Die FDP Hamburg ist der Landesverband der FDP im Bundesland Hamburg. Sie wurde am 20. September 1945 unter dem Namen Partei Freier Demokraten als erste liberale Landespartei in Westdeutschland gegründet. Sie gehörte von 1946 bis 1978, von 1987 bis 1993, von 2001 bis 2004 und von 2011 bis 2025 der Hamburgischen Bürgerschaft an.

Geschichte Liberalismus in Hamburg vor 1918: Die Vereinigten Liberalen mini|hochkant|Carl Wilhelm Petersen (1920 oder früher)

In Hamburg, wie in allen anderen Gebieten des Deutschen Reiches, waren sämtliche Spielarten des Liberalismus – von den linksliberalen Demokraten bis zu den Nationalliberalen – vertreten. Was Hamburg und die übrigen Hansestädte vom Reich unterschied, war das Fehlen der agrarisch-konservativen Konkurrenz.Brauers, S. 43. In allen drei traditionellen Fraktionen der Hamburgischen Bürgerschaft fanden sich vorwiegend Abgeordnete, die sich selbst dem liberalen Spektrum zuordneten. Dabei waren diese Fraktionen keine politischen Richtungsverbände, sondern berufsständisch orientiert. Die Fraktion der Rechten vereinigte vorwiegend Großkaufleute, im Linken Zentrum trafen sich in erster Linie die Vertreter der Industrie, und in der Fraktion der Linken versammelte sich hauptsächlich das Handwerk.Brauers, S. 46, Fußnote 12.Carl Wilhelm Petersen meinte, die Mitglieder der drei alten Fraktionen seien am ehesten an ihren Schuhen auseinanderzuhalten: Die Fraktion der Rechten sei die „Fraktion der Lackstiefel“, die des Linken Zentrums die „Fraktion der Wichsstiefel“ und die Linke die „Fraktion der Schmierstiefel“. Zitiert nach: Ursula Büttner: Vereinigte Liberale und Deutsche Demokraten in Hamburg 1906–1930, in ZHG Band 63 (1977), S. 6. Während die Nationalliberalen schon länger über einen Reichstagswahlverein in Hamburg verfügten, der sich aber ausschließlich um reichspolitische Fragen und die Auswahl und Unterstützung der Reichstagskandidaten kümmerte, organisierten sich die Linksliberalen erst in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts in Hamburg parteipolitisch. So wurde im März 1898 ein Ortsverein des Nationalsozialen Vereins von Friedrich Naumann gegründet. Führende Köpfe waren mit Carl Wilhelm Petersen und Carl Braband zwei jüngere Männer aus angesehenen Hamburger Familien.Brauers, S. 45. Bereits 1902 stellten die Hamburger Nationalsozialen mit über 350 Mitgliedern einen der größten Ortsvereine der Gesamtpartei.Brauers, S. 46. Petersen selbst wurde 1899 als Kandidat des Pöseldorfer Bürgervereins in die Bürgerschaft gewählt und schloss sich dort der Fraktion der Rechten an.

Die Nationalsozialen vereinigten sich 1904 mit der Freisinnigen Vereinigung, die in Hamburg zuvor eher ein Nischendasein führte, unter deren Namen.Brauers, S. 47. Die im selben Jahr in die Bürgerschaft gewählten Mitglieder der Freisinnigen Vereinigung bildeten jedoch keine eigene Fraktion, sondern schlossen sich den drei berufsständischen Fraktionen an, die sich explizit als nicht politisch verstanden.Brauers, S. 49. Nachdem sich bei dieser Wahl 13 Sozialdemokraten in den Wahlkreisen durchsetzen konnten, setzten sich in den drei alten Fraktionen die Verfechter eines gegen die SPD noch verschärften Zensuswahlrechts durch. Petersen, Braband und weitere Linksliberale wollten diesen Weg nicht mitgehen und stimmten in der Bürgerschaft gegen dieses als Wahlrechtsraub bezeichnete Gesetz. Ihrem Ausschluss aus der Fraktion der Rechten kamen sie am 24. Februar 1906 durch den Austritt aus der Fraktion zuvor. Zusammen mit Dissidenten aus der Fraktion der Linken und der Fraktion des Linken Zentrums gründeten sie wenig später die Vereinigten Liberalen. In den Medien wurden sie dafür aufs Schärfste kritisiert. Die Kritik gipfelte in der Unterstellung, Braband und Petersen seien „Urheber einer gefährlichen Umsturzbewegung“ oder gar „Zuhälter der SPD“.Brauers, S. 50 f.

Mit der Bildung der Fortschrittlichen Volkspartei 1910 wurden die Vereinigten Liberalen quasi deren Hamburger Landesverband. Bei der Bürgerschaftswahl im selben Jahr konnten sie bereits 30 Abgeordnetenmandate erringen.Fock: Liberale in Hamburg. In: Fock u. a. 50 Jahre Hamburger Freie Demokraten, S. 10. Bis zum Ende des Kaiserreichs blieb es im bürgerlichen Lager beim Gegensatz zwischen den linksliberalen Vereinigten Liberalen auf der einen Seite und den alten Fraktionen auf der anderen Seite, wobei sich die Fraktion der Rechten 1916 in Fraktion der Nationalliberalen Partei umbenannte und 1918 mit Teilen des Linken Zentrums den Landesverband der DVP gründete. Die Fraktion der Linken hingegen rückte immer weiter nach rechts. Aus ihr und dem Rest des Linken Zentrums wurde 1918 der Hamburger Landesverband der DNVP. Die Vereinigten Liberalen hingegen gründeten sich 1918 in den Hamburger Landesverband der DDP um.Brauers, S. 59.

1918 bis 1945: DDP, DVP und liberaler Widerstand mini|hochkant|Christian Koch (1919 oder früher) Bei den ersten Bürgerschaftswahlen nach der Novemberrevolution wurde die DDP mit 20,5 % der Stimmen und 33 Abgeordneten zweitstärkste Kraft, während die DVP lediglich 8,6 % und 13 Sitze erhielt.Wahlergebnis von 1919 bei www.gonschior.de. Die Berührungspunkte beider liberaler Parteien in Hamburg waren eher gering: Während sich Landes-DVP eher auf dem rechten Flügel der Partei positionierte, stand die DDP auf dem linken Flügel ihrer Gesamtpartei.Fock: Liberale in Hamburg, S. 11. Trotzdem wurde der Hamburger Petersen nach Friedrich Naumanns frühem Tod 1919 zum Parteivorsitzenden der Reichs-DDP gewählt. Von Anbeginn der Weimarer Republik koalierte die DDP mit den Sozialdemokraten. Von 1924 bis 1930 und 1932/33 stellten die Linksliberalen mit Carl Wilhelm Petersen den Ersten Bürgermeister. Die DVP hingegen befand sich zunächst in Opposition zum Senat und beteiligte sich erst ab 1925 an der Regierung, als SPD und DDP ihre Mehrheit in der Bürgerschaft verloren hatten. Sowohl DDP als auch DVP erzielten über die gesamte Dauer der Weimarer Republik deutlich bessere Ergebnisse als reichsweit. So erreichte die inzwischen Deutsche Staatspartei genannte DDP noch 1932, als sie bei Reichstagswahlen bereits marginalisiert war, bei der Bürgerschaftswahl 11,2 % der Stimmen und 18 Abgeordnetensitze.Übersicht über die Bürgerschaftswahlergebnisse von 1919 bis 1933 bei www.gonschior.de.

Die Fusion mit dem Jungdeutschen Orden zur Deutschen Staatspartei führte allerdings zu erheblichen Zerwürfnissen auch in der Hamburger DDP und zu Austritten prominenter Linksliberaler wie Erich Lüth, Hans Robinsohn und Alfred Johann Levy.Brauers, S. 75. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten lösten sich Staatspartei und die DVP unter dem Druck der Machthaber auf, wobei die Hamburger DVP ihren Mitgliedern den Beitritt zur NSDAP empfahl. Viele Linksliberale wurden von den Nationalsozialisten verfolgt. Die ehemaligen Bürgerschaftsabgeordneten Max Eichholz und Valentin Ernst Burchard wurden in Konzentrationslagern ermordet. Emmy Beckmann, erste Frau im Amt eines Landesschulrats in Deutschland, wurde entlassen. Christian Koch wurde vorübergehend von der Gestapo verhaftet.Fock, Liberale in Hamburg, S. 11.

Mitglieder der Staatspartei und vor allem der DVP arrangierten sich mit dem NS-System oder arbeiteten wie Wilhelm Amsinck Burchard-Motz (DVP) oder Walter Matthaei (DStP) dem neuen Regime zu.Brauers, S. 95. Es bildete sich aber auch ein liberaler Widerstand heraus. Die Gruppe Freies Hamburg entstand aus dem regimekritischen Gesprächskreis Gruppe Q, in dem sich vor allem ehemalige DDP/Staatspartei-Mitglieder um Friedrich Ablass, Alfred Johann Levy und Walter Jacobsen trafen. Ablass war der Kopf der Gruppe, über Jacobsen bestand Kontakt zur Robinsohn-Strassmann-Gruppe.

Von der Gründung bis zum Hamburg-Block mini|hochkant|Johannes Büll (1924 oder früher) Bereits zwei Tage nach Übergabe Hamburgs an die Briten bildete sich am 5. Mai 1945 aus dem Widerstandskreis um Ablass eine formelle Organisation mit Namen Bund Freies Hamburg, die noch im Mai 1945 bei der britischen Besatzungsmacht als „Zusammenschluß freiheitlich gesinnter Hamburger“ angemeldet wurde. Vorsitzender dieser Organisation wurde der Kaufmann Eduard Wilkening, der 1937 zur Gruppe Q gestoßen war.Fock: Die Gründung der Partei Freier Demokraten. In: Fock u. a., 50 Jahre Hamburger Freie Demokraten, S. 15. Der Bund verabschiedete ein Acht-Punkte-Programm, das sich als Manifest für den Neuaufbau des demokratischen Gemeinwesens verstand.Brauers, S. 129. Aus der Mitte des Bundes Freies Hamburg wurde am 20. September 1945 die Partei Freier Demokraten gegründet. Von den 98 Gründungsmitgliedern hatten 65 zuvor dem Bund angehört. Andere entstammten einer Gruppe Altonaer Liberaler um Emilie Kiep-Altenloh und Jes Juhl.Fock: Die Gründung der Partei Freier Demokraten, S. 16. Dies war die erste Gründung einer liberalen Landespartei in den westlichen Besatzungszonen. Sie verstand sich von Anbeginn als Anknüpfung an die linksliberalen Traditionen der Weimarer DDP.Beate-Carola Padtberg-Wolff: Reaktionen und Positionen der Freien Demokraten in Hamburg auf politische Entwicklungen seit 1945. In: Leif Schrader, 60 Jahre politischer Liberalismus in Hamburg, S. 5.Auch die Mitgliedschaft zeigte deutliche Anknüpfungspunkte zur früheren DDP: Etwa 60 % der Mitglieder, die die FDP in Hamburg Ende 1946 hatte, hatten vor 1933 der DDP angehört, nur gut 10 % hingegen der DVP. Quelle: Fock: Die Gründung der Partei freier Demokraten, S. 18. Zum Vorsitzenden wurde Christian Koch mit 55 zu 34 Stimmen gegen Eduard Wilkening gewählt.Dem Vorstand gehörten laut Gründungsprotokoll, von dem ein Auszug bei Fock: Die Gründung der Partei Freier Demokraten, auf S. 17 im Faksimilie abgedruckt ist, neben Koch auch Wilkening, Dr. Ablass, Abatz, Büll, Lahann, Zarse, Bornbusch, Rieckhoff, Kiep-Altenloh und Sußmann an. Zugelassen wurde die Partei von den Besatzungsbehörden dann am 22. November 1945.

In der von der britischen Besatzungsmacht ernannten Bürgerschaft, die am 27. Februar 1946 erstmals zusammentrat, war die PFD mit insgesamt acht Mandaten vertreten. Neben Christian Koch, der der Bürgerschaft qua Amt angehörte, und den von der Partei benannten Abgeordneten Eduard Wilkening und Willy Max Rademacher schlossen sich ihr noch fünf weitere Abgeordnete an, die von anderen Organisationen vorgeschlagen worden waren.Walter Tormin: Hamburg nach dem Ende des Dritten Reiches. Politischer Neuaufbau in der unmittelbaren Nachkriegszeit (1945/46 bis 1949), in: Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) Hamburg nach dem Ende des Dritten Reiches. Politischer Neuaufbau 1945/46 bis 1949, Hamburg 2000, ISBN 3-929728-50-8, S. 77. Nachdem Koch, dem Versäumnisse beim organisatorischen Aufbau der Partei vorgeworfen worden waren, auf Druck des Landesvorstandes am 1. Juli 1946 erklärte, nicht mehr als Landesvorsitzender zur Verfügung zu stehen, kam es zu einer Kampfkandidatur zwischen dem eher links verorteten Rademacher und dem wirtschaftsliberalen Wilkening, die Rademacher mit 129 von 186 Delegiertenstimmen deutlich für sich entscheiden konnte.Brauers, S. 206.

Ehemalige DVP-Mitglieder hatten hingegen die früheren Senatoren Paul de Chapeaurouge und Hermann Carl Vering 1945 im Verein der Freunde der früheren Volkspartei versammelt. Chapeaurouge lehnte ein Angebot Kochs ab, in der PFD mitzuarbeiten, und wollte mit dem Vaterstädtischen Bund Hamburg ein Bündnis aller Kräfte rechts der SPD schaffen.Werner Johe: Bürgermeister Rudolf Petersen. ein Beitrag zur Geschichte der politischen Neuordnung in Hamburg 1945/46. In: Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) Hamburg nach dem Ende des Dritten Reiches: politischer Neuaufbau 1945/46 bis 1949, Hamburg 2000, ISBN 3-929728-50-8, S. 40. Für die Bürgerschaftswahl 1946 bekam der VBH jedoch keine schlagkräftige Basis zusammen, sodass man sich entschloss, mit der CDU, die durch den Zugang von Bürgermeister Rudolf Petersen erheblich gestärkt war, zusammenzugehen. Lediglich de Chapeaurouge selbst zog über die CDU-Liste in die Bürgerschaft ein.