mini|Mosaik Johannes’ des Täufers mit der Inschrift Ό άγιος Ιω[άννης] ό Πρόδρομος („der heilige Johannes der Vorläufer“) in der Hagia Sophia in Istanbul, 12. Jhd. mini|Die Taufe Christi, französische Miniatur, um 1165 (Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin) mini|Taufe Christi, kappadokisches Fresko, 12. Jhd. mini|Hl. Johannes der Täufer von Hans Multscher, um 1459 (Bayerisches Nationalmuseum, München) mini|Johannes d.T. mit Engelsflügeln und 18 Szenen aus seinem Leben. Schule von Nischni Nowgorod, 16. Jhd. mini|Statue Johannes’ des Täufers unterhalb des Papstaltares in der ihm geweihten Lateranbasilika, 18. Jhd.

Johannes der Täufer, lateinisch Ioannes Baptista (geboren etwa 5 v. Chr.; gestorben um 30 bzw. vor 36 n. Chr. in Machaerus), war ein jüdischer Bußprediger, der um 28 n. Chr. in Galiläa und Judäa auftrat. Er wirkte im antiken Judentum und hatte auch in der jüdischen Diaspora Anhänger. Seine Historizität wurde teils auch bestritten, wird aber nach heute vorherrschender Ansicht durch den jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus bestätigt.

Johannes wird im von Urchristen in griechischer Sprache verfassten Neuen Testament als Prophet der Endzeit mit eigener Anhängerschaft und Wegbereiter Jesu Christi dargestellt. Deswegen verehren ihn viele Kirchen als Heiligen. Die Mandäer führen ihre Religion auf ihn zurück und sehen ihn als ihren wichtigsten Propheten. Im Koran, der heiligen Schrift des Islam, ist Johannes bzw. Yahya der drittletzte Prophet vor ʿĪsā ibn Maryam (Jesus) und Mohammed (Sure 3,39).

Quellen Quellen für mögliche Informationen zu Johannes dem Täufer sind die vier Evangelien des Neuen Testaments, die Apostelgeschichte des Lukas und der Abschnitt Antiquitates Judaicae XVIII 5, 2 von Flavius Josephus.Josephus. Jüdische Altertümer XVIII, 5.2: ed. Karl Ernst Richter, S. 141; ed. Benedikt Niese, S. 161, Zeile 20–21 (archive.org); Englisch von William Whiston (gutenberg.org) Ihre Darstellungen unterscheiden sich stark und spiegeln Aussageabsichten der Verfasser wider:

Nach erscheint Johannes als Vorläufer und Wegbereiter Jesu, den das Markusevangelium als Sohn Gottes und Menschensohn darstellt. Texte wie par. sowie par. sind wort- und bildgewaltige Drohpredigten, die das nahe Endgericht Gottes verkünden. Sie lassen Johannes als apokalyptischen Bußprediger erscheinen. Sie werden der hypothetischen Logienquelle Q zugeordnet, die aus übereinstimmenden Texten der Synoptiker erschlossen und deren schriftliche Fixierung oft auf 40 bis 60 datiert wird. , ein Teil der Weihnachtsgeschichte, stellt die Ereignisse vor Johannes’ und Jesu Geburt weitgehend parallel dar: Ihre Geburten werden von einem Engel als Gottes Erwählung und Sendung zur endgültigen Befreiung ganz Israels angekündigt. Die Jesus-Begebenheiten überbieten jedoch jeweils die Johannes-Begebenheiten.Heinz Schürmann: Das Lukasevangelium, Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament III 1, Herder, Freiburg 1969, S. 25 In und erscheint der Täufer hauptsächlich als erster und entscheidender Zeuge für Jesus, den fleischgewordenen Logos und Überwinder des gottfeindlichen Äons.Überblick über die verschiedenen Täuferbilder bei Josef Ernst: Johannes der Täufer. Der Lehrer Jesu? In schickt Johannes seine Jünger zu Jesus mit der Frage, ob er der Erwartete sei. Jesus lobt Johannes und bezeichnet ihn als den Boten, der auf ihn selbst hinweisen solle. Bei Flavius Josephus erscheint Johannes als asketisches Vorbild, das die Vorschriften der Tora für einen Nasiräer einhält und Juden zu wiederholten Reinigungsbädern anhält. Die Endgültigkeit seiner Taufe als letzte Chance zur Umkehr, die die urchristlichen Texte betonen, fehlt hier.

Name Nach bekam Johannes seinen Vornamen aufgrund des Auftrags des Engels Gabriel an seinen Vater Zacharias. Dem leisteten Zacharias und Elisabet Folge, obwohl die Nachbarn und Verwandten den neugeborenen Jungen nach seinem Vater benennen wollten ().

Der Name Johannes, , geht auf den in der Antike verbreiteten hebräischen Vornamen zurück und bedeutet „der ist gnädig“.

Bereits im Neuen Testament wird sein Name wiederholt mit dem Beinamen „der Täufer“, , genannt ( u. ö.), eine Formulierung, die auch Josephus nutzt. Lediglich in wird der Beiname als Partizip , „Johannes, der Taufende“ verwendet. Die Vulgata gibt seinen Namen als Ioannes Baptista wieder.

Im Hebräischen lautet der Name , .

Geburt und Kindheit mini|Elisabeth stillt den neugeborenen Johannes, Klosterneuburger Evangelienwerk, ca. 1340

Von geringem historischen Gewicht dürften die Erzählungen über die Geburt und Kindheit des Täufers in sein. Hier vermuten manche Theologen Personallegenden aus dem Kreis der Täuferverehrer, die die spätere Bedeutung des Täufers schon auf die Ereignisse um die Geburt und Kindheit des Johannes übertragen und mithilfe alttestamentlicher Motive ausmalend veranschaulichen wollen.Vgl. Müller 2002, Johannes 13. Doch sind auch diese Texte für eine historische Rekonstruktion keineswegs unergiebig. Nach wird Johannes vor seiner Geburt vom Engel Gabriel als ein von Wein und berauschenden Mitteln abstinenter Mann angekündigt. Diese Weinaskese kann nach als für Propheten charakteristisch gedeutet werden.

Wahrscheinlich stammte Johannes aus priesterlichem Geschlecht: Nach Darstellung des Lukasevangeliums war Johannes der Sohn des Priesters Zacharias aus der Priesterklasse Abija und der Elisabet aus dem Geschlecht Aarons . Da die Priesterklasse Abija eine der unbedeutenderen der 24 Priesterklassen war, könnte es sich durchaus um eine zuverlässige Angabe handeln.

Geboren wurde Johannes nach „zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa“; dieser regierte von 38 v. Chr. bis 4 v. Chr. In erfährt der Leser als Wohnort der Elisabet: „eine Stadt im Bergland von Judäa“. Schon diese unpräzisen Angaben weisen auf das geringe historische Interesse des Verfassers hin, dem wesentlich an einer Aussage auf der theologischen Bedeutungsebene gelegen ist.Zum reichen Aussagegehalt der theologischen Bedeutungsebene vgl. Willibald Bösen: In Betlehem geboren. Die Kindheitsgeschichten der Evangelien.

Von ausgehende Spekulationen über einen Qumran-Aufenthalt des jungen Johannes lassen sich historisch nicht verifizieren. Bei der Angabe „lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten“ dürfte das Motiv des Aufenthalts und Wirkens in der Wüste, das den Täufer als Propheten kennzeichnet, auf die Zeit vor seiner Berufung vorgezogen worden sein.Vgl. Josef Ernst: Johannes der Täufer. Interpretation, Geschichte, Wirkungsgeschichte. Β ΖAW 53. de Gruyter, Berlin 1989, ISBN 3-11-011707-X, S. 276 ff. ().

Zeit und Ort des Auftretens mini|Judäa, Samaria, Galiläa und Peräa zur Zeit des Herodes, Klientelkönig von ca. 39 v. Chr. bis 4 v. Chr.

Nach Angaben in Lk beginnt das Auftreten des Johannes „im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius“ , was auf die Jahre 27–29 n. Chr. verweist. Das 15. Regierungsjahr von Tiberius war im Jahre 27/28 oder 29/30 n. Chr., je nachdem ob man seine Regierungsjahre ab dem Zeitpunkt seiner Mitherrschaft mit Augustus (Frühjahr 13) oder ab dem Zeitpunkt seiner Alleinherrschaft (August 14) rechnet. Die Unschärfe der Datierung ergibt sich auch aus der Unsicherheit, ob der Autor das Jahr nach der im Orient gebräuchlichen seleukidischen oder der römischen Zeitrechnung beginnen ließ.Ausführlicher zur Datierung in vgl. Josef Ernst: Das Evangelium nach Lukas, S. 106 f.; Ludwig Neidhart: Als die Zeit erfüllt war, in Brücke zum Menschen 133, 1/1998, , S. 18–20.

