Slawinsk (, , ) ist eine Ortschaft in der russischen Oblast Kaliningrad (Königsberg) im Rajon Gwardeisk (Tapiau). Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gwardeisk.

Geographische Lage Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 47 Kilometer nordöstlich der Stadt Kaliningrad (Königsberg) und zwölf Kilometer nördlich von Gwardeisk (Tapiau).

Geschichte mini|Groß Goldbach, östlich von Königsberg und nordnordwestlich der Stadt Wehlau, auf einer Landkarte von 1910 Als Gründer des bis 1946 GoldbachD.Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Goldbach genannten Dorfes soll Helwig von Goldbach gewesen seinSlawinsk - Goldbach bei ostpreussen.net. Er stammte aus dem namensgleichen Dorf Goldbach bei Gotha in Thüringen, war Konventsbruder in Christburg (heute polnisch: Dzierzgoń) und wohl bei der Gefangennahme des Herkus Monte dabei. Aufgestiegen zum Landmeister in Preußen ließ er zwischen 1300 und 1302 das Dorf und die Kirche Goldbach anlegen. Eine – wohl bestätigende – Handfeste stammt aus dem Jahre 1375.

Kurfürst Georg Wilhelm verpfändete 1636 Goldbach an Simon Janßen. 1652 kam es auf gleiche Weise an Anschatz von der Trenck, dessen Familie noch 1692 Pfandgläubiger war.

Am 13. Juni 1874 wurde Goldbach namensgebender Ort und Amtssitz eines neu errichteten AmtsbezirksRolf Jehke, Amtsbezirk Goldbach, der bis 1945 bestand und zum Kreis Wehlau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Am 7. Juni 1889 wurde das kommunalfreie Etablissement Mühle GoldbachD.Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Mühle Goldbach eingegliedert. Bis zum 30. April 1910 unterschied man zwischen den Ortschaften Groß Goldbach und Klein Goldbach, die sich dann zur Landgemeinde Goldbach zusammenschlossen. Diese zählte im gleichen Jahr insgesamt 750 Einwohner.

Am 30. September 1928 vergrößerte sich Goldbach um die Orte Garbeningken (nicht mehr existent) und Groß Köwe (russisch: Sowchosnoje, ebenfalls erloschen) sowie Karpau (heute russisch: Jarki), die eingemeindet wurden. Die Zahl der Einwohner wuchs auf diese Weise bis 1933 auf 1.017 und betrug 1939 noch 952.

Im Jahre 1945 wurde Goldbach in Kriegsfolge zusammen mit dem nördlichen Ostpreußen von der Sowjetunion besatzungsrechtlich in eigene Verwaltung genommen. Der Ort erhielt 1947 die russische Bezeichnung Slawinsk.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Der Ort war bis 2005 Verwaltungssitz eines Dorfsowjets bzw. Dorfbezirks und anschließend bis 2014 Verwaltungssitz einer Landgemeinde. Seit 2014 gehört der Ort zum Stadtkreis Gwardeisk.

Amtsbezirk Goldbach 1874–1945 Zum 1874 errichteten Amtsbezirk Goldbach gehörten anfangs zwölf Gutsbezirke (GB) bzw. Landgemeinde (LG): Name russischer Name Bemerkungen Garbeningken (GB) 1928 in die Landgemeinde Goldbach eingegliedert Groß Goldbach (LG) Slawinsk ab 1910: Landgemeinde Goldbach Groß Keylau (LG) Poddubnoje Groß Köwe (GB) Sowchosnoje 1928 in die Landgemeinde Goldbach eingemeindet Groß Kuglack (GB) Jassenskoje ab 1928: Landgemeinde Kuglack Karpau (GB) Jarki 1928 in die Landgemeinde Goldbach eingegliedert Klein Goldbach (LG) Slawinsk ab 1910: Landgemeinde Goldbach Klein Keylau (LG) vor 1883 in die Landgemeinde Groß Keylau eingegliedert Klein Kuglack (GB) ab 1928: Landgemeinde Kuglack Perkuiken (GB) Nachimowo ab 1923: Landgemeinde Roddau-Perkuiken Perpolken (GB) Belowo 1928 in die Landgemeinde Roddau-Perkuiken eingegliedert Wilhelminenhof (GB) Nachimowo 1928 in die Landgemeinde Roddau-Perkuiken eingegliedert vor 1908: Roddau (GB) Nachimowo ab 1923: Landgemeinde Roddau-Perkuiken Aufgrund der Umstrukturierungen gehörten am 1. Juni 1945 lediglich noch die vier Gemeinden Goldbach, Groß Keylau, Kuglack und Roddau-Perkuiken zum Amtsbezirk Goldbach.

