Eduard Michael Joseph Kafka (* 11. März 1869 in Wien;In der Literatur falsch als 1864. Vgl. sein Taufeintrag, Bild 03-Taufe_0195 im Taufbuch † 3. August 1893 in Brünn) war Herausgeber der Zeitschrift Moderne Dichtung (spät. Moderne Rundschau) und Redakteur der Zeitschrift Allgemeine Kunstchronik. Er schrieb auch unter dem Pseudonym Siegwin Freimuth.
Anfänge mini|Moderne Dichtung, Umschlag, 1. Juli 1890Kafka kam als illegitimes Kind der Schauspielerin Maria Theresia Constantin (28. Juli 1848 – 17. Januar 1910 in Wien, Tochter von Michael C. und Maria, geb. Binder) und des Fabrikanten Eduard Kafka (Sohn von Heinrich K. und Carolina Pollak) in Wien zur Welt. Durch Konversion der Mutter zum Judentum (18. Oktober 1869, nunmehr mit Vorname „Sara“) und anschließende Ehe der Eltern am 28. November d. J. wurde er nachträglich legitimiert. Er hatte einen Bruder, Ferdinand, der zum Zeitpunkt seines Todes als Dragoner diente.
Zunächst studierte Eduard Michael Kafka an der Textilschule in Brünn, ehe er sich an der Universität Wien für Staatswissenschaften, Kunstgeschichte und Philosophie einschrieb. Ab 1888 begann er journalistisch aufzutreten. Er stand mit den damals in Paris lebenden Hermann Bahr in einem Briefwechsel, worin er Bahr aufforderte, die „moderne“ Dichtung (des Naturalismus) in Österreich zum Durchbruch zu verhelfen, wenn er schon eine neue Literatur in Österreich begründe.
Moderne Dichtung und Moderne Rundschau mini|Titelblatt, 1. Juli 1890 mini|Anzeige des 1. Hefts der Modernen Rundschau mini|Seitenkopf des ersten Hefts der Modernen Rundschau, 1. April 1891 Mit diesem Ziel gab Kafka ab 1890 in Brünn die Monatsschrift für Literatur und Kritik unter dem Titel Moderne Dichtung heraus. Ab ihrem 2. Jahrgang erschien sie zweimal im Monat als Moderne Rundschau in Wien. In deren erstem Heft bekräftigten die beiden Herausgeber Kafka und Jacques Joachim ihre Absicht, „das gesamte Leben der Zeit in seinen Zusammenhängen zu erfassen und ein getreues Bild zu entrollen der gewaltigen Umwälzung, welche der moderne Geist in unserer ganzen Anschauungswelt hervorgerufen“.
Als Redakteur dieser Zeitschrift fungierte Friedrich M. Fels, Mitarbeiter wurden unter anderem Ludwig Anzengruber, Wilhelm Bölsche, Michael Georg Conrad, Richard Dehmel, Gerhart Hauptmann, Adolf Pichler, Ferdinand von Saar, Felix Salten und Arthur Schnitzler.
Im Dezember 1891 wurde die Zeitschrift eingestellt, die Abonnenten wurden aufgefordert, nunmehr die von S. Fischer verlegte Freie Bühne zu abonnieren: „Mit vorliegendem Heft schließt die ›Moderne Rundschau‹ in ihrer bisherigen Form, um vom 1. Januar 1892 ab als Monatsschrift Freie Bühne für den Entwickelungskampf der Zeit im Verlag von S.Fischer in Berlin zu erscheinen.“
Weiteres Im April 1891 war Kafka einer der Veranstalter des Banketts zu Ehren von Henrik Ibsen anlässlich der Wiener Aufführung der Kronprätendenten. Mit Bahr veranstaltete er 1892 eine Vorstellung von Maeterlincks La princesse Maleine im Theater in der Josephstadt in Wien.
Als Kultur- und Gesellschaftskritiker fand sich Kafka im Naturalismus bestätigt, warnte jedoch vor einem Kultus der Nerven und propagierte eine gesunde, vom Individuum in völliger Freiheit getragene Gesellschaft. Die Lösung sozialer Fragen dachte er sich ohne jede Einflussnahme des Staates. Er kann also als Sozialliberaler angesprochen werden. In diesem Geiste stellte er seiner Zeit die gesellschaftspolitischen Gedankengänge und Umwälzungen der Wiener Revolution von 1848/1849 vor Augen, insbesondere in der Gestalt des Hans Kudlich (Politiker, 1823).
Werke Hans Kudlich und die österreichische Bauernbefreiung. 1888 Hieroglyphen, moderne Märchen. 1890 Der Individualismus. 1891. Moderne Dichtung online
Literatur
Gerd-Hermann Susen (Hrsg.): Wilhelm Bölsche. Briefwechsel mit Autoren der Freien Bühne. Berlin: Weidler Buchverlag 2010 (Briefe und Kommentare), S. 658–665
Weblinks
Hermann Bahr, Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente 1891–1931. Hg. Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller. Göttingen: Wallstein 2018, ISBN 978-3-8353-3228-7 (Verlagspräsentation) Brief Kafkas an Hermann Bahr, 12. August 1891 Briefe Kafkas an Schnitzler. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Hg. Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at//toc_2563.html (Abfrage 2026-03-30)
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur des Naturalismus Kategorie:Zeitungsjournalist Kategorie:Journalist (Österreich) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Geboren 1869 Kategorie:Gestorben 1893 Kategorie:Mann