mini|Kirche Maria Himmelfahrt in Roden, neoromanische Fassade von Heinrich Latz und Toni Laub mini|Blick ins Innere der Kirche Die Kirche Maria Himmelfahrt ist eine römisch-katholische Kirche im Saarlouiser Stadtteil Roden (Saar). Die Kirche gehört zur im Jahr 2011 gegründeten Pfarrgemeinschaft rechts der Saar. Die Pfarreiengemeinschaft besteht gebietsmäßig aus den Saarlouiser Stadtteilen Fraulautern, Fraulautern-Kreuzberg, Roden und Steinrausch mit ihren Kirchen Heiligste Dreifaltigkeit (Fraulautern), St. Josef (Fraulautern-Kreuzberg), Mariä Himmelfahrt (Roden), Christkönig (Roden) und St. Johannes (Steinrausch). Die Pfarreiengemeinschaft ist dem Bistum Trier zugeordnet. Das Patroziniumsfest der Rodener Marienkirche ist das kirchliche Hochfest der Aufnahme der Jungfrau und Gottesmutter Maria in den Himmel, das am 15. August begangen wird.

Geschichte Das Kirchengebäude mini|Das Kirchengebäude in seiner gegenwärtigen Gestalt Das aktuelle Kirchengebäude mit seiner romanisierenden Doppelturmfassade entstand durch den Wiederaufbau der kriegszerstörten neogotischen Rodener Kirche der Jahre 1898 bis 1900 durch die Saarwellinger Architektengemeinschaft Heinrich Latz und Toni Laub in den Jahren 1949 bis 1950. Eine frühneuzeitliche, um 1500 erbaute Vorgängerkirche besaß einen ungefähr 25 Meter hohen Kirchturm und ein ca. 15 Meter hohes Kirchenschiff. Im Jahr 1750 war eine Barockkirche errichtet worden, die man im Jahr 1828 erweitert hatte. Nachdem im Jahr 1888 Julius Wilhelm Imandt Pfarrer in Roden (bis 1912) geworden war, ließ dieser die alte Barockkirche auf dem heutigen Rodener Marktplatz im Jahr 1904 abreißen und initiierte in den Jahren 1898–1900 den Bau der neuen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in den Formen einer neofrühgotischen Basilika nach Plänen des aus Roden stammenden Architekten Wilhelm Hector. Der historistische Neubau wurde am 29. April 1902 konsekriert.Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland. (Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 40), Saarbrücken 2002, S. 313–314. Diese neogotische Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg während der schweren Häuserkämpfe zwischen US-amerikanischen Truppen und der deutschen Wehrmacht im Winter 1944/1945 schwer beschädigt und in der Nachkriegszeit stark verändernd wiederaufgebaut.Informationen zur Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 21. August 2014

Die Ersterwähnung der Pfarrei Die Pfarrei Roden (Rodena) wird in einer Urkunde des Trierer Erzbischofes Theoderich II. von Wied (Amtszeit 1212–1242) aus dem Jahr 1222 genannt, in der die Pfarrangehörigen, wie andere Pfarreien der Saargegend, verpflichtet werden, alljährlich eine Wallfahrt nach Mettlach zur Grabeskirche des heiligen Liutwin im heutigen Alten Turm der Abtei Mettlach zu unternehmen. Die Urkunde von 1222 bezieht sich auf ältere Urkunden Trierer Bischöfe, die heute nicht mehr vorliegen.

Die Auflistung der Pfarreien, in der Roden genannt wird, ist eine wörtliche Wiedergabe einer Urkunde des Trierer Erzbischofes Albero von Montreuil (Amtszeit: 1131–1152), in der dieser dem Kloster Mettlach ein schon bestehendes Wallfahrtsprivileg garantiert. Da die Urkunde Alberos nicht mehr existiert, muss ihr spätestes Entstehungsdatum mit dem Jahr 1152 angenommen werden. Die Urkunde Alberos ihrerseits bezieht sich auf eine noch ältere Urkunde des Trierer Erzbischofs Ruotbertus (931–956). Die ursprüngliche Urkunde des Erzbischofs Ruotbertus liegt wie die des Albero nicht mehr vor. So muss als spätestes Entstehungsdatum der Ruotbertus-Urkunde das Jahr 956 angenommen werden.Staatsarchiv Koblenz, Abteilung 143, Nr. 8. Roden könnte also schon im 10. Jahrhundert Pfarrort gewesen sein. Allerdings könnte es auch sein, dass die Pfarrei Roden erst später entstand und dann zur bereits bestehenden Liste von Pfarrorten, die zur Mettlach-Wallfahrt verpflichtet waren, hinzugefügt wurde.

