mini|hochkant|Wappen derer von Broesigke. Broesigke, auch Brösigke, Brösike, Brösicke, Bräsigke, Brösigk, Bröseke, Brösegke oder Braseke, ist der Name eines ursprünglich altmärkischen Uradelsgeschlechts. Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, konnte sich später in der gesamten Mark Brandenburg ausbreiten und auch in Kursachsen und Anhalt zu Besitz und Ansehen gelangen. Die Herren von Broesigke waren bis 1569 Erbschenken der Kurfürsten von Brandenburg.Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band II, Band 58 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1974, S. 121. ISBN 3-7980-0758-6.
Geschichte Herkunft Der Chronist Andreas Angelus erwähnt in seinen Annales Marchiae Brandenburgicae von 1598, dass die Herren von Broesigke, zusammen mit Mitgliedern weiterer Adelsgeschlechter, bereits im Jahre 927 während eines Wendenfeldzuges von König Heinrich I. in die Mark Brandenburg kamen und sich dort dauerhaft niederließen.Annales Marchiae Brandenburgicae, in Verlegung Johann Hartmann Buchführer, Frankfurt an der Oder, 1598, S. 39.
Das Jahrbuch des Deutschen Adels nennt Arnold de Brosiko als ersten Angehörigen der Familie, der im Jahre 1259 urkundlich erscheint.Jahrbuch des Deutschen Adels, Hrsg. Deutsche Adelsgenossenschaft-Marcelli Janecki, Band 1, T. W. Bruer, Berlin, 1896 S. 352–358. Nach dem Genealogischen Handbuch des Adels wird das Geschlecht mit Thilo Broeseken am 12. März 1344 erstmals in einer Urkunde genannt. Thilo erscheint in dem Dokument als custos (lat. Hüter bzw. Wächter) auf der Burg Golzow.Codex diplomaticus Brandenburgensis, Aus Originalien und Copial=Büchern, Band 2, Hrsg. Philipp Wilken Gercken, Gedruckt J. E. G. Schuster, Salzwedel, 1769, S. 563. Die ununterbrochene Stammreihe beginnt 1375 mit Thomas Brosecke.
Ausbreitung und Linien mini|Gutshaus Ketzür. mini|Epitaph aus Alabaster im Chorraum der Dorfkirche Ketzür zeigt mehrere Mitglieder der Familie von Broesigke.
Früher Beginn in Ketzür Thile Broesigke wurde erstmals 1375 im Landbuch Karls IV. als Lehnsnehmer auf „Kotzure“ beziehungsweise „Kotzüre“ (heute Ketzür in der Gemeinde Beetzseeheide mit dem Gutshaus Ketzür) im Havelland, ein Gut, das fast 500 Jahre im Besitz der Familie war, genannt.Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg. Band III, J. Guttentag, Berlin 1860, S. 26.S. Kinder, H. T. Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Brandenburg an der Havel, Pritzerbe, Reckahn und Wusterwitz. in: Landschaften in Deutschland, Band 69, Böhlau, Köln 2006, S. 142. ISBN 3-412-09103-0. Für das benachbarte, heute ebenfalls zu Beetzseeheide gehörenden Butzow war ein Heinrich Bröseke als markgräflicher Vasall, der die Obergerichtsbarkeit innehatte, erwähnt.Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg. Band III, J. Guttentag, Berlin 1860, S. 12. Sein Urenkel Heino von Broesigke (1525–1609), der Sohn von Wolf von Broesigke († 1532) und dessen Frau Anna von Königsmarck, war Herr auf Ketzür, Gortz, Riewend, Paaren, Birkenhorst bei Zermützel, Brosigkslake, Rüben, Linde, Garlitz, Butzow, Döberitz und Seelenhorst im Havelland, Breitenfeld in Kursachsen und Großradegast im Fürstentum Anhalt. Er starb 1609 als kurfürstlich brandenburger Hofschenk. 1570 war Heyno erzbischöflich magdeburger Amtshauptmann zu Querfurt, Giebichenstein und Rothenburg und 1572 kurfürstlich brandenburgischer Rat und Amtshauptmann von Lehnin. Er stand zunächst in kaiserlichen, später in kurfürstlich brandenburgischen und zuletzt herzoglich-sächsischen Militärdiensten.Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Hrsg. Ernst Heinrich Kneschke, Band 2, Friedrich Voigt, Leipzig, 1860, S. 86–87. Zur Ausstattung der Dorfkirche Ketzür gehört ein eindrucksvolles Epitaph, geschaffen von 1612 bis 1614 vom Magdeburger Bildhauer Christoph Dehne, dass Heyno und seine Familie zeigt. Heyno beziehungsweise Heino (friesische Kurzform von Heinrich) ist ein Leitname der Familie von Broesigke, der noch heute an männliche Angehörige vergeben wird.
