Alice Gurschner, Pseudonym Paul Althof (geboren 8. Oktober 1869 als Alice Pollak in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 26. März 1944 ebenda), war eine österreichische Schriftstellerin und Feuilletonistin. mini|Aufnahme um 1910 von Heinrich Abresch, Bozen mini|Bertha Czegka (1902) mini|hochkant|Gedicht in der Anthologie Schwarz auf Weiss. Humor und Satyre beliebter Autoren und Künstler, Leipzig

Leben Alice Pollak wuchs als Tochter von Ludwig (Lazar) Pollak und seiner Frau Emma (geb. Gutmann de Gelse)Georg Gaugusch: Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800–1938. Band 2: L–R. Amalthea, Wien 2016, ISBN 978-3-85002-773-1, S. 2639. in einem großbürgerlichen jüdischen Elternhaus auf und erhielt Privatunterricht in den gymnasialen Schulfächern, in Musik (Klavier und Geige bei Heinrich von Bocklet) und modernen Sprachen. Sie heiratete 1897 den Bildhauer Gustav Gurschner, Mitbegründer der Wiener Secession, mit dem sie drei Kinder hatte. Nach der Heirat lebten sie zwei Jahre in Paris. Ihre Heirat mit dem katholischen Künstler fand nicht das Plazet ihrer Familie. Nachdem ihr Vater 1905 gestorben war,Ihre Eltern waren Ludwig Pollak (6. Mai 1830 – 25. Juni 1905, s. Ludwig Pollak auf geni.com) und Emma, geb. Gutmann von Gelse (geb. 1. November 1848, s. Emma Pollak auf geni.com). Emma Pollak starb am 1. August 1910 (lt. Zeitungsmeldung am 2. August, vgl. Tödliche Verunglückung einer Wiener Dame bei einer italienischen Automobilfahrt in: Neue Freie Presse, 3. August 1910, S. 24) während eines Besuchs bei ihrer Tochter in Italien an den Folgen eines Verkehrsunfalls. – Ludwig Pollak war Co-Direktor der Zündwarenfabrik seines Bruders Aron Mose bzw. Adolf Pollak von Rudin (s. Ludwig Pollak gestorben. In: Neues Wiener Tagblatt. 26. Juni 1905, S. 6). konvertierte sie zum Katholizismus. Möglicherweise war es ihre bei Kriegsausbruch 1914 dokumentierte patriotische Haltung, die sie nach 1941 vor der Deportation bewahrte.

mini|hochkant|Autograph (1896) Ihre Gedichte, Erzählungen und Dramen veröffentlichte sie unter dem männlichen Pseudonym Paul Althof. Ihre Feuilletons und andere Texte für Zeitungen und Zeitschriften erschienen nach dem Ersten Weltkrieg vor allem im Neuen Wiener Journal, aber auch im Fremden-Blatt, im Berliner Börsen-Courier etc.

Alice Gurschner war Mitglied im Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien. Ihre Mutter Emma war eine Cousine von Adele Deutsch, der dritten Ehefrau von Johann Strauß, mit dem Alice gemeinsam musiziert hat. Ihr Sohn Harald gründete 1920 gemeinsam mit Olaf Fjord eine Filmproduktionsfirma und war kurzzeitig als Regisseur tätig; später widmete er sich dem Motorradsport. Ihre Tochter Eva Martina war die Ehefrau des Malers und Graphikers Theodor Zeller.

Werke (ab 1890 alle erschienen unter dem Pseudonym Paul Althof)

Drei Häuser. Roman aus Alt-Österreich. Europa-Verlag, Wien 1938 (Buchvorschau des Reprints von 2015 bei Google Books) Strauß-Konzert im Augarten. Zwei Bilder aus der Jugend des Walzerkönigs. Hörspiel, Wien 1931 Vor einem Bilde. Gedicht, vertont von A. Albert Noele (Gesangsszene für Sopran und Orchester, 1920)Rezension zur Uraufführung in: Signale für die musikalische Welt, № 19/1920, S. 515 (Kleinere Mitteilungen von hier und dort)Notenmaterial in der Music Library der Northwestern University. Semiramis. Ein Märchen für Könige. Heller, Wien 1914 (als Fortsetzungsroman in Moderne illustrierte Zeitung für Reise und Sport Nr. 1/1913 bis Nr. 9/1913; Buchvorschau des Reprints von 2015 bei Google Books) Der heilige Kuß. Dramatisches Gedicht in drei Aufzügen. Cotta, Stuttgart / Berlin 1911; . Die wunderbare Brücke und andere Geschichten. Cotta, Stuttgart 1908 Das verlorene Wort. Roman. J. G. Cotta Nachf., Stuttgart & Berlin 1907 Kunsthyänen. Schauspiel in drei Aufzügen. Bloch, Berlin 1903 (als Manuskript) Die schlafende Seele. Kurze Geschichte. Berlin 1900 Coghetta. Freund & Jeckel, Berlin 1894 (Digitalisat bei Google Books; Volltext bei ngiyaw-ebooks.org) Passion. Gedichte. Daberkow’s Verlag, Wien 1897 Die Asolanen. Ein Heldengedicht aus Venedigs Vorzeit. Daberkow, Wien 1893 I Pagliacci. Musikalisch-pantomimische Parodie in einem Aufzug. Musik von Richard Haller, 1893Ruggero Leoncavallos Oper Der Bojazzo kam am 22. Mai 1892 in Mailand heraus. Gernrode. Poetische Erzählung aus dem zehnten Jahrhundert. Leipzig 1890 (Buchvorschau des Reprints von 2015 bei Google Books; die ersten zwei Seiten sind fehlerhaft und entstellt) Schneeflocken. Märchen. Leipzig 1890Aiga Klotz: Althof, Paul (Ps.) = Alice Gurschner (1869–1944). In: Dies.: Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland 1840–1950. Band 1 (A–F). Metzler, Stuttgart 1990, S. 17 (Voransicht des Buches bei Google Books); lt. Brümmer 1913 erschien das Buch bereits 1884. Les habitants de la fleurette. Erzählung für die Jugend (franz.), 1882

