mini|St. Alexius St. Alexius ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Herbolzheim, dem namengebenden Stadtteil der 1972 bis 1975 durch Eingemeindungen vergrößerten Stadt Herbolzheim im Breisgau. Die Kirche bildet seit 2015 mit St. Hilarius in Bleichheim und St. Mauritius in Wagenstadt, zwei weiteren Stadtteilen von Herbolzheim, sowie St. Ulrich und St. Achatius in Rheinhausen im Breisgau die Kirchengemeinde und Seelsorgeeinheit Herbolzheim-Rheinhausen.
Geschichte In dem im frühen Mittelalter entstandenen „Flecken“, später „Marktflecken“ Herbolzheim, der 1810 zur Stadt erhoben wurde, gab es zwei Kirchen: die Pfarrkirche St. Alexius im südlichen und die Margarethenkapelle im nördlichen der beiden Siedlungsschwerpunkte an den Schnittpunkten der nord-südlichen Hauptstraße mit Ost-West-Straßen. Beide Kirchen wurden 1320 im Tennenbacher Güterbuch erstmals erwähnt, sind aber älter. Die Margarethenkapelle ist, mehrfach umgebaut und zuletzt von Abriss bedroht, heute als im Wesentlichen gotisches Gebäude restauriert. Sie wird als Museum und Ausstellungsraum benutzt. Im 16. Jahrhundert kam eine Kapelle im Südwesten der Stadt am Nordufer des Bleichbachs hinzu. Ihr barocker Neubau wurde 1666 als Maria in arenis erstmals genanntJenisch, S. 84–85. – die heutige Maria Sand-Kirche. Ursprünglich zum Erzbistum Straßburg gehörig, kam Herbolzheim 1821 zur neu gegründeten Erzdiözese Freiburg. mini|Wappen am Chorbogen (von links): Abtei Ettenheimmünster – Erzbistum Straßburg – oben Österreich, unten von Brandenstein – Abtei Schuttern – Abtei Tennenbach
Ursprünglich lag St. Alexius mitten im Friedhof. Am ersten Adventssonntag 1146 soll Bernhard von Clairvaux hier einem Blinden das Augenlicht wiedergegeben haben.Ludwig Kästle: Des heiligen Bernhard von Clairvaux Reise und Aufenthalt in der Diöcese Konstanz. In: Freiburger Diözesan-Archiv 3, 1868, S. 273–315, hier S. 290. (PDF; 31,4 MB) Abgerufen am 13. November 2021. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde von Reparaturen berichtet. 1661 erhielt der Friedhof ein hohes, schweres Kreuz mit Schindeldach. 1662 konsekrierten Straßburger Weihbischöfe die Kirche und den Friedhof, wohl zum Abschluss von Renovierungen. 1751 berichtete der zuständige Amtmann, dass „es leider eine lands=bekannte Sach sei, wasmaßen das Kirchengebäu zu Herbolzheim nit nur vollkommen ruinos, in vielmehr einem Stall denn einer Kirche ähnlich, sondern auch kaum die Hälfte der dortigen Einwohnerschaft fasse“.Brommer, S. 3. Pfarrer Anton Machleid bestätigte das Übel. Nach Auseinandersetzung mit den baupflichtigen Zehntherren (so den Klöstern Tennenbach, Ettenheimmünster und Schuttern sowie der Familie von Brandenstein) wurden die Reste der alten Kirche abgetragen und Gebeine umgebettet.
Am 29. Oktober 1752 wurde der Grundstein zu einem Neubau gelegt. Architekt, Bauunternehmer und Schreiner war der aus dem Allgäu stammende, in Kenzingen wohnhafte Franz Rudhart (1708–1765).Hermann Brommer: Franz Rudhart (1708–1765). In: Jürgen Treffeisen, Reinhold Hämmerle und Gerhard A. Auer: Die Geschichte der Stadt Kenzingen. Band 2: Mensch, Stadt, Umwelt. Stadt Kenzingen 1999, ISBN 3-9806437-1-9, S. 421–429. Die Herbolzheimer besuchten während der Bauzeit Gottesdienste in der Margarethenkapelle oder in Maria Sand. Am 8. September 1754 wurde die Kirche geweiht. Pfarrer Machleid starb am 12. September 1755 noch vor Vollendung der Innenausstattung. Große Restaurierungen erfolgten 1888–1889 unter Pfarrer Wilhelm Thummel, 1964, 1966, 1980 und zuletzt (innen) 1999 unter Pfarrer Wigbert Steinger (* 1936).
