Türkischrotöl, auch Tournantöl, ist ein Gemisch aus Rizinusöl, Rizinolsäure und ihrem Schwefelsäureester, Dihydroxystearinsäure und ihrem Schwefelsäureester, Polyrizinolsäuren sowie Rizinolsäureanhydriden und -lactonen. Der deutsche Chemiker und Naturwissenschaftler Friedlieb Ferdinand Runge stellte im Jahr 1834 einen Vorläufer der modernen synthetischen Tenside her, indem er Olivenöl mit Schwefelsäure „sulfonierte“. Später wurde das Olivenöl in der Rezeptur durch das billigere Rizinusöl ersetzt. Ergebnis war das Türkischrotöl.
Es handelt sich um eine klare, meist braungelbe bis dunkelrote Flüssigkeit, deren Dichte bei 1,039 g·cm−3 liegt und die vollständig mischbar mit Wasser ist. Sie wurde früher in der Türkischrotfärberei als flüssiges Textilhilfsmittel eingesetzt.Brockhaus ABC Chemie, VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1965, S. 1446. In der Textilindustrie wird es zum Bleichen, Färben, Drucken und für die Appretur eingesetzt.Hermann Römpp: Chemie Lexikon. 6. Aufl. Stuttgart 1966, S. 6708–6709.
Türkischrotöl wird durch die Einwirkung von konzentrierter Schwefelsäure auf Rizinusöl bei Raumtemperatur gewonnen, indem man das Reaktionsgemisch anschließend mit Natronlauge oder Ammoniak neutralisiert. Die bei der Neutralisation entstehenden Salze von Carbonsäuren und Sulfonsäuren können – ähnlich wie Seife – Fette und Öle emulgieren und wirken reinigend.
Einzelnachweise
Kategorie:Hilfsmittel (Textilveredelung) Kategorie:Stoffgemisch Kategorie:Öl und Fett