alternativtext=Julia von Heinz (2024)|mini|hochkant|Julia von Heinz (2024) Julia Alice von Heinz (* 3. Juni 1976 in West-Berlin) ist eine deutsche Filmregisseurin und Drehbuchautorin.

Leben Ihre Eltern sind Hans-Michael von Heinz und die Assessorin Angelika Elisabeth Hofmann, Tochter von Gertrud Edle von Schmaedel und des Kartografen Walther Hofmann (1920–1993), nach dem seit 1966 der Mount Hofmann in der Antarktis benannt ist. Ihr Vater war u. a. Jurist, Verwaltungsdirektor, Lehrbeauftragter an der Univ. Bonn und Oberstleutnant d. R. Julia von Heinz wuchs in Bonn auf. Nach einem Überfall von Neonazis auf ihre Geburtstagsfeier in den Bonner Rheinauen schloss sie sich 1991 als 15-Jährige antifaschistischen Initiativen an. Sie engagierte sich in der linken Szene, organisierte u. a. Demos und verfasste Flugblätter. Die Gewaltfrage war in ihrer antifaschistischen Initiative stets ein Thema, wobei von Heinz militante Aktionen zunehmend in Frage stellte. Nach einem Umzug nach Berlin Anfang der 2000er Jahre kam Julia von Heinz’ Engagement bei der Antifa zum Erliegen.

Nach einem abgebrochenen zweisemestrigen Studium der Rechtswissenschaft absolvierte Julia von Heinz eine Ausbildung zur Mediengestalterin beim WDR in Köln. Das anschließende Studium im Fachbereich Audiovisuelle Medien an der TFH Berlin (heute Berliner Hochschule für Technik) schloss sie 2005 als Diplomkamerafrau ab. abgerufen am 19. November 2021 In ihrer Diplomarbeit Der verflixte zweite Film – Realisierungsaussichten von Debütfilmen im Vergleich zum Nachfolgeprojekt untersuchte sie den „Nachwuchshype“ in der deutschen Filmbranche. Bereits während ihrer Studienzeit realisierte sie mit den Kurzspielfilmen Dienstags (2001), Doris (2002) und Lucie und Vera (2003) erste Projekte, die alle mehrfach preisgekrönt wurden. Mit Vietcome – Vietgo (2001) und mit Lucie und Vera (2003) nahm sie an der Werkstatt für junge Filmer (heute Werkstatt der Jungen Filmszene) teil.

Von 2005 bis 2006 war Julia von Heinz künstlerische Mitarbeiterin von Rosa von Praunheim an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Ihr Langfilmdebüt Was am Ende zählt feierte auf der Berlinale 2007 in der Reihe Perspektive deutsches Kino Premiere und wurde anschließend auf zahlreichen internationalen Festivals gezeigt und preisgekrönt. Das Jugenddrama erzählt die Geschichte der Ausreißerin Carla (Paula Kalenberg), die auf dem Weg zu einer Modeschule in Lyon mittellos in Berlin strandet, sich dort mit der toughen Lucie (Marie-Luise Schramm) anfreundet und in eine immer ausweglosere Situation gerät, als sie ungewollt schwanger wird. Unter anderem erhielt der Film den Deutschen Filmpreis in Gold als „Bester Jugendfilm“. Danach drehte Julia von Heinz den Dokumentarfilm Standesgemäß (2007/2008) über die alltäglichen Widrigkeiten im Leben adeliger Singlefrauen und erhielt dafür 2009 den Bayerischen Fernsehpreis Blauer Panther.

Im Frühjahr 2012 kam ihr Kinderfilm Hanni & Nanni 2 nach der gleichnamigen Romanserie von Enid Blyton in die Kinos. Er erfreute sich bei seiner jungen Zielgruppe großer Beliebtheit, wurde mit drei Goldenen Spatzen ausgezeichnet und war nominiert für den Publikumspreis des Bayerischen Filmpreises und des Deutschen Filmpreises 2013.

Zusammen mit den Regisseuren Tom Tykwer, Chris Kraus, Robert Thalheim und Axel Ranisch drehte Julia von Heinz den Dokumentarfilm Rosakinder (2012) über die Beziehung zu ihrem gemeinsamen „Filmvater“ und Mentor Rosa von Praunheim: „Rosa ist mein bester Freund und mein Mentor, er ist ein Prophet und er ist mein Vater, der mir immer wieder das Leben rettet. Ohne ihn wäre ich keine Regisseurin und immer sieht er mehr in mir als ich selbst, solange bis ich es auch glaube.“

Ebenfalls im Jahr 2012 promovierte Julia von Heinz an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam zum Dr. phil. über das Thema: Die freundliche Übernahme – Der Einfluss des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf den deutschen Kinofilm von 1950 bis 2012 (siehe Buchveröffentlichungen).Julia von Heinz: Die freundliche Übernahme. In: Die Zeit, Nr. 21/2012 (Synopse der Dissertation von Julia von Heinz).

2014 kam ihr Film Hannas Reise in Deutschland, Österreich und Israel ins Kino, nachdem er auf zahlreichen internationalen, vor allem jüdischen Filmfestivals gezeigt wurde. Er wurde von der iTunes-Redaktion zum besten deutschen Film des Jahres gewählt.

Von 2014 bis 2015 hatte sie eine Gastprofessur im Bereich Spielfilm an der Kunsthochschule für Medien Köln und von 2016 bis 2018 eine Gastprofessur für Spielfilmregie an der HFF München. Seit 2019 ist sie Honorarprofessorin an der HFF München. 2020 übernahmen Julia von Heinz und Marcus H. Rosenmüller die Leitung des Studiengangs Regie Kino- und Fernsehfilm der HFF München als „Doppelspitze“ in Nachfolge von Andreas Gruber.

Im Jahr 2018 gehörte von Heinz zu den Gründern der Berliner Filmproduktionsgesellschaft Seven Elephants.

Mehrfach preisgekrönt wurden ihre Fernsehfilme Katharina Luther und Tatort – Für immer und dich (2019), bei denen sie Regie führte. In der Missbrauchsgeschichte im Tatort – Für immer und dich um eine Jugendliche (dargestellt von Meira Durand), nach einem Drehbuch von Magnus Vattrodt, besetzte Julia von Heinz Nebenrollen, die eigentlich Männern zugedacht waren, mit Frauen. Das setzte auch andere Akzente bei der weiblichen Hauptfigur, die sich später selbst aus ihrer Abhängigkeit zu einem älteren Mann (Andreas Lust) befreien kann.Matthias Dell: Nutzt unsere kriminelle Energie!. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 1. Dezember 2019, Nr. 48, S. 47.

Ihr Spielfilm Und morgen die ganze Welt mit Mala Emde wurde 2020 in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen zu den 77. Internationalen Filmfestspielen von Venedig eingeladen. Er war nominiert für den Deutschen Filmpreis 2021. Die Geschichte ist von ihrer eigenen Jugend inspiriert, sei aber nicht streng autobiografisch. Der Film sei der Grund gewesen, warum Julia von Heinz mit dem Filmemachen überhaupt angefangen habe. Frühere Filme wie Hanni & Nanni 2 und Ich bin dann mal weg bezeichnete sie als Auftragsarbeiten.

Zusammen mit den Regisseuren Michael Winterbottom, Jaco Van Dormael, Michele Placido und Olivier Guerpillon drehte Julia von Heinz den Dokumentarfilm Isolation, der auf den „Giornate degli Autori – Venice Days“ im Rahmen der 78. Internationalen Filmfestspiele von Venedig Premiere feierte und mit dem Inclusion Award 2021 ausgezeichnet wurde.

Beim Filmfestival Hofer Filmtage wurde die Regisseurin 2021 mit dem Filmpreis der Stadt Hof geehrt; die Laudatio hielt der Filmemacher Rosa von Praunheim.Regisseurin Julia von Heinz erhält Filmpreis der Stadt Hof. BR, 28. Oktober 2021; abgerufen am 28. Oktober 2021.

Im Jahr 2022 entwickelte und drehte Julia von Heinz als Creator die High-End-Mini-Serie Eldorado Kadewe. Sie erhielt dafür den Blauen Panther für die Beste Regie.TV & Streaming Award Julia von Heinz gewinnt „Blauen Panther“ für „Eldorado KaDeWe“, auf queer.de

Zwei Jahre später realisierte sie mit Treasure – Familie ist ein fremdes Land (2024) ihr erstes internationales Spielfilm-Projekt. Im selben Jahr wurde sie in die Wettbewerbsjury der 81. Filmfestspiele von Venedig berufen.Finalised the International Jury for the Venezia 81 Competition. In: labiennale.org, 10. Juli 2024 (abgerufen am 10. Juli 2024)

Mitgliedschaften Julia von Heinz ist Mitglied der Deutschen Filmakademie, der Europäischen Filmakademie und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.Mitglieder. Hrsg. Deutsche Akademie der Darstellenden Künste, Stand 2019.

Privates Julia von Heinz lebt mit ihrem Mann, dem Drehbuchautor und Produzenten John Quester, und ihren drei gemeinsamen Kindern in Herrsching am Ammersee.Josef Grübl: Lieblingsplätze – Sie ist dann mal weg. Filmemacherin Julia von Heinz verbringt viel Zeit im Kino Solln. Süddeutsche Zeitung, 18. August 2015.Markus Aicher: Filmemacherin Julia von Heinz im Porträt: Von Berlin an den Ammersee – und weiter zum LIDO. Bayerischer Rundfunk, 1. September 2020. Die Familie von Heinz sind Nachfahren Wilhelm von Humboldts; der Zweig ihres Onkels lebt noch heute im Schloss Tegel.

