mini|Hauptfassade der Synagoge zur Lortzingstraße Die Synagoge Saarbrücken ist das jüdische Gotteshaus der Synagogengemeinde Saar in Saarbrücken. Das 1951 fertiggestellte Gebäude steht unter Denkmalschutz.Denkmalliste des Saarlandes, Teildenkmalliste Saarbrücken (PDF; 653 kB), S. 76
Geschichte Errichtung der ersten Synagoge mini|links|Saarbrücken-St. Johann, Aufriss der Seitenfassade der Synagoge in St. Johann a.d. Saar, 1888, Bauverwaltungsarchiv der Landeshauptstadt Saarbrücken mini|Saarbrücken-St. Johann, Längsschnitt der Synagoge in St. Johann a.d. Saar, 1888, Bauverwaltungsarchiv der Landeshauptstadt Saarbrücken mini|Saarbrücken-St. Johann, Lageplan der alten Synagoge, 1888, Bauverwaltungsarchiv der Landeshauptstadt Saarbrücken Während der 50 Jahre vor der sogenannten Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 hatte sich die Synagogengemeinde in St. Johann und Saarbrücken aus bescheidenen Anfängen zu einer Institution entwickelt, der mit über 2000 Mitgliedern am Ende der 1920er Jahre mehr als die Hälfte aller saarländischen Juden angehörten. Äußerliches Zeichen der errungenen Position stellte die in den Jahren 1888–1890 nach den Plänen des Saarbrücker Architekten Friedrich Mertz im maurischen Stil erbaute Synagoge der Saarbrücker Juden an der Ecke Futterstraße 25/Kaiserstraße in St. Johann dar.Albert Marx: Die jüdische Gemeinde Saarbrücken (1933-1945), in: Zehn statt tausend Jahre, Die Zeit des Nationalsozialismus an der Saar 1935-1945, Katalog zur Ausstellung des Regionalgeschichtlichen Museums im Saarbrücker Schloss, Saarbrücken 1988, S. 201–217
Architektur der ersten Synagoge Die architektonische Gestaltung des St. Johanner Sakralgebäudes stand dabei ganz in der Tradition orientalisierender Synagogenbauten, wie etwa der 1866 eingeweihten Neuen Synagoge in der Berliner Oranienstraße der Architekten Eduard Knoblauch und Friedrich August Stüler. Der maurische Stil kam beim historistischen Synagogenbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermehrt zur Anwendung. Der Architekt und Semper-Schüler Otto Simonson begründete diese Stilwahl folgendermaßen:Otto Simonson: Der neue Tempel in Leipzig, Berlin 1858, S. 3.Harold Hammer-Schenk: Die Architektur der Synagoge von 1780-1933, in: Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Die Architektur der Synagoge, Katalog zur Ausstellung vom 11. November 1988-12. Februar 1989, Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main, Stuttgart 1988, S. 157-285, hier S. 203
Architekt Friedrich Mertz reichte die Entwurfspläne für den Synagogenneubau in Saarbrücken-St. Johann, am 26. Januar 1888 zur Genehmigung ein. Im Jahr 1889 fand die feierliche Grundsteinlegung auf dem Grundstück Futterstraße 25/Ecke Kaiserstraße 12 statt. Am 22. Dezember 1890 konnte die Einweihung der Synagoge begangen werden. Der Architekt Friedrich Mertz war in Zusammenarbeit mit dem Architekten Heinrich Güth für Entwurf und auch die Ausführung der Synagoge verantwortlich. Die Zimmerarbeiten besorgte die Firma P. Petsch aus Saarbrücken, die Dachdeckerarbeiten übernahm die Firma Ludwig Güth. Die Glasmalereien der Fenster stellte die Firma E. Wagner her, die Dekorationsmalerei schuf Julius Nieseh.
