Die römisch-katholische Kirche Sankt Peter und Paul in Eberswalde wurde zwischen 1876 und 1877 errichtet. Das Kirchenensemble im Stil der norddeutschen Backsteingotik entstand nach Plänen des Kölner Architekten Vincenz Statz.Die Chronik von 1938 nennt sowohl den Dombaumeister und Baurath Vincenz Statz (S. 12) als auch Franz Statz aus Berlin als Architekten (S. 16, 24). Franz Statz ist der Sohn von Vincenz, studierte und arbeitete in der fraglichen Zeit in Berlin. Somit kann davon ausgegangen werden, dass Vater und Sohn die Bauunterlagen gemeinsam entwickelt haben. Zumal später Franz Statz weitere Entwürfe lieferte. Die nach den Heiligen Petrus und Paulus benannte Kirche wurde nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verändert wieder aufgebaut und ist seit 1992 als Kulturdenkmal geschützt. Sie gehört zur Pfarrei Heiliger Christophorus Barnim im Erzbistum Berlin.
Lage mini|Südliche Ansicht des Kirchengebäudes vom Weidendamm aus Das vielgliedrige Kirchengebäude von St. Peter und Paul steht westlich des historischen Stadtkerns. Das Ensemble aus dem Gotteshaus, dem östlich anschließenden Gebäude der Neuen Forstakademie (seit dem 21. Jahrhundert Stadtcampus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde), dem südlich gelegenen Park am Weidendamm und dem Denkmal für den Forstwissenschaftler Bernhard Danckelmann sowie das Flüsschen Schwärze bilden ein eigenes städtebauliches Zentrum. Das Gelände der Kirchengemeinde liegt im Straßenkarree Puschkinstraße, Schicklerstraße, Friedrich-Ebert-Straße und Goethestraße. Von der Hochschule ist es durch den Fußweg Am Kienwerder getrennt.
Geschichte
Gemeindegründung
Die katholische Bevölkerung im damaligen Landkreis Oberbarnim war durch Zuzug westfälischer Kaufleute angewachsen und bildete um das Jahr 1847 eine eigene Gemeinde.Chronik 1938, S. 5
Für ein eigenes Kirchengebäude wurden frühzeitig Spendengelder eingeworben. Zunächst erwarb die Gemeinde mit Unterstützung des Kirchenvorstandsmitglieds Andreas Meyer im Jahr 1850 für 1537 Thaler, 8 Groschen und 11 Pfennige ein Grundstück in der Schicklerstraße Nummer 3a. Dort errichtete Maurermeister Schmidt binnen Kurzem ein Missionshaus, das eine Pfarrerwohnung, einen Schulraum und im Obergeschoss einen Kapellenraum beherbergte. Hier feierte am 9. Juni 1851 Pfarrer Kunert aus Wriezen den ersten Gottesdienst für die Eberswalder Gemeinde. Die Baukosten für das Missionsgebäude betrugen 4087 Thaler, 20 Groschen und 1 Pfennig. Das Geld kam durch Bettelbriefe zusammen, davon etwa 22 Prozent vom Lyoner Missionsverein, zu rund 14 Prozent vom Bonifatius-Verein und der Rest aus privaten Spenden.Chronik 1938, S. 7
Nach dem Amtsantritt von Pfarrer Carl Harmuth am 14. September 1851 begann für die katholisch getauften Schulkinder Religionsunterricht, der im 14-täglichen Wechsel im Klassenraum einer protestantischen Schule und in einer Privatwohnung stattfand.
Baugeschichte
Im Jahr 1870 wurde der als „Kirchenarchitekt“ bekannte Kölner Architekt Vincenz Statz für die Ausarbeitung von Bauplänen für das neugotische aus einheimischem Baumaterial zu errichtende Gotteshaus gewonnen. Der Kirchenvorstand genehmigte sie und übertrug dem Berliner Architekten C. Lewedag; die Bauleitung. Vor Ort betätigte sich Maurermeister Schmidt maßgeblich an den Bauarbeiten. Am 24. März 1876 erfolgte der Erste Spatenstich und am 29. Juli die Grundsteinlegung. Nach 15 Monaten Bauzeit, am 8. November 1877 wurde die Kirchweihe gefeiert, zu der Ludwig Freiherr von Schlotheim, Regierungspräsident aus Potsdam, Theodor von Bethmann-Hollweg, Landrat des Kreises Oberbarnim sowie zahlreiche geistliche Würdenträger und Vertreter der Stadtgemeinde erschienen.Chronik 1938, Seiten 11/12
mini|hochkant|Ansicht des Kirchengebäudes um 1910 Das Gotteshaus ist der einzige Kirchenbau von Statz in der damaligen Mark Brandenburg. Während der Bauzeit wohnte der Architekt in Berlin, wohl bei seinem Sohn. Die Baukosten beliefen sich auf 84.000 Mark, von denen der Breslauer Fürstbischof Heinrich Förster 4000 Taler (ungefähr 12.000 Mark) beisteuerte.
Seit dem Jahr 1886 ist das Kirchengrundstück durch einen eisernen Zaun gegen das Straßenland abgegrenzt.Chronik 1938, S. 16
Im Jahr 1894 wurden der aus „wenig wetterfestem Material [bestehende] und daher sehr schadhaft gewordene“ Kirchensockel saniert sowie das Pfarrhaus repariert.Chronik 1938, S. 24
In den 1930er Jahren kaufte die Gemeinde das westlich angrenzende Grundstück hinzu.
Entwicklung der Kirchengemeinde
Am 31. Juli 1891 wurde die katholische Gemeinde Eberswalde zur „ordentlichen staatlich anerkannten Pfarrei“ erhoben.Dokument GK 4462 v. 31. Juli 1891, Regierung: II 1795.4 vom 9. Mai 1892; Errichtungsurkunde als staatlich anerkannte Pfarrei; zitiert in: Chronik 1938, S. 19 Sie umfasste in diesen Jahren etwa 500 Katholiken. Die Volkszählung im Dezember 1895 ergab bereits 728 Gemeindeangehörige, weitere 150 kamen aus dem Umland hinzu.Chronik 1938, S. 27 f
Einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung nahmen der Oberforstmeister Bernhard Danckelmann, der auch langjährig einen Sitz im Kirchenvorstand innehatte, sowie Bernard Altum, ebenfalls Forstwissenschaftler und gleichzeitig langjährig als Priester dem Pfarrer dieser Gemeinde zur Seite stehend. Die Gemeinde ließ zu dessen Ehrung im Bereich der früheren Marienkapelle eine Gedenktafel anbringen.
Später gehörte die Pfarrei zum Archipresbyterat Frankfurt (Oder), mit dessen Gründung 1930 zum Erzbistum Berlin.Chronik 1938, S. 40 Ab 1. Januar 1939 gehörte sie zum Dekanat Eberswalde, das mit diesem Datum aus dem Archipresbyterat Frankfurt (Oder) ausgegliedert worden war.Chronik 1938, S. 55
St. Peter und Paul während der Naziherrschaft
Die Chronik 1938 zählt als Vereine der Gemeinde einen „Jungmännerverein“, Pfadfinder und einen „Katholischen Arbeiterverein“ auf, der sich 1932 noch in „Höchstform“ befunden habe.Chronik 1938, Seiten 44f f. Im Jahr 1934 griff die politische Entwicklung auch in das Eberswalder Gemeindeleben ein. Die Geistlichen betreuten nun Jugendliche in neu eingerichteten Arbeitsdienstlagern und in Landjahrheimen. Die Zahl der Katholiken im Ort sank indessen. Ende des Jahres 1934 war die Gemeinde Gastgeber für 50 Kinder aus dem Saarland, um sie dem Trubel der Volksabstimmung zum Anschluss an das „Großdeutsche Reich“ zu entziehen und die „Verbundenheit des gesamten deutschen Volkes mit ihrem Schicksal zu zeigen“. Zu Ostern des Jahres 1935 beschlagnahmten die Nationalsozialisten erstmals das „Kirchenblatt“, was sich in der Folge mehrfach wiederholte. Die Geheime Staatspolizei überwachte alsbald eine Feierstunde des Arbeitervereins im Stadttheater. Eine im Jahr 1936 beantragte Vergnügungsfeier des Pfarrvereins wurde nicht genehmigt, weil „die Veranstaltung von Vergnügungen nicht Aufgabe konfessioneller Vereine sei“, wie die Begründung lautete. Schließlich vermerkt die Chronik ab 1936 das Verschwinden von Pfadfindern und Frohscharen und die Etablierung von Jungvolk und BDM im Gemeindebild. Das am Fest Fronleichnam übliche Gemeindefest wurde im gleichen Jahr ebenfalls nicht genehmigt.Chronik 1938, S. 49 ff. Nachdem im Juni 1936 ein Wehrmachts-Schützenregiment in Eberswalde stationiert worden war,Ansicht der Regimentskaserne um 1940 Bilder 32 und 33 aufrufen übertrug man Pfarrer Mirachi deren seelsorgliche Betreuung. Er begrüßte die rund 600 katholischen Armeeangehörigen am 2. August „als Bollwerk zum Schutz des Vaterlandes und des Glaubens“. In dieser Zeit durften Beamte nicht mehr Mitglieder in katholischen Vereinen und arbeitende Frauen nicht Mitglieder im katholischen Mütterverein sein.Chronik 1938, S. 53 Zum Ende des Jahres 1937 untersagten die Stadtoberen schließlich den Kirchengemeinden den Religionsunterricht in Schulen. Als weiteres Zugeständnis an den Zeitgeist hielt der Pfarrer anlässlich des Tages der Arbeit, wie die Feier zum Ersten Mai nun hieß, vor Beginn des Aufmarschs einen Gottesdienst für die Teilnehmer. Am 15. Dezember 1937 wurde das Kirchenblatt gänzlich eingestellt und die bisherigen Bezieher erhielten die Mitteilung: „Durch Verfügung der Geheimen Staatspolizei ist das Kirchenblatt auf unbestimmte Zeit verboten worden. […]“Chronik 1938, S. 57. Fremdnutzungen des Gotteshauses oder der Nebengebäude aus dieser Zeit bis zum Ende des Krieges sind nicht bekannt geworden.
Zerstörungen in den 1940er Jahren und Wiederaufbau
Das Altstadtzentrum von Eberswalde, einer Stadt mit drei Rüstungsbetrieben, wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs durch Bombenangriffe und bei den letzten Kämpfen zerstört. Die drei Gotteshäuser im Stadtzentrum erlitten starke Schäden, andere aufragende Gebäude brannten aus oder die oberen Etagen stürzten ein. Von St. Peter-und-Paul waren der Kirchturm und der Südgiebel des Haupthauses zerstört, auch die Orgel wurde durch einen Brandschaden unbrauchbar.
Der Turm erhielt um 1946 als Notmaßnahme ein niedriges hölzernes Flachdach, die zerstörten Fenster und Wandteile wurden durch Pappen und Bretter geschützt. Erst um 1950 wurden der Turm neu aufgemauert und die Südfassade ausgebessert. Die Mauerreparaturen sind teilweise durch die helleren Stellen erkennbar. Auch neue Kirchenfenster wurden eingesetzt, wie unter Kirchenschiffe dargestellt.
In den 1970er Jahren und danach erfuhr der Kirchenraum eine umfangreiche bauliche Veränderung entsprechend den Empfehlungen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das führte vor allem zur Umgestaltung des Altarraums und einer vereinfachten Farbgebung. Ab den späten 1990er Jahren konnte einiges auf den ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden.
Im 20. Jahrhundert veränderte die Stadtverwaltung die Hausnummern in der Schicklerstraße, sodass aus den früheren Grundstücken Nummer 3/3a nun die Nummer 7 geworden ist.
St. Peter und Paul nach 1990
Das Erzbistum Berlin und die Gemeinde selbst brachten ab den 1990er Jahren einige Instandhaltungsmaßnahmen ihrer Gotteshäuser auf den Weg, darunter Dach- und Fassadensanierungen sowie Erneuerung des Inneren der Kirchenschiffe und der Technik wie Läutewerke, Orgeln oder Heizung.
Zum 1. November 2003 fusionierten die vier katholischen Gemeinden aus Eberswalde, Finow, Bad Freienwalde und Wriezen zur Pfarrgemeinde St. Peter und Paul Eberswalde. Seitdem gehörten etwa 2100 Personen zur Kirchengemeinde (Stand im Jahr 2013) mit einem Einzugsgebiet auch aus dem Umland der vier Städte, das sich von Marienwerder im Nordwesten, Friedrichswalde im Norden, der Oder im Osten, Neuhardenberg im Südosten und Heckelberg im Süden erstreckt. Am 1. Januar 2021 fusionierte die Pfarrei St. Peter und Paul mit den Pfarreien Herz Jesu (Bernau), Mater Dolorosa (Berlin-Buch) und St. Konrad (Wandlitz) zur Pfarrei Heiliger Christophorus Barnim. Die Pfarrkirche ist die Herz-Jesu-Kirche in Bernau.Pfarrei Heiliger Christophorus Barnim. erzbistumberlin.de
Architektur
Kirchenschiff mini|Gewölbedetail in der Kirche
Das Kirchengebäude erhebt sich über einem kreuzförmigen Grundriss mit den Innenmaßen 13,80 m breit und rund 21 m lang. Es wurde vollständig aus rotem märkischen Backstein aufgemauert. Das Hauptschiff wird mit einem Kreuzgewölbe abgeschlossen, verklinkerte Säulen grenzen die Schiffe voneinander ab.Alle Maßangaben gemäß Bauzeichnungen im Archiv der Pfarrei. Beide Außengiebel des Querschiffs bilden einen Staffelgiebel und beide Fassaden sind mit großen Rosettenfenstern verziert. Der Kirchenraum erhält Tageslicht durch Spitzbogenfenster. Ursprünglich vorhandene Bleiglasfenster wurden in zeitgemäßer Form erneuert, wobei die Giebelrosetten mit buntem Kessel- oder Topfglas (auf dem Tiegelboden ausgehärtete Glasschmelzreste) versehen wurden, das mittels Betonverguss zu mosaikartigem Aussehen gelangte.
mini|hochkant|links|Turmseitiger Haupteingang mit Türschmuck