Friedrich Germanus Lüdke (* 10. April 1730 in Stendal; † 8. März 1792 in Berlin) war ein deutscher protestantischer Theologe der Aufklärung im 18. Jahrhundert, Schriftsteller theologischer Werke, Feldprediger im Siebenjährigen Krieg und Erzdiakon an der Nikolaikirche in Berlin.
Abstammung mini|Kupferstich von Friedrich Germanus Lüdke (Chodowiecki, Allg. d. Bibli. 1785) Friedrich Germanus Lüdke war Mitglied der Familie Lüdke, die in gerader Linie beginnend mit dem ersten protestantischen Dechanten am Havelberger Dom Matthäus Ludecus (1517–1604) verwandt ist und die bis Friedrich Germanus Lüdke folgende direkte Nachkommen aufweist: Lucas Luidtke, (* ca. 1562, † 1596), Jurist und Domherr in Havelberg Germanus Luidtke (* 1592, † 1672), Jurist und Bürgermeister in Stendal, Verordneter der kurmärkischen Landschaft, Canonicus in Havelberg Christian Luidtke (* 1621, † nach 1685), Jurist und Bürgermeister in Stendal Germanus Lüdke (* 1683, † 1735), Theologe, Erzdiakon im Dom zu Stendal Friedrich Germanus Lüdke (* 1730, † 1792), Theologe Mit Ausnahme von Christian Luidtke waren demnach alle Vorfahren im kirchlichen Dienst tätig. Mit Friedrich Germanus Lüdke endet die theologische Tradition, da seine Abkömmlinge keine theologischen Berufe ergriffen haben.
Sein Vater, Germanus Lüdke (1683–1735), war Magister und Erzdiakon am Dom zu Stendal.Karl Aner Friedrich Germanus Lüdke, JB für brandenb. Kirchengeschichte 1914, S. 161 Seine Mutter war Maria Elisabeth Otte.Mitteilung des Küsteramtes von St. Nicolai Berlin vom 15. Januar 1937
Lüdke heiratete 1764 in der Garnisonskirche in Berlin Charlotte Luise Weissenberg, die Tochter des Zeltschneiders Johann Jakob Weissenberg. Sie verstarb 1789. Im Jahre 1791 heiratete er die Witwe Johanne Caroline Richter geb. Schmidt, die Tochter des Predigers Schmidt aus Fürstenwalde. Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor. Lüdke starb nach 6-monatiger Ehe.
Bei seinem Tode lebten noch jeweils 3 Söhne und 3 Töchter, von denen folgende Personen erwähnenswert sind: Johann Peter Germanus Lüdke (1772–1845). Nach dem Besuch mehrerer besuchte er ab 1785 das Berliner Gymnasium und legte 1781 das Examen ab. Auf Anraten seiner Lehrer besuchte er aber nicht die Universität, sondern nahm die Gelegenheit wahr, als außerordentlicher expedierender Sekretär bei der ersten Kurmärkischen Zoll- und Accise-Direktion tätig zu sein. Anton Friedrich Büsching, Einladung zur Prüfung der Gymnasiasten, Berlin 1782. S. 17 Am Ende seiner Karriere war er Geheimer Hofrat im Finanzministerium BerlinFlorian Seiffert, Familienforschung, abgerufen am 23. November 2017, . Karl Friedrich Wilhelm Lüdke (1782–1834). Er war ein Landwirt, königlich preußischer Oberamtmann, sowie Pächter der Staatsdomäne in Altlandsberg nordöstlich von Berlin. Frederike Lüdke. Sie war znnächst mit einem Herrn Holz verheiratet war und heiratete 1820 in zweiter Ehe den Major Karl Friedrich von Perbandt aus Potsdam (1768–1839),Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen: 1820,1/3, 1820, Anzeige vom 28. März 1820, Ihr Ehemann war Mitglied der Administration des Großen Militär-Waisenhauses in Potsdam.Unger, Adress-Kalender der Königlich-Preußischen Residenzstädte Berlin und Potsdam, besonders der daselbst befindlichen Hohen und Niedern Collegien, Instanzien und Expeditionen, 1803, Jahrbuch des Deutschen Adels. Bd. 2, 1898 / hrsg. von der Deutschen Adelsgenossenschaft. - Berlin 189 S. 788, Seine 3. Ehefrau wird zwar in dem Adelslexikon nicht erwähnt. Die Heirat ist aber wohl durch die Zeitungsanzeige nachgewiesen. Karl Friedrich von Perbandt war der Bruder des preußischen Generals Ernst von Perbandt Louise Charlotte Lüdke (1783-nach 1834). Sie war die zweitälteste Tochter und heiratete 1803 den preußischen Finanzrat Carl Friedrich Otto Westfal (1763–1834). Sie war offensichtlich sehr vermögend, da sie ein Vermögen von mehr als 10.000 Talern hatte.
