Ein Cyberangriff, auch Cyberattacke, ist ein unerlaubter Zugriff auf größere, für eine spezifische IT-Infrastruktur wichtige Rechnernetze von außen. Der Angriff beruht meist auf einer im System oder in der Software ausgenutzten Sicherheitslücke oder auf menschlichem Versagen.Alexander Unverzagt, Claudia Gips: Handbuch PR-Recht, Springer-Verlag, 2018, S. 356 online

Begriff Cyberangriffe sind vorsätzliche Versuche, Daten, Anwendungen oder andere immaterielle Wirtschaftsgüter durch unbefugten Zugriff auf ein Netzwerk, ein Computersystem oder ein digitales Gerät zu stehlen, offenzulegen, zu verändern, zu deaktivieren oder zu zerstören. In der Wissenschaft wird auch der Begriff des Cyber-Ereignisses (englisch cyber incident) verwendet. Das Schulungswerk der Vereinten Nationen unterscheidet dabei „Incident detection, response, recovery and preparedness“, also die Entdeckung von Cyber-Ereignissen, die Reaktion auf Cyber-Ereignisse, die Wiederherstellung nach Cyber-Ereignissen und die Einsatzbereitschaft bezüglich solcher Cyber-Ereignisse.

Beispiele Beispiele für Auswirkungen erfolgreicher Cyberangriffe sind die Störung von Betriebsabläufen, der Abfluss von Informationen, die Verweigerung von Zugängen sowie die Manipulation, Beschädigung oder Zerstörung von Hardware, Daten, Netzwerken oder technischen Systemen.

Methodik Trojaner, Viren und Würmer waren seit den späten 1980er Jahren probate kriminelle Angriffsmethoden. Aktuelle Taktiken des Zugriffs auf Zielsysteme sind z. B. Malware-Angriffe, Social Engineering oder Passwortdiebstahl. Kriminelles Hacking und DDoS-Angriffe, Phishing, SQL-Injection, Cross-Site Scripting (XSS), Botnets und Ransomware finden ebenfalls vielfach Anwendung. Ein Cyberangriff kann jedoch auch breit gestreut erfolgen, etwa durch massenhaftes Versenden von Malware via E-Mail an viele Empfänger.

Motive Das Motiv für Cyberangriffe kann vielfältig sein: ob hinter Cyberkriminalität, Cyber-Terrorismus, Cyberaktivismus oder staatlichem Hacking (bspw. in einem Cyberkrieg) Sabotage, Informationsgewinnung, Erpressung oder Cyberabwehr stehen, kann in aller Regel erst mit zeitlichem Abstand beurteilt werden.Alexander Unverzagt, Claudia Gips: Handbuch PR-Recht, Springer-Verlag, 2018, S. 356 online

Auswirkungen Cyberangriffe können die Geschäftstätigkeit unterbrechen, Unternehmen bzw. Behörden schädigen und sogar ganz zerstören.

Global Für das Jahr 2023 wurde laut Cybersecurity Ventures prognostiziert, dass Cyberkriminelle weltweit Schäden in Höhe von 8 Billionen US-Dollar verursachen. Für dieses Schadensausmaß war laut Security Magazine ein jährliches Aufkommen von 800.000 Cyberangriffe – d. h. ein Cyberangriff alle 39,4 Sekunden – verantwortlich. Die weltweiten Durchschnittskosten eines Datenlecks beliefen sich im Jahr 2024 auf 4,35 Millionen US-Dollar.

Deutschland Die polizeilich erfassten Fälle von Cyberkriminalität steigen stetig an: Waren es 2007 in Deutschland noch rund 34.000 Fälle, sind es 2023 schon rund 134.000 gewesen. Es wird vermutet, dass größere kriminelle Vereinigungen inzwischen Cyberkriminalität betreiben, da diese ein lukratives „neues Geschäftsfeld“ bietet: Betrug der Drogenhandelsumsatz 2023 weltweit rund 500 Milliarden Dollar, lag der Schaden durch Cyberkriminalität allein in Deutschland im Jahr 2023 schon bei 148 Milliarden Euro.

Informationen über Cyberkriminelle Im März 2023 publizierten elf Medienhäuser, koordiniert vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel, die Vulkan Files, geleakte Dokumente über ein russisches Software-Unternehmen, welches für das russische Verteidigungsministerium und für russische Geheimdienste Programme zur Manipulation der öffentlichen Meinung und zur totalen Kontrolle des Cyberraums, aber auch zum Entgleisen von Zügen oder zum Lahmlegen der Stromversorgung entwickelte. Ein früherer Mitarbeiter des Unternehmens behauptete: „Vulkan ist eine Säule des russischen Polizeistaats. Vulkan entwickelt Software, die gegen das eigene Volk und gegen andere Länder eingesetzt werden kann“.