Die Errichtung der Synagoge war Bestandteil der gründerzeitlichen Stadterweiterung von Saarbrücken-St. Johann entlang der Kaiserstraße, deren Gelände erst in den 1890er Jahren städtebaulich erschlossen wurde. Die zweigeschossige Synagoge entstand als zentralisierender Kuppelbau auf einem kreuzförmigen Grundriss (23,30 m Länge und 15,70 m Breite) mit einer Längsachsenorientierung entlang der Kaiserstraße. Die Eingangsfront mit der Hauptfassade und den beiden leicht zurücktretenden polygonalen Treppenaufgängen befand sich in der Futterstraße. Der verklinkerte Eckbau in byzantinisch-maurischen Formen war durch horizontale Farbschichtung von hellockerfarbenen Wandstreifen und schmäleren roten Ziegelbändern geschmückt.
Als berühmtes Vorbild für die Zentralbaugestaltung der St. Johanner Synagoge und die besondere Farbausführung der Fassade kann die in den Jahren 1874–1882 für die jüdische Gemeinde in Florenz von den Architekten Mariano Falcini, Vincente Micheli und Marco Treves entworfene Große Synagoge von Florenz herangezogen werden. Die Fenster der Querschiffarme der St. Johanner Synagoge gestaltete Architekt Mertz in „maurischen“ Hufeisenbogenform, die im Mittelrisalit in beiden Geschossen als Drillingsfenster zusammengefasst wurden. Die Brüstungsplatten unter den Hufeisenbogenfenstern wurden aus hellem Sandstein gearbeitet. Zentrales Architekturelement der Hauptfassade war ein säulengetragenes Ädikulaportal. Darüber öffnete sich eine flache Nische mit einem großen Radfenster. Die Kreuzarme und die Risalitgiebel wurden durch ein kräftiges Konsolfries unter dem profilierten Traufgesims zusammengefasst. Die Ecken der Querarme waren durch polygonale fialartige Aufsätze in der Dachregion betont. Der Giebel der Hauptfassade wurde von den steinernen Gesetzestafeln des Dekalogs überragt.
Zentrum des Bauwerks war eine quadratische Vierung, die von vier gusseisernen Säulen getragen wurde. Der durchfensterte oktogonale Tambour ruhte auf Trompen, die in „maurischer“ Art wiederum in viele kleine Hufeisenbogennischen unterteilt waren. Darüber erhob sich die hölzerne Kuppelkonstruktion, deren Spitze mit bekrönendem Davidstern eine Höhe von 31 m erreichte. Die vier Kreuzarme waren tonnengewölbt. Der nördliche Kreuzarm diente als Eingang, den man über eine von schmiedeeisernen Gittern gesäumte Freitreppe betrat. Von dort gelangte man ebenerdig in den Hauptraum der Synagoge mit Plätzen für 166 Männer. Seitlich gelegene Türen führten zu den Treppenaufgängen der Frauen- bzw. Sängeremporen in den westlichen und östlichen Kreuzarmen, die insgesamt 114 Menschen fassten. Die Querschifffenster wurden von Rundbogen überfangen. An der Südseite befand sich in einer Art Flachchor die über seitliche Treppen erreichbare Sandsteinnische mit dem reich verzierten Toraschrein, der von einem Hufeisenbogen gerahmt wurde. Der Chorraum selbst schloss in Anlehnung an den Vierungsaufbau mit einer halben Flachkuppel auf tambourartigem Unterbau auf Trompen. Die Wände des Synagogeninnenraumes waren mit farbiger Dekormalerei des späten Historismus gefasst. Die Fenster wiesen ebenfalls eine bunte Verglasung auf.
Im Jahr 1905 wurde eine Nottreppe als Außenanlage nach Plänen der Architekten Heinecker und Witzesker, Saarbrücken-St. Johann, angebaut. Das Sakralgebäude wurde im Jahr 1916 einer Gebäuderenovierung unterzogen.Kristine Marschall: Die alte Synagoge in Saarbrücken, Futterstraße 25/Ecke Kaiserstraße, in: „und dies ist die Pforte des Himmels“ 1. Mos. 28,17, Synagogen Rheinland-Pfalz-Saarland, Bearbeitet von Stefan Fischbach und Ingrid Westerhoff, Schriftleitung Joachim Glatz und Meier Schwarz, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz mit dem Staatlichen Konservatoramt des Saarlandes und dem Synagogue Memorial Jerusalem, Mainz 2005, S. 451–454.