Schulzeit, Studium In Stendal besuchte Lüdke zunächst die Lateinschule (Gymnasium) bis 1748 und war danach Schüler des Königlich Joachimthalschen Gymnasiums in Berlin, um sich auf das Studium vorzubereitenDie obigen biographischen Angaben stammen aus einem handschriftlichen Lebenslauf vom 15. März 1792, dessen Verfasser unbekannt ist. Diese Schrift diente aber offensichtlich als Grundlage für die Leichenpredigt, die leider verschollen ist.. Er studierte dann Theologie in Halle und war Schüler des an der Universität lehrenden Siegmund Jakob Baumgarten (1706–1757)Avi Lifschitz, Language and Enlightenment: The Berlin Debates of the Eighteenth Century, Oxford 2012, S. 56F, ISBN 978-0-19-966166-4, Leseprobe: , der, wie auch der Vater von Friedrich Germanus Lüdke, das Pädagogium des Halleschen Waisenhauses besucht hatte und noch einem orthodoxen Luthertum und der Spiritualität des Halleschen Pietismus verbunden war.
Wohl seine erste Veröffentlichung erfolgte schon im Jahre 1751, als er noch in Halle studierte, als Beitrag zu der theologischen Dissertation seines Studienfreundes Valentin Christoph Müller, bei dessen Disputation unter dem Vorsitz von Adam Struensee er als Opponent aufgetreten war.Struensee, Adam/Müller, Valentin Christoph/Lüdke, Friedrich Germanus: Dissertatio Theologica De Gavdio In Spiritv Sancto Tanqvam Genvino Verae Religionis Christianae Criterio, Halae, 1751, VD18 10306706, digital Im Anhang zu der Dissertation seines engen Freundes Friedrich Johann Emanuel Eisenberg (1726–1802) aus Stendal, als Lüdke schon in Berlin wohnhaft war, schrieb er als Grußwort und Freundesgabe ein Gedicht, das beeinflusst war von der durch die Aufklärung bedingten Frühphase des „Sturm und Drang“ und sehr gefühlsbetont und ausdrucksstark in der letzten Strophe seine Freundschaft zu Eisenberg, der 1766 zum Gouverneur der königlichen Militärakademie in Berlin bestellt wurdeBiographisches Handbuch Der Preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten, 1740–1806/15, S. 240, beschrieb: Ach daß uns der Himmel niemals trennte! Daß mein Staub sich mit Dir mischen könnte! Gott, laß uns, soll einer von uns sterben, Zusammen sterbenEisenberg, Friedrich Johann Emanuel, Dissertatio iuris gentium de forma litterarum credentialium legatorum, Halae Magdeb.: litteris Ioannis Christiani Hilligeri., (am Ende) digital: In den nachstehen genannten Briefe(n) an Freunde ist dieses Gedicht in dem 65. Brief an den Herrn E*** auf S. 217 nochmals abgedruckt.
1754 veröffentlichte Lüdke eine Gedenkschrift auf den verstorbenen Generalsuperintendenten Johann Rudolph Nolten, der 1735 Oberpfarrer an St. Marien und Superintendent in Gardelegen und seit 1741 Oberpfarrer am Dom St. Nikolaus und Generalsuperintendent in Stendal gewesen war.Lüdke, Friedrich Germanus, Auf das Absterben des Wohlseligen Herrn Generalsuperintendenten Nolten (Johann Rudolph Nolten), Berlin, den 24sten des Christmonats 1754, Berlin 1754 digitale Ausgabe In der Schrift bezeichnet er Nolte als Gönner, Wohltäter, Ratgeber und Freund, dem er einen Teil seiner Grundsätze und seines Wohlstandes verdankte. Er habe ihn, der ein Kind ohne Vater war, unterstützt durch seine Unterweisungen und hat in zweifelhaften Fällen ihm guten Tat gegeben. Er erwähnt mit Liebe den jüngsten Sohn des Verstorbenen, mit dem ihn die Bande der Freundschaft so stark „als das Blut“ verknüpft haben. Er wünschte sich, dass die beiden Söhne sich weiterhin so lieben, „wie unsere Väter sich geliebt haben“. Bei dem Freund handelte sich dabei offensichtlich um Ernst Christoph Nolte. Dieser studierte ebenfalls zu Halle, disputierte 1753 bei BaumgartenMeditationes de limitibus libertati conscientiae ponendis, 1793, Google Books, wurde Feldprediger und starb sehr jung 1761Christian Gottlieb Jöcher, Allgemeines Gelehrten-Lexicon: Darinne die Gelehrten aller Stände sowohl männ- als weiblichen Geschlechts, welche vom Anfange der Welt bis auf ietzige Zeit gelebt, und sich der gelehrten Welt bekannt gemacht, Nach ihrer Geburt, Leben, merckwürdigen Geschichten, Absterben und Schrifften aus den glaubwürdigsten Scribenten in alphabetischer Ordnung beschrieben werden. Fortsetzung und Ergänzungen von Heinrich Wilhelm Rotermund; Bd. 5. Moriac bis Pfeiffer. 9, Bremen 1816 S. 790, google Books online.
Hofmeister Sein Studium in Halle hatte Lüdke Ende des Jahres 1752 beendet. Danach war Lüdke für 5 Jahre, also bis 1757, Hofmeister (Erzieher der Kinder) bei dem Preußischen Justizminister Levin-Friedrich von Bismarck (1703–1774), der ebenfalls aus der Altmark bei Stendal stammte.schriftliche Mitteilung der Superintendentur des Evangelischen Kirchenkreises Stendal vom 2. Januar 1929 Zu der Familie von Bismarck bestand auch nach dem Ausscheiden von Lüdke aus den Diensten der Familie ein freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis, das sich in dem Inhalt der Leichenpredigten zeigt, die Lüdke nach dem Tode der Eheleute von Bismarck gehalten hat.
1756 veröffentlichte er in Danzig ohne Angabe des Verfassers die Briefe an Freunde.digital slub-dresden und Staatsbibliothek Berlin, Signatur: Yz 82201 Katalog Benutzung nur im Lesesaal
Feldprediger Vom 28. Lebensjahr an, also ab 1758, war er Feldprediger während des Siebenjährigen Krieges in Schlesien bei den preußischen Regimentern Infanterieregiment No. 20 „Bornstedt“ (Generalmajor August Gottlieb von Bornstedt) und Infanterie-Regiment Nr. 1 „Lattorf“ bzw. „Zeuner“ (Generalmajore ab 1758: Johann Siegismund von LattorffFeldprediger – Seite 4 – Ahnenforschung.Net Forum und ab 1760: Karl Christoph von ZeunerKarl Aner, Friedrich Germanus Lüdke, JB für brandenb. Kirchengeschichte 1914, S. 161).
1762 ließ er zu Breslau einige Predigten drucken (z. B. von der Unsterblichkeit der Seele). Lüdke, F. G. (Königl. Preussischen Feldpredigter bey dem Infanterie-Regimente von Zeuner), Predigt von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, über Pred. Sal. 3:16-22: gehalten in der Garnison-Kirche zu Bresslau. Breslau 1762, Collection Research Libraries UK Union Catalogue, Nachweis: digital
Diakon in St. Nicolai in Berlin Auf Empfehlung des Generalmajors Karl Christoph von Zeuner erhielt er die vakante Stelle des 4. Dekans an der Berliner Nikolaikirche. Er wurde 1765 eingeführt von dem Propst Johann Joachim Spalding. Mit der Zeit rückte er zum Erzdiakon auf und soll seinen Beruf mit seltener Treue erfüllt habenKarl Aner Friedrich Germanus Lüdke, JB für brandenb. Kirchengeschichte 1914, S. 162..
Lüdke starb am 8. März 1792. Probst Johann Friedrich Zöllner, der Nachfolger von Johann Joachim Spalding, hielt ihm die Gedächtnispredigt. Er wurde in der Nikolaikirche begraben. Horst Bosetzky bezeichnet in einem „fiktiven“ Roman über den „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn dessen Vater, den Pfarrer in Lanz im Landkreis Prignitz Friedrich Alexander Jahn (1742–1811), sowie Friedrich Germanus Lüdke als Freunde. Danach hat Friedrich Alexander Jahn an der Beerdigung von Lüdke teilgenommen und hat die Leichenpredigt des Probstes, dessen Namen er aber vergessen hat, gehört. Lüdke wird darin als einer der bedeutendsten evangelischen Theologen der Aufklärung bezeichnet.Horst Bosetzky, Turnvater Jahn: Ein biographischer Roman (Google eBook), Berlin, 1. digitale Auflage 2014, ISBN 978-3-95552-172-1, Leseprobe (ohne Seitenangaben) Stichwort: „Friedrich Germanus Lüdke“ Leider ist der Text der Leichenpredigt, die sicherlich gedruckt wurde, anscheinend noch nicht nachweisbar.
Schriftstellerische Tätigkeit Nach Wagenmann, der nachfolgend wörtlich zitiert wird, war Lüdke ein Mann von vielen Einsichten und unermüdetem Fleiß, ein selbstdenkender und aufgeklärter Religionslehrer, dem vorzugsweise das praktische Interesse des Christentums und Predigtamtes am Herzen lag, dabei ein fleißiger Mitarbeiter, eine Zeitlang auch theologischer Mitredakteur an Nikolais Allgemeiner deutscher Bibliothek, für die er in der ganzen Zeit von ihrem ersten Erscheinen bis zu seinem Tod zahlreiche Beiträge, meist Rezensionen, geliefert hat.
Von seinen eigenen Schriften sind die bedeutendsten, die ihm nach Wagenmann „allgemeinen Ruhm zugebracht haben“, folgende Schriften: