Glockner – Der schwarze Berg (internationaler Titel: Glockner – The Black Mountain) ist ein Dokumentarfilm von Georg Riha, in der im Zeitraffer der Verlauf der Jahreszeiten und die Launen der Natur am höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner, gezeigt und beschrieben werden.
Inhalt In dem Film zeigt der österreichische Regisseur und Buchautor Georg Riha die pittoreske Wildheit des Glocknermassivs. Ausgangspunkt sind die zahlreichen Sagen und Legenden über den „Schwarzen Berg“, dessen Bezeichnung auf ein schwarzes Kristall verweist, das vor vielen Jahrtausenden in seinem Inneren eingeschlossen sein soll. Danach zeigt der Film im Zeitraffertempo die Abläufe in der Natur innerhalb eines Kalenderjahres. Der Zuschauer sieht zufrierende und wieder auftauende Wasserfälle, dramatische Felsabbrüche, Unterwasseraufnahmen wie Luftbilder aus bekannten und wenig bekannten Perspektiven und Winkeln der Hohen Tauern. Eine Minute lang kann der Zuschauer den lautlosen Flug eines Adlers verfolgen, in anderen Sequenzen wiederum die lebhaften Spiele der Murmeltiere.
Thematisiert wird zudem die Geschichte der Besteigung des Berges sowie das Leben der Menschen in den dem Glockner am nächsten gelegenen Ortschaften Kals und Heiligenblut. Bergführer wie Toni Gliber und Sepp Lackner, die über 300-mal in ihrem Leben das in 3798 Metern Höhe gelegene Gipfelkreuz erreichten, werden interviewt. In Heiligenblut wird eine Fronleichnamsprozession dokumentiert.Bert Rebhandl: Technischer Zauber – Georg Rihas Dokumentation über den schwarzen Berg, Booklet zur DVD.
Zudem zeigt der Film, wie verletzlich dieser Raum ist. Dazu werden die Eingriffe des Menschen und deren Folgen behandelt – der Bau der Hochalpenstraße und der Kabinenbahn zur Pasterze, der Massentourismus und die langjährigen Planungen für ein großes Wasserkraftwerk bei Kals werden erwähnt. Ihre Beurteilung wird dem Zuschauer jedoch selbst überlassen.Roman Freisl: Der schwarze Berg – Neue Perspektiven und wahre Größe in Georg Rihas Porträt des Großglockners, Der Standard, 20. Oktober 2000.
Entstehung und Produktion Die Dreharbeiten unter der Regie von Georg Riha dauerten über zwei Jahre. Es wurden verschiedene technische Spezial-Kamera-Systeme eingesetzt:https://www.youtube.com/watch?v=HjB1K5V6mP8
Crashcam: Um Aufnahmen aus dem Inneren eines Lawinenabgangs zu realisieren, wurde eine „Crashcam“ konstruiert. Eine 16-mm-Highspeed-Kamera wurde dafür in ein Schutzgehäuse eingebaut und mit Funkfernauslösung und Videosender ausgestattet. Das System wurde im Pfad einer Lawine positioniert, von den Schneemassen überrollt und anschließend mittels eines Lawinenverschüttetensuchgeräts (LVS) im Lawinenkegel wiederaufgefunden.
WESCAM: Für Aufnahmen aus der Luft wurde ein kreiselstabilisiertes Kamerasystem verwendet, das an einem Hubschrauber montiert und direkt aus dem Cockpit gesteuert wurde.
CAMCAT: Dieses von Riha entwickelte Seilbahnkamerasystem ermöglichte Kamerafahrten über weite Distanzen. Der Kamerawagen bewegte sich ferngesteuert über gespannte Kunststoffseile mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h. Das System kam unter anderem am Stotzbach Wasserfall (680 Meter Strecke, 37 Grad Neigung) und in der Dabaklamm (780 Meter Strecke) zum Einsatz. Beim Fronleichnamsfest in Kals wurde mangels natürlicher Verankerungspunkte ein 90-Tonnen-Mobilkran mit einem 74 Meter langen Ausleger genutzt, um die Seile direkt am Kirchturm vorbeizuführen.
CAM35TL (Zeitrafferkameras): Zur Dokumentation langfristiger Umweltprozesse wurden im Glocknergebiet über zehn wetterfeste, autarke 35-mm-Zeitrafferkameras positioniert, die über mehrere Monate hinweg Aufnahmen machten. Insgesamt wurden 60 Filmrollen belichtet – etwa vier Stunden Rohmaterial.
Remote Head: Für Aufnahmen von Wildtieren wie den Murmeltieren wurde ein motorisierter Schwenk-Neigekopf genutzt, der per Funk aus bis zu 800 Metern Entfernung gesteuert werden konnte, um die Tiere nicht durch die Anwesenheit von Menschen zu stören.
Logistik und Kooperationen: Die Produktion im hochalpinen Gelände wurde logistisch durch das Österreichische Bundesheer unterstützt. Die Fliegerregimenter 2 und 3 übernahmen Transportflüge und unterstützten die Wartung der Zeitraffer-Kameras. Das Jägerbataillon 24 und eine Tragtierstaffel aus Lienz halfen beim Aufbau des CAMCAT-Systems am Stotzertal Wasserfall. Um die Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern zu schonen, wurde die Anzahl der Hubschrauberflüge so gering wie möglich gehalten; stattdessen transportierten fünf Haflinger die Ausrüstung in das unwegsame Gelände.
Der Film entstand als Koproduktion des ORF mit der Großglockner Hochalpenstraßen AG, den Ländern Kärnten und Salzburg, Cine Tirol, dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) sowie dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Rezeption und Erfolg Die Dokumentation wurde am 26. Oktober 2000 um 20:15 Uhr im ORF erstausgestrahlt. Mit 1,229 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 43 Prozent verzeichnete die Sendung die höchste Reichweite unter den Universum-Dokumentationen des Jahres 2000.https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20001127_OTS0069/orf-universum-dokumentation-glockner-der-schwarze-berg-ab-sofort-als-video-erhaeltlich Das zugehörige 30-minütige Making-of wurde am 29. Oktober 2000 gesendet.
Veröffentlichung auf DVD Der Film wurde zum ersten Mal 2002 von ORF Enterprise und Warner Music Austria auf DVD veröffentlicht – stark gekürzt, mit anderem Sprecher (Victor Couzyn) und mit falschem Bildformat. Die Universum-Dokumentation Geschichten aus dem Wienerwald war ebenfalls auf dieser DVD enthalten.https://www.ofdb.de/fassung/210135,320184,Glockner-Der-schwarze-Berg/
Die erste Veröffentlichung der ungekürzten Originalversion auf DVD erschien erst 2011 in der Edition Der österreichische Film der Zeitung Der Standard (Nr. 186). Die DVD enthielt neben dem Hauptfilm auch ein Making-of.https://www.derstandard.at/story/1316389980452/glockner-der-schwarze-berg
Weblinks
Bilder, Trailer und Informationen bei rihafilm.com
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2000 Kategorie:Österreichischer Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Großglockner