Filme 2001: Dienstags 2001: Vietcome – Vietgo 2002: Doris 2003: Lucie & Vera 2007: Was am Ende zählt 2009: Standesgemäß 2011: Hanni & Nanni 2 2012: Rosakinder 2013: Hannas Reise 2015: Ich bin dann mal weg 2017: Katharina Luther 2019: Tatort – Für immer und dich 2020: Und morgen die ganze Welt 2021: Eldorado KaDeWe (Miniserie) 2021: Meine Väter (Kurzfilm)DOK.fest München 2026 2024: Treasure – Familie ist ein fremdes Land

Buchveröffentlichungen Rezension von Hans Helmut Prinzler, Rezension der Uni Marburg. Claudia Lenssen, Bettina Schoeller-Bouju (Hrsg.): Wie haben Sie das gemacht? – Aufzeichnungen zu Frauen und Filmen. Schüren, Marburg 2014, ISBN 978-3-89472-881-6. Thomas Wiedemann: Die Logik des Filmemachens. Zwölf Interviews mit deutschen Filmregisseurinnen und -regisseuren. Herbert von Halem Verlag, Köln 2018, ISBN 978-3-86962-421-1.

Auszeichnungen 2001: „Silberner Clip“ 2. Preis beim Berliner Medienfestival für Dienstags 2001: Publikumspreis und 2. Preis beim Bundeswettbewerb Video der Generationen für Dienstags 2002: Murnau-Kurzfilmpreis für Doris 2002: Prädikat „besonders wertvoll“ der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) für Doris 2002: Adobe-Sachpreis beim Deutschen Jugendvideopreis für Doris 2002: 1. Preis Berliner Kurzfilmrolle für Doris 2003: „Mona D’Oro“ 1. Preis des Berliner Lesbenfestivals für Lucie & Vera 2003: 2. Preis beim Filmfestival Tirol für Lucie & Vera 2008: Special Jury Award beim Gay & Lesbian Filmfestival Turin für Was am Ende zählt 2009: Deutscher Filmpreis für Was am Ende zählt in der „Kategorie Bester Kinder- und Jugendfilm“ 2009: „Chrystal Gryphon Award“ beim Filmfestival Giffoni für Was am Ende zählt 2009: „Bester Spielfilm“ beim IFF Schwäbisch Hall für Was am Ende zählt 2009: „Best Feature Film“ beim IFF for Children and Young People Albanien für Was am Ende zählt 2009: Bayerischer Fernsehpreis Blauer Panther für Standesgemäß 2012: Goldener Spatz „Kino-/Fernsehfilm“; Sonderpreis der Thüringer Staatskanzlei für „Beste Regie“ für Hanni & Nanni 2 2014: iTunesBestof2014: Bester deutscher Film des Jahres für Hannas Reise 2017: Sonderpreis Regie für Katharina Luther beim Fernsehfilmfestival Baden-Baden 2019: Deutscher Fernsehkrimipreis (Sonderpreis für die beste Regie) für Tatort: Für immer und dich 2019: Hans Abich Preis für besondere Verdienste im Bereich Fernsehfilm 2019: Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste für Tatort: Für immer und dich 2020: Besondere Ehrung des Bert-Donnepp-Preis 2020: Internationale Filmfestspiele von Venedig 2020: Nominierung für den Goldenen Löwen für Und morgen die ganze Welt 2020: Goldener Biber Bester Spielfilm für Und morgen die ganze Welt bei den Biberacher Filmfestspiele 2020: Best Ensemble für Und morgen die ganze Welt beim Chicago International Film Festival 2021: Bayerischer Filmpreis Beste Regie für Und morgen die ganze Welt 2021: Ehrung mit dem Filmpreis der Stadt Hof 2023: Blauer Panther Beste Regie für die Mini-Serie Eldorado KaDeWe 2024: Publikumspreis und NDR-Regiepreis für Treasure – Familie ist ein fremdes Land beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2024: Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke für Treasure – Familie ist ein fremdes Land

Genealogie Walter von Hueck, Erik Amburger, Friedrich Wilhelm Euler et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B. 1981. Band XIV, Band 78 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg/Lahn 1981, , S. 297–298.

Weblinks

Julia von Heinz bei der Agentur Players Die Liebe als Statusfrage. Interview mit Julia von Heinz. In: Süddeutsche Zeitung, 2008. Porträt Julia von Heinz. (Adobe Flash) In: German Films Quarterly, 1/2012. Lasst uns zusammenhalten! Gastbeitrag auf Zeit Online, 2. Dezember 2017.