mini|Pfarrhaus und Kirche St. Josef, Blick von Südwest mini|Innenraum, Blick von der Empore nach Osten

St. Josef ist die römisch-katholische Pfarrkirche der katholischen Pfarrgemeinde St. Josef im mittelhessischen Lