Der Bahnhof Oranienburg liegt in der gleichnamigen Stadt im Landkreis Oberhavel in Brandenburg. Er ist Endpunkt einer Strecke der S-Bahn Berlin und war lange Zeit ein wichtiger Fernverkehrshalt. Sein Empfangsgebäude, das im Wesentlichen aus der Zeit der Bahnhofserweiterung in den 1910er Jahren stammt, steht unter Denkmalschutz. Ebenfalls denkmalgeschützt ist ein 1987 errichtetes Stellwerk auf der Ostseite der Bahnhofsanlagen.
Lage
Der Bahnhof liegt in der Stadt Oranienburg nördlich von Berlin an der Berliner Nordbahn am Streckenkilometer 27,4 (gezählt vom ehemaligen Nordbahnhof in Berlin an der Eberswalder Straße). Die Strecke verläuft dort etwa in Nord-Süd-Richtung östlich des Stadtzentrums. Östlich des Bahnhofs liegt der Stadtteil Neustadt. Die 1914 eröffnete Strecke von Nauen erreichte Oranienburg aus westlicher Richtung und traf südlich des Bahnhofs auf die Nordbahn.
Geschichte
Die Anfänge mini|Altes Empfangsgebäude, 1905
Der südliche Abschnitt der Berliner Nordbahn und damit der Bahnhof Oranienburg wurde am 10. Juli 1877 eröffnet, zum 1. Januar 1878 ging die Strecke durchgehend bis Stralsund in Betrieb. Ende 1878 verkehrten drei durchgehende Personenzugpaare zwischen Berlin und Stralsund über Oranienburg. Bereits 1877 war zwischen Berlin und Oranienburg sowie teilweise weiter bis Gransee ein Vorortverkehr mit sogenannten „Omnibuszügen“ eröffnet worden. Sie bedienten eine Reihe von Unterwegsstationen und benötigten zwischen Berlin (Stettiner Bahnhof) und Oranienburg eine Stunde und 20 Minuten Fahrzeit. Teilweise führten diese Züge auch Güterwagen mit.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 21–22 Ende 1877 verkehrten drei Omnibuszugpaare zwischen Oranienburg und Berlin. 1884 wurden diese Züge in „gemischte Züge“ umgewandelt, zunächst blieb es bei einem Zugpaar am Tag zwischen Berlin und Gransee sowie zwei weiteren von Berlin nach Oranienburg.
Mit dem Anwachsen des Vorortverkehrs wurde die Strecke zwischen Berlin und Oranienburg in den Jahren 1890/1891 zweigleisig ausgebaut. Zum 1. Oktober 1891 wurde der verbilligte Berliner Vororttarif zwischen Berlin und Oranienburg eingeführt.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 23–26 1900 ging ein zweiter Bahnsteig für den Vorortverkehr in Betrieb.Jürgen Meyer-Kronthaler, Wolfgang Kramer: Berlins S-Bahnhöfe / Ein dreiviertel Jahrhundert. be.bra verlag, Berlin 1998. ISBN 3-930863-25-1, S. 204–205
Vor dem Ersten Weltkrieg verkehrten die Vorortzüge in Richtung Berlin etwa ein- bis zweimal stündlich. Hinzu kamen etwa elf bis zwölf Personenzüge von Berlin über Oranienburg zu unterschiedlichen Zielbahnhöfen an der Nordbahn. Von den etwa zehn Schnellzugpaaren auf der Nordbahn hielten damals nur zwei in Oranienburg.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 51
Die große Bahnhofserweiterung
Um 1910 stießen die Kapazitäten des Bahnhofs an ihre Grenzen. Im Zusammenhang mit den Planungen für die Strecke von Nauen nach Oranienburg der Umgehungsbahn um Berlin musste der Bahnhof Oranienburg beträchtlich erweitert werden. Die neuen Anlagen des Bahnhofs gingen schrittweise zwischen 1913 und 1915 in Betrieb. Die Umgehungsbahn aus Nauen wurde am 2. November 1914 provisorisch und am 1. April 1915 für den Gesamtverkehr eröffnet. Eine Weiterführung der Umgehungsbahn in Richtung Eberswalde war geplant, wurde jedoch nie verwirklicht. Beim Umbau wurden die Gleise im Bahnhof in Hochlage verlegt. Das Empfangsgebäude wurde von Karl Cornelius beträchtlich erweitertAlfred Gottwaldt: Der Eisenbahn-Architekt Carl Cornelius. In: Eisenbahn Journal 1997, Heft 3, S. 36–39 (39). und erhielt eine völlig neue äußerliche Gestalt.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 39–40. Für die Vorortzüge aus Berlin entstanden ein separater Kopfbahnsteig, Abstellanlagen und ein Lokschuppen. Östlich des Mittelbahnsteigs für die Züge der Nordbahn entstand ein weiterer Bahnsteig für die Züge der Umgehungsbahn. Die Güterverkehrsanlagen wurden auf der Ostseite des Bahnhofs zusammengefasst.