Gebäude Die Kirche, eine Saalkirche mit einem Turm in der Mitte der Westfassade und östlichem Chor mit Fünfachtelschluss, ist aus der Fernsicht das Erkennungsmerkmal des Ortes und beherrscht die südliche Ortseinfahrt. Pilaster an den gerundeten Ecken, ein umlaufender hoher Sockel und ein kräftiges Dachgesims binden den Bau einschließlich Turm und Chor zusammen. Beidseits der Fassade führen Tore zu den schlichten Seitenportalen und zum Friedhof. Die korbbogigen Fenster, jederseits fünf im Schiff und vier im Chor, sind ebenfalls schlicht. Der Kirchturm steigt in drei Stockwerken auf, deren viereckiges mittleres von Voluten gestützt und von einem Gesims abgeschlossen wird, aus dem sich Kreisansätze nach oben wölben. Das oberste, achteckige Stockwerk – das Glockengeschoss – öffnet sich mit balustradengezierten Schallfenstern und wird wieder durch ein Gesims mit Kreisansatz abgeschlossen. Darüber weisen eine Zwiebelhaube, eine Laterne, eine verjüngte Turmzwiebel und ein Kreuz in den Himmel. Auf den Ecken der Fassade stehen urnenförmige Vasen. Ähnlich gestaltete Kirchen Rudharts sind St. Brigitta in Niederschopfheim und St. Martin in Riegel.
Die barocke Kirche steht am Platz des romanischen Vorgängerbaus, besitzt aber die anderthalbfache Grundfläche und eine um etwa 10° gegen den Uhrzeigersinn gedrehte Achse. Der Friedhof wurde beim Bau ganz an den östlich anschließenden Hang verlegt. So ist der Platz zwischen Hauptstraße und Kirche – der Kirchhof, der zur Fassade sanft ansteigt – heute frei. Er bewahrt seine mittelalterliche Form. An ihm lagen im Mittelalter nicht nur die Kirche, sondern auch Gebäude der Ortsherrschaft. Westlich, jenseits der Hauptstraße, lag der Wilginshof: Herrenhof der Grafen von Nimburg, dann der Üsenberger, schließlich der Habsburger und ihrer Statthalter wie der Schmid von Brandenstein. An der Südseite des Kirchhofs lagen, in Resten erhalten, Wirtschaftsgebäude: nämlich die Zehntkelter (Zehnttrotte), in der die Winzer ihre Trauben unter Entrichtung des Zehnt zu pressen hatten, der Zehntkeller zum Lagern des Weins und die Zehntscheune. Nördlich des Kirchplatzes liegen das Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert und das 1790 errichtete, 1887 aufgestockte ehemalige Schulhaus, heute katholisches Gemeindehaus. Der Kirchhof war befestigt. An der Rückfront der südlichen, vielleicht auch der nördlichen Gebäude haben sich Reste einer etwa 10 m hohen Wehrmauer erhalten.Jenisch, S. 71–76.
Aktueller Bauzustand
Am 18. Januar 2023 musste die Kirche komplett gesperrt werden, da man massive Mängel am Dachstuhl festgestellt hatte. Diese liegen sowohl in der konstruktiven Gestaltung des Dachstuhls als auch in einem Schädlingsbefall begründet. Trotz vieler Nachbesserungen hängt der Dachstuhl zwischenzeitlich um bis zu 40 cm durch. Die Sanierung gestaltet sich sehr kompliziert, da die Stuckdecke durch eine komplette Eingerüstung des Innenraumes mit einer Weichsprießung gestützt werden muss und dann das alte Gebälk, an dem die Stuckdecke hängt, durch den neuen Dachstuhl abgefangen werden muss. Die Kosten für einen neuen Dachstuhl sind mit 6,28 Millionen Euro veranschlagt.
Ausstattung Das Westportal ist mit Gitterwerk, Voluten, Vasen und einer Muschel festlich gestaltet. Dort steht – ein Stuckrelief von Johann Michael Winterhalder – der heilige Alexius von Edessa mit Pilgerstab, Reiseflasche und Schlapphut, die Augen zum Himmel gerichtet, aus dem hinter Wolken drei Puttenköpfe herabschauen. Neben ihm steht eine vierte Putte mit Schlapphut und zeigt zu ihm hoch.
Seit der letzten Restaurierung strahlt das Innere wieder. Die Ecken des Rechteckraums sind ausgerundet und die Seitenaltäre schräg vor die Rundungen gestellt. So wird das Auge zum sakralen Bereich des Chors gelenkt. Dazu tragen die Pilaster bei. „Flache Pilaster mit kräftigen Gebälkstücken leiten – zusammen mit den Stichkappen der flachgespannten Decke – den Raum rhythmisch nach vorn, um die eingezogene Chorbogenwand herum zum Hochaltar im Chorschluß. […] Deutlich läßt sich diese Überleitungsabsicht des Architekten an der Weiterführung der kräftigen Pilastergebälkstücke als Umklammerung der glatten, im Sockelbereich nischenartig ausgehöhlten, schrägstehenden Wände des flachgedrückten Chorbogens ablesen.“Brommer, S. 15. Im Westen verbirgt eine abwechslungsreiche Doppelempore das einspringende Turmuntergeschoss. Über diese Architektur hat der Freiburger Stuckateur Franz Anton Vogel Rokokoornamente gelegt, die die Fenster oben und unten, die Apostelkreuze und Deckenbilder rahmen, die Pilasterkapitelle und Emporenbrüstungen bereichern, die Stichkappen auszieren. Vogels Autorschaft ist durch einen Zahlungsvermerk gesichert.Nach Brommer 1984. Nach anderen Autoren stammen diese Rokokoornamente jedoch von dem Stuckateur der Wessobrunner Schule Johann Georg Gigl.Nach Schnell und Schedler 1988 hat Johann Georg Gigl die Stuckaturen im Jahre 1754 erstellt.