Zerstörung der ersten Synagoge Die gewalttätigen Ereignisse der sogenannten Reichskristallnacht in Saarbrücken waren hauptsächlich das Werk der örtlichen SS-Einheiten der Standarte 85. Der Befehl zu gewaltsamen Übergriffen auf die jüdische Gemeinde kam recht kurzfristig am Abend des 9. November 1938. Die von ihren Führern für die Durchführung der Aktion ausgewählten Männer mussten Zivilkleidung anlegen und wurden anschließend in vier Trupps eingeteilt. Einer davon war für den Einsatz an der Synagoge in St. Johann bestimmt, die übrigen drei Trupps sollten Jagd auf jüdische Einwohner machen. Diese wurden anschließend aus den Betten gerissen, misshandelt und mit dem Tode bedroht. Ihre Wohnungseinrichtungen wurden verwüstet. Etwa 130–150 jüdische Männer wurden teilweise in leichter Bekleidung, teilweise in ihrer Schlafbekleidung durch die nächtliche Innenstadt getrieben, unterwegs angespuckt, beschimpft und mit Wasser des städtischen Sprengwagens nassgespritzt. In einer symbolischen Aktion wurden die Männer aufgefordert, an der damaligen Baustelle der neoklassizistischen Eisenbahndirektion beim Saarbrücker Hauptbahnhof ihr eigenes Grab zu schaufeln. Vom Schlossplatz aus, wo sich die Saarbrücker Gestapo-Behörde befand, ging der Zug schließlich zum Gefängnis auf der Lerchesflur.
Dort wurden den Männern am Folgetag mit Farbe Hakenkreuze ins Gesicht geschmiert und man drückte ihnen den Siegelstempel der jüdischen Kultusgemeinde Saarbrücken ins Gesicht. Die meisten Männer der jüdischen Gemeinde wurden daraufhin für mehrere Wochen in das Konzentrationslager in Dachau verbracht.
In der Nacht der antijüdischen Übergriffe drang auch eine Gruppe von ca. 30 SS-Leuten in die Synagoge ein, verwüstete die Innenausstattung, zerriss die Gebetbücher und entweihte die Kultgegenstände. Die gefangenen jüdischen Männer wurden auf ihrem demütigenden Zug durch Saarbrücken auch an der Synagoge vorbeigeführt. Dort zwang man sie, gestikulierend zu tanzen, wie zum Gebet niederzuknien und hebräische Lieder zu singen. Anschließend wurde das Sakralgebäude in Brand gesteckt. Die herbeigerufene Feuerwehr schützte nur die von den Flammen bedrohten Nachbarhäuser und ließ zu, dass die Synagoge niederbrannte.Archiv Yad Vashem, Jerusalem TR 10/361Albert Marx: Die jüdische Gemeinde Saarbrücken (1933-1945). In: Zehn statt tausend Jahre, Die Zeit des Nationalsozialismus an der Saar 1935–1945. Katalog zur Ausstellung des Regionalgeschichtlichen Museums im Saarbrücker Schloss, Saarbrücken 1988, S. 201–217 Die Saarbrücker Zeitung kommentierte die Brandstiftung der Synagoge folgendermaßen am 11. November 1938:Die Saarbrücker Synagoge in Flammen. Saarbrücker Zeitung, 11. November 1938.
Entstehung der neuen Synagoge Nachdem das jüdische Sakralgebäude den nationalsozialistischen Brandzerstörungen im Jahr 1938 zum Opfer gefallen und 1939 abgerissen worden war, gab es Bestrebungen der saarländischen Landesregierung unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann und der französischen Besatzungsmacht unter dem jüdischstämmigen Bevollmächtigten der französischen Regierung Gilbert Grandval, der am 2. Juni 1946 durch 40 überlebende Juden im Saarbrücker Rathausfestsaal neu gegründeten Synagogengemeinde Saar eine neue Synagoge zur Verfügung zu stellen.Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Die Architektur der Synagoge, Katalog zur Ausstellung vom 11. November 1988-12. Februar 1989, Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main, Stuttgart 1988, S. 340.