mini|Fraulautern, Kirche Heiligste Dreifaltigkeit mini|Fraulautern, Heiligste Dreifaltigkeit, Neogotische Kirche von Wilhelm Hector vor und nach dem Fliegerangriff im Zweiten Weltkrieg Die Kirche Heiligste Dreifaltigkeit (auch Dreifaltigkeitskirche) ist eine römisch-katholische Kirche im Stadtteil Fraulautern der Stadt Saarlouis. Sie wurde nach Sprengung der Ruinen der im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstörten neogotischen Vorgängerkirche in den Jahren 1949 bis 1954 erbaut.
Die Dreifaltigkeitskirche gehörte seit 2011 zur neu gegründeten Pfarrgemeinschaft rechts der Saar. Die Pfarreiengemeinschaft bestand gebietsmäßig aus den Saarlouiser Stadtteilen Fraulautern, Fraulautern-Kreuzberg, Roden und Steinrausch mit ihren Kirchen Heiligste Dreifaltigkeit (Fraulautern), St. Apollonia (Fraulautern), St. Josef (Fraulautern-Kreuzberg), Mariä Himmelfahrt (Roden), Christkönig (Roden) und St. Johannes (Steinrausch). Die Pfarreiengemeinschaft war dem Bistum Trier zugeordnet und gründete zum 1. Januar 2023 die Pfarrei Heilige Familie. Das Patroziniumsfest der Fraulauterner Dreifaltigkeitskirche ist das Hochfest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, das am ersten Sonntag nach Pfingsten begangen wird.
Die Dreifaltigkeitskirche wurde nach Gründung der neuen Pfarrei 2023 zur Pfarrkirche erhoben und ist somit Mutterkirche der Orte Fraulautern, Roden und Steinrausch.
Geschichte Ersterwähnung und Klostergründung mini|Fraulautern; noch bestehender romanischer Innengiebel der abgetragenen Klosterkirche; heute Außengiebel der Grundschule mit moderner Schuluhr, die im Zifferblatt die Jungfrau Maria mit dem neugeborenen Jesuskind zeigt Der Ort Fraulautern wurde erstmals in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Ruotbertus (931–956) erwähnt. Hier wird von einer „ecclesia parochialis“ (Pfarrkirche) gesprochen, die wie andere Pfarreien der Umgebung verpflichtet wurde, alljährlich eine Wallfahrt nach Mettlach zur Grabeskirche des heiligen Liutwin im heutigen Alten Turm der Abtei Mettlach zu unternehmen. Die ursprüngliche Urkunde des Bischofs Ruotbertus liegt heute nur noch als Abschrift aus der Zeit des Erzbischofs Albero von Montreuil (12. Jahrhundert) vor und wird inhaltlich durch die Urkunde des Trierer Erzbischofs Theoderich II. von Wied (13. Jahrhundert) bestätigt.
Fraulautern selbst war jedoch schon früher besiedelt. Bei Ausgrabungen gefundene Grabbeigaben belegen eine Besiedelung in der späten Hallstattzeit. Im Jahr 1129 übergab der Adelige Adalbert, der auf dem Gut Tiefenbach im Nachbarort Ensdorf residierte, dem Trierer Erzbischof Meginher von Falmagne seine Besitzungen in Fraulautern, damit dieser Mönche aus der Abtei Mettlach veranlasse, im heutigen Ort Fraulautern eine Kirche und ein Kloster zu bauen.
Die Überlieferung erzählt, dass Adalbert auf der Jagd seinen kleinen Sohn verloren habe, der sich in den großen Waldungen der Umgebung verlaufen hatte. Da alles Suchen nach dem verlorenen Kind erfolglos blieb, machte der verzweifelte Adalbert das Gelübde, dass er an der Stelle, an der er seinen Sohn wieder finden würde, ein Kloster stiften würde. Als man nach zwei Jahren die Leiche des Kindes an der Mündung des Fraulauterner Baches in die Saar fand, erbaute dort der Adelige zur Ehre der Heiligsten Dreifaltigkeit und zur Erinnerung an sein totes Kind eine erste Kapelle, die zur Keimzelle des späteren Klosters Fraulautern wurde. Belegt ist diese Überlieferung in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Hillin von Falmagne aus dem Jahr 1154.
Da die Abtei Mettlach aber zögerte, sich mit einer Filialgründung im heutigen Fraulautern niederzulassen, erwarb Adelbert für 15 Pfund seine Stiftung zurück und schenkte sie dem Trierer Erzbischof Albero von Montreuil, der um das Jahr 1142 in Fraulautern ein Augustiner-Kloster installierte. Erzbischof Hillin von Falmagne setzte im Jahr 1154 ein adeliges Ordenskapitel ein, das am 23. Januar 1155 durch den aus England stammenden Papst Hadrian IV. bestätigt wurde. Der Schutz des Fraulauterner Klosters wurde im Jahr 1249 durch Papst Innozenz IV., im Jahr 1334 durch Papst Johannes XXII., im Jahr 1342 durch Papst Clemens VI. sowie im Jahr 1354 durch Papst Innozenz VI. bestätigt.R. Rudolf Rehanek: Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 1: Die hochadelige Frauenabtei und das Dorf Fraulautern, Saarlouis 1978, S. 17–21.
Um das Jahr 1160 wurde dann die Abtei Fraulautern mit Augustiner-Nonnen besetzt. Das Kloster mit dem Patrozinium der Heiligsten Dreifaltigkeit befand sich am Platze der heutigen Grundschule „Im alten Kloster“. Zu dieser Zeit lebten sowohl Mönche als auch Nonnen in einem Doppelkloster in Fraulautern.R. Rudolf Rehanek: Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 1: Die hochadelige Frauenabtei und das Dorf Fraulautern, Saarlouis 1978, S. 98. Der gebildete Zisterziensermönch und Novizenmeister im Zisterzienserkloster Heisterbach bei Königswinter, Caesarius von Heisterbach, berichtet über das Frauenkloster Fraulautern, dass nur Mädchen unter sieben Jahren aufgenommen worden wären.Caesarius von Heisterbach: Dialogus Miraculorum, Liber VVV, c. 51. Der Frauenkonvent war ein adeliges Damenstift. Das aus dem Jahr 1225 stammende erste Konventssiegel des Klosters zeigt das Symbol der „Heiligsten Dreifaltigkeit“, unter deren Patrozinium das Kloster stand.R. Rudolf Rehanek: Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 1: Die hochadelige Frauenabtei und das Dorf Fraulautern, Saarlouis 1978, S. 234–245.
Erste Pfarrkirche
Für die bäuerliche Bevölkerung des Dorfes Fraulautern wurde im Jahr 1540 anstelle eines früheren romanischen Sakralbaues die heute als Friedhofskapelle in der Lebacher Straße genutzte St. Apollonia-Kirche als Pfarrkirche im spätgotischen Stil neu erbaut und konsekriert. Bei dem Bau des Jahres 1540 blieb der alte romanische Turm bis heute erhalten. Diese Fraulauterner Pfarrkirche, die ursprünglich wie die Klosterkirche das Patrozinium der Heiligsten Dreifaltigkeit trug, wurde vermutlich durch Äbtissin Apollonia von Gressnich (Amtszeit: 1587–1598) zu Ehren ihrer Namenspatronin, der frühchristlichen Jungfrau und Märtyrerin Apollonia von Alexandria umgewidmet. Das Patroziniumsfest der Fraulauterner Kapelle ist der Gedenktag der Heiligen am 9. Februar. Die Kirche war pfarrverwaltungsmäßig mit Wallerfangen zusammen mit St. Barbara und Niederlimberg sowie später mit Beaumarais verbunden. Die Gemarkung trug zur Unterscheidung zum Klosterareal die Bezeichnung „Kirchhofen“. Bis zum Jahr 1814, als man die Fraulauterner Klosterkirche zur Pfarrkirche umwidmete, war St. Apollonia die Pfarrkirche Fraulauterns. Nach schweren Zerstörungen während des Beschusses durch die US-Armee in den Jahren 1944 bis 1945 wurde die St. Apollonia-Kirche unter der Amtszeit des Fraulauterner Pfarrers Josef Gilles (1921 bis 1948) gesichert und unter der Amtszeit des Pfarrers Alois Pyroth (1948 bis 1970) in den Jahren 1953 bis 1954 wieder aufgebaut. Die frühere spätgotische Spitzbogenwölbung des 16. Jahrhunderts wurde dabei durch eine einfache flache Holzdecke ersetzt.R. Rudolf Rehanek: Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 1: Die hochadelige Frauenabtei und das Dorf Fraulautern, Saarlouis 1978, S. 234–237.Die Pfarrkirche "Heilige Dreifaltigkeit" zu Saarlouis-Fraulautern, abgerufen am 21. Juni 2015.
Barocke Klosterkirche wird Pfarrkirche mini|Abtei Fraulautern, Stich um 1865, im Vordergrund die neue Eisenbahnlinie, links die Klostermühle, in der Mitte die barocke Klosterkirche, rechts der Torbau Im Jahr 1739 wurde auf Veranlassung der damaligen Äbtissin Marie-Therèse Freifrau von Saintignon (Amtszeit: 1730–1757) mit dem Bau der barocken Klosterkirche begonnen. Sie entstand an der gleichen Stelle der in den Wirren des 17. Jahrhunderts schwer beschädigten alten Klosterkirche. Die neue Kirche besaß drei Altäre, drei Glocken, drei Kelche und eine Silber-Monstranz. Im Jahr 1787 hatte man ein geschnitztes Chorgestühl anfertigen lassen.
Mit der Flucht der Nonnen am 23. Februar 1791 vor den Truppen der Französischen Revolution und der anschließenden Aufhebung des Klosters endete die jahrhundertelange Klostertradition Fraulauterns. Die umfangreichen Fraulauterner Klostergüter wurden von der französischen Nation beschlagnahmt und zweckentfremdet. Das gesamte Klosteranwesen mit Klostergebäuden, Grundstücken, Steinbrüchen, Mühle, Scheunen, Stallungen, Orangerie, Weiher, Obstanlagen u. a. m. wurde am 1. September 1796 (15. Fructidor des Jahres IV) öffentlich versteigert. Käufer war der Händler Andreas Rouply aus Oberlimberg und dessen Ehefrau Margarethe Fourmann, die insgesamt 24.000 Franken für den Klosterbesitz bezahlten und anschließend einzelne Güter Stück für Stück weiterverkauften. In den ehemaligen Klostergebäuden wurde im Jahr 1817 eine Gerberei eingerichtet. Im Folgejahr 1818 kam eine militärische Kochanstalt, im Jahr 1823 eine Bierbrauerei und später Stallungen, die Pfarrwohnung, eine Gemeindehaus, die Schule, Wohnungen und eine Blechwarenfabrik hinzu. Andreas Rouply veräußerte zu großen Teilen das wertvolle Kircheninventar. Die aufwändige barocke Kirchenvertäfelung des Kirchengestühls aus dem Jahr 1787 und die Gemälde der vier Evangelisten befinden sich heute im Schloss Villeroy de Galhau in Wallerfangen.
Im Jahre 1814 wurde dann die ehemalige Klosterkirche zur Pfarrkirche bestimmt, obgleich sich zum damaligen Zeitpunkt noch sämtliche Klostergebäude im Privatbesitz befanden. Erst am 5. Februar 1818 verkauften der Eigentümer Andreas Rouply und dessen Söhne Michael und Heinrich der damals selbständigen Gemeinde Fraulautern die ehemalige Klosterkirche für 10.000 Franken bzw. 2.520 Taler Preußisch-Courant. Die Gemeinde musste zur Erbringung des Kaufpreises jahrelang in öffentlichen Versteigerungen Bau- und Nutzholz aus den Gemeindewaldungen verkaufen.
Zusätzlich zum Kaufpreis musste die Gemeinde Fraulautern den Söhnen Michael und Heinrich Rouply die Zuerkennung des Gemeinderechtes gewähren und ihnen ein Kirchengestühl für sechs Personen in der Kirche bereitstellen. Die Klosterkirche diente dann 80 Jahre lang als Pfarrkirche. Die Familie Rouply versteigert ab dem Jahr 1820 auf ihrem Gut in Oberlimberg „bei verlöschendem Licht“ (Annahme von Angeboten bis eine Kerze abgebrannt war) Stück für Stück den weiteren Fraulauterner Klosterbesitz.R. Rudolf Rehanek: Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Band 1: Die hochadelige Frauenabtei und das Dorf Fraulautern, Saarlouis 1978, S. 237–241.
Neubauplanungen mini|Fraulautern, Heiligste Dreifaltigkeit, Pfarrhaus mit Fassadenfigur des heiligen Josef mit dem Jesuskind Mit dem stürmischen Wachstum des Dorfes Fraulautern in der Industrialisierung wurde die Klosterkirche für die Bevölkerung allmählich zu klein. Deshalb kam es im Jahr 1885 unter Pfarrer Rischar (bis 1891 in Fraulautern) zum Beschluss, ein neues Kirchengebäude zu errichten. Im März des Jahres 1886 erhielt der aus dem Nachbarort Roden stammende Architekt Wilhelm Hector den Auftrag zur Anfertigung eines Planes und Kostenvoranschlages zur Errichtung einer neuen Kirche für Fraulautern.
In der Amtszeit von Pfarrer Josef Heydinger (1891 bis 1916 in Fraulautern) beschloss man im Jahr 1892, dass die neue Kirche und das Pfarrhaus im Flurstück im „Oberen Wieschen“ in der Puhlstraße errichtet werden sollten. Als weitere Standorte waren ein Platz in der Saarbrücker Straße (beim Haus des Ackerers Schmitt-Lernen) und ein Gelände bei der alten St. Apollonia-Kirche auf dem Friedhof im Gespräch gewesen.
Bau einer neogotischen Kirche
Am 20. August 1893 wurde der Grundstein zum neuen Gotteshaus feierlich gelegt und am 2. Juni 1895 nahm unter großer Anteilnahme der Bevölkerung Dechant Alexander Subtil (1846–1933) die Konsekration des wuchtigen neogotischen Bauwerks vor. Von der alten Klosterkirche zog eine große Prozession durch den festlich geschmückten Ort zur neuen Pfarrkirche.