Die Kirche Goldbach () im ostpreußischen Kreis Wehlau war ein auf das 14. Jahrhundert zurückgehender Saalbau aus Feldsteinen und Ziegeln und wurde 1706 grundlegend wiederhergestellt. Bis 1945 diente sie als evangelisches Gotteshaus in der heute Slawinsk genannten Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)).

Geographische Lage Das heutige Slawinsk liegt an der russischen Fernstraße R 512 etwa in der Mitte zwischen den Rajonshauptstädten Gwardeisk (Tapiau) und Polessk (Labiau). Beide Städte sind auch die nächsten Bahnstationen an den Bahnstrecken Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode) – einstige Preußische Ostbahn – zur Weiterfahrt nach Litauen und ins russische Kernland bzw. Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit). Bis 1945 war Goldbach Bahnstation an der Bahnstrecke Tapiau–Labiau der Wehlau–Friedländer Kreisbahnen.

Der Standort der KircheBild der Kirche (vor 1945)Bild der Kirchenruine (aktuell) war auf einer leichten Anhöhe mitten im alten Dorf, die noch heute erkennbar ist.

Kirchengebäude mini|Ruine der Dorfkirche Bei der Kirche GoldbachWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 82 bis 83, Abb. 319 handelte es sich um einen Saalbau mit vorgesetztem Turm und war aus Feldsteinen und Ziegeln errichtet. Die starken Mauern ließen auf einen Ursprung als Wehrkirche schließen. Die Gründung des Bauwerks reicht bis in die Anfangsjahre des 14. Jahrhunderts zurück.

Im Jahre 1706 wurde eine grundlegende Wiederherstellung vorgenommen. Bei dieser MaßnahmeSlawinsk - Goldbach bei ostpreussen.net ging den Verantwortlichen das Geld aus. Es kam zu gerichtlichen Auseinandersetzungen mit den Handwerksbetrieben, die ein Urteil des Oberappellationsgerichts in Königsberg (Preußen) abschloss. Eine finanzielle Zuwendung aus königlicher Schatulle linderte die Finanzmisere, die noch länger andauerte und erst mit Mitteln König Friedrich II. und einer Sammlung in allen ostpreußischen Kirchen beendet werden konnte.

Der KircheninnenraumHarry Schlisio, Die Goldbacher Kirche, in: Goldbach, ein Dorf in Ostpreußen, Seite 15 bis 20 wurde von einer flachen Bretterdecke überdacht. Der im Zentrum stehende Kanzelaltar war eine nachträgliche Vereinigung des um 1672 entstandenen Altars und der um 1685 von Christian Klodssey gearbeiteten Kanzel. Ein Taufengel sowie ein Beichtstuhl stammten ebenfalls aus der Werkstatt Klodsseys. Ob dieser auch an der Anfertigung des Kruzifixes vor dem Kanzelaltar mitgewirkt hat, ist nicht mit Sicherheit auszumachen.

Die 1859 eingeweihte Orgel stammte aus der Werkstatt von Scherweit in Königsberg (Preußen). Die Glocken trugen die Gussjahreszahlen 1741 und 1848.

Die Goldbacher Kirche überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. In der Folgezeit wurde sie zweckentfremdet und als Lagerhalle genutzt. In den 1970er Jahren dann begann ihr Verfall, als das Dach einfiel und große Teile des Mauerwerks vom Kirchenschiff entwendet wurden. Übrig sind heute der Turm als Ruine ohne Dach sowie einige Mauerfragmente.

Kirchengemeinde Bereits in vorreformatorischer Zeit war Goldbach ein KirchdorfWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 475. 1404 erschien erstmals ein Pfarrer in den Akten. Die Reformation fasste hier recht früh Fuß, so dass 1527 bereits ein lutherischer Geistlicher hier Dienst tat. Bis 1945 gehörte die Pfarrei GoldbachHarry Schlisio, Kirchspiel Goldbach, in: Goldbach, ein Dorf in Ostpreußen, Seite 11 bis 14 mit ihren 32 Kirchspielorten zum Kirchenkreis Wehlau (heute russisch: Snamensk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1925 zählte die Kirchengemeinde insgesamt 3.000 Gemeindeglieder.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung in Kriegsfolge sowie restriktiver Maßnahmen in der Sowjetzeit kam das evangelisch-kirchliche Leben in Goldbach bzw. Slawinsk zum Erliegen.

Erst in den 1990er Jahren entstanden im Gebiet der Oblast Kaliningrad neue evangelisch-lutherische Gemeinden. Slawinsk liegt im Einzugsgebiet zweier solcher Gemeinden: im Süden Gwardeisk (Tapiau) und im Norden Turgenewo (Groß Legitten). Beide sind Filialgemeinden der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchspielorte Das Kirchspiel Goldbach umfasste bis 1945 insgesamt 32 Orte und kleinere OrtschaftenWalther Hubatsch, (wie oben), Band III, Seite 475 (* = Schulorte): Name Russischer Name Name Russischer Name Adamswalde Klein Köwe Augstupöhnen,1938–46: Uderhöhe Demidowo Klein Kuglack Garbeningken Klein Uderballen,1938–46: Kleinudertal Talalichino *Goldbach Slawinsk Lischkau Jastrebki *Groß Fritschienen Ostrikowo *Moterau Sabarje Groß Grünlauken Perkeisten Nachimowo Groß Keylau Poddubnoje *Perkuiken Nachimowo Groß Schleuse Perpolken Belowo Groß Köwe Sowchosnoje Roddau Nachimowo Groß Kuglack Jassenskoje Rosenfelde *Groß Uderballen,1938–46: Großudertal Demidowo Rosenwalde Kreis Labiau Heinrichshof Plodowoje Schönbruch Karpau Jarki Szillenberg,1936–46: Schillenberg Lukjanowo Klein Fritschienen Ostrikowo Szillenbruch,1936–46: Schillenbruch Kostjukowo Klein Grünlauken Wekowoje Wilhelminenhof Kreis Wehlau Nachimowo Klein Keylau Wilmsdorf Ramenskoje

Pfarrer Von der Zeit der Reformation bis zum Kriegsende 1945 amtierten in Goldbach als evangelische Geistliche die PfarrerFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformatione bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 44: NN., 1527 NN., ab 1537 Johann Weiß, 1562 Wolfgang Hebelt, 1576 Johann Prätorius, 1577 Lambert Wengius, 1580–1600 Friedrich Häupt, 1620–1640 Johann Möller, 1640–1673 Balthasar Tilesius, 1673–1688 Johann Georg Rosenberger, 1688–1735 Johann Christoph Huhn, 1735–1776 Gottfried Arnold Schultz, 1776–1807Ludwig Fedemir Rhesa: Kurzgefasste Nachrichten von allen seit 1775 an den evangelischen Kirchen in Ostpreußen angestellten Predigern, Königsberg 1834, S. 176 (Google Books). Johann Jacob Ebel, 1807–1823 Karl Ludwig Streck, 1823–1829 Carl Heinrich Ostermeyer, 1829–1834 Johann Benjamin Schuchardt, ab 1834 Adalbert J.J. von Schäwen, 1844–1873 Carl Heinrich Es. Wachhausen, 1874–1909 Johannes Seemann, 1909–1938 Ernst Struwe, 1939–1945

Kirchenbücher Einige Kirchenbücher aus dem Kirchspiel Goldbach haben sich erhalten und werden heute im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, Seute 47: Taufdokumente: 1842 bis 1863, Namensverzeichnisse 1801 bis 1845 Traudokumente: 1842 bis 1857, Namensverzeichnisse 1801 bis 1857 Begräbnisdokumente: 1842 bis 1872, Namensverzeichnisse 1801 bis 1847.

Literatur Goldbach Ostpr. (früher Groß und Klein Goldbach), Dorf, links der Deime, Kreis Wehlau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Goldbach (meyersgaz.org) Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 97–98 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 251–252 (Google Books). Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 68–69 (Google Books).

Weblinks Harry Schlisio, Goldbach, ein Dorf in Ostpreußen. Goldbacher Chronik, Band 1 (PDF; 6,2 MB) Кирха Голдбаха - Kirche Goldbach bei prussia39.ru

Einzelnachweise

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