Deckengemälde Die Deckengemälde schuf der Freiburger Maler Johann Pfunner.
Schiff In der Achse des Schiffs reihen sich von West nach Ost drei große Bilder. Über der Orgelempore tragen Engel Alexius auf einer Wolke zum Himmel. Auf einem Schriftband steht „ITUR AD ASTRA – er geht zu den Sternen“. Im Hauptbild in der Mitte(6) steht vor strahlendem Sonnenlicht Christus auf Wolken, bereit, mit der rechten Hand drei Lanzen auf die Erde zu schleudern. Auf der Wolke kniet, für die Erde bittend, Maria, darunter knien auf Gebälk der heilige Dominikus mit seinen Attributen, dem Rosenkranz, dem Stern über seiner Stirn und dem Hund mit der brennenden Fackel, sowie der heilige Franz von Assisi, stigmatisiert, mit einem Totenschädel. Engel umgeben die Hauptfiguren. Neben Franziskus hat der Maler mit „Johann Pfunner pinx. 1754“ signiert. Vor dem Chorbogen präsentiert Alexius seine präzise gemalte Herbolzheimer Kirche.(7) Darüber entfalten Engel ein Schriftband „ECCE TIBI SPONSAM UXOREM AGNI – sieh, deine Braut, die Gemahlin des Lammes“.
Jederseits begleiten fünf kleine Bilder die drei großen, thematisch auf die Letzteren bezogen: als westlichstes Paar links Alexius, wie er unerkannt unter der Treppe seines Elternhauses in Rom lebt, bezeichnet „HIS GRADIBUS – unter diesen Stufen“(1) rechts Alexius vor dem Himmelstor, bezeichnet „HAC PORTA – an dieser Pforte“(8) als zweites Paar von Westen links Abigail, wie sie den sein Schwert drohend hebenden König David überredet, ihren Mann Nabal und dessen Leute zu schonen ; das Bild ist gemäß der Einteilung der Septuaginta beschriftet „I. REG. C. XXV – 1. Buch der Könige Kapitel 25“; heute wird das Buch meist als 1. Buch Samuel gezählt(2) rechts die kluge Frau von Tekoa, wie sie mit einem Gleichnis den thronenden David bestimmt, seinen Sohn Abschalom zu begnadigen ; wieder steht „II. REG. C. XIV“ für „2. Buch Samuel Kapitel 14“(9) als drittes Paar von Westen links die Sonne mit der Inschrift „CUNCTIS LUCET – sie leuchtet allen“(3) rechts der Mond als Symbol der Gottesmutter mit einigen Sternen, „PLENA SIBI ET ALIIS – sich und anderen die Fülle“(10) als viertes Paar von Westen links Judith mit dem Haupt des assyrischen Feldherrn Holofernes (4) rechts die gekrönte Königin Ester als Retterin der Juden zur Zeit des Achämenidenkönigs Xerxes I.Alfons Deissler und Anton Vögtle (Hrsg.): Neue Jerusalemer Bibel. 6. Auflage, Verlag Herder, Freiburg 1985, ISBN 3-451-20002-3, S. 626 (Anmerkung). (11) als östlichstes Paar links der Seher der Offenbarung des Johannes, wie er vor Christus kniet, hinter dem sieben Kerzen brennen, aus dessen Mund ein Schwert kommt und der einen Reif von sieben Sternen um die rechte Hand trägt (5) rechts die Vision des Neuen Jerusalem mit zwölf Toren unter zwölf Engeln und dem Lamm Gottes in der Mitte (12)
Chor Im Chor ist ein Hauptbild von je drei kleineren links und rechts umgeben. Das Hauptbild zeigt die Heilige Dreifaltigkeit über dem Erdball: Gottvater im Herrschergestus mit einem Zepter, den Sohn mit dem Kreuz, die Taube des Heiligen Geistes. Um sie schweben Engel, der unterste mit einem Weihrauchfass. Darunter hat Pfunner mit der Jahreszahl 1753 signiert. Pfarrer Machleid kniet klein in der linken unteren Ecke.(3)
Die sechs kleinen Bilder, die westlichen und östlichen in graublauer Grisaillemalerei, beziehen sich auf die Eucharistie: im westlichen Paar fällt links Manna auf die Wüste und ein Zelt der wandernden Israeliten (1) rechts wird Wasser auf einen Altar gegossen(4) im zweiten Paar von Westen