Die Schenkung von 995 mini|hochkant=.85|Die Adelige Berta und ihr Ehemann Volkmar übergeben das Königsgut Rodena als fromme Stiftung an das Kloster Mettlach, Goldrelief auf der Rückseite der Mettlacher Staurothek aus dem 13. Jahrhundert In einer lateinischen Schenkungsurkunde aus dem Jahr 995 wird Roden zwar als Ort, aber nicht als Pfarrort erwähnt. Hier übergibt die Adelige Berta das Königsgut Rodena, das ihr Ehemann Volkmar zu Lebzeiten gekauft hatte, als fromme Stiftung an das Kloster Mettlach:Staatsarchiv Koblenz, Abt. 143, Nr. 8.Marc Finkenberg: Roden, Traditionsbewußtes Dorf und moderner Stadtteil (= Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Band 6). Saarlouis 1997, S. 31–33.

Die Bedeutung Rodens für das Kloster Mettlach zeigt sich auch darin, dass auf der Rückseite des Mettlacher Kreuzreliquiars von 1230 die Schenkung Rodens an Mettlach durch Graf Volkmar und dessen Frau Berta symbolisch dargestellt ist, während Christus als thronender Weltherrscher die Szene segnet.Marc Finkenberg: Roden, Traditionsbewußtes Dorf und moderner Stadtteil (= Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Band 6). Saarlouis 1997, S. 33–36, 38. Am 20. Junli 1591 musste die Abtei Mettlach, die in eine finanzielle Notlage geraten war, ihre Rechte an Roden für 3.000 Franken an den herzoglich-lothringischen Rentmeister in Wallerfangen, Lantwein Bockenheimer, verkaufen.Marc Finkenberg: Roden, Traditionsbewußtes Dorf und moderner Stadtteil (= Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Band 6). Saarlouis 1997, S. 55.

Mittelalterliche Überreste Das älteste erhaltene Überbleibsel einer mittelalterlichen Kirche in Roden stammt vermutlich vom Ende des 11. oder vom Beginn des 12. Jahrhunderts. Es ist ein romanisches Sandsteinkapitell mit der Darstellung einer Taube, das man im Jahr 1936 bei der Umgestaltung des alten Marktplatzes fand. Darüber hinaus existiert noch eine gotische Madonnenstatue aus der Zeit um etwa 1350, die sogenannte „Madonna mit dem Gemmenring“. Die sitzende Madonna mit dem Jesuskind auf dem Schoß wird heute in der Kirche Mariä Himmelfahrt aufbewahrt.Marc Finkenberg: Roden, Traditionsbewußtes Dorf und moderner Stadtteil (= Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Band 6). Saarlouis 1997, S. 45–46.

Mittelalterliche Pfarrer Als frühest belegter Pfarrer von Roden wird im Jahr 1220 ein Rorich aus Roden genannt. Als weitere mittelalterliche Pfarrer sind erwähnt:Marc Finkenberg: Roden, Traditionsbewußtes Dorf und moderner Stadtteil (= Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Band 6). Saarlouis 1997, S. 468. Arnoldus (1237) Gerhard (1289) Walter (1310) Ludovicus (1323) Heinrich (1344)

Patronatsklöster Die Abtei St. Mauritius in Tholey hatte im Mittelalter die Patronatsrechte über die Pfarrei Roden, vermutlich bereits seit dem 11. Jahrhundert, urkundlich belegt seit dem Jahr 1246. Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung von etwa 50 Jahren (1687–1739, Patronat durch die Abtei St. Maria in Wadgassen) blieben diese Patronatsrechte bei der Tholeyer Abtei bis zur Französischen Revolution bestehen.Marc Finkenberg: Roden, Traditionsbewußtes Dorf und moderner Stadtteil (= Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Band 6). Saarlouis 1997, S. 46. Darüber hinaus war Roden als Pfarrei dem Archidiakonat Tholey und innerhalb diesem dem Landkapitel Merzig zugeordnet.

Visitationen Visitationen der Pfarrei sind für die Jahre 1330 (Taxa generalis des Trierer Erzbischofes Balduin von Luxemburg), 1569, 1618, 1680 und 1739 erwähnt. Der Visitationsbericht des Jahres 1618 überliefert neben dem Grundbesitz der Pfarrei Roden für die Kirche drei Altäre, zwei Kelche, ein Ziborium und eine Monstranz. Der Visitationsbericht des Jahres 1680 stellt dem Pfarrer und Schulmeister Peter Simonis (Amtszeit: 1666–1691) ein schlechtes Zeugnis aus: Er sei nachlässig und der Trunksucht verfallen. Im Visitationsbericht des Jahres 1739 wird zum ersten Mal das Patrozinium der Pfarrei Roden genannt: Mariä Himmelfahrt.Marc Finkenberg: Roden, Traditionsbewußtes Dorf und moderner Stadtteil (= Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Band 6). Saarlouis 1997, S. 66–67.