Anfang des 17. Jahrhunderts gehörten die von Broesigke zu den schlossgesessenen Geschlechtern in der Mark Brandenburg und werden in einer Urkunde von 1612 mit dem Prädikat Edle genannt. Dietrich von Broesigke (* 1573; † 1639), der Erbe und Nachkomme von Heyno und seiner Frau Ursula Elisabeth von Hacke aus dem Haus Karpzow, war Herr auf Ketzür, Gortz, Riewendt, Paaren, Birkenhorst, Brosigkenlake, Rüben, Linde, Garlitz, Butzow, Döberitz, Seelenhorst, Groß- und Klein Behnitz im Havelland, Breitenfeld in Kursachsen und Großradegast in Anhalt sowie Bischofssee und Leissow bei Słubice. Dietrich war zweimal verheiratet, in erster Ehe seit 1600 mit Elisabeth, geborene von Krosigk aus dem Haus Alsleben, und in zweiter Ehe ab 1607 mit Agnes, geborene von Schlieben aus dem Haus Papitz, Tochter von Adam von Schlieben. Maximilian Friedrich von Broesigke (* 1604) auf Breitenfeld und Radegast, sein Sohn aus erster Ehe, starb 1661 als Domherr zu Merseburg und Assessor des Hofgerichts zu Leipzig. Aus seiner Ehe mit Magdalene, geborene von Zehmen aus dem Haus Steinbach ging sein gleichnamiger Sohn Maximilian Friedrich hervor.
Maximilian Friedrich von Broesigke (1649–1696), auf Breitenfeld, Radegast, Cammer und Grebs, wurde Domherr zu Brandenburg. Er heiratete 1678 in Kammer eine entfernte Verwandte Martha Elisabeth von Broesigke (1657–1741) und hinterließ eine TochterWalter von Boetticher: Geschichte des oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635-1815, Band 2, L: v. Lüttichau, auch Grafen, Selbstverlag der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, Selbstverlag, Oberlößnitz, Görlitz 1913, S. 97. und drei Söhne, deren älteste Söhne wiederum die Begründer der drei Linien der Familie waren.
Dem Adelsstand und Selbstverständnis entsprechend finden sich zu allen Zeiten Beitritte der Herren von Brösigke in den altehrwürdigen Johanniterorden, nachfolgend aus allen Familienlinien. Heino von Brösigke, seines Zeichens preußischer Hauptmann, wurde am 20. September 1731 zu Ritter geschlagen.A. Fahne: Vita Max Friedrich v. Brösigke, Sohn Max Diedrich, und Enkel Heino v. Brösigke - Schönfließ, in: Die Dynasten, Freiherrn und Grafen von Bocholtz. Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung, Band IV von V. Bänden., II. Dynastische und andere Geschlechter, welche sich Bocholtz schreiben, Verlag J. M. Heberle (H. Lempertz), Cöln 1863, S. 47. Später fand die Aufnahme am Johannistag statt.
Die Paarener Brüder Maximillian Rudolf (1694–1742) und Ludwig Georg waren einer der ersten Schüler der neugegründeten Brandenburger Ritterakademie, Zögling No. 3 und 4, und begannen damit eine langwährende Tradition auf dem bekannten Adelsalumnat.
1. Linie Haus Grebs Friedrich Emanuel von Broesigke (1731–1810), der Sohn von Friedrich Heino von Broesigke (1684–1736) und seiner Frau Dorothea, geborene von Schilden († 1760), war der Begründer der ersten Linie zu Grebs. Das Stammhaus dieser Linie, das Gut Grebs war seit 1700 im Besitz der Broesigke und wurde 1817 verkauft. Ebenfalls im Besitz der ersten Linie war von 1768 bis 1817 das Gut Tanne in der Zauche. Friedrich Emanuel war zweimal verheiratete, in erster Ehe mit Elise Elenore, geborene von Rohr († 1782) und in zweiter Ehe mit Marie Louise, geborene Jerichow. Er hinterließ vier Söhne, von denen nur der jüngste Friedrich Wilhelm die Linie fortsetzen konnte.
