mini|300px|Wohn- und Jagdgebiet der Menominee vor 1641 (dunkelgrün) und heutiges Reservat (rot). Die Menominee (auch Menomini oder Menomonee) sind ein Indianerstamm aus der Region des oberen Mississippi River in Wisconsin. Die Minominee-Sprache gehört zur Algonkin-Sprachfamilie, ist jedoch mit keinem anderen Algonkin-Dialekt eng verwandt. Ihre Selbstbezeichnung lautet Ome nomenew, was so viel wie Volk des Wildreises bedeutet. Dieser Name wurde ihnen von den benachbarten Anishinabe gegeben. Der Menominee Tribe of Wisconsin ist bundesstaatlich anerkannt und besitzt ein Reservat in Wisconsin. Im Jahr 1950 wurde dem Stamm die Anerkennung und damit das Reservat gekündigt. In einer Gerichtsverhandlung vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten erhielten die Menominee 1968 ihre Rechte zurück und bekamen 1973 erneut die bundesstaatliche Anerkennung.

Wohn- und Jagdgebiet Das traditionelle Wohn- und Jagdgebiet der Menominee lag in Wisconsin und im nördlichen Michigan westlich des Michigansees. Ihre Nachbarn waren die Anishinabe im Norden und die Winnebago im Süden. Aus überlieferten Erzählungen geht hervor, dass sie schon seit geraumer Zeit in diesem Gebiet gelebt haben.MenomineeHistory, abgerufen am 5. März 2013. Nach 1667 kamen die Menominee in Kontakt mit französischen Händlern, die bevorzugt Biberpelze gegen europäische Waren tauschen wollten. Da die Biber bald überjagt wurden, erweiterten sie ihr Jagdgebiet in westlicher Richtung. Als die Macht der Irokesen um 1701 gebrochen war, erfolgte eine weitere territoriale Ausdehnung. Die vor den Irokesen geflüchteten Stämme verließen Wisconsin und zogen nach Osten zurück. Die einst zahlreichen Winnebago im Süden hatten durch Kriege und verheerende Epidemien in den vergangenen sechzig Jahren den Großteil ihrer Angehörigen verloren, so dass die Menominee deren menschenleeres Gebiet besiedeln konnten. Zur Zeit ihrer größten Ausdehnung kontrollierten sie fast das gesamte zentrale Wisconsin bis zur heutigen Stadt Milwaukee im Süden. Das Gebiet umfasste rund 40.000 km². Siedlungen weißer Amerikaner und kommerzieller Holzeinschlag verdrängten die Indianer um 1832 zunehmend aus ihren angestammten Wohngebieten. Nach diversen Landverkäufen und Verträgen erklärten sich die Menominee um 1835 bereit, in ein rund 951 km² großes Reservat im nordöstlichen Wisconsin zu ziehen. Ungeachtet mehrerer Versuche, sie nach Minnesota umzusiedeln, leben sie noch heute in diesem Reservat.

Demografie Vor dem Kontakt mit Europäern waren die Menominee ein relativ kleiner Stamm, der zwischen zwei- und viertausend Angehörige hatte. Zahlreiche ähnlich kleine Stämme wurden im Laufe der Zeit von den Anishinabe, Potawatomi und Menominee absorbiert. Als die Franzosen die Green Bay um 1667 erreichten, hatten endlose Kriege und von Europäern eingeschleppte Epidemien die Menominee bis auf 400 Personen reduziert. Danach erholten sie sich und ihre Bevölkerung wuchs wieder langsam auf 850 Personen im Jahr 1736, 1.100 gab es 1764 und 1.350 wurden 1806 gezählt. Der Zensus von 1854 ergab 1.930 Angehörige in sieben Dörfern. Danach sanken die Zahlen erneut, obwohl einige landlose Potawatomi und französisch-indianische Mischlinge in den 1870er Jahren hinzugerechnet wurden. 1910 wurden nur noch 1.422 Menominee gezählt. 1937 gab es 2.221 Stammesangehörige, die sich bis 1957 auf 3.720 vermehrten. In den 1970er Jahren hatte der Menominee Tribe of Wisconsin 7.200 eingetragene Angehörige, von denen 3.400 im Reservat westlich der Green Bay lebten. Der US-Zensus 2000 ermittelte 7.883 Angehörige der Menominee.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15. Northeast, S. 708/709.

