Hastedt ist ein Ortsteil des Stadtteils Hemelingen in Bremen. Der Ortsteil hatte am 31. Dezember 2015 10.674 Einwohner.
Geografie Hastedt liegt ca. vier bis fünf Kilometer östlich des Zentrums von Bremen am rechten Ufer der Weser. Die benachbarten Stadt- oder Ortsteile sind im Norden die Vahr, im Süden Obervieland, im Westen die Östliche Vorstadt und im Osten der Ortsteil Hemelingen.
Geschichte Der Name Der frühere Name Herstede ist wahrscheinlich auf den Begriff Heeresstätte zurückzuführen, da kriegerische Heere, die die Stadt Bremen belagerten, hier einen günstig gelegenen Ort zur Einquartierung vorfanden. Die Bauern waren den Soldaten schutzlos ausgeliefert.
Das Dorf Das Dorf Hastedt entwickelte sich auf einer Sanddüne, die der ständige Westwind vom natürlichen Sandstrand der Weser über viele Jahrhunderte aufgebaut hatte. Das Land dahinter war bei Überschwemmungen mit fruchtbarem Lehmboden angereichert worden.Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 11 Es wurde 1226 als Herstede zuerst urkundlich erwähnt.
Hastedt gehörte im Mittelalter zum Erzstift Vogtei Langwedel, im 15. Jahrhundert zur Gografschaft Achim und 1649 zu Schweden.
1547, bei der Belagerung Bremens im Schmalkaldischen Krieg, wurde Hastedt sogar völlig zerstört. Große Verluste gab es auch bei der Belagerung Bremens durch die Schweden 1625 bis 1627 im Dreißigjährigen Krieg und 1666 im Zweiten Bremisch-Schwedischen Krieg. Später kamen die französischen Soldaten im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und unter Napoleon (1806–1813).Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 15
mini|Jüdischer Friedhof
Die in Hastedt ansässigen Juden legten 1796 den Jüdischen Friedhof in der Deichbruchstraße an. Offizieller jüdischer Friedhof Bremens wurde er 1803, seit Hastedt Landgemeinde von Bremen ist. Der städtische Friedhof Hastedt um 1814 angelegt und mehrmals erweitert. in seiner heutigen Form entstand er 1900.
Der Straßenname Bei den drei Pfählen erinnert an die frühere Grenze zwischen Bremen und Hastedt. Diese verlief in Höhe der heutigen Stader Straße. Seit Hastedt als Ortsteil zum früher preußischen Hemelingen kam, gehört das Gebiet zwischen Stader Straße und Georg-Bitter-Straße nicht mehr zu Hastedt, sondern zum Stadtteil Östliche Vorstadt. Auch die Hastedter Feldmark, eine früher von den Hastedter Bauern bewirtschaftete Fläche, gehört nicht mehr zu Hastedt, sondern entspricht ungefähr der heutigen Gartenstadt Vahr.
Die Bauern Die ersten Siedler des Dorfes waren Bauern. Schon in den ersten Jahrhunderten n. Chr. gab es wahrscheinlich zwei Bauernhöfe hier, und bis zum 15. Jahrhundert war die Anzahl auf zwölf Höfe angewachsen.Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 20 mini|hochkant=1.4|Karte des Dorfes Hastede 1804 Dann waren es jahrhundertelang elf Höfer, 1820 besaßen T. Gabrade 240, B. Garbade 190, Ehler Cuno 190, Lampe 177, Lahrs 140, Depken 120, Struthoff 114, Hagens 99, Ehler Meyer 80, Kaemena 73 und Bollmann 60 Morgen Land.Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 25
Das Land gehörte bis ins 19. Jahrhundert den Grundherrn, zunächst nur dem erzbischöflichen Hof und dem Domkapitel, später auch dem Rembertistift, dem Johanniskloster, der Komturei und einem Bremer Bürger.Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 25 Die Bauern waren ihren Grundherrn zu Abgaben und Diensten verpflichtet. Erst im 19. Jahrhundert konnten sie sich davon freikaufen und wurden so die Besitzer ihres Landes. Schon bald darauf war die Landwirtschaft im bisherigen Rahmen nicht mehr rentabel, da durch die beginnende Industrialisierung die ehemaligen Arbeitskräfte in den Fabriken mehr verdienen konnten und die Verpachtung des Landes mehr einbrachte als die Bearbeitung. Fast alle großen Bauernhöfe wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Lediglich ein Hof, der um 1912 an einen Zimmermeister Kracke verkauft worden war, überstand den Krieg und wird bis heute als Tischlerei Kracke weitergeführt.
Köthner und Brinksitzer Ab dem 16. Jahrhundert gab es eine zweite Klasse von Landwirten, die „Köthner“. Sie pachteten Land aus der „Gemeinheit“, also dem Gemeinschaftsbesitz der Bauern. Das waren kleinere Grundstücke mit weniger guten Böden, meist am Sodenstich und bis zu 20 Morgen groß. Sie wurden auch „Kohlhöker“ genannt („hökern“ = verkaufen), wenn sie ihre Erzeugnisse am Bremer Markt verkauften. Oft übtern sie zusätzlich noch ein Handwerk aus. In Hastedt gab es 1690 neun Köthner, 1834 waren es vierzehn.
Später kamen als dritte Klasse noch die „Brinksitzer“ hinzu. Diese besaßen noch kleinere Grundstücke sandigen Bodens, zumeist außerhalb des Dorfes am Postweg. Sie galten auch als Kohlhöker, wenn sie ihre Erezeugnisse in der Stadt verkauften, konnten davon aber nicht leben und waren meist auch Handwerker. In Hastedt gab es gab 1803 noch 25, 1834 schon 44 und 1871 dann 173 Brinksitzer. Inzwischen begannen auch die ersten Bremer, sich Sommerhäuser im ländlichen Hastest zuzulegen. Auch diese galten als Brinksitzer.Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 26–28
Neuere Entwicklungen Seit 1803 gehört Hastedt zur damals neu geschaffenen Landgemeinde Bremen und wurde 1902 in die Stadt Bremen eingemeindet. Seit 1951 ist Hastedt ein Ortsteil von Bremen-Hemelingen.
Die Hastedter Heerstraße von der Straße Bei den drei Pfählen bis zur Sebaldsbrücker Heerstraße ist in Bremen die Straße mit der sechsthöchsten Hausnummer (Nr. 447) und die Hauptstraße des Ortsteiles. Sie wurde 1812 ausgebaut und hieß bis 1915 Hastedter Chaussee.
In Hastedt bestand von 1905 bis 1937 ein Botanischer Garten, der vom Bremer Kaufmann und Mäzen Franz Schütte finanziert worden war. Ein Teil des Geländes an der Ecke Osterdeich / Georg-Bitter-Straße blieb unbebaut und es verwilderte.Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 219 Erst nach 2000 wurden beim Bau eines Autohauses die letzten Spuren beseitigt.
Siedlungen und Bauten mini|Die Focke-Wulf-Siedlung von 1938, Bild von August 2012links: Georg-Bitter-Straßeunten: Auf der Hohwischoben: Hastedter Heerstraßerechts: Alfelder Straße Die Focke-Wulf-Siedlung entstand 1938 im Bereich Auf der Hohwisch / Georg-Bitter-Straße und war ursprünglich für Arbeiter der Focke-Wulf-Flugzeugwerke gedacht. Beim Bau wurde in jedes Haus zwei Luftschutzkeller eingebaut.Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 92
Die evangelische Auferstehungskirche Hastedt entstand 1958/59 und die katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth besteht seit 1924.
Einwohnerentwicklung Hastedts EinwohnerentwicklungBis 1995: Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. 2., aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X, ab 2007 Statistisches Landesamt Bremen: Stadtteil Hemelingen, Bevölkerung am 31. Dezember 2013. Daten für 1895:
1780: 326 Einwohner 1812: 756 Einwohner 1823: 1.124 Einwohner 1885: 4.525 Einwohner 1895: 6.120 Einwohner 1905: 7.817 Einwohner 1955: 14.730 Einwohner 1975: 11.593 Einwohner 1995: 10.833 Einwohner 2007: 10.147 Einwohner 2013: 10.444 Einwohner
Wirtschaft 1854 entstand durch den Beitritt von Hannover und Oldenburg zum Deutschen Zollverein eine Zollgrenze, die Bremen und damit auch Hastedt zum Zollausland machte. Dadurch siedelte sich die Industrie zunächst nur im benachbarten Hemelingen an.Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 97 Das angrenzende Hastedt blieb ländlich und wurde zum bevorzugten Wohnort der Fabrikarbeiter, die dort in kleinen Häusern lebten und dazu oft noch ein kleines Stück Gemüseland pachteten.Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 45 Die Gründung des Deutschen Reiches 1871 änderte daran nichts. Auch als Bremen 1888 den Freihafen schuf und dem Zollverein beitrat, verschwand zwar die Zollgrenze zwischen Hastedt und Hemelingen, die inzwischen gewachsene Wirtschaftsstruktur blieb jedoch bestehen.
mini|Kraftwerk Hastedt 1907 kam es zu einer plötzlichen und gleichzeitigen Ansiedlung mehrerer großer Industrieunternehmen: das neu gegründete Automobil- und Motorenwerk NAMAG in der Föhrenstraße die „Bremer Karosserie-Werke Louis Gärtner mbH“, seit 1880 zunächst Produzent von Fuhrwerken in Bremen, verlagerten den Betrieb ebenfalls in die Föhrenstraße die Norddeutsche Waggonfabrik am Quintschlag
Ein wesentlicher Grund war der Bau des Kraftwerks Hastedt 1907 zur Elektrizitätsversorgung. In der Nähe lagen außerdem der Hemelinger Bahnhof, zu dem erst jetzt Anschlussgleise gebaut wurden, sowie der Hemelinger Hafen. Auch Industrieflächen wurden neu geschaffenen, dort gab es zuvor Sanddünen an der Weser und vor dem Abschluss des Osterdeiches 1890 oft überschwemmte Wiesen.
Durch Fusion entstand 1914 aus der NAMAG Hansa-Lloyd. 1915 wurden Teile der ehemaligen NAMAG als Lloyd Dynamowerke ausgegliedert. Dieses Werk besteht noch heute.
1928 übernahmen die Goliath-Werke zunächst den ehemaligen Karosseriebetrieb Louis Gärtner. Nach der Fusion mit Hansa-Lloyd sowie dem Ankauf zusätzlicher Produktionsflächen entstand hier der Automobilproduzent Borgward. In die Räume der 1930 stillgelegten Norddeutschen Waggonfabrik zog 1934 der Flugzeugbauer Focke-Wulf ein.Hastedt – Ein Dorf wird zum Stadtteil, S. 101
Die Hanseatische Silberwarenfabrik siedelte sich 1925 am Osterdeich 241 an. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde sie zum Zulieferbetrieb für die Rüstungsproduktion in den benachbarten Betrieben Borgward und Focke-Wulff.
Durch die Konzentration von Rüstungsbetrieben war Hastedt im Zweiten Weltkrieg ein bevorzugtes Ziel alliierter Luftangriffe. Die Betriebe wurden, wie auch die angrenzenden Wohngebiete, nahezu vollständig zerstört.
1946 entstand auf dem früheren Gelände der Norddeutschen Waggonfabrik die Hansa Waggonbau GmbH, die 1975 in Konkurs ging.
Der stadtnächste Teil des ehemaligen Industriegebietes gegenüber der Straßenbahn-Endstelle, die ehemaligen Borgward-Produktionsstätten, wurde mit dem Einkaufszentrum Hansa-Carré bebaut.Einkaufszentrum Hansa-Carré
Weserwehr und Weserkraftwerk Bremen mini|Weserkraftwerk
Das Weserwehr in Hastedt wurde aufgrund des Staatsvertrages mit dem damaligen Land Preußen 1906 angelegt, um die Flussfahrt mit größeren Schiffen zu ermöglichen und um eine weitere Senkung des Niedrigwasserstandes oberhalb Bremens und des Grundwasserstandes zu verhindern. 1911 wurde der Bau, zu dem auch ein Wasserkraftwerk zur Elektrizitätsgewinnung gehörte, abgeschlossen. Nach der Überschwemmungskatastrophe von 1981 wurde das Weserwehr neu gebaut. Dieser Bau wurde 1993 abgeschlossen. Danach wurde das alte Weserwehr abgerissen. Die danebenliegende Bremer Weser-Schleuse besteht aus zwei Kammern, einer Großschifffahrtsschleuse und einer Bootsschleuse. 2011 ging neben dem neuen Wehr das neue Wasserkraftwerk in Betrieb.
Verkehr Straßen Vor 1800 gab es im Dorfkern vier Straßen, die heute noch existieren. Die heutigen Namen sind Dölvesstraße, Feuerkuhle, Hastedter Dorfstraße und Ehler-Cuno-Weg.
Zu den Feldern der Bauern, also weg von der Weser, führte drei Wege. Im Westen war es der Weg nach Schwachhausen, heute der Straßenzug Bennigsenstraße – Kirchbachstraße. Im Osten die heutige Steubenstraße in Richtung Vahr, beginnerd im Ort als Feuerkuhler, das heute fehlende Zwischenstück wurde nach 1945 mit einem Gewerbegebiet überbaut. Der mittelste Weg dazwischen bestand bis etwa 1910Der mittelste Weg führte entlang der heutigen Brandenburger Straße in das Gebiet der heutigen Emil-Trinkler-Straße. Er wurde um 1910 durch die Hochlegung der Bahnstrecke unterbrochern und danach überbaut. Der Name An der Dornenhöhe, früher ein Feld am mittlersten Weg, ist bis heute für einen Kleingartenweg erhalten geblieben.