Christian Ludwig Johann von Broesigke (1760–1798), der älteste Sohn, wurde preußischer Major und Inspektionsadjutant beim Garderegiment in Potsdam. Seine Ehe mit Wilhelmine Auguste, geborene von Götzen blieb kinderlos. Sein jüngerer Bruder Friedrich August Wilhelm von Broesigke (* 1762) starb bereits 1776 als Page von König Friedrich II. von Preußen.
Friedrich Wilhelm von Broesigke (1770–1825), der jüngste Bruder, erhielt von König Friedrich Wilhelm III. am 16. August 1802 zu Berlin eine preußische Adelslegitimation unter Beilegung des väterlichen Namens und Wappens. Er wurde Kreisdeputierter des Landkreises Zauch-Belzig und heiratete 1803 Friederike Louise Eugenie von Broesigke (1780–1856). Das Paar hatte einen Sohn und eine Tochter. Sein Enkel Hermann Heino Friedrich von Broesigke-Grebs (1838–1918), der Sohn des preußischen Hauptmanns Julius Friedrich von Broesigke (1804–1885) und dessen Frau Henriette von Broesigke (1800–1870), wurde Kommandant von Karlsruhe und beendete seine Militärkarriere 1902 als preußischer Generalleutnant.
2. Linie Haus Frehne mini|Gut Frehne um 1864/65, Sammlung Alexander Duncker. Friedrich von Broesigke (1729–1779), der Sohn von Dietrich Heinrich von Broesigke (1688–1762), war der Stifter der zweiten Linie mit dem Stammhaus Frehne in der Prignitz. Das Gut Frehne war von 1768 bis 1800 im Familienbesitz. Friedrich hinterließ nach zwei Ehen vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne. Von den Töchtern starb die jüngste, Louise Wilhelmine Sophie von Broesigke (* 1778), bereits 1795 im adeligen Damenstift Kloster Arendsee. Der älteste Sohn Friedrich Georg Heinrich von Broesigke (* 1772) aus seiner zweiten Ehe mit Elisabeth Dorothea Friederike, geborene Gans Edle Herrin zu Putlitz (1751–1820) fiel am 12. August 1794 als herzoglich braunschweiger Leutnant während des Ersten Koalitionskrieges im Gefecht bei Klein-Hartebach.
Sein jüngerer Bruder Friedrich Maximilian Ernst von Broesigke (* 1774) auf Uenze und Hinzdor wurde königlich preußischer Deichhauptmann und Rechtsritter des Johanniterordens. Er starb 1837 in Havelberg als preußischer Leutnant außer Dienst. Seine erste Ehe mit Wilhelmine Juliane Katharine, geborene von Britzke wurde geschieden. Aus seiner zweiten Ehe mit Wilhelmine Juliane Charlotte, geborene von der Hagen (1787–1872) gingen zwei Söhne hervor. Der erste Sohn Adolf (* 1811) starb bereits ein Jahr nach seiner Geburt. Gustav Heino Eduard von Broesigke (* 1812) auf Drewen, S. 147–148. der zweite Sohn, wurde preußischer Sekondeleutnant und diente zuletzt im Garde-Jäger-Bataillon. Er starb 1883 im sächsischen Dohna. Gustav Heino Eduard heiratete 1839 in Senzke Julie Ida Agnes Borchardt (1821–1895). Das Paar hinterließ drei Töchter.
3. Linie Haus Kammer mini|Rittergut Cammer um 1863/64, Sammlung Alexander Duncker. Friedrich von Broesigke (1731–1790) auf Cammer, Oberjünne, Tanne und Breitenfeld, der Sohn von Julius Tobias von Broesigke (1695–1761) und dessen erster Frau Maria (Louise Hedwig) von Broesigke-Schönfließ (1697–1736), war der Begründer der dritten Linie mit dem Stammhaus Cammer. Das Gut Cammer in der Zauche war schon 1614 im Besitz derer von Broesigkes und blieb es bis zum Jahre 1852. Friedrich starb am 4. Juni 1790 als königlich preußischer Geheimrat und Domherr zu Magdeburg. Er war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Louise Friederike Sophia Charlotte, geborene von Görne (1740–1771) und in zweiter Ehe mit Louise Henriette Brandt von Lindau (1751–1804), und hinterließ aus beiden Ehen fünf Töchter und drei Söhne.