Bevölkerungstabelle Jahr Gesamt Frauen Männer Kinder Quellen 1718 100 (Krieger) W.J.Hofmann 1896 1761 750 150 (Krieger) W.J.Hofmann 1896 1820 3.900 900 600 2.400 W.J.Hofmann 1896 1847 2.500 Keesing 1939 1857 1.697 425 358 914 W.J.Hofmann 1896 1886 1.308 Keesing 1939 1902 unter 1.300 Keesing 1939 1916 1.736 Keesing 1939 1929 1.939 Keesing 1939 1956 2.917 320 380 2.217 I. Spindler 1962 2000 7.883 US-Zensus 2000

Kultur Lebensunterhalt mini|Spearing Salmon By Torchlight, ein Ölgemälde von Paul Kane. Es zeigt das nächtliche Speerfischen der Menominee auf dem Wolf River. Vor dem europäischen Kontakt lebten die Menominee hauptsächlich von der Jagd und dem Sammeln von wilden Kräutern und Beeren. Außerdem bauten sie Squash, Bohnen und Mais in kleinen Gärten an und in den Flüssen fingen sie Störe und sammelten Wildreis. Gejagt wurde einzeln oder in kleinen Gruppen. Nur die Jagd auf Büffel und Hirsche erfolgte in größeren Verbänden. Vor der Jagd gab es Rituale und eine Reihe von Zauberformeln, um den Jagderfolg zu sichern und die Schutzgeister anzurufen. Einige dieser Rituale wurden noch im Jahr 1960 vor der Jagd abgehalten.

Aus frühen Aufzeichnungen der Franzosen ist die Bedeutung von Wildreis als Nahrungsmittel bekannt und traditionelle Erntetechniken wurden noch im frühen zwanzigsten Jahrhundert eingesetzt.

Der Pelzhandel mit den Europäern bewirkte entscheidende Veränderungen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich der Menominee. Die halbsesshafte Lebensweise zwischen Sommerdörfern und Wintercamps wurde nahezu aufgegeben. In neuerer Zeit zogen keine nomadischen Gruppen mehr in die Winterlager, doch wenige Menominee behielten die nomadisierende Lebensweise bei. Es gab einige Männer, die als Holzfäller in den Wäldern und im Sägewerk arbeiteten sowie von der Jagd und dem Fischfang lebten. Bis 1960 zogen die meisten Familien als Wanderarbeiter umher, um Kirschen, Stachelbeeren und Kartoffeln in den Obstplantagen und Farmen in Wisconsin und Michigan zu ernten. Andere sammelten Farne und immergrüne Zweige. Einige Familien zogen jedes Jahr nach Minnesota, um Wildreis zu sammeln. Im Sommer werden von einigen konservativen Gruppen traditionelle Tänze und Rituale vor Touristen gezeigt. Manche veranstalten eine Tournee durch das ganze Land.

Technik Die Menominee hatten Birkenrindenkanus, in der Mehrzahl jedoch Einbäume. Zu ihren Waffen gehörten Pfeile und Bogen, Keulen, Messer mit Klingen aus Stein, Muscheln, Knochen und Kupfer sowie Äxte mit Steinklingen. Sie gerbten Leder, webten Beutel und flochten Körbe aus pflanzlichen Fasern, Rinde und Büffelhaar. Darüber hinaus stellten sie Matten aus Reed und Rinde sowie Töpfe aus Ton und weitere Haushaltsgegenstände her. Sie fertigten Vorrichtungen zum Feueranzünden, Trommeln und Pfeifen. Außer den rituellen, heiligen Artefakten und dem Zubehör für Jagd und Fischfang wurden alle diese Objekte von Frauen hergestellt. Alanson B. Skinner berichtete 1921, dass noch immer Leder gegerbt und Löffel aus Muschelschalen benutzt wurden. Die Fertigung von Spankörben wurde von den Oneida und Stockbridge-Indianern übernommen. Sogar Pfeile und Bogen waren noch im frühen zwanzigsten Jahrhundert gebräuchlich. Noch in den 1960er Jahren existierten diverse Kultgegenstände, die bei Zeremonien der Medizin Lodge, des Dream Dance und der Peyote-Religion eingesetzt wurden.

Häuser Die von ihnen im Sommer bewohnten rechteckigen Hütten bestanden aus einem Gerüst aus dünnen Baumstämmen, das mit Baumrinde bedeckt war. Im Winter lebten sie in kuppelförmigen Wigwams, die mit Schilfmatten oder Rinde abgedichtet wurden. Darüber hinaus gab es Schwitzhütten, Menstruationshäuser, Kabinen zum Fasten und Warten auf Visionen und ein Haus für Schamanen. W.J. Hoffman berichtete 1896 von kegelförmigen Strukturen, die im Winter und Sommer benutzt wurden und aus jungen Bäumen und Rinde bestanden. Skinner beschrieb 1921 Häuser aus Baumrinde und ein langgestrecktes Gebäude für Zeremonien. Noch 1950 bewohnten einige ältere Menominee die oben beschriebenen Rindenhäuser. Für rituelle Zeremonien errichteten Stammesangehörige 1954 für die Medicine Lodge ein Gerüst aus gebogenen Baumstämmchen, das mit Leinwand bedeckt wurde.

Kunst Auf Tonscherben und gut erhaltenen Medizinbeuteln wurden Bemalungen entdeckt, die geometrische Formen und stilisierte Figuren zeigten. Die frühesten Funde von Bekleidung wiesen Verzierungen aus Stachelschweinborsten und aus Tierhaar und Federn gefertigte Abbildungen religiöser Motive auf, die den Donnerer und andere heilige Wesen darstellten. Um 1830 begann eine neue Phase der Menominee-Kultur, in der die traditionellen geometrischen Formen, sowie Lederkleidung und Federschmuck abgelöst wurden. Die Menominee verwendeten andere Farbpigmente, mit denen Stoffbekleidung und Schmuck durch sorgfältig ausgearbeitete Blumendarstellungen und Ornamente verziert wurden. Die neue Kunst fand eine rasche Verbreitung infolge der Vertreibung der Stämme aus der östlichen Waldlandregion in die großen Ebenen. Noch in den 1950er Jahren waren bei besonderen Ereignissen und Vorführungen vor Touristen derartig verzierte Kleidungsstücke zu beobachten.

Kleidung und Schmuck Über die Kleidung der Menominee vor dem europäischen Kontakt ist sehr wenig bekannt. Sie sollen ihre Haare und den Körper mit Öl und Fett eingerieben haben und ihre Lederbekleidung war mit verschiedenfarbigen Ornamenten verziert, die eine bestimmte religiöse Bedeutung hatten. Aus Berichten der ersten Pelzhändler geht hervor, dass Kleidungsstücke, wie Lendenschurze, Leggings und Mokassins, überwiegend aus Hirschleder gefertigt wurden. Außerdem gab es einen verzierten Mantel, der nur bei besonderen Anlässen getragen wurde. Zahlreiche weitere Oberbekleidungsstücke auf Abbildungen und Gemälden stammen aus späterer Zeit. Im Verlauf der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts übernahmen die Menominee die von weißen Frauen in dieser Zeit getragenen Kleidungsstücke. Im zwanzigsten Jahrhundert kauften die Menominee ihre Kleidung in Geschäften der Weißen, ausgenommen Mokassins, die verbreitet noch in den 1960er Jahren getragen wurden.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15. Northeast, S. 710/711.

Im neunzehnten Jahrhundert trugen konservative Stammesangehörige aus der Medizin-Lodge-Bewegung als Schmuck und Kleidungszubehör Perlen, farbige Bänder, Ohrringe, Kämme, Kopfschmuck aus Pelz und Adlerfedern, Strumpfbänder und Glocken an Armen und Fußgelenken. Viele dieser Gegenstände waren noch um 1960 bei Vorführungen ritueller Tänze vor Touristen in Gebrauch. Eine stammesübergreifende rituelle Bekleidung für Zeremonien in den Großen Ebenen setzte sich in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts durch.

Religion Hoffman (1896) und Skinner (1921) beschrieben das Weltbild der Menominee. Ihre Untersuchungen decken sich weitgehend mit den Berichten der Pelzhändler und Jesuiten aus dem späten siebzehnten Jahrhundert: „Sie glaubten, die Erde sei eine Insel, die in einem grenzenlosen Ozean schwamm, der das Universum in einen oberen und einen unteren Bereich teilte, wo die guten respektive bösen Mächte herrschten. Jeder Bereich wiederum war in vier übereinanderliegende Ebenen eingeteilt, die von übernatürlichen Wesen bewohnt wurden, deren Macht im Verhältnis zur Entfernung von der Erde wuchs. In der höchsten Ebene über der Erde befand sich die Gottheit, der sämtliche Wesen untergeordnet waren. Laut übereinstimmender Meinung der frühen Autoren war dieses Wesen die Sonne […]“ (Skinner 1921).