mini|hochkant|Zirkulationsofen der St. Wilhelmshütte, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Die St. Wilhelmshütte war ein 1739 gegründeter montanindustrieller Betrieb bei Suttrop und Warstein. Sie ging 1873 in der Aktiengesellschaft der Warsteiner Gruben- und Hüttenwerke auf. Durch Fusion entstanden daraus 1925 die Warsteiner und Herzoglich Schleswig-Holsteinischen Eisenwerke. Der Schwerpunkte der hinzugekommenen Betriebe lag in Schlesien. Nach dem Verlust der Betriebe in Schlesien nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen in Warsteiner Eisenwerke umfirmiert. Der Betrieb bestand bis 1967.

Die Hütte spielte als Arbeitgeber für Warstein, Suttrop und die Dörfer der Umgebung eine wichtige Rolle. Gehörte der Betrieb in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch zu den bedeutenden Unternehmen der Branche, geriet er insbesondere als Folge der schlechten verkehrsgeographischen Lage in eine tiefe Strukturkrise. Die akuten Probleme konnten nach harten Einschnitten überwunden werden und die Fusion mit anderen Betrieben waren Zeichen einer gewissen unternehmerischen Dynamik. Am Standort Warstein-Suttrop blieb das Wachstum aber begrenzt.

Vorgeschichte mini|Der Bereich Oberhagen mit Stollenmundloch und Eisenhütte. Die Karte von 1630 gibt dabei nicht die Lage der Anlagen nach 1739 wieder Die Eisenverarbeitung und -erzeugung geht um Warstein auf das Mittelalter vielleicht sogar auf die Latènezeit zurück. In der Gegend sind Reste von Rennöfen belegt. Die Grafen von Arnsberg belehnten die Ritter von Suttrop und später andere Familien mit einem Schmiedewerk. So belehnte Gottfried IV. 1364 einen Johann von Hückelheim unter anderem mit den Schmiedewerken.Josef Bender: Geschichte der Stadt Warstein, Werl 1844, S. 105 f. Auch in der frühen Neuzeit spielten Eisenerzeugung und -verarbeitung eine Rolle. Bei der Belagerung der Täufer in Münster sollen 1534/35 Kanonenkugeln aus Warstein eingesetzt worden sein. Die Hammerschmiede des Ortes spezialisierten sich auf die Herstellung von Nägeln und Stiften. In der Stadt soll es nach dem Dreißigjährigen Krieg etwa 20 derartiger Produktionsstätten gegeben haben. Das nötige Eisen lieferten örtliche Hütten. Im westfälischen Lagerbuch heißt es dazu für 1649: Lagerbuch des Herzogtums Westfalen, Auszug der Abgaben zu Berg-, Hütten- und Hammerwerken Regest online Der Holländer Jakob Forckenbeck kaufte 1659 eine verfallene Betriebsstätte und ließ daneben einen Stahlofen bauen. Dem Unternehmen war (im Gegensatz zu Forckenbecks Messinghammer) kein Erfolg beschieden.

Erstes Jahrhundert Kurfürst Clemens August von Bayern verlieh 1739 Matthias Gerhard von Hoesch den Bergbau rund um Warstein. Dieser sagte zu, Eisenhütten, Hammerwerke und Verarbeitungsbetriebe anzulegen. Für den Bau einer Eisenhütte in Suttrop Eisenhütte bey Suttrop ohnweit Warstein erhielt Hoesch Privilegien. Er brauchte fünf Jahre lang keinen Zehnt zahlen und seine Arbeiter waren von Grund- und Reallasten befreit.Winfried Reininghaus, Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Münster 2008 S. 402.Text der Urkunde in: Geschichte der Warsteiner Gruben- und Hüttenwerke Aktiengesellschaft. Typoskript, 1938, S. 16. Von Hoesch ließ 1740 bei Suttrop eine Eisenhütte in der Nähe von Eisenlagerstätten im Bereich Oberhagen erbauen. Direkt damit verbunden war die Eisengrube Rom (). Im Jahr 1744 kaufte er weitere Grundstücke und Waldungen hinzu. Man verhüttete Eisen verhüttet und stellte Produkte aus Gusseisen her. Er plante ab 1740 die Errichtung eines Eisenhammers und vollendete 1744 das Vorhaben. Der Hammer wurde in Richtung Belecke errichtet. Das neue Werk nutzte die Wasserkraft der Wäster für den Betrieb der Hämmer und Walzen. Später ließ von Hoesch auf dem Hüttengelände einen zweiten Hochofen und möglicherweise an anderer Stelle einen dritten Hochofen errichten. In einem wurde Eisen für die Eisenhämmer geschmolzen. In dem anderen wurde Gießereieisen für die Eisengießerei der Hütte produziert. Der dritte diente als Reserve. Durch die Heirat der Tochter Henritte Helene von Hoesch († 1808/09) mit Heinrich Theodor von Hallberg (1725–1792) ging der Besitz in die Hände der Familien von Hallberg über.Geschichte der Warsteiner Gruben- und Hüttenwerke Aktiengesellschaft. Typoskript, 1938, S. 18–21, Dietmar Lange: Warsteiner Eisenhütte vor 250 Jahren gegründet. 1967 kam das Aus. In: Sauerland 4/1989, S. 127.