Pfarrer der frühen Neuzeit in Roden Die Namen Rodener Pfarrer aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit sind nur teilweise überliefert: Nikolaus Textoris: 1569 Laurent Collin: 1595–1606 Andreas Bockenheimer: 1618–1622 Jakob Metzinger: 1636 Peter Simonis: 1666–1691 Nach dem Tod von Peter Simonis versahen die Prämonstratenserpatres der Abtei Wadgassen die Pfarrdienste in Roden. Wadgassen hatte in den Jahren 1687–1739 das Kollaturrecht der Einsetzung von Pfarrern in Roden. Als Wadgasser Mönchspfarrer wirkten in Roden:Marc Finkenberg: Roden, Traditionsbewußtes Dorf und moderner Stadtteil (= Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Band 6). Saarlouis 1997, S. 67–68. Vincenz Ruwer: 1692–1696 Josef Hemmel: 1697–1721 Domenikus Schmitt: 1721–1739

Kirchenbrände Die Rodener Pfarrkirche brannte, vermutlich verursacht durch kaiserliche Truppen während des Dreißigjährigen Krieges, im Jahr 1635 nieder. Ein weiterer Kirchenbrand ist für das Jahr 1667 belegt. Damals brannten auch das Pfarrhaus und die umgebenden Häuser nieder. Begünstigt wurden diese Brände dadurch, dass die Rodener Häuser und auch die Kirche damals noch strohgedeckt waren. Nach dem Brand von 1667 wurde die Rodener Kirche nur ausgebessert und wieder mit Stroh gedeckt. Infolge von Geldmangel, bedingt durch die vorherrschenden Kriegswirren, konnte das Pfarrhaus in Roden nicht mehr aufgebaut werden und der Rodener Pfarrer Peter Simonis nahm deshalb Wohnung in Wallerfangen bei seinem dortigen Amtskollegen Peter Varcolier.Marc Finkenberg: Roden, Traditionsbewußtes Dorf und moderner Stadtteil (= Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Band 6). Saarlouis 1997, S. 68.

Neubau der Pfarrkirche mini|hochkant|Roden, Mariä Himmelfahrt, barocke Kirche von 1749/1750, Turm von 1755, Erweiterung der Kirche im Jahr 1828, Abriss im Jahr 1904. Die Kirche stand auf dem heutigen Rodener Marktplatz, Archiv des Städtischen Museums Saarlouis. In den Jahren 1749–1750 wurde eine neue Pfarrkirche errichtet und am 26. Juni 1750 durch den Trierer Weihbischof Johann Nikolaus von Hontheim eingeweiht. Der Kirchturm konnte erst im Jahr 1777 vollendet werden. Dieser barocke Kirchenneubau blieb bis zu seinem Abriss im Jahr 1904 bestehen. Pfarrer dieser Zeit waren: Nikolaus Bildhauer: 1756–1763 Johann Altmeyer: 1763–1794

Donatus-Verehrung und Brauchtum Im Zusammenhang mit der Konsekration der Rodener Pfarrkirche wird zum ersten Mal auch das Rodener Brauchtum der Verehrung des Wetterheiligen Donatus erwähnt, dessen Urheber vermutlich die Wadgasser Prämonstratensermönche in den Jahren 1691 bis 1739 waren. Der heilige Donatus wird bis heute in Roden durch eine Prozession am zweiten Sonntag im Juli verehrt. Bei der nach dem Hochamt stattfindenden Donatus-Prozession führt der Ortspfarrer ein Donatusreliquiar mit. Es wird neben der Figur des Heiligen durch die Straßen Rodens getragen. Der bis dahin in Roden durch eine Bruderschaft verehrte heilige Sebastian trat dadurch in den Hintergrund.

Im 18. Jahrhundert verteilte man am Rodener Donatustag an die Gläubigen sogenannte „Donatuszettel“, die man am Donatusreliquiar angerührt hatte und die vom Volk als Amulette gegen Blitz und Hagel verwendet wurden.

Das ursprüngliche, in Gold und Silber gefasste, Donatusreliquiar wurde während der Französischen Revolution entwendet. Die heutige Donatusstatue stammt aus dem Jahr 1784.