Literatur

Eberhard Würzl: Vom Ringstraßenpalais in die innere Emigration. Zum 50. Todestag von Alice Pollak-Gurschner (Pseudonym: Paul Althof). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien (Hrsg.): Studien zur Wiener Geschichte. Jahrbuch 1994. Wien 1994, S. 173–190.

Lexikaeinträge Gurschner, Alice. In: Bruno Jahn (Hrsg.): Die deutschsprachige Presse. Ein biographisch-bibliographisches Handbuch. Band 1 (A–L). K. G. Saur, München 2005, S. 383 f. (Buchvorschau bei Google Books). Gurschner, Alice. In: Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Band 3. 6. Auflage Leipzig 1913, S. 14 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)

Gurschner, Alice. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 10: Güde–Hein. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 2002, ISBN 3-598-22690-X, S. 73–76.

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(Kurz-)Rezensionen zu Werken von Alice Gurschner

Weblinks

Paul Althof (Alice Gurschner): Passion. Gedicht in: Jugend, Nr. 22 (1898), S. 367. Paul Althof (Alice Gurschner): Sancta Maria ab Indis. Kurzgeschichte in: Wiener Montagblatt, 5. Mai 1919, S. 2 (Feuilleton) Alice Gurschner: Tisch und Bett. Essay in: Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 21. März 1923, S. 3 f. Paul Althof (Alice Gurschner): Eltern und Kinder von heute. Betrachtungen vom Tage. Essay in: Neues Wiener Journal, 6. Januar 1924, S. 7. Paul Althoff (Alice Gurschner): Alfred Grünfeld in Nagy-Kanizsa. Erinnerungen in: Neues Wiener Journal, 27. Januar 1924, S. 6 f. Paul Althof (Alice Gurschner): Olga Wisinger-Florian und ihr Werk. Feuilleton in: Neues Wiener Journal, 25. April 1924, S. 3 f. Paul Althof (Alice Gurschner): Der Tragödie letzter Akt. Die Begräbnisfeier der Duse in Asolo. Nachruf / Reportage in: Neues Wiener Journal, 17. Mai 1924, S. 4 f. Paul Althof (Alice Gurschner): Aus meiner Theaterzeit. Feuilleton in: Neues Wiener Journal, 27. Februar 1925, S. 3 f. Alice Gurschner: Liedtext zu Valse caprice von Anton Rubinstein in: Radio-Wien, 21. Dezember 1925, S. 472. Alice Gurschner (Paul Althof): Erinnerungen an Giovanni und Mario Segantini. Feuilleton in: Neues Wiener Journal, 12. Juli 1927, S. 3 f. Paul Althof (Alice Gurschner): Ein Autogrammfächer. Erinnerungen in: Neues Wiener Journal, 20. Mai 1928, S. 19. Alice Gurschner: Bei Paula Grogger in Oeblarn. Porträt der Autorin des Romans Das Grimmingtor. In: Neues Wiener Journal, 3. August 1928, S. 4. Alice Gurschner: Marie Barkanys blauer Hut. Nachruf / Erinnerungen in: Neues Wiener Journal, 15. August 1928, S. 6. Paul Althof (Alice Gurschner): Erinnerungen an Sara Kainz-Hutzler. Die Tragik einer Künstlersgattin (sic). In: Neues Wiener Journal. 30. September 1928, S. 7. Alice Gurschner: Bei Mignon und Margarete. Wiedersehen mit Hermine Braga. Porträt in: Neues Wiener Journal, 16. Dezember 1928, S. 9 f. Alice Gurschner: Intimes aus dem Leben eines Geigers. Dem Andenken Adolf Brodskys. Nachruf in: Neues Wiener Journal, 13. April 1929, S. 3 (Feuilleton) Alice Gurschner: Mit Otto Treßler auf Sommerfrische. Sommeridyllen von einst. Erinnerungen in: Neues Wiener Journal, 21. Juli 1929, S. 8. Alice Gurschner: Treßler am Teetisch. Reportage / Erinnerungen in: Neues Wiener Journal, 30. November 1930, S. 14. Paul Althof: Leopold Bauer, seine Anschauung in Wort und Werk. Rezension in: Neues Wiener Abendblatt, 19. Juni 1931, S. 5 (Von neuen Büchern) Paul Althof: Rosa Sunshine gestorben. Die berühmte amerikanische Journalistin und Freundin von Herzl und Nordau. Nachruf in: Neues Wiener Journal, 21. April 1932, S. 8 f. Alice Gurschner: Wein. Miniatur in: Kleine Volks-Zeitung, 6. August 1934, S. 4 (Unterhaltung u. Wissen)

Einzelnachweise

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