Das Unternehmen profitierte im 18. Jahrhundert von der Nähe der Eisengruben und von den Weiterverarbeitungsmöglichkeiten auf den Hammerwerken bei Warstein. Ein Problem war die Holzkohleversorgung. Von Hoesch setzte 1750 beim Landesherren durch, dass er das nötige Kohlholz aus den landesherrlichen Marken des Arnsberger Waldes in der Umgebung entnehmen durfte. Er hatte das Recht auf die Entnahme von 26.000 Fuder Holzkohle zu günstigen Preisen. Die landesherrliche Forstverwaltung in Arnsberg versuchte dies zu behindern und wurde vom Kurfürsten ermahnt, Hoesch zu fördern. Die Aktivitäten von Hoesch und seinem Faktor Nottebohm zahlen sich offenbar aus, gehörten sie doch während des Siebenjährigen Krieges bei einer Sonderveranlagung von Montanunternehmern zu denjenigen, die die höchsten Abgaben zahlten.Winfried Reininghaus, Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Münster 2008 S. 402. Allerdings reichten die Rohstoffvorkommen nicht aus und es wurde schon im 18. Jahrhundert zusätzlich Erz vom Briloner Eisenberg bezogen.Wilfried Reininghaus: Salinen, Berg- und Hüttenwerke, Gewerbe und Handel im Herzogtum Westfalen. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 727, Stefan Gorißen: Ein vergessenes Revier. Eisenerzbergbau und Eisenhüttenwesen im 18. Jahrhundert. In: Karl-Peter Ellerbrock/Tanja Bessler-Worbs (Hrsg.): Wirtschaft und Gesellschaft im südöstlichen Westfalen. Dortmund, 2001, S. 42.

+ Beschäftigte 1836Geschichte der Warsteiner Gruben- und Hüttenwerke. Typoskript, 1938, S. 53. Anzahl Tätigkeit22Bergleute40Köhler8Hammerschmiede6Schreiner8Schmiede18Hochofen12Tagelöhner16Sandformer6Lehmformer10Fuhrleute20Steinklopfer178Gesamt

Friedrich August Eversmann gab 1804 an, dass die Hütte das Erz von benachbarten Gruben erhielt und in 12 Stunden 12 Zentner Gusswaren und andere Produkte produzieren würde. Die Waren würden nach Bielefeld und Lippstadt geliefert.Friedrich August Eversmann: Übersicht über die Eisen- und Stahlerzeugung auf Wasserwerken in den Ländern zwischen Lahn und Lippe. Dortmund 1804, S. 358.

Die eigentliche Hochofen-Belegschaft war vergleichsweise klein. Die Hütte gab aber zahlreichen weiteren Menschen Beschäftigung. Einen Hinweis auf den großen Bedarf an Holzkohle ist die Zahl von 40 Köhlern, die von der Hütte beschäftigt wurden. Bedeutung hatte noch im 19. Jahrhundert die Nachfrage nach Halbfertigwaren durch die Nagelschmiede aus Warstein. Dieses heimgewerbliche Gewerbe wurde insbesondere von kleinen Landwirten zur Sicherung ihrer Existenz und zum Erhalt ihres Besitzes im Winter betrieben.Geschichte der Warsteiner Gruben- und Hüttenwerke Aktiengesellschaft. Typoskript, 1938, S. 53 f.

Die Familie von Hallgarten verkaufte 1835 Hütte und Eisenhämmer an Johann Kremer, Christoph Anton Koch, Wilhelm und Carl Clerck. Diese bildeten die Firma Kremer, Koch& Clerck. Die Hütte wurde wohl nach der auf dem Werkgelände stehenden Kapelle St. Wilhelmshütte genannt. In der dortigen Kapelle wurde vor Anblasen eines Hochofens stets eine Messe gelesen. Später wurde der Bau abgebrochen und auf dem Gelände der psychiatrischen Kliniken wieder auf gebaut.