Südlich des Bahnhofs wurden die Vorortgleise und Ferngleise noch zusammengeführt, Vorbereitungen für einen viergleisigen Ausbau waren jedoch bereits getroffen worden, unter anderem war die Brücke über das ebenfalls 1914 eröffnete Teilstück der Havel-Oder-Wasserstraße zwischen den Bahnhöfen Oranienburg und Lehnitz bereits für vier Gleise ausgelegt worden.
Zwischen den Weltkriegen
Im Jahr 1925 wurden die Gleise der Vorortbahn mit Gleichstrom aus der Stromschiene elektrifiziert, zunächst am 5. Juni bis Birkenwerder. Der Abschnitt von dort bis zum Bahnhof Oranienburg folgte am 4. oder 6. Oktober.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 55–56 Wenig später setzte sich die Bezeichnung „S-Bahn“ für die Vorortstrecke durch. Im Jahre 1925 gab es je nach Richtung werktags 33 bis 35 Züge zwischen Berlin und Oranienburg, Sonntags waren es sogar zwischen 45 und 48. Im gleichen Jahr wurde die Vorortstrecke elektrifiziert, die Fahrzeit verkürzte sich von 61–64 auf 49 Minuten. Zwei Jahre später wurde der Vorortverkehr vertaktet. Seitdem verkehren die Züge zwischen beiden Städten alle 20 Minuten, im Einzelfall noch dichter. Hinzu kamen diverse Personenzüge auf der Nordbahn von Berlin aus sowie einige meist in Oranienburg beginnende Züge, die vom etwa 20 Kilometer entfernt gelegenen Löwenberg (Mark) weiter in Richtung Templin fuhren. Für den schnellen Fernverkehr blieb Oranienburg von nur geringer Bedeutung, fast alle Schnellzüge und die Mehrheit der Eilzüge hielten nicht im Bahnhof.
Mit der Inbetriebnahme des Berliner Nord-Süd-Tunnels im Jahr 1939 verkehrten die S-Bahn-Züge aus Oranienburg durch den Tunnel genau wie in der heutigen Linienführung bis zum Bahnhof Wannsee.
In den 1930er Jahren wurde Oranienburg zu einem wichtigen Standort der Rüstungsindustrie. Größter Betrieb waren die Heinkel-Werke Oranienburg, die von Oranienburg aus über die Bahnstrecke nach Nauen angeschlossen wurden. In die Konzentrationslager Oranienburg (1933/1934) und vor allem Sachsenhausen (ab 1936) wurden zehntausende von Häftlingen deportiert, die teilweise auch mit der Bahn über den Bahnhof Oranienburg transportiert wurden. Im Zweiten Weltkrieg war Oranienburg Ziel mehrerer heftiger alliierter Bombenangriffe. Zwar wurden die Bahnhofsanlagen nicht wesentlich getroffen, aber Blindgänger aus jener Zeit sorgten vielfach bis in die Gegenwart für Unterbrechungen des Zugverkehrs.
Kriegsende und deutsche Teilung
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs war die Brücke über den Schifffahrtskanal südlich des Bahnhofs gesprengt worden. Zum 11. Juli wurde sie provisorisch wiederhergestellt. Die Strecke zwischen Oranienburg und Borgsdorf war jedoch für den gesamten Fern- und S-Bahn-Verkehr nur noch eingleisig in Betrieb. Insofern gab es in den Folgejahren starke Betriebseinschränkungen, beispielsweise konnte die S-Bahn nur im Pendelverkehr zwischen Oranienburg und Birkenwerder im eingeschränkten Takt verkehren. Erst nach Wiederaufbau eines zweiten Gleises wurde der 20-Minuten-Takt auf der S-Bahn wieder aufgenommen.
Für den Regional- und Fernverkehr wirkten sich zunehmend die Folgen der deutschen Teilung aus. Zwar lag der Stettiner Bahnhof (ab 1950 Nordbahnhof genannt) in Ost-Berlin, nördlich führte die Nordbahn jedoch ein längeres Stück durch West-Berlin. Die zur Umfahrung der Westsektoren Berlins gebaute Strecke zwischen Berlin-Karow an der Stettiner Bahn und dem Bahnhof Fichtengrund an der Berliner Nordbahn über Basdorf ging am 6. Mai 1950 in Betrieb. Zunächst waren von dieser auch Nördlicher Güteraußenring genannten Strecke nur Fahrten in Richtung Oranienburg und ab 23. Mai über eine Verbindungskurve auch direkte Verbindungen von Neustrelitz nach Berlin unter Umfahrung des Bahnhofs Oranienburg möglich.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 72–73 1951 ging eine weitere Umfahrungsstrecke von Oranienburg nach Velten an der Kremmener Bahn in Betrieb.
Ab 18. Mai 1952 war der Personenverkehr zwischen der DDR und West-Berlin mit Ausnahme der S-Bahn komplett unterbrochen worden. Der Personenverkehr der Nordbahn in den Ostteil Berlins wurde über die neugebaute Strecke über Basdorf geführt und berührte den Bahnhof Oranienburg nicht mehr. Dies änderte sich, nachdem am 25. November 1952 der Berliner Außenring zwischen dem Karower Kreuz und Birkenwerder eröffnet wurde. 1953 wurde der Ring weiter in Richtung Westen verlängert, seit etwa 1955 ermöglicht eine Verbindungskurve in Hohen Neuendorf auch direkte Fahrten von Oranienburg auf den westlichen Außenring.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 76–77
Nach dem Mauerbau mini|Blick vom S-Bahnsteig zu den Fernbahnsteigen
Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 wurde die S-Bahn-Strecke nach Berlin an der Grenze zu West-Berlin zwischen Hohen Neuendorf und Berlin-Frohnau unterbrochen. In den folgenden Monaten wurde provisorisch ein Gleis des Berliner Außenrings zwischen Hohen Neuendorf und dem Karower Kreuz mit Stromschiene versehen und eine zusätzliche Verbindungskurve zwischen Außenring und Nordbahn bei Hohen Neuendorf gebaut, so dass ab 19. November 1961 wieder ein direkter S-Bahn-Verkehr nach Ost-Berlin möglich war.Morgen 9.07 Uhr. In: Berliner Zeitung, 18. November 1961, S. 8 Nach einigen Einschränkungen in den Anfangsjahren war seit Mitte der 1960er Jahre wieder ein durchgehender 20-Minuten-Takt bei der S-Bahn möglich. Jahrzehntelang fuhren die S-Bahn-Züge aus Oranienburg über Birkenwerder, Blankenburg, Ostkreuz zum Flughafen Schönefeld; im Abend- und Wochenendverkehr teilweise auch nach Spindlersfeld.
Die S-Bahn bewältigte den gesamten Personennahverkehr zwischen Oranienburg und Berlin, andere Personenzüge verkehrten aufgrund begrenzter Kapazitäten in dieser Relation nicht mehr. Die Personenzüge in Richtung Norden zu verschiedenen Zielen an der Nordbahn und zu den in Löwenberg (Mark) abzweigenden Strecken nach Templin und Rheinsberg bzw. Neuruppin begannen in Oranienburg. Hinzu kamen einige Züge zwischen Oranienburg und Hennigsdorf über Birkenwerder und bis zur Einstellung des Personenverkehrs auf diesen Strecken in den 1960er Jahren in Richtung Velten und Nauen über Kremmen.
Mit dem Ausbau der Häfen in Rostock und Stralsund, der wachsenden Bevölkerungszahl im Norden der DDR und dem zunehmenden Tourismus wuchs die Bedeutung der Nordbahn und auch des Bahnhofs Oranienburg für den Fern- und Güterverkehr. Alle Schnellzüge zwischen Berlin und Rostock bzw. Stralsund über Neubrandenburg hielten im Bahnhof; seit November 1976 auch ein Städteexpress-Zugpaar. (Stoltera Berlin-Rostock)
Durch den Berliner Außenring hatten die Umgehungsbahn und die 1950/1951 gebauten Verbindungsstrecken nach Basdorf und Velten ihre Bedeutung verloren. Der Personenverkehr von Oranienburg über Kremmen nach Nauen wurde 1967, der nach Velten 1969 eingestellt. Während letztgenannte Strecke wenige Jahre später stillgelegt und abgebaut wurde, blieben die Strecken nach Nauen und Basdorf, die nie planmäßigen Personenverkehr hatten, für den Güterverkehr, als Reserve bei Umleitungen und aus militärstrategischen Gründen bis Mitte der 1990er Jahre in Betrieb.