz wurde auf der Baden nicht beobachtet und ging auch weit daneben. Vom Fort wurde nun das Fort Vigia angewiesen, der Baden einen Stoppschuss vor den Bug zu setzen. Der Schuss einer der dortigen 15-cm-Kanonen ging weit hinter die Baden, ein sofort befohlener zweiter Schuss traf um 17.44 Uhr den achteren Mast auf Höhe der Saling.

Die Folgen des Treffers waren verheerend. Viele Fahrgäste hatten sich auf dem Achterdeck versammelt, um das Auslaufen aus einem der schönsten Häfen der Welt zu beobachten. Die Explosion durch den Treffer über den Passagieren löste eine Druckwelle aus, schoss die Granatsplitter in die versammelten Menschen und ließ den oberen Mast und die Ladebäume in die Gruppe stürzen.

Neun Menschen waren sofort tot. Die Ärzte der Baden versuchten den vielen Verletzten zu helfen, während das Schiff gewendet hatte und wieder den Hafen anzulaufen suchte. Fort Santa Cruz signalisierte mit Flaggen, ein Boot zu schicken, so der Kapitän Rolin warte. Als nach 40 Minuten sich immer noch nichts tat, lief er langsam in den Hafen. Um 19.30 Uhr konnten weitere Ärzte an Bord und die Verwundeten in Krankenhäuser transportiert werden. Über das Schiff verhängte das Militär eine Kontaktsperre. Als diese nach zwei Tagen aufgehoben wurde, stellte sich das Ausmaß des Desasters dar. 27 spanische Passagiere sowie drei Mann der Besatzung und ein spanischer Praktikant hatten ihr Leben verloren und weitere 39 Schwerverletzte mussten in den Krankenhäusern von Rio zurückgelassen werden.

Die deutsche Seeamtsverhandlung gab dem Kapitän der Baden eine Mitschuld an dem Zwischenfall,Schmelzkopf, S. 138f. da er sich weder bemüht habe, den Zettel zu entziffern, noch das unklare Signal des Forts Santa Cruz hinterfragt hatte und auch keine Aufmerksamkeit den brasilianischen Forts geschenkt hatte. Dem brasilianischen Militär wurde die Hauptschuld gegeben, dass weder klare Signale gegeben hatte, noch in angemessener Weise seine Waffen hatte handhaben können.nach Kludas, S. 145f.

Weiterer Dienst für die Hapag und Endschicksal mini|Die HMS Bonaventure

1935 wurde die Baden zu einem reinen Frachter von 8204 BRT umgebaut und sie blieb bei der staatlich durchgesetzten Entflechtung im Dienst der Hapag auf anderen Fahrtgebieten, da ihre Stammstrecke von deutscher Seite ab 1934 allein von der Hamburg-Süd bedient wurde. Bei Kriegsausbruch lief das Schiff Santa Cruz de Tenerife an, wo sie bis zum Dezember 1940 verblieb.

Dann versuchte die Baden zur inzwischen von den Deutschen besetzten französischen Atlantikküste durchzubrechen. Sie lief dabei am 28. Dezember etwa 325 Seemeilen nordöstlich von Ponta Delgada auf den Azoren auf die Sicherung des britischen Truppen-Geleitzugs WS.5A unter dem schweren Kreuzer Berwick, der drei Tage zuvor ein kurzes Gefecht mit dem den Geleitzug angreifenden Kreuzer Admiral Hipper geführt hatte. Da der Kapitän keine Chance sah, den britischen Kräften zu entkommen, leitete er die Selbstversenkung des Schiffes ein. Der Fla-Kreuzer Bonaventure beschleunigte den Untergang auf der Position durch einen Torpedoschuss.

Brief an das Auswärtige Amt in Berlin, Bericht des Kapitäns Max Schaefer vom Dampfer „Baden“ der Hamburg-Amerika Linie vom 24. November 1943:

Über meine Reise nach Südamerika via Nordenham, Buenos Aires, Rosario de Santa Fé, Buenos Aires, Pernambuco und Santa Cruz de Tenerife hatte ich bereist der Hamburg – Amerika Linie ausführlich Bericht erstatte. Es folgt nun die Berichterstattung über die Abfahrt von Tenerife, Versenkung des Schiffes, Gefangennahme der gesamten Mannschaft und Internierung in England.