Im Jahr 1840 erwarb der aus Dortmund stammende Wilhelm Hammacher ein Viertel des Unternehmens. In den folgenden Jahren kamen weitere Anteile hinzu und er wurde zur bestimmenden Persönlichkeit des Unternehmens. Das Unternehmen firmierte nunmehr unter Gewerkschaft der St. Wilhelms Hütte. Maßgeblich auf ihn gehen die Maßnahmen zur Modernisierung des Unternehmens in den folgenden Jahren zurück.Dietmar Lange: Warsteiner Eisenhütte vor 250 Jahren gegründet. 1967 kam das Aus. In: Sauerland 4/1989, S. 127, Theodor Thüsing: Die wirtschaftliche Entwicklung des Kreises Arnsberg unter besonderer Berücksichtigung der letzten 50 Jahre. Diss. Münster, 1920, S. 55, Geschichte der Warsteiner Gruben- und Hüttenwerke Aktiengesellschaft. Typoskript, 1938, S. 96.

Eisenerzgruben mini|Sogenannter „Rom-Stollen“ zur Grubenentwässerung der ehemaligen Grube „Rom“

Das lokal vorkommende Erz bildete die Grundlage für die Entstehung der Eisengewinnung und Verarbeitung. In der Beschreibung der Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe aus dem Jahr 1890 heißt es dazu „Außer den vorbeschriebenen Eisenerzvorkommen verdienen noch die Eisenerzgruben des Suttrop-Warsteiner Feldes einer Erwähnung. Dieselben setzen teils auf der Grenze von Massenkalk und Oberdevon, teils in letzterem auf und liegen grösstenteils in dem der Gewerkschaft Sauerland gehörenden Distriktfelde Sauerland. Als die wichtigsten dieser im Distriktfelde Sauerland vorhandenen Eisenerzvorkommen sind diejenigen der Gruben Südbruch, David, Martinus und Hirschfeld anzuführen. Diese Eisenerzlager treten in einer Mulde des Massenkalkes auf, welche von oberdevonischem Schiefer überlagert wird; sie führen in wechselnder Mächtigkeit teils Rot- teils Brauneisensteine, selten Toneisenstein. (…)“ Der Eisengehalt lag in der Grube Südbruch bei 30–47 %, in der Grube David bei 28–42 % und in der damals schon zur Dortmunder Union gehörenden Grube Hirschfeld bei 45 %.Königliches Oberbergamt zu Bonn (Hrsg.): Beschreibung der Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe sowie der Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont. Bonn, 1890 S.

Die ältesten Erzgewinnungsbereiche waren die als Rothland bezeichnete Feldmark südwestlich von Warstein. Die dort gelegene sogenannte Alte Kaule wurde schon im Mittelalter bis ins 17./18. Jahrhundert im Tagebau betrieben, ehe man zum Stollenbau überging. Ein Tagebau wurde auch im Südbruch (heute Suttrop) bereits im 16. Jahrhundert betrieben.Marieluise Scheibner-Herzog: Zur Geschichte des Warsteiner Erzbergbaus. In: Sauerland 1/2002, S. 29.

Ein kurfürstliches Privileg, dass von Hoesch das alleinige Recht am Erzabbau im Umkreis von 2 Meilen garantierte, konnte nicht durchgesetzt werden und wurde später von den preußischen Bergbehörden nicht anerkannt. Von Hoesch ließ 1741 ein erstes eigenes Bergwerk in Betrieb nehmen. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert lagen die Hauptgruben im Oberhagen mit den Bezeichnungen Wilhelm und Rom. Dabei erfolgte der Abbau nach den Regeln des klassischen Bergbaus. Die Stollen waren 20 bis 60 m tief und wurden durch eine Wasserkunst entwässert.

Andere wurden erst im 19. Jahrhundert in Betrieb genommen. Über den Betrieb in den frühen Jahren ist wenig bekannt. Aus Rechnungen geht hervor, dass zum Stützen des Hängenden viel Holz nötig war. Man arbeitete mit Fäustel und Bohrer. Das Wasser wurde von der Grube Rothland abgeleitet und zum Hüttenbetrieb genutzt. Im Jahr 1849 wurde dem Unternehmen das Grubenfeld Sauerland verliehen. Dieses umfasste die Gemarkungen Suttrop, Rüthen, Kallenhardt, Warstein, Meschede und teilweise Brilon und Nuttlar. Konkurrenz bestand mit der Familie Ulrich aus Brilon und der Bredelarer Hütte, die 21 Grubenfelder im Distrikt besaßen.

Im Jahr 1875 bestand der Grubenbesitz aus den Gruben

1. im Eisenstein Distrikt Sauerland mit Alfred und Jordan bei Warstein, Hoffarth bei Suttrop, Hohofen, Siebenstern am Muckenschling bei Warstein und Ida bei Warstein, Rom bei Suttrop, David am Bilstein, Hirschberg, Jonathan bei Warstein, Martinus, 1,5 km nördlich von Warstein, Wilhelm, Kubosow bei Suttrop, Moreau, Massena bei Warstein,