mini|Druckermarke von Vlacq Adriaan Vlacq (* 1600 in Gouda; † 1667 in Den Haag) war ein niederländischer Buchhändler.
Leben und Wirken Vlacq stammte aus einer gut situierten Familie. Sein Vater Cornelius Vlacq (1556–1656) war Gemeindevorsteher in Gouda. Er erhielt eine gute Schulbildung, insbesondere in der lateinischen und anderen Sprachen.
Über eine Bekanntschaft mit dem Landvermesser Ezechiel de Decker begann Vlacq sich für Logarithmentafeln zu interessieren und übersetzte für diesen lateinische Werke von John Napier und Henry Briggs über Logarithmen ins Niederländische. Decker und Vlacq veröffentlichten 1626 ein Buch über damals neue Rechenmethoden Het eerste deel van de Nieuwe telkonst (Der erste Teil der neuen Zählkunst) mit einer Übersetzung von Napiers Rabdologiae (Napiersche Rechenstäbchen) und De thiende von Simon Stevin (mit Dezimalbrüchen).
In einem weiteren Teil veröffentlichte Decker einen Teil der Logarithmentafeln von Briggs (basierend auf Logarithmen zur Basis 10) von 1624 (Arithmetica logarithmica), der aber nur einen Teil der Logarithmen bis 100.000 enthielt (die Logarithmen zwischen 20.000 und 90.000 fehlten). Der Rest folgte 1627 (Tweede deel van de Nieuwe telkonst, veröffentlicht unter Deckers Namen). Außerdem waren sie auf zehn Stellen gekürzt. Von dieser Ausgabe sind nur wenige Exemplare bekannt.
1628 veröffentlichte Vlacq in Gouda eine zweite Auflage unter seinem eigenen Namen (Lateinisch und Französisch). Da Decker keinen Einspruch erhob wurde lange allgemein angenommen (Dirk StruikArtikel Vlacq in Dictionary of Scientific Biography), dass Vlacq die Tafeln berechnet hatte.Dem widerspricht Evert Marie Bruins, der argumentiert das Vlacq kein Mathematiker war: E. M. Bruins: On the history of logarithms, Bürgi, Napier, Briggs, De Decker, Vlacq, Huygens. In: Janus. Band 67, 1980, S. 241–259. Die Tafeln hatten relativ wenig Fehler, fanden weite Verbreitung und machten Vlacq bekannt. Von der ersten Auflage von 1000 Exemplaren waren im Oktober 1628 nach einem Brief von Briggs die meisten schon verkauft, wobei viele an den Londoner Buchhändler Miller gingen, der daraus eine eigene Ausgabe machte.
1632 ging er nach London, wo er im Buchhandel tätig war. Nach dem Beginn des Englischen Bürgerkriegs zog er 1642 nach Paris, wo er sechs Jahre blieb, bevor er 1648 nach Den Haag zog.
1633 veröffentlichte Vlacq Tafeln von trigonometrischen Funktionen samt ihren Logarithmen (Trigonometria artificialis sive magnus Canon triangulorum logarithmicus, in Latein, Französisch, Deutsch), mit einer Genauigkeit von sieben Dezimalstellen (bei den Logarithmen zehnstellig und für Winkel im Abstand von 10 Bogensekunden).
Als Verleger publizierte er Werke anderer Mathematiker wie die von Briggs.
Ehrungen Der Mondkrater Vlacq ist nach ihm benannt.
Schriften (Auswahl) Arithmetica logarithmica sive Logarithmorum chiliades centum, pro numeris naturali serie crescentibus ab unitate ad 100000 […]. Pieter Rammaseyn, Gouda 1628 (Digitalisat). Arithmetique logarithmetique ou La construction et usage d’une table contenant les logarithms de tous les nombres depuis l’unité jusque 100000. Pieter Rammaseyn, Gouda 1628 (Digitalisat). Zehentausent logarithmi der absolut oder ledigen Zahlen : von 1. biß auff 10000. Andreas Aperger, Augsburg 1631 (Digitalisat). Wolfgang Endter, Nürnberg 1637 (Digitalisat). Logarithmicall arithmetike. Or Tables of logarithmes for absolute numbers from an unite to 100000 as also for sines, tangentes and secantes for every minute of a quadrant […]. George Miller, London 1631 (Digitalisat). Canon triangulorum logarithmicus, das ist künstliche logaritmische Tafeln der Sinuum, Tangentium und Secantium. Andreas Aperger, Augsburg 1631 (Digitalisat). Wolfgang Endter, Nürnberg 1637 (Digitalisat). Ephemerides motuum coelestium ad annos vulgares aerea 1633, 1634, 1635, et 1636 […]. Pieter Rammaseyn, Gouda 1632 (Digitalisat). Trigonometria artificialis, sive magnus canon triangulorum logarithmicus, ad radium 100000,00000, & ad dena scrupula secunda. Pieter Rammaseyn, Gouda 1633 (Digitalisat).
Literatur Ältere
Moritz Cantor: Vorlesungen über Geschichte der Mathematik. 2. Auflage, Band 2: Von 1200–1688. B. G. Teubner, Leipzig 1900, S. 743–746 (Digitalisat). D. Bierens de Haan: On certain early logarithmic tables. In: The London, Edinburgh, and Dublin philosophical magazine and journal of science. 4. Folge, Band 45, Nr. 301, 1873, S. 371–376 (doi:10.1080/14786447308640871). D. Bierens de Haan: Adriaan Vlack en Ezechiel De Decker. In: Verslagen en mededeelingen der Koninklyke Akademie van wetenschappen. Afdeeling Natuurkunde. 2. Folge, Band 8, 1874, S. 57–99 (Digitalisat). D. Bierens de Haan: Adriaan Vlack en zijne logarithmentafels. In: Verslagen en mededeelingen der Koninklyke Akademie van wetenschappen. Afdeeling Natuurkunde. 2. Folge, Band 8, 1874, S. 163–199 (Digitalisat). Cornelis de Waard: Vlacq (Adriaan). In: Nieuw Nederlandsch biografisch woordenboek. Band 2, 1912, S. 1504–1506 (Digitalisat).
Neuere Evert Marie Bruins: On the history of logarithms, Bürgi, Napier, Briggs, De Decker, Vlacq, Huygens. In: Janus. Band 67, 1980, S. 241–259. Otto E. van Poelje: Adriaen Vlacq and Ezechiel de Decker: Dutch Contribution to the Early Tables of Briggsian Logarithms. In: Journal of the Oughtred Society. Band 14, Nr. 1, 2005, S. 30–40 (PDF). Denis Roegel: A reconstruction of Adriaan Vlacq’s tables in the Trigonometria artificialis (1633). 2011 (PDF). Dirk Jan Struik: Vlacq (Vlack, Vlaccus), Adriaan. In: Complete Dictionary of Scientific Biography. Band 14, Charles Scribner’s Sons, 2008, S. 51–52.
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Einzelnachweise
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