mini|La Petite Venise Colmar (elsässisch Colmer , deutsch auch Kolmar) ist nach Straßburg und Mülhausen die drittgrößte Stadt im Elsass (Europäische Gebietskörperschaft Elsass) und Präfektur (Verwaltungssitz) des Départements Haut-Rhin in der Region Grand Est. Zum hatte Colmar Einwohner in der Stadt sowie im Großraum.

Colmar liegt an der Elsässer Weinstraße und bezeichnet sich gern als Hauptstadt der elsässischen Weine. Die Stadt ist berühmt für ihr gut erhaltenes architektonisches Erbe aus sechs Jahrhunderten und für ihre Museen, darunter das Unterlinden-Museum mit dem Isenheimer Altar. Colmar ist die Geburtsstadt berühmter Künstler wie Martin Schongauer, Frédéric-Auguste Bartholdi, Ernst Stadler und Jean-Jacques Waltz.

Die Stadt wurde erstmals 823 urkundlich bezeugt. 1226 wurde sie von Kaiser Friedrich II. zur Reichsstadt erhoben. 1575 konnte die Reformation einen teilweisen Einzug halten. Im Frieden von Nimwegen 1679 gelangte Colmar an Frankreich und teilt seither die Geschichte des Elsass.

Geographie Colmar liegt am Westrand der oberrheinischen Tiefebene etwa auf halbem Weg zwischen Basel (60 km entfernt) und Straßburg (65 km entfernt). Im Südosten wird der Ort in einem Rechtsbogen von der Lauch durchflossen, die unweit östlich in die Ill mündet. Die Bewässerung der Altstadt erfolgt seit dem 18. Jahrhundert auch durch den Logelbach, der bei Turckheim Wasser aus der Fecht nach Colmar ableitet und beim Kanalhafen in die Lauch Canalisée einmündet, die danach die letzten Kilometer bis zu der Mündung in die Ill übernimmt.

Politik Die Stadt ist Sitz der Präfektur des Départements Haut-Rhin und außerdem Sitz des höchsten elsässischen Gerichts (Cour d’appel de Colmar, 1871 bis 1918 Oberlandesgericht Colmar). Die Präfektur verwaltet auch das Arrondissement Colmar-Ribeauvillé. Colmar ist Sitz des Gemeindeverbandes Colmar Agglomération.

Wappen Blasonierung: „Gespalten von Rot und Grün, belegt mit einem linksschrägen goldenen Streitkolben mit fünfzackigem Stern.“

Geschichte Ereignisgeschichte mini|links|Ansicht der Stadt Colmar im Jahr 1644, nach dem Stich von Matthäus Merian in der Topographia Alsatiæ mini|Schwendi-Brunnen von Frédéric-Auguste Bartholdi, errichtet 1898 zu Ehren von Lazarus von Schwendi

Mittelalter Colmar ( oder ) wurde als Königsgut unter dem Namen Columbarium (Fiscum), „Taubenhaus“, auch Kolumbarium, im Jahr 823 erstmals urkundlich erwähnt. Anfang des 13. Jahrhunderts – wahrscheinlich nach 1214 – wurde der Ort Colmar auf Veranlassung des Landvogts Albinus Wölfel (oder Wölfelin) mit einer Ringmauer umgeben, die 1220 fertiggestellt war. 1226 wurde Colmar durch eine Urkunde des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II. zur Stadt erhoben und freie Reichsstadt.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 615–633, online.Ernst Theodor Gaupp: Deutsche Stadtrechte des Mittelalters, mit rechtsgeschichtlichen Erläuterungen. Erster Band: Die Stadtrechte von Straßburg, Hagenau, Molsheim, Colmar, Annweiler, Winterthur, Landshut in Bayern, Regensburg, Nürnberg, Eger, Eisenach, Altenburg. Breslau 1851, S. 112–122, online.

Im Jahr 1261 wurde die Stadt durch Gottfried I.von Habsburg-Laufenburg und Graf Rudolf in der Fehde mit Walther von Geroldseck eingenommen.

Während der Pestpogrome wurde die blühende jüdische Gemeinde von Colmar 1348/49 vernichtet.Colmar (Elsass). Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, aufgerufen am 23. Dezember 2024.

Der Rat der Stadt übergab 1360 die Macht an die Berufskorporationen. Im 14. Jahrhundert trat Colmar dem Zehnstädtebund bei. Seit 1564 bestand in Colmar wie in anderen Städten am Oberrhein eine bekannte Meistersingerschule. Josel von Rosheim führte 1548 einen Prozess für die Juden der Stadt Colmar vor dem Reichskammergericht wegen des seiner Ansicht nach unzulässigen Marktverbotes der Stadt für sie. 1512 mussten alle Juden die Stadt verlassen, Synagoge und jüdischer Friedhof wurden vom Kaiser Maximilian I. beschlagnahmt und an die Stadt verkauft.Colmar. alemannia-judaica.de, aufgerufen am 23. Dezember 2024.

Reformation und Gegenreformation Am 15. Mai 1575 wurde in der Franziskanerkirche in Colmar (heute Église protestante Saint-Matthieu) der erste lutherische Gottesdienst abgehalten.„Die Einführung der Reformation“, www.ot-colmar.fr Trotz der geographischen Nähe zu wichtigen Zentren der protestantischen Bewegung wie Straßburg, Basel und Schlettstadt dauerte es ein halbes Jahrhundert, ehe die Stadtverwaltung den Colmarer Protestanten ihre liturgischen Bräuche genehmigte.

Dreißigjähriger Krieg Im Dreißigjährigen Krieg wurde Colmar 1632 von schwedischen Truppen belagert und eingenommen. Die Stadt erhielt eine französische Garnison, deren lutherischer Kommandant de Manicamp (Achille de Longueval, seigneur de Manicamp, gouverneur de Colmar et de la Fère)Chronique des dominicains de Guebwiller (X. Mossmann, Hrsg.), Gebweiler/Colmar/Straßburg 1844, S. 281. zum Gouverneur des Oberelsass ernannt wurde.

Colmar unter französischer Herrschaft Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. besetzten Colmar im Jahr 1673. Die Ortschaft wurde 1680 zusammen mit Türkheim, Kaysersberg und Münster im Gregoriental mit deren Besitz (24 Ortschaften) vom Königreich Frankreich annektiert.Maximilian du Prel: Die Deutsche Verwaltung in Elsass-Lothringen 1870–1879. Denkschrift mit Benutzung amtlicher Quellen. Karl J. Trübner, Straßburg 1879, S. 7 (Google Books). Colmar wurde Sitz der „Allgewaltigen Ratsversammlung der Provinz Elsass“. Colmar wurde 1791 Sitz der Verwaltung des Departements Haut-Rhin.

Colmar im 19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Colmar eine leistungsfähige Textilindustrie. Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) wurde Colmar Teil des neugebildeten Reichslandes Elsass-Lothringen im Kaiserreich, die Stadt wurde Hauptstadt des Bezirks Oberelsass und Sitz eines eigenen Oberlandesgerichtes. 1902 wurde in der Stadt der Betrieb der Straßenbahn eröffnet, die 1960 stillgelegt wurde.

Zwischenkriegszeit Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde Colmar von 1918 bis 1919 zusammen mit dem übrigen Elsass wieder ein Teil von Frankreich. In der folgenden Zeit war die Stadt, Heimat und Hauptwirkungsstätte des deutschfeindlichen Zeichners Hansi, Austragungsort zweier Konfrontationen im Rahmen der schwierigen Wiedereingliederung des Elsass in das zentralistische und assimilatorische Frankreich. Zwei Tage nach dem Einmarsch der französischen Truppen kam es zu einem Pogrom gegen Deutsche und Juden. In den Ausschreitungen wurden etwa ein Dutzend deutscher Geschäftshäuser, darunter neun in jüdischem Besitz, von einem Mob geplündert und angezündet. So genannte Altdeutsche, also nach 1871 eingewanderte Personen sowie deutschfreundliche Elsässer wurden enteignet und mussten im Winter 1918 innerhalb von 24 Stunden die Stadt verlassen. Die Personen wurden auf LKW verfrachtet und über die Grenze gefahren. Die Vertriebenen durften nur wenig Handgepäck und etwas Bargeld mitnehmen.

Am 22. August 1926 kam es zu den als blutiger Sonntag von Colmar bekannten Übergriffen französischer Nationalisten auf eine von der Präfektur erlaubte Versammlung elsässischer Autonomisten, bei denen Gendarmen die Angreifer unterstützten und Autonomisten verhafteten. 1928 war die Stadt Schauplatz des Komplott-Prozesses von Colmar, eines politisch bestimmten Verfahrens gegen einige „Heimatrechtler“ und „Muttersprachler“ (u. a. Karl Roos, Joseph Rossé, Eugène Ricklin, Robert Ernst), welche teils die graduellen Errungenschaften regionaler Selbstbestimmung aus der deutschen Zeit (1911) zu behalten suchten, teils für die Wiederangliederung an das Reich kämpften und von Frankreich als Separatisten betrachtet wurden.

Zweiter Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg wurde Colmar 1940 nach der Niederlage Frankreichs als Teil des Reichsgaus Baden-Elsass de facto dem Großdeutschen Reich angeschlossen. Die Synagoge wurde geplündert und die jüdischen Einwohner nach Südfrankreich in Internierungslager deportiert. Viele wurden später vom Vichy-Regime in den Holocaust ausgeliefert und in den Vernichtungslagern des Holocaust ermordet.Colmar. Gedenkorte Europa 1933–1945, aufgerufen am 23. Dezember 2024. Ab 1942 wurden die Männer von Colmar völkerrechtswidrig in die Wehrmacht eingezogen (Malgré-nous). Am 2. Februar 1945 wurde die Stadt nach erbitterten Kämpfen in der Kesselschlacht von Kolmar (Poche de Colmar), der letzten großen Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf französischem Territorium, durch die Westalliierten befreit. Es gab jedoch kleinere Schlachten im Rahmen der Operation Undertone noch ab 15. März 1945 im Nordelsass und in Lothringen.

Nachkriegszeit Mit der Gründung der Weinmesse Foire aux vins und des Musikfestivals Festival international de Colmar erhielt Colmar 1947 beziehungsweise 1980 zwei der international bekanntesten alljährlichen Veranstaltungen des Elsass. Colmar wird seit 1947 ununterbrochen von Bürgermeistern aus dem konservativen Lager regiert. 1945–1947 hatte Édouard Richard von der sozialdemokratischen SFIO wieder den Posten übernommen, den er bereits 1935–1940 innehatte. Seine Nachfolger Joseph Rey (MRP, 1947–1977), Edmond Gerrer (UDF, 1977–1995) und Gilbert Meyer (UMP, seit 1995) gehör(t)en jedoch allesamt christlich-demokratisch geprägten Parteien an.

Bevölkerungsentwicklung

+ Bevölkerungszahlen vom 18. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Jahr Einwohner Anmerkungen 1780 › 15.000 in 1278 Häusern bei 1877 Feuerstellen (Haushaltungen)Sigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten, Basel 1782, S. 320. 1824 14.300 davon 9000 Katholiken, 5000 Protestanten und 300 JudenJohann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente, Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 79. 1841 19.908 1861 22.629 1872 23.045 am 1. Dezember, in 2220 Häusern;C. Stockert: Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten. Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 48–49. und S. 78. nach anderen Angaben 23.669 EinwohnerVollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 10 (online) 1875 23.990 1880 26.106 1885 26.537 davon 18.838 Katholiken, 6539 Evangelische und 1109 JudenAnonymes Mitglied des Katholischen Volksvereins: Die konfessionellen Verhältnisse an den Höheren Schulen in Elsaß-Lothringen. Statistisch und historisch dargestellt. Straßburg 1894, S. 26. 1890 30.399 1900 36.844 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 171, ein Jägerbataillon Nr. 84, eine Maschinengewehrabteilung Nr. 14, ein Dragonerregiment Nr. 14, eine Eskadron Jäger zu Pferde Nr. 14), davon 10.861 Evangelische, 1204 Juden 1905 41.791 1910 43.808 am 1. Dezember, davon 29.604 Katholiken, 12.783 Evangelische und 1202 Juden; 1898 mit französischer Muttersprache und 165 mit italienischer MutterspracheColmar, Elsass, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer alten Landkarte der Umgebung von Colmar.

Kolmarer Liederhandschrift