Die biblischen Ortsangaben geben einen widersprüchlichen Befund über den Ort des Auftretens des Täufers: in der Wüste am Jordan , in der Wüste von Judäa , Betanien, jenseits des Jordans oder in Aenon bei Salim . Reisegruppen wird in heutiger Zeit sowohl am Westufer des Jordans (Westjordanland) wie am Ostufer (Jordanien) die „authentische“ Taufstelle präsentiert. Die besseren Argumente dürfte aber die jordanische Ostseite für sich beanspruchen. Nur dort, im Peräa der Bibel, hatte Herodes Antipas das Recht, den Täufer gefangenzusetzen (; Jos Ant XVIII 5,2); auch alttestamentliche Traditionen scheinen bei der Ortswahl für Johannes eine Rolle gespielt zu haben (; ). Erst in späteren Jahrhunderten wurde die Taufstelle vor allem aus praktischen Gründen am westlichen Jordanufer lokalisiert; frühestes Zeugnis für diese Tradition ist das berühmte Mosaik von Madaba (6. Jahrhundert), die älteste erhaltene Karte Palästinas.Zur Lokalisierung der Taufstelle vgl.: Hartmut Stegemann: Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus. Herder-Spektrum 4128. Herder, Freiburg 1993, ISBN 3-451-04128-6, S. 294 ff. (, nach Login vollständig einsehbar)

Öffentliches Wirken und Hinrichtung Das öffentliche Wirken mini|Johannes d. T. in der Wüste, Gemälde des Berner Nelkenmeisters, um 1490 (Kunsthaus Zürich) mini|Taufe Christi, Joachim Patinir, um 1515 (Kunsthistorisches Museum Wien)

Etwa um die Jahre 27/28 oder 29/30 n. Chr. begann Johannes der Täufer sein öffentliches Wirken. Sein Hauptwirkungsgebiet war im damaligen Peräa auf der anderen Seite des Jordans gegenüber von Jericho. Er führte ein betont asketisches Leben – laut soll er sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt haben. Er predigte im Stil der alten Propheten und taufte (die Taufe bestand damals in einem Eintauchen ins Wasser, vgl. Wortherkunft). Johannes rief zur Umkehr auf und kündigte das Kommen des Gottesreiches und „eines Stärkeren“ zum endzeitlichen Gericht an (; ). Damit gilt er im Christentum als Wegbereiter der unmittelbar bevorstehenden Ankunft des Messias und wird mit Elija in Verbindung gebracht.

Die Anhängerschaft von Johannes war zahlreich, darunter auch Jesus von Nazaret, der sich durch ihn taufen ließ.Walter Kasper: Jesus der Christus. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1974, ISBN 3-7867-0464-3, S. 77 unter Verweis auf Rudolf Bultmann: Geschichte der synoptischen Tradition, Göttingen 1921, S. 261 ff.;Martin Dibelius: Die Formgeschichte des Evangeliums. 2. neubearbeitete Auflage. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1933, ;Fritzleo Lentzen-Deis: Die Taufe Jesu nach den Synoptikern. Frankfurter theologische Studien 4. Knecht, Frankfurt a. M. 1970, ISBN 3-7820-0097-8.Jürgen Becker: Jesus von Nazaret (= de Gruyter Lehrbuch). de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-014882-X, S. 60–62 () Johannes und Jesus gehören mit ihrer Gerichtsbotschaft zur prophetischen Tradition Israels und standen damit außerhalb der jüdischen Gruppen ihrer Zeit, die auch keine Taufe kannten. Jesus scheint mit Billigung des Johannes am Jordan getauft zu haben (; ).

Auf die Frage von im Dienste der Herodesdynastie stehenden jüdischen Soldaten: Was sollen wir tun? antwortete Johannes: Tut niemandem Gewalt an, erpresst niemanden und begnügt euch mit eurem Solde . Viele dieser Soldaten wurden Anhänger des Johannes. Ein Teil der Anhängerschaft des Johannes schloss sich nach dessen Tod Jesus von Nazaret an (z. B. ). In der späteren Geschichte findet man die Johannesjünger unter dem Namen Mandäer wieder.

Gefangennahme mini|Gefangennahme des Täufers, Bronzerelief von Lorenzo Ghiberti, 1427, Florenz

Herodes Antipas war verheiratet mit Phasaelis, der Tochter des Nabatäer-Königs Aretas IV. Später vermählte er sich noch mit Herodias, der Frau seines Halbbruders Herodes Boethos, der im Neuen Testament „Philippus“ genannt wird (wohl ein Beiname). Um Herodias heiraten zu können, verstieß Herodes Antipas seine erste Frau Phasaelis.