mini|Stadtpfarrkirche St. Michael Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche St. Michael ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Lohr am Main im Landkreis Main-Spessart (Bayern). Die Gemeinde gehört zum Dekanat Main-Spessart im Bistum Würzburg. Der Kirchturm prägt zusammen mit dem Bayersturm und dem Schloss das Stadtbild. Die Kirche befindet sich auf dem ehemaligen Burgareal der Grafen von Rieneck am Rand der Lohrer Innenstadt.Adina Christine Rösch: St. Michael. Lohr am Main. Schnell, Kunstführer Nr. 1078, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7954-4010-7, S. 2.

Geschichte Die heutige Stadtpfarrkirche ist exakt nach Osten ausgerichtet. Sie soll ursprünglich dem Patrozinium des H. Martin unterstellt gewesen sein. Außer den Filialen Sackenbach und Wombach gehörten zur Pfarrei auch die Dörfer Langenprozelten, Nantenbach, Rodenbach und Neuendorf, allerdings sind kaum Nachrichten dazu überliefert. Ein Pfarrverweser mit dem Namen swickerus plebanus in Lare wurde in Lohr 1295 erstmals urkundlich erwähnt.Wie alt ist Lohr - wann war die Erstnennung? Im Jahrbuch 2023 des Heimat- und Geschichtsverein Kreuzwertheim ist Lohrs Eintritt in die Geschichte, Alter und erste urkundliche Erwähnung von angeblich 1295, von Klaus Weyer widerlegt. Ein weiterer Pfarrer, Notar und Vorstand der Kirche, mit Namen Johann, wurde 1316 erwähnt. Es ist anzunehmen, dass wegen des Patroziniums des Martin die Pfarrei weitaus älter ist, wofür es jedoch keine Beweise gibt. Zunächst fungierten die Herren von Rieneck als Patronatsherren. Alfons Ruf führte 1978 Grabungen durch und konnte mehrere Vorgängerkirchen belegen, die bis in das siebte oder achte Jahrhundert zurückreichen.Keine Erwähnung in der Liste der Baudenkmäler in Lohr am Main. Möglicherweise ist ein nicht eindeutig belegbarer Vorgängerbau aus Holz, der wohl an der südöstlichen Ecke des heutigen Mittelschiffes stand, noch älter. Der Kirchenbau war zuerst eine Burgkapelle, sie diente auch der Siedlung rund um die Burg als Pfarrkirche und wurde mit dem Wachsen der Siedlung immer wieder erweitert.Wobei eine Burg nicht belegt ist. Bei den Grabungen von Alfon Ruf wurden in der Nähe der Kanzel, also im Bereich der ältesten Kirche, Scherben aus der Zeit der Hallstatt-Latènezeit geborgen;Scherben nicht mehr auffindbar. der Kirchenhügel war vermutlich schon in keltischer Zeit besiedelt. Im 10. und 11. Jahrhundert wurde das nunmehr langgestreckte Gebäude in Richtung Norden erweitert. Der Altarraum der so entstandenen einschiffigen Kirche war eingezogen, er schloss mit einer runden Apsis ab. Der Bau war wohl frühromanisch gehalten und in etwa so breit wie das heutige Gebäude, aber nur halb so lang. Etwas später wurde an der Westseite ein Turm angebaut; dessen Fundament wurde im Bereich des westlichen Joches ergraben. Die heutige Sakristei wurde im 12. Jahrhundert als Friedhofskapelle gebaut, sie war zur Nord- und Westseite hin freistehend und durch ein im Westen befindliches, heute vermauertes, Sandsteinportal in rundbogiger Ausführung erschlossen.

mini|Blick zum Chor Um 1300 wurde, bedingt durch das Anwachsen der Bevölkerung, eine Erweiterung notwendig. An die Nord- und Südseite wurden Seitenschiffe angefügt und die ehemaligen Längswände wurden durch Rundbogenarkaden aufgelöst, die noch heute den Innenraum bestimmen. Es entstand eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika. Für den Bau des südlichen Seitenschiffes mussten Gebäude nördlich des ehemaligen Burgbezirks derer von Rieneck abgebrochen werden. In der Zeit von 1488 bis etwa 1500 wurden die letzten durchgreifenden Veränderungen durchgeführt. Der romanische Chor wurde abgebrochen und durch einen höheren spätgotischen Hallenchor mit spitzbogigen Maßwerkfenstern ersetzt. Dazu mussten die drei Schiffe erhöht werden. Die Seitenschiffe und die Obergadenzone erhielten dabei neue spitzbogige Fenster, dokumentiert durch die Jahreszahl 1488 im Gewände des östlichen Fensters des nördlichen Seitenschiffs. Das Langhaus wurde um zwei Spitzbogenjoche nach Westen hin verlängert und der gotische Westturm errichtet, dessen Baubeginn durch die Jahreszahl 1496 über dem Portal dokumentiert ist. In die Außenwand des nördlichen Seitenschiffes wurde ein spitzbogiges Portal eingefügt, das sogenannte Sackenbacher Tor.Adina Christine Rösch: St. Michael. Lohr am Main. Schnell, Kunstführer Nr. 1078, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7954-4010-7, S. 7/8.

