Schenkenberg ist ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Delitzsch im Landkreis Nordsachsen des Freistaates Sachsen. Die Gemeinde wurde 1378 erstmals urkundlich erwähnt und 1996 nach Delitzsch eingemeindet. Der Ortsteil hat rund 830 Einwohner (Stand 2011).
Lage Der Ortsteil Schenkenberg liegt etwa drei Kilometer nordwestlich vom Stadtzentrum Delitzschs entfernt. Östlich verläuft, von Süden kommend der Lober, mit dem ihm umgebenden Landschaftsschutzgebiet Loberaue. Sowohl südlich von Schenkenberg (Delitzsch) – in Höhe von Kertitz – als auch nordwestlich von Schenkenberg (Delitzsch) fließt der Lober (Mulde) durch imposante Feuchtgebiete.
Im Süden grenzt Schenkenberg an Kertitz, im Norden an Rödgen und westlich an Storkwitz.
Geschichte Am 13. Juli 1252 wurde der Ort erstmals in einer Urkunde Dietrichs von Brehna erwähnt. 1252 wird Conradus marchalus de Scinkenberch in der Urkunde mit Dietrich I Graf von Brehna (reg 1221–1264) im Zusammenhang dem Verschrieb mehrerer Güter im Dorf Ride erwähnt. Rudolfs I von Habsburg Tochter Agnes Gertrud von Habsburg, Halbbruder des ersten Kindes Rudolfs I, Graf Albrecht I von Löwenstein-Schenkenberg war mit Albrecht II Herzog von Sachsen-Wittenberg (1248–1298), Kurfürst und Erzmarschall des heiligen römischen Reichs verheiratet.
1461 wird Martin von Schenkenberg vom Markgrafen von Meissen mit Dorf Schenkenberg beliehen.
Ein mit einem querüberliegenden Sack beladener Esel war das dörfliche Symbol.
Schildzeichen des mittelalterlichen Geschlechts von Schenkenberg in Sachsen und offizielles Siegel der Ritter Schenken von Schenkenberg und adligen Grundherren war der horizontal geteilte Schild – oben ein aufwachsender Adler (Verbindung Habsburg) und untergeordnet ein Sparren.
Als Gründer gelten die Grafen von Landsberg, welche hier die Burg eines Schenken von Landsberg errichteten. Daraus ging das spätere Rittergut als wirtschaftliches Zentrum des Dorfes hervor. Durch den Ankauf von Bauernstellen im 16. Jahrhundert und die Einbeziehung von zerstörten Bauerngütern nach dem Dreißigjährigen Krieg kam der Landbesitz zu seinem späteren Umfang.
Schenkenberg gehörte bis 1815 zum kursächsischen Amt Delitzsch.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 56 f. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam der Ort zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Delitzsch im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1952 gehörte. Im Zuge der Kreisreform in der DDR von 1952 wurde Schenkenberg dem neu zugeschnittenen Kreis Delitzsch im Bezirk Leipzig zugeteilt, welcher 1994 im Landkreis Delitzsch aufging. 1950 wurde der nördlich gelegene Ort Rödgen nach Schenkenberg eingemeindet.
Am 1. Januar 1997 wurde Schenkenberg mit den bis dahin ebenfalls eigenständigen Dörfern Poßdorf, Rödgen, Spröda und Storkwitz nach Delitzsch eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997, abgerufen am 22. März 2013
Einwohnerentwicklung (jeweiliger Gebietsstand) Datum EinwohnerDigitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen: Schenkenberg: Bevölkerung 1551 12 Hufner, 14 Inwohner 1747 4 Hufner, 22 Gärtner, 28 Häusler, 8 HalbhufnerHalbhufner sind Besitzer einer Hofstelle von einer halben Hufe. 1818 322 1880 427 1895 453 1910 435 1925 602 1939 514 1946 782 1950 ¹ 1212 1964 978 Datum (zum 31.12.) Einwohnerhttps://www.sachsen.de/: 1990 931 1991 947 1992 951 1993 993 1994 1064 1995 1110 1996 1243 2011 ² 832
¹ Eingemeindung ² nur Hauptwohnsitze am 30.09. (Quelle: Einwohnermeldeamt Stadt Delitzsch)
Politik
Schenkenberg verfügt über einen eigenen Ortschaftsrat mit sieben Sitzen und einem Ortsvorsteher sowie Stellvertreter. Zuständig ist der Rat für die Delitzscher Ortsteile Rödgen und Storkwitz sowie Schenkenberg selbst. Bei den letzten Ortschaftsratswahlen am 26. Mai 2019 entfielen vier Sitze auf die Freien Wähler (46,1 %), zwei Sitze auf die CDU (35,8 %) und ein Sitz auf die Linke (15,8 %).Leipziger Volkszeitung (Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung), 27. Mai 2014, Seite 27 Ortsvorsteher ist Lars Winkler (CDU), Stellvertreterin Kathrin Nagel (FWG).
Parteien und Wählergemeinschaften Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2014 Sitze2014 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 35,8 % 2 60,2 % 5 LINKE Die Linke 15,8 % 1 21,8 % 1 FWG Freie Wähler 46,1 % 4 18,0 % 1 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 2,3 % 0 - -Gesamt 100 % 7 100 % 7Wahlbeteiligung 68,8 % 49,9 %
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Rittergut
Rittergut Das Herrenhaus des Ritterguts wurde 1284 erwähnt. Erbauer waren die Herren von Schenkenberg die mit den Habsburgern kamen und die in dieser Gegend bereits seit Mitte des 13. Jahrhunderts ansässig waren und das Rittergut bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts hinein besaßen. Durch die Folge des Schmalkaldischen Krieges ging im Jahr 1547 die Kurwürde der Wettiner von den Ernestinern an die Albertiner über, wodurch das Rittergut Schenkenberg nun zum albertinischen Kurfürstentum Sachsen gehörte. 1512/14 war Peter Schenkenberg Prenzlauer Bürgermeister. 1551 erlosch mit Tilo von Schenkenberg die Familie im Mannesstamm in Delitzsch. Von 1558 bis 1791 ging die Besitzung an die Familie von Miltitz über. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte der Abbruch des alten Herrenhauses, welcher durch einen Neubau ersetzt wurde. 1791 kaufte die Familie Wenck das Rittergut, 1885 folgte die Familie Baumgarten.
Heute ist das Rittergut ein Gewerbeobjekt und wird unter anderem von einer Bildungs- und Projektentwicklungsgesellschaft und einem Restaurant genutzt.
Kirche Die Kirche ist ein barockes Bauwerk mit reichgestalteter Ausstattung, das unter Verwendung eines romanischen Turmrests 1746 erbaut wurde. Pfarrscheune Die Pfarrscheune Schenkenberg ist ein alternatives kulturelles Gemeindezentrum, das durch das Evangelische Kirchspiel und den 1998 gegründeten Verein Scheune im Pfarrgarten Schenkenberg e. V. getragen wird. Ziele des Vereins sind der Unterhalt der Scheune sowie die Durchführung verschiedener Veranstaltungen. So finden hier neben Gemeindeveranstaltungen auch Konzerte und Kabarettauftritte statt.
Blasmusikverein Im Jahr 1990 wurde der Blasmusikverein Schenkenberg e. V. gegründet. Der Ursprung dieses Vereins liegt in der 1961 gegründeten Feuerwehrkapelle der Feuerwehr Schenkenberg. Im Jahr 2014 zählte der Verein 25 Mitglieder.
Gemeinsam in Schenkenberg Der am 21. November 2018 in Schenkenberg gegründete Verein „Gemeinsam in Schenkenberg e. V.“ hatte sich zum Ziel gesetzt, das Gebäude der Klinkerschule zu erhalten und das Dorf aktiv mit Leben zu füllen.
Persönlichkeiten Christian Saalbach (1653–1713), klassischer Philologe, Hochschullehrer und Dichter Siegfried Mehnert (* 1963), ehemaliger Boxer Else Merke (1920–2005), Funktionärin der DDR-Blockpartei DBD und der DDR-Massenorganisation DFD, zeitweilig Mitglied des Staatsrates der DDR sowie Volkskammerabgeordnete. Helmut Merke (1919–1988), Mitbegründer und bis zum Eintritt in die Rente 1984 Vorsitzender der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „7. Oktober“ Schenkenberg.
Einzelnachweise und Fußnoten
Weblinks
Schenkenberg im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
Kategorie:Ort im Landkreis Nordsachsen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Nordsachsen) Kategorie:Ersterwähnung 1252 Kategorie:Gemeindeauflösung 1997 Kategorie:Geographie (Delitzsch)