Prävention und Abwehr Behörden Zur Prävention von Cyberangriffen hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein Informationsportal eingerichtet. Das ebenfalls beim BSI angesiedelte Nationale Cyber-Abwehrzentrum (NCAZ) verfügt über nur 10 Mitarbeiter, die laut Bundesrechnungshof weder über die notwendige Expertise sowie klare Arbeitsstrukturen verfügen noch dazu in der Lage sind, die Kompetenzen der beteiligten Behörden zu bündeln.

Zur Verfolgung laufender und schon vollzogener Computerkriminalität haben Polizei und Staatsanwaltschaften von 11 Ländern unter dem Titel Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) insgesamt 12 landeseigene Zentralstellen eingerichtet. Als einziges Bundesland verfügt Nordrhein-Westfalen sogar über zwei derartige Zentralstellen: das Cybercrime-Kompetenzzentrum beim LKA NRW in Düsseldorf sowie die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen als Hauptabteilung der Staatsanwaltschaft in Köln. Informationen hinsichtlich Koordination und Aufgabenverteilung dieser beiden Behörden sind nicht verfügbar.

Eine dreizehnte Zentralstelle bildet die Cybercrime-Abteilung des Bundeskriminalamts. Im Jahr 2013 zunächst aus 100 Mitarbeitern der Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität (SO) rekrutiert, war geplant, diese Abteilung bis 2022 auf 280 Kriminalbeamte, Analysten und IT-Experten aufzubauen. Laut BKA-Organigramm vom November 2024 umfasst die Cybercrime-Abteilung insgesamt 2 Gruppen mit wiederum insgesamt 10 Referaten. Die Abteilung Cybercrime (CC) ist damit – gleichauf mit der Abteilung Sicherungsgruppe (SG) (zuständig u. a. für: Personenschutz Bundespräsident, Bundeskanzler, Bundesminister, ausländische Gäste) – diejenige Abteilung des BKA mit der vergleichsweise geringsten Anzahl an zugeordneten Referaten. Lediglich 2 Referate der Gruppe Operative Aufgaben innerhalb der Abteilung Cybercrime (CC) arbeiten an „Ermittlungen Cybercrime im engeren Sinne“. Über die Anzahl der aktuell in der Abteilung Cybercrime (CC) insgesamt beschäftigten Mitarbeiter liegt keine Information vor.

Unter dem Schlagwort Hackback wird politisch diskutiert, ob Cyberangriffe als staatliches Hacking zur Verteidigung erlaubt sein sollten. Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung steht: „Hackbacks lehnen wir als Mittel der Cyberabwehr grundsätzlich ab.“ Die Bundesinnenministerin Nancy Faeser will sich zwar für eine hierzu erforderliche Änderung des Grundgesetzes einsetzen – politische Mehrheiten für Hackbacks existieren derzeit allerdings nicht.

Initiativen Cyber-Sicherheitsinitiativen sollen die Cyber-Sicherheit teilnehmender Organisationen mittels einer „Kooperation von Wirtschaft und Staat“ verbessern. Im Jahr 2021 existierten laut Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Deutschland bereits 38 lokale, regionale, nationale und internationale Initiativen zum Thema Cyber-Sicherheit für Bürger, Handwerker, kleine Unternehmen, mittelständische Unternehmen und Großunternehmen, wobei diese branchenspezifisch (z. B. Automobil, Energiewirtschaft, Luftfahrt, Maschinen- und Anlagenbau, Militär, Prozessindustrie) oder branchenübergreifend aufgestellt sein können. Die jeweiligen Ziele dieser Cyber-Sicherheitsinitiativen sollen u. a. durch Arbeitsgruppen, Befragungen, Expertenvorträge, Fachkonferenzen, Forschungsprojekte, IT-Forensik, Publikationen (z. B. Leitfäden, Studien, Thesenpapiere), Public Relations (z. B. Technologiemessen, Politik), Schulungen, Seminare, Webinare, Wettbewerbe (z. B. Auszeichnungen, Förderpreise), Wissensdatenbanken, Workshops usw. erreicht werden.

Einzelne Cyberangriffe Cyberangriffe auf Deutschland 2011 2011 brach die deutsche Hacktivisten-Gruppe No-Name-Crew in die IT-Systeme von Bundespolizei und Zoll ein. Die Gruppe behauptete, sie hätte bereits Monate zuvor die komplette Kommunikation der beiden Behörden belauscht. Am 7. Juli 2011 gegen 23:40 Uhr erschienen auf deren Website Softwarepakete, Anwendungshinweise und Einsatzdaten aus dem Ortungssystem „Paip-Tracking-Server“ (Patras). Anonyme GPS-Tracking-Daten, Anwahlnummern eingesetzter Peilsender, Verzeichnisnamen sowie Bezeichnungen sachbearbeitender Dienststellen des Zollfahndungsdienstes konnten eingesehen werden. Dadurch wurde unter anderem bekannt, dass ein Beamter das System dazu missbraucht hatte, seine Tochter zu überwachen.

2015 Im Juni 2015 kam es zu einem umfassenden Hackerangriff auf den Deutschen Bundestag. Mittels Phishing-E-Mails wurden Trojaner auf Computer der Linkspartei und der CDU/CSU eingeschleust und in der Folge Admin-Accounts mit sicherheitskritischen Daten gehackt. Insgesamt waren rund 16 Gigabyte Daten auf ausländische Server abgeflossen. In der Folge war das Netzwerk des Bundestages zeitweise abgeschaltet.

2016 Eine Cyberattacke auf DSL-Router am 27. November 2016 führte zum Ausfall von etwa einer Million DSL-Geräten, wovon hauptsächlich Kunden der Deutschen Telekom betroffen waren.

2018 Im Februar/März 2018 wurde ein weitreichender Angriff auf den Informationsverbund Berlin-Bonn durch einen Hinweis befreundeter Nachrichtendienste bekannt. Mit der Cyberattacke versuchten Spione gezielt, an Unterlagen aus dem Auswärtigen Amt heranzukommen. „Ich befürchte, die meisten (Bundes-) Länder sind bei der Abwehr komplexer Cyberattacken überfordert“, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Burkhard Lischka.

2019 Am 13. September 2019 war der Casualwear-Anbieter Marc O’Polo in Stephanskirchen von einer Ransomware-Attacke krimineller Hacker auf die Firmen-Server sowie auf die Backup-Dateien betroffen. Die komplette kundenseitige Abwicklung musste sofort auf Papierbelege und Bargeld umgestellt werden. Die Firma zahlte das geforderte Lösegeld an die Erpresser und erhielt von diesen einen gültigen Schlüssel. Nach mehreren Wochen waren alle Firmensysteme lauffähig wiederhergestellt. Im Nachgang setzte Marc O’Polo die IT-Infrastruktur neu auf und sicherte diese mit der Hilfe von Spezialisten.

2020 In der Nacht vom 10. auf den 11. September 2020 griffen unbekannte Kriminelle die Uni-Klinik Düsseldorf an. Sie verwendeten die Schadsoftware DoppelPaymer und nutzten eine Lücke in der Citrix-VPN-Software. Der Klinik-Betrieb kam daraufhin weitgehend zum Erliegen. Die Kriminellen hatten beabsichtigt, die Universität Düsseldorf anzugreifen, da sie ihr Erpresserschreiben an diese adressiert hatten. Die Polizei informierte die Kriminellen über ihren „Fehler“ und teilte ihnen mit, dass Menschenleben in Gefahr seien. Diese schickten daraufhin einen digitalen Schlüssel zur Entschlüsselung der Daten. Die Klinik konnte nach und nach den Betrieb wieder aufnehmen.

Am 22. Dezember 2020 attackierten kriminelle Hacker Herausgabe und Druck von rund 1 Mio. Zeitungsexemplaren durch die Essener Funke Mediengruppe – u. a. die WAZ, das Hamburger Abendblatt, die Berliner Morgenpost und die Thüringer Allgemeine. Alle Druckmaschinen, Computer, Telefonanlagen usw. waren verschlüsselt worden und standen daher still. Die gesamte Funke-Mediengruppe war hiervon bundesweit betroffen. In der Folge mussten Druckausgaben telefonisch und über private Infrastrukturen abgestimmt werden. Über mehrere Wochen wurde die Funke-IT-Infrastruktur aus Hardware, Software, Netzwerk und Sicherheitstechnologien neu aufgebaut. Die Erpresser erhielten jedoch kein Lösegeld.

2021 Ende April 2021 machte dem Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen tegut eine Cyberattacke zu schaffen, welche durch den Ausfall des Warenwirtschaftssystems für leere Regale sorgte. Nach erfolgloser Lösegeldforderung veröffentlichten die Angreifer Unternehmensdaten im Darknet. Nach Angaben von tegut handelt es sich hierbei um Kundendaten: u. a. um Kundennummer, Anschrift, Geburtsjahrgang, Vorname, Nachname, E-Mail-Adresse, Telefonnummer sowie um kundenbezogene statistische Auswertungen.