mini|Chorgestühl von 1654 Im Jahr 1543 hielt die Reformation in Lohr Einzug und die Kirche wurde protestantisch. 1559, nach dem Tod Philipps III. von Rieneck, fiel Lohr an das Kurfürstentum Mainz. Wie in protestantischen Kirchen üblich, wurden 1596 auch in St. Michael Seitenemporen eingebaut. Erasmus Schraum aus Karlstadt verzierte sie mit Historienbildern. Die Gegenreformation begann 1603 unter Kurfürst Johann Adam von Bicken. Ein neuer Hochaltar wurde 1605 aufgestellt und 1627 von Erasmus Schraum repariert und neu gefasst. Mit einem von Sebastian Vogt aus Karlstadt gemalten Altarblatt und Statuen der Heiligen Michael, Rochus und Sebastian wurde 1671/72 ein neuer Hochaltar vom Bildhauer Lenhart Caspar aus Karlstadt angeschafft. Beim Einbau neuer Fenster wurden 1710 alle gotischen Maßwerke, mit Ausnahme des Chormittelfensters, ausgeschlagen. Ein Vierzehn-Nothelfer-Altar wurde 1714 vermutlich als rechter Seitenaltar aufgebaut und 1796 wieder entfernt. 1796 wurde der Hochaltar abgebrochen und durch einen klassizistischen ersetzt. Die Schnitzarbeiten an diesem Altar übernahm Georg Schäfer aus Karlstadt. Zwei Jahre später fertigte Schäfer zwei Seitenaltäre im selben Stil und 1804 die Kanzel. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden in der Sakristei und im Chor neue Gewölbe eingezogen. 1868/69 und 1889/90 wurden Renovierungen vorgenommen. Dabei wurde das Südportal vermauert, ein Oratorium über der Sakristei eingebaut, der baufällige Dachstuhl abgetragen und ein um mehr als drei Meter niedrigerer neu aufgebaut. Nach Entfernung der drei klassizistischen Altäre erhielt die Kirche Flügelaltäre im Stil der Neogotik, die zur heutigen Ausstattung gehören: 1890 den Hochaltar und 1905 die beiden Seitenaltäre.Adina Christine Rösch: St. Michael. Lohr am Main. Schnell, Kunstführer Nr. 1078, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7954-4010-7, S. 40/41. Heinz Schiestl schuf 1916 für die Kirche den Kreuzweg.

mini|Kreuzweg: Jesu Abnahme vom Kreuz und Grablegung Eine umfassendere Renovierung fand 1928/29 statt. Damals wurden die Seitenemporen aus der Reformationszeit entfernt. Stattdessen versah Oskar Martin-Amorbach die Hochwände des Mittelschiffs mit sechs Fresken. An der Nordwand gestaltete er die Motive Anbetung der Heiligen Drei Könige, Einzug Christi in Jerusalem und die Kreuzigung Jesu (von West nach Ost), an der Südwand die Auferstehung Jesu, die Aussendung des Heiligen Geistes und das Jüngste Gericht mit Maria und Johannes dem Täufer als Fürbittern (von Ost nach West). Das Fresko der Aussendung des Heiligen Geistes wurde bei der Renovierung von 1963 übertüncht,Hanswernfried Muth: St. Michael in Lohr am Main. Katholische Stadtpfarrkirche. Schnell, Kunstführer Nr. 1078, Verlag Schnell & Steiner, München und Zürich 1988, S. 09–10. alle anderen 2015 überstrichen. Die Empore an der Westseite wurde vergrößert und von einem Maler Angermeyer aus München ornamental bemalt. Seine Malerei wurde jedoch 1979 wieder entfernt. In den Chor wurde ein Rabitzgewölbe und in die Mittel- und Seitenschiffe wurden flache neoromanische Holzkassettendecken eingebaut.Hanswernfried Muth: St. Michael in Lohr am Main. Katholische Stadtpfarrkirche. Schnell, Kunstführer Nr. 1078, Verlag Schnell & Steiner, München und Zürich 1988, S. 08.

Weitere kleinere Renovierungen im Innenbereich wurden 1951, 1963, 1978 und 1980 vorgenommen, der Außenbau wurde 1966 renoviert. Hermann Amrhein fertigte 1964 einen Ambo mit der Darstellung der vier Evangelisten und ihrer Symbole, der 2015 in die Turmvorhalle versetzt wurde. 1980 wurde die Westempore verändert und eine neue Orgel aufgebaut.

Baubeschreibung Die Daten vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege: romanische Sakristei mit Rundapsis 12. Jh., im Kern spätromanisches Langhaus 13. Jh., spätgotischer Chor und Turm 2. Hälfte 15. Jh.

Ausstattung Seit dem 16. Jahrhundert sind Belege über die Anschaffung von Gegenständen für die Innenausstattung erhalten. Von den zahlreichen Arbeiten der verschiedenen Künstler und Kunsthandwerker sind nicht mehr alle vorhanden, sie gingen im Laufe der Zeit verloren oder wurden dem Zeitgeschmack entsprechend ausgewechselt. Die heutige Ausstattung stammt überwiegend aus der Zeit um 1900.

Chor Hochaltar mini|hochkant|Hochaltar mit geöffneten Flügeln Der Hochaltar wurde 1890 von Franz Wilhelm Driesler aus Lohr in der Art der historisierenden Neugotik gebaut. Die notwendigen Schreinerarbeiten führte Josef Fleckenstein nach Anweisung Drieslers aus. Die Reliefs auf den Flügeln und im Mittelteil zeigen die Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes. Von links nach rechts sind die Motive Christus am Ölberg, Geißelung, Dornenkrönung und Kreuztragung Christi angeordnet. Das fünfte Geheimnis, seine Kreuzigung, ist erhöht in der Mitte des Retabels über dem Tabernakel eingefügt und bleibt auch bei geschlossenen Flügeln sichtbar. In der Predella sind die vier Evangelisten sitzend mit ihren Symbolen dargestellt. Auf dem Antemensale sind das Opfer des Melchisedek, die Opferung Isaaks und die Erhöhung der ehernen Schlange zu sehen. Die Außenseiten der Flügel sind mit der Vertreibung aus dem Paradies und dem Kampf des Erzengels Michael mit dem Teufel bemalt. Der Mittelschrein wird flankiert von Figuren der Apostel Petrus und Paulus, die bei geöffneten Flügeln nicht zu sehen sind. Bekrönt wird der Altar von einem Gesprenge, das aus Maßwerk, Fialen und zwei Tragekonsolen mit je einer Engelskulptur besteht.Adina Christine Rösch: St. Michael. Lohr am Main. Schnell, Kunstführer Nr. 1078, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7954-4010-7, S. 19/27.

Vor dem Hochaltar stehen unter dem Chorbogen der Zelebrationsaltar, ein Ambo und ein Priestersitz, die 2015 im Atelier Arnold und Eichler geschaffen wurden. Sie sind aus Bronze in Würfelform, innen hohl, mit offenen Seiten gestaltet. Die sichtbaren, strahlend-goldenen Innenflächen von Altar und Ambo sind mit Weinlaubmustern verziert. In der Mitte des Altarbodens steht ein kleiner pyramidenförmiger Bergkristall über der Stelle, an der sich Reliquien des hl. Martin, der hl. Barbara und des seligen Liborius Wagner befinden. Über dem Altar hängt am Scheitel des Chorbogens ein überlebensgroßes Kruzifix, das um 1550 entstanden ist. An den Seiten des Chorraums ist das frühbarocke Chorgestühl aufgestellt, das von Valentin Maher aus Lohr aus dem Jahr 1654 stammt.Adina Christine Rösch: St. Michael. Lohr am Main. Schnell, Kunstführer Nr. 1078, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7954-4010-7, S. 17–19.

Bleiglasfenster Die fünf farbigen Bleiglasfenster im Chor wurden von der Hofglasmalerei Zettler aus München zwischen 1899 und 1904 angefertigt. Sie zeigen die Geheimnisse des glorreichen Rosenkranzes: Auferstehung und Himmelfahrt Christi, die Aussendung des Heiligen Geistes, die Aufnahme Mariens in den Himmel und ihre Krönung.Adina Christine Rösch: St. Michael. Lohr am Main. Schnell, Kunstführer Nr. 1078, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7954-4010-7, S. 27. Ein sechstes Fenster (von 1904) im nördlichen Seitenschiff neben dem Kreuzaltar hat die Christusvision der heiligen Margareta Maria Alacoque zum Inhalt.Adina Christine Rösch: St. Michael. Lohr am Main. Schnell, Kunstführer Nr. 1078, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7954-4010-7, S. 33.

Epitaphe mini|hochkant|Epitaph für Graf Reinhart von Rieneck († 1518) und Agnes von Rieneck († 1519)