Die deutsche Sprache hat viele Ausdrücke aus dem Hebräischen („Hebraismen“) entlehnt, die meisten davon über die Vermittlung des Jiddischen; viele dieser „Jiddismen“ gelangten wiederum über das Rotwelsche ins Deutsche, also die mit vielen jiddischen Wörtern gespickte, aber auf dem Deutschen basierende Geheim- bzw. Sondersprache der Fahrenden.

Aus dem Jiddischen entlehnte deutsche Wörter Im Folgenden sind auch einige jiddische Wörter aufgeführt, die nicht auf das Hebräische zurückgehen. Dass die meisten jiddischen Lehnwörter im Deutschen hebräischen Ursprungs sind, obwohl hebräische Wörter im Jiddischen selbst allenfalls 15 % des Wortschatzes ausmachen, liegt an der engen Verwandtschaft des Deutschen und Jiddischen: mehr als zwei Drittel des jiddischen Wortschatzes sind aus dem Mittelhochdeutschen ererbt und finden sich – mutatis mutandis – auch im Neuhochdeutschen wieder; eine Entlehnung aus dem ohnehin gemeinsamen Vokabular erübrigt sich selbstredend.

Deutsch Jiddisch Hebräisch Anmerkungenabzocken s. u. zocken s. u. zocken jemanden übervorteilen, ausnehmen; auch: (beim Glücks- oder Computerspiel) jem. deutlich besiegen – es leitet sich vom westjiddischen zchoke (‚lachen‘) her, welches seinerseits dem hebräischen Lexem sehoq (für ‚spielen‘, eigentlich ‚lachen‘) entstammt und vom Rotwelschen entlehnt wurde.Christoph Gutknecht: Wort des Monats Februar 2015. In: etymologie.info, nachträglich abgerufen am 23. Juli 2015.(aus)baldowernBaldowerBa'al-dawar „Herr des Wortes, der Sache“herausbekommen, auskundschaften (Baldower: „Auskundschafter, Angeber, Anführer bei Diebesunternehmen“)ausgekocht raffiniert, klug; aus dt. aus-, -ge- und , „weise, klug“Bammel vielleicht über das Jiddische (furchtsamer Mensch) aus dem hebräischen baal emoh „Furchtsamer“, aus = Herr und ema = Angst.Beisel, Beize, Beiz, Boazn Kneipe; vom hebräischen über das Jiddische bajis (beide Haus) ins Deutsche übernommen, insbesondere im süddeutschen Sprachbereich. Im Wienerischen werden Kneipen als „Beisl“ bezeichnet.beseibeln seiwel, seibel „Mist, Kot“ betrügen, wörtl. „bescheißen“betucht betuch „sicher, vertrauenswürdig“ baṭuaḥ, batuach „vertrauenswert“, von „vertrauen“ Im heutigen, deutschen Sprachgebrauch im Sinne von „wohlhabend“; entgegen dem Sprachgefühl nicht von Tuch abgeleitetblau (~ sein, machen) be-lo „mit nichts, ohne“ betrunken, faul, nichts leistend; siehe aber auch BlaumachenBohei (dt.) bzw. Pahöllvgl. Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. V. Akt 27. Szene https://www.projekt-gutenberg.org/kraus/letzttag/letzttag.html (österr.) paihe „Lärm“ Streit, Aufregung, Krawall, GetöseChuzpe Chuzpe Chuz'pa, Frechheit, Dreistigkeit, Mut(aus) Daffkedafke „nun gerade“dawqä „nur so (und nicht anders)“zum Trotzdufte, tofte; (österr.) toffe „gut“ „gut“ über die Gaunersprache ins Berlinischeeinseifen (jdn. ~) sewel (Hebr. ) „Mist, Kot“ Die ursprüngliche Bedeutung z. B. in „einseifen beim Rasieren“. Die übertragene Bedeutung „betrügen, jdm. etw. einreden“ möglicherweise durch Anpassung an Rotwelsch „beseiwelen“ aus Westjiddisch „sewel“ = „Dreck“Eizes oder Ejzes, Ezzes (Pl.) eizes (Plural) `ez ạh „Rat(schlag)“ Tipps, Rat(schläge)flöten gehenFriedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache; 23., erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, 1999. „entrinnen, entkommen“ Möglicherweise über Jiddisch und Rotwelsch aus derselben Quelle wie PleiteGanove gannaw, „Dieb“ Gauner יוון jawan „Griechenland“ aus dem rotwelschen Juonner „Falschspieler“, das seinerseits wohl über das Jiddische auf Hebräisch יוון jawan „Griechenland“ (eigentlich „Ionien“) zurückgehen dürfte. Das Wort kam nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 auf, nach der viele heimatlose griechische Exilanten durch Europa irrten.geschlaucht schlacha „zu Boden werfen“ erschöpftGeseiergeseire „böser Zustand, Verhängnis“Geschwätzgroßkotzig prahlerisch; aus dt. groß und hebr. kozin „vornehm, reich“ oder qazin „Anführer“Haberer Gabber (= Freund, Kumpel), plural: (= Freunde) Die in Österreich, vor allem im mittelbairischen Sprachgebiet nördlich der Alpen gebräuchliche „Haberer“ oder „Hawara“ bedeutet zumeist Freund oder Kumpel,Haberer (Freund). in der Datenbank zur deutschen Sprache in Österreich (Seite abgerufen am 10. April 2008) wird aber auch synonym zu „Mann“Haberer (Mann). in der Datenbank zur deutschen Sprache in Österreich (Seite abgerufen am 10. April 2008) (nicht im ehelichen Sinn) oder Liebhaber – hier auch verniedlicht „Habschi“ oder in Vorarlberg „Habi“Haberer (Liebhaber). in der Datenbank zur deutschen Sprache in Österreich (Seite abgerufen am 10. April 2008) – gebraucht. Das Adjektiv verhabert und die Verhaberung klingt wenig wertschätzend für verbunden in „Seilschaft“ und Freunderlwirtschaft.Hals- und Beinbruch Hassloche uWroche, Hazlacha uWracha, Hals- und Beinbruch ist eine Verballhornung und stammt aus dem hebräischen hazlacha uwracha (= „Erfolg und Segen“). Dieser Glückwunsch wurde von Juden beim Abschluss eines Geschäfts in der jiddischen Form hazloche und broche ausgesprochen und von deutschsprachigen Zuhörern als Hals- und Beinbruch verstanden.Hechtsuppe „Es zieht wie Hechtsuppe“ kommt möglicherweise aus dem jiddischen hech supha und bedeutet „starker Wind“. Allerdings ist diese Etymologie noch unglaubwürdiger als „Guter Rutsch“: a) Es gibt keinen einzigen Textbeleg in der (älteren wie modernen) jiddischen Literatur (für „Hechtsuppe“ ebenso wenig wie für hech supha). b) Es kann einen solchen Beleg nicht geben, denn „hech supha“ ist mit vollem Endvokal im Jiddischen nicht möglich; dort herrscht eine – der germanischen Entwicklung angeglichene – Endsilbenabschwächung nach Betonung der vorletzten Silbe im Wort. Bereits die Transkription mit /ph/ statt /f/ zeigt, dass „supha“ ein Wort nichtjiddischer Herkunft ist. c) Laut Röhrich soll sich diese Redewendung erst im 19. Jahrhundert herausgebildet haben,Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Band 2: Hanau-Saite, 3. Aufl. Freiburg i. Br. 2003, S. 686. jedoch erscheint eine ähnliche Formulierung, allerdings noch nicht mit einem Bezug auf den WindzugSo noch verzeichnet bei Frischbier, vgl. seine ausführliche Bedeutungserklärung dazu, die auch für den hier angeführten Beleg aus dem 17. Jahrhundert zutrifft: „Es zieht an wie Hechtsuppe (im Kreise Lötzen auch: wie Fischsuppe.) Z. B. der Stock, mit dem man prügelt, der Nagel, den man einschlägt. Gute Hechtsuppe ist stark gepfeffert und scharf gesalzen; mit der Redensart will man die Schärfe der Hiebe andeuten.“ (Frischbier, H[ermann]: Preußische Sprichwörter und volksthümliche Redensarten. 2. Aufl. Berlin 1865, S. 10, Nr. 95), in verkürzter Form erklärt bei Frischbier, H[ermann]: Preussisches Wörterbuch. Ost- und westpreussische Provinzialismen in alphabetischer Folge. Band 1: A–K, Berlin 1882, S. 278. bereits im Jahre 1674 und verweist eher auf die Schärfe dieses Gerichts:Vgl. dazu die Ausführungen im Mecklenburgischen Wörterbuch: „mit Meerrettich und Pfeffer bereitete Hechtsuppe, ihre Schärfe veranlaßt die Wendung: dat treckt as Hääktsupp“ (Wossidlo-Teuchert: Mecklenburgisches Wörterbuch. Im Auftrage der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin aus den Sammlungen Richard Wossidlos und aus eigenen Ergänzungen bearbeitet und herausgegeben von Hermann Teuchert. 3. band: G bis jüütsch, Berlin, Neumünster (= Unveränderter, verkleinerter Nachdruck, Neumünster 1996), Sp. 338). „Bekommen die Hollaͤnder Lufft / so werden sie sich erheben; der Pfeffer ist ihnen ziemlich unter die Nase gerieben / und die Nasenstuͤberchen sam̅t den Westphaͤlischen Bauermaulschellen / […] / moͤchten erst anziehen wie Hechtsuppe.“Anonym: Reformirter Friedens-Curirer / oder Betrachtung uͤber den unzeitigen neuen Friedens-Curirer […]. Germanstadt 1674, S. Ciij. Daneben gibt es noch andere Drucke ohne Ortsangabe oder mit dem ebenfalls erfundenen Erscheinungsort „Verona“ mit jeweils abweichender Seitenzahl.Ische אישה – Ischa – Frau umgangssprachlich; aus der Sicht eines Jungen, eines jungen Mannes: Mädchen, junge FrauKaff Das im Deutschen in manchen Regionen gebräuchliche Wort für „unbedeutendes, kleines Dorf, in dem nichts los ist“ kommt über das Jiddische vom hebräischen Wort (= „Dorf“). Im etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache (EWD) wird der Ausdruck allerdings auf Gav (Romani für „Dorf“) zurückgeführt.W. Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1995, S. 607kapores (gehen, sein) kapores kaparot jiddisch bzw. als Wendung shluggen kapores. Nach einem jüdischen Brauch zu Jom Kippur, bei dem Hühner als „Sühneopfer“ stellvertretend für die Sünden einer Person dargebracht werden.Kassiber, kassibern jidd. kesive „Brief, Geschriebenes“ keṯīvā(h), „(das) Schreiben“ genaue Grundform strittigkess „frech“, „schneidig“, „flott“, nach der jidd. Aussprache des Buchstabens Chet, der für Weisheit (Chochma) stehtKies Kies im Sinne von Geld geht auf das Wort kis (= „Geldbeutel“) zurück. Kluft qĕlippä „Schale, Rinde“ im Sinne von Kleidung, über das Rotwelsche Knast knas „Geldstrafe“, knassen „bestrafen“ qənās „Geldstrafe“ Im 19. Jahrhundert, vermittelt durch das Rotwelsche und in der wohl erst dort entstandenen Bedeutung „Gefängnisgebäude“, zunächst ins Berlinerische und von dort bald in den gesamten deutschen Sprachraum vorgedrungen. Das zugrundeliegende hebräisch-aramäische Etymon qənās „Geldstrafe“ ist seinerseits über altgriechisch κῆνσος (kensos) „Steuer“ entlehnt aus lateinisch census „Steuerregister“.Alfred Klepsch: Westjiddisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2011, S. 635–636. s. v. Gnasd.Heidi Stern: Wörterbuch zum jiddischen Lehnwortschatz in den deutschen Dialekten. De Gruyter, Berlin 2013, S. 113–114, s. v. Knast Kohl reden, verkohlen kol qôl „Stimme; Gerücht“ koscher Kascher, koscher bedeutet ursprünglich „tauglich, gesund“ (im modernen Hebräisch bedeutet cheder kosher Fitnessraum). Mit Koscher bezeichnen die Juden Speisen, die nach der Tora erlaubt sind. kotzen qoz „Ekel“ speien