miniatur|hochkant|Wappen im Scheiblerschen Wappenbuch miniatur|hochkant|Epitaph des Martin von Wildenstein im Kloster Gnadenberg
Die Herren von Wildenstein, auch Wildenstein zum Wildenfels, waren ein aus der heutigen Oberpfalz stammendes Adelsgeschlecht. Ihr namensgebender Stammsitz war die Burg Wildenstein bei Wildenstein, heute ein Ortsteil von Dietfurt an der Altmühl im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz. Als zunächst herzoglich-bayerische Ministeriale gelangten Angehörige der Familie im späten 13. Jahrhundert nach Mittelfranken, in den Raum um Schnaittach und Hiltpoltstein. Bedeutende Sitze der Familie waren dort insbesondere der Alte Rothenberg, die Burg Wildenfels und die Burg Strahlenfels. Später besaß die Familie unter anderem auch die Herrschaft Breitenegg und den Herrensitz Utzmannsbach. Seit dem 16. Jahrhundert gehörten Angehörige der Familie zur fränkischen Reichsritterschaft und waren im Ritterkanton Altmühl organisiert.
Nicht zu verwechseln ist das Geschlecht mit den Wildenstein im Frankenwald und dem steirischen Geschlecht von Wildenstein.
Geschichte
Herkunft und Stammsitz Wildenstein Der namensgebende Stammsitz lag bei dem heutigen Dietfurter Gemeindeteil Wildenstein. Die dortige Burg befand sich zunächst als freies Eigen im Besitz der Familie. Als frühester sicher nachweisbarer Angehöriger erscheint am 7. Februar 1264 Dietrich I. als Dietricus de Wildenstain. 1272 wird Heinrich I. von Wildenstein zusammen mit seinen Söhnen Dietrich I. und Heinrich II. im Umfeld des bayerischen Herzogs genannt.
Dietrich I. gehörte zu den bedeutenderen herzoglich-bayerischen Ministerialen seiner Zeit. Er ist in den 1270er und 1280er Jahren wiederholt im Umfeld der Wittelsbacher nachgewiesen und bekleidete das Amt eines Vizedoms. Zeitweise fungierte er als Viztum zu Nürnberg beziehungsweise für die herzoglich-bayerischen Gebiete nördlich der Donau.
Die Stammburg Wildenstein wurde 1301 im Zuge der Auseinandersetzungen mit Graf Gebhard von Hirschberg zerstört und um 1308 wieder aufgebaut. 1410 verkaufte Dietrich IX. von Wildenstein den Sitz an Herzog Johann von Bayern-Straubing. 1486 erhielten die Wildensteiner Wildenstein wieder als Lehen von Bayern-München; 1616 wurde der Besitz endgültig veräußert.
Zur Hofmark Wildenstein gehörten zeitweise unter anderem Eutenhofen, Hainsberg, Mitteldorf, Mühlbach, Schweinkofen, Haas, Hahof und St. Bartlmä sowie mehrere Mühlen. Daneben besaß die Familie Güter unter anderem bei Altmühlmünster, Buch, Gundlfing, Hallenhausen, Neuses, Otterzhofen, Perletzhofen und Schamhaupten.
Erwerb des Rothenbergs Durch eine Heiratsverbindung mit dem bedeutenden Reichsministerialengeschlecht von Hiltpoltstein-Lauf-Rothenberg gelangten die Wildensteiner im späten 13. Jahrhundert in dessen Besitzkomplex im Gebiet um Schnaittach. 1289 befand sich der Alte Rothenberg im Besitz Dietrichs I. von Wildenstein; 1297 ist dessen Sohn Heinrich IV. dort nachgewiesen. Er stand im Dienst Herzog Rudolfs von Bayern.Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Ein historisches Handbuch. Selbstverlag der Altnürnberger Landschaft, Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1, S. 494–497.
Der Alte Rothenberg wurde vermutlich um 1301 zerstört. Noch vor 1331 errichteten die Wildensteiner auf dem benachbarten Berg die neue Burg Rothenberg. Zu der dazugehörenden Grundherrschaft zählten unter anderem Güter in Heuchling, Weigensdorf, Weißenbach, Neuhaus bei Hedersdorf und Morsbrunn. 1353 wurde die Burg den Böhmen geöffnet; 1360 gelangte sie an die böhmische Krone.
Die Wildensteiner übernahmen von den Rothenbergern nicht nur Besitz, sondern auch deren Wappen. Die Rothenberger Linie der Wildensteiner führte einen von Rot und Gold schräggeteilten Schild; im 15. Jahrhundert wurde dieses Wappen zum Wappen des Gesamtgeschlechts.
Wildenfels und Strahlenfels Im ausgehenden 13. oder frühen 14. Jahrhundert errichteten die Wildensteiner die Burg Wildenfels. Urkundlich sicher fassbar ist sie am 11. August 1323, als Dietrich III. von Wildenstein, ein Sohn Heinrichs II., auf Wildenfels saß. Gemeinsam mit seiner Gemahlin Adelheid und seinem Bruder Heinrich V. verkaufte er damals ein Gut zu Gersdorf.Gustav Voit: Der Adel an der Pegnitz 1100–1400. (= Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken. Band 20). Kommissionsverlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1979, S. 274–301.
Heinrich V. ist am 16. Oktober 1330 als auf der benachbarten Burg Strahlenfels ansässig belegt. Gemeinsam mit seiner Frau Kunigunde verkaufte er damals seinen Anteil an der Burg Henfenfeld mit weiteren Besitzungen an Konrad Stromer sowie Heinrich II. und Eberhard I. von Ödenberg. Seine Brüder Dietrich II. und Dietrich III. sowie sein Schwager Heinrich Stör von Neuhaus siegelten die Urkunde. Am 29. Juli 1335 erscheint Heinrich V. erneut als „von Wildenstein auf Strahlenfels“.
Dietrich III. blieb währenddessen auf Wildenfels. 1330 erscheint er als „Dytrich Wildinstainer von Wildenvels“. 1342 erwarb er von den Burggrafen von Nürnberg das Dorf Großengsee, die obere Naifermühle und den Zehnten zu Windsberg für 534 Pfund Heller. Noch am 21. Mai 1350 ist er als „Dietrich der Alte von Wildenstein zu Wildenfels“ belegt; damals stiftete er dem Kloster Michelfeld zwei Pfund Gült aus einem Gut zu Simmelsdorf für einen Jahrtag für sich und seinen Sohn.
Heinrich V. besaß Strahlenfels zunächst als freies Eigen. Am 21. Januar 1354 trug er die Burg König Karl IV. als böhmisches Lehen auf und räumte ihm das Öffnungsrecht ein. Am 4. Dezember 1360 verkaufte Heinrich die Veste für 1900 Pfund Heller an den inzwischen zum Kaiser gekrönten Karl IV. Dieser wies die Reichsstadt Nürnberg am 21. Dezember 1360 an, den Kaufpreis aus der Reichssteuer an Heinrich und seine Söhne Dietrich VI. und Heinrich VIII., die in der Urkunde „von Strolnvels“ genannt werden, auszuzahlen. Den Empfang quittierten Heinrich und seine beiden Söhne am 7. Januar 1362. Heinrich V. erscheint 1363 zusammen mit seinem Sohn Heinrich VIII. als Burgmann auf dem Rothenberg; er starb am 17. Juni 1380.
Auch Wildenfels wurde 1356 von den Wildensteinern Kaiser Karl IV. zu Lehen aufgetragen; zugleich erhielt der Kaiser ein Öffnungsrecht an der Burg.
Der 1374/75 errichtete befestigte Herrensitz in Utzmannsbach gehörte ebenfalls den Wildensteinern. Er diente der Sicherung eines Hammerwerks, das die Familie noch im 14. Jahrhundert weiterverlehnte.Volker Alberti: Baudatierung des Herrensitzes in Utzmannsbach – 1374/75 und 1535. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft. Band 46, Sonderheft 45, 1997, S. 70–95.
Spätmittelalter Die Burg Strahlenfels befand sich nach dem Verkauf von 1360 zunächst in böhmischem und später pfälzischem Besitz. 1425/26 übergab Pfalzgraf Johann von Neumarkt-Neunburg die Burg seinem Vertrauten Martin von Wildenstein zu Eigen, behielt sich jedoch ein militärisches Öffnungsrecht und ein Vorkaufsrecht im Wert von 900 Gulden vor. Damit gelangte Strahlenfels erneut an die Familie. Martin von Wildenstein ist vermutlich mit dem 1466 verstorbenen Angehörigen des Geschlechts identisch, der in den 1440er Jahren zeitweise als Statthalter für den späteren König Christoph von Dänemark im Fürstentum Pfalz-Neumarkt tätig war.Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Ein historisches Handbuch. Selbstverlag der Altnürnberger Landschaft, Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1, S. 432 ff.
Auf Wildenfels saß 1397 Hans von Wildenstein. Hans III. von Wildenstein zu Wildenfels, der 1406 eine Tochter des Jörg I. Haller geheiratet hatte, stand später der Reichsstadt Nürnberg nahe. 1431 befand er sich in Nürnberger Kriegsdiensten und öffnete der Reichsstadt die Burg Wildenfels.
1473 erwarben die Brüder Martin II. und Ludwig von Wildenstein von Conrad Erbmarschall zu Pappenheim und dessen Gemahlin Dorothea von Laaber die Herrschaft Breitenegg mit der Burg Breitenegg, dem Markt Breitenbrunn und dem dortigen Hochgericht. Die Herrschaft blieb bis zum Ende des 16. Jahrhunderts im Besitz der Wildensteiner und ihrer Erben. 1507 stifteten Martin III., Albrecht III. und Alexander II. von Wildenstein eine spätgotische Monstranz für die Pfarrkirche in Breitenbrunn. Zwischen 1532 und 1547 schuf der Bildhauer Loy Hering dort die Grabdenkmäler für Martin III. (1477–1547), Albrecht III. von Wildenstein zu Breitenegg (1482–1532) und Alexander II. von Wildenstein (um 1500–1533).
Ende der Linie zu Wildenfels Alexander I. von Wildenstein war der letzte Angehörige des auf Wildenfels ansässigen Familienzweiges. Seine Tochter Christina von Wildenstein war mit Christoph von Lentersheim, Pfleger zu Lauf, verheiratet. Nach dem Tod Alexanders um 1500 nahm Christoph von Lentersheim die Burg in Besitz. Nach Christinas Tod 1503 gelangte Wildenfels vermutlich durch Kauf an den verwandten Wildensteiner Zweig auf Strahlenfels. Dieser verkaufte Wildenfels 1509 an die Nürnberger Bürger Conrad und Friedrich Pelck, die die Herrschaft 1511 an die Reichsstadt Nürnberg weiterveräußerten.
Damit endete zwar die Herrschaft des Wildenfelser Familienzweigs über die namensgebende Burg, nicht jedoch das Adelsgeschlecht selbst.
Die Wildensteiner im Dienst von Pfalz-Neumarkt Eine herausgehobene Stellung erreichte im 15. Jahrhundert Martin I. von Wildenstein, ein Sohn Hans' II. von Wildenstein. 1426 erhielt er von Pfalzgraf Johann von Pfalz-Neumarkt die Burg Strahlenfels für 900 Gulden als böhmisches Lehen und pfälzisches Afterlehen.Gustav Voit: Der Adel an der Pegnitz 1100–1400. (= Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken. Band 20). Kommissionsverlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1979, S. 295. In den folgenden Jahrzehnten bekleidete Martin zahlreiche Ämter in den Territorien der pfälzischen Wittelsbacher. Von 1429 bis 1431 stand er als Pfleger zu Lauf im Dienst Pfalzgraf Johanns; 1431 gehörte er zu den Vormündern von dessen Sohn Christoph von Pfalz-Neumarkt. Seit 1433 erscheint er als Landrichter und Pfleger zu Auerbach.Voit: Der Adel an der Pegnitz 1100–1400, S. 295–296.
1438 war Martin Hofmeister Pfalzgraf Johanns zu Neumarkt. In den Jahren 1439 bis 1441 ist er als Landrichter zu Amberg nachgewiesen. Nachdem Christoph von Pfalz-Neumarkt zum König von Dänemark, Schweden und Norwegen aufgestiegen war, wurde Martin 1441 gemeinsam mit Hans von Parsberg als königlicher Statthalter in der Oberpfalz eingesetzt. Im selben Jahr amtierte er als Pfleger auf dem Rothenberg, ein Amt, das er noch 1456/57 innehatte. 1442 erscheint er als herzoglicher Hofmeister zu Neumarkt in der Oberpfalz, 1443 erneut als königlicher Statthalter in der Oberpfalz und zugleich als Landrichter zu Sulzbach. Als Landrichter ist er dort bis 1452 belegt.
Martin gehörte auch zum engeren Umfeld der pfalzgräflichen Familie. 1443 wurde er zum Testamentsvollstrecker Pfalzgraf Johanns bestimmt. 1446 gehörte er dem königlichen Rat anlässlich der Hochzeit Christophs III. mit Dorothea von Brandenburg an. König Christoph setzte ihn 1447 zum Viztum des Fürstentums Pfalz-Neumarkt ein. Daneben war Martin 1448 Pfleger zu Hartenstein, 1453 Hofmeister des Pfalzgrafen Otto I. von Pfalz-Mosbach zu Neumarkt und seit 1458 Schultheiß von Neumarkt; in diesem Amt ist er noch 1463 nachgewiesen.
1460 vereinbarte Herzog Albrecht III. von Bayern-München mit Martin den Verkauf der Burg Wildenstein als Lehen sowie die Verpfändung der Stadt Dietfurt an der Altmühl für insgesamt 5500 Gulden. Der Erwerb kam zunächst nicht vollständig zum Abschluss. Erst 1486 überließ Herzog Albrecht IV. die Burg Martins Sohn Martin II. von Wildenstein.