Slawinski selski Sowet/okrug 1947–2005 Der Dorfsowjet Slawinski selski Sowet (ru. Славинский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Slawinski selski okrug (ru. Славинский сельский округ). Im Jahr 2005 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks (mit der Ausnahme von Prigorodnoje, das in die städtische Gemeinde Gwardeiskoje gorodskoje posselenije eingegliedert wurde) in die neu gebildete Landgemeinde Slawinskoje selskoje posselenije übernommen.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Belowo (Белово) Perpolken Der Ort wurde 1947 umbenannt. Chlebnoje (Хлебное) Hubendorf Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Demidowo (Демидово) Groß Uderballen, 1938–1945 „Großudertal“,und Augstupönen, 1938–1945 „Udertal“umbenannt wurde nur Groß Uderballen Der Ort wurde 1947 umbenannt. Dobroljubowo (Добролюбово) Lieblacken Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Jarki (Ярки) Karpau Der Ort wurde 1947 umbenannt. Er verlagerte sich offenbar zum ehemaligen deutschen Ort Garbeningken, der zuvor offenbar zu Belowo gehörte. Jassenskoje (Ясеньское) (Groß) Kuglack Der Ort wurde 1947 umbenannt. Jastrebki (Ястребки) Lischkau Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Kostjukowo (Костюково) Szillenbruch1936–1947 Schillenbruch Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Kruglowka (Кругловка) Neuendorf Der Ort wurde 1947 umbenannt. Lukjanowo (Лукьяново) Szillenberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Luschki (Лужки) Pomauden Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 an den Ort Prigorodnoje angeschlossen. Ossinowka (Осиновка) Stampelken Der Ort wurde 1947 umbenannt. Ostrikowo (Остриково) Groß Fritschienen Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 19755verlassen. Poddubnoje (Поддубное) Groß Keylau Der Ort wurde 1947 umbenannt.Prigorodnoje (Пригородное) Hasenberg Der Ort wurde 1947 umbenannt. Ramenskoje (Раменское) Wilmsdorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Sabarje (Забарье) Moterau Der Ort wurde 1947 umbenannt. Slawinsk (Славинск) Goldbach Verwaltungssitz Sowchosnoje (Совхозное) Groß Köwe Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 an den Ort Slawinsk angeschlossen. Stolbowoje (Столбовое) LindenauDer Ort Lindenau wurde 1947 auch zusammen mit den Orten Adlig Wißritten und Klein Sittkeim als "Kustowka" in den Dorfsowjet Slawjanski im Rajon Polessk eingeordnet. Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Talalichino (Талалихино) Klein Uderballen, 1938–1945 „Kleinudertal“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Wekowoje (Вековое) Klein Grünlauken Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Wolkowo (Волково) Michelau Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Wolnoje (Волное) Klein Birkenfeld Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.

Slawinskoje selskoje posselenije 2005–2014 mini|300px| Die Lage der Landgemeinde Slawinskoje selskoje posselenije im Nordwesten des Rajon Gwardeisk Die Landgemeinde Slawinskoje selskoje posselenije (ru. Славинское сельское поселение) wurde im Jahr 2005 eingerichtet.Durch das Закон Калининградской области от 24 февраля 2005 г. № 502 «О наделении муниципального образования «Гвардейский район» статусом муниципального района и об установлении границ и наделении соответствующим статусом муниципальных образований, находящихся на его территории» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 24. Februar 2005, Nr. 502: Über das Ausstatten der munizipalen Bildung "Rajon Gwardeisk" mit dem Status eines munizipalen Rajons und über das Festlegen der Grenzen und das Ausstatten mit dem entsprechenden Status der munizipalen Bildungen, die sich auf seinem Gebiet befinden) Die Fläche der Landgemeinde Slawinskoje betrug 219,5 km² und umfasste etwa 3.000 Einwohner.

Zur Slawinskoje selskoje posselenije gehörten 20 jeweils „Siedlung“ (russisch: possjolok) genannte Ortschaften, die bis 2005 den beiden Dorfsowjets Slawinski bzw. Borski zugeordnet waren. Im Jahr 2014 wurden diese Orte in die kommunale Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gwardeisk eingegliedert.

Ortsname deutscher Name Ortsname deutscher Name Belowo (Белово) Perpolken Losowoje (Лозовое) Kremittenund Podollen Borskoje (Борское) Schiewenau Malinowka (Малиновка) Biothen und Podewitten Cholmy (Холмы) Adlig Popelken Ossinowka (Осиновка) Stampelken Demidowo (Демидово) Augstupöhnen (Uderhöhe), und:Groß Uderballen (Großudertal) Poddubnoje (Поддубное) Groß Keylau Jablonowka (Яблоновка) Bartenhof Roschtschino (Рощино) Possindern Jarki (Ярки) Karpau Sabarje (Забарье) Moterau Jassenskoje (Ясеньское) (Groß) Kuglack Slawinsk (Славинск) Goldbach Kalinkowo (Калинково) Irglacken Sokolniki (Сокольники) Langendorf Kruglowka (Кругловка) Neuendorf Swenjewoje (Звеньевое) Popehnen Kurgan (Курган) Kuxtern Welikolukskoje (Великолукское) Wargienen

Verkehr An das Straßennetz ist die Ortschaft über die russische Fernstraße R 512 angebunden. Innerorts enden zwei Nebenstraßen, die von Polessk (Labiau) über Iwanowka (Adlig Bärwalde) bzw. von Ossinowka (Stampelken) über Demidowo (Augstupöhnen, 1938–1946 Uderhöhe) kommen.

Eine Bahnanbindung besteht heute lediglich über Gwardeisk (Tapiau) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode) – Teilstücke der einstigen Preußischen Ostbahn zur Weiterfahrt nach Litauen und in das russische Kernland. Bis 1945 war das damalige Goldbach Bahnstation an der nicht mehr betriebenen Bahnstrecke Tapiau–Labiau (heute russisch: Gwardeisk–Polessk) der Wehlau–Friedländer Kreisbahnen.

Kirche

Kirchengebäude Die Kirche GoldbachWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bildnisse ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 82–83 war ein 1706 wiederhergestellter auf das 14. Jahrhundert zurückgehender Saalbau als Feldsteinen und Ziegeln mit vorgesetztem Westturm. Altar, Kanzel und auch Taufengel und Beichtstuhl sollen der Werkstatt des Christian Klodssey entstammen. 1859 wurde die Orgel von Scherweit in Königsberg (Preußen) erstellt.

Die Kirche kam unversehrt durch den Zweiten Weltkrieg. Danach wurde sie jedoch zweckentfremdet und als Lagerhalle genutzt. Der Verfall war vorprogrammiert: das Dach ist in den 1970er Jahren eingefallen, Mauerteile des Kirchenschiffs verschwanden, und so steht heute nur noch die Turmruine mit einigen zu erahnenden Mauerfragmenten.

Kirchengemeinde Goldbach war bereits in vorreformatorischer Zeit ein Kirchdorf,Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 475 in das die Reformation schon bald – bereits 1527 war hier ein lutherischer Geistlicher tätig – Einzug hielt. Mit seinem weitflächigen Kirchspiel gehörte die Pfarrei bis 1945 zum Kirchenkreis Wehlau (heute russisch: Snamensk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. 1925 zählte das Kirchspiel 3.300 Gemeindeglieder.

Heute liegt Slawinsk im Einzugsbereich zweier in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinden: Gwardeisk (Tapiau) und Nekrassowo (Groß Scharlack). Beide sind Filialgemeinden der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Persönlichkeiten des Ortes Balthasar Tilesius (1673–1735), deutscher Jurist

Literatur Goldbach Ostpr. (früher Groß und Klein Goldbach), Dorf, links der Deime, Kreis Wehlau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Goldbach (meyersgaz.org) Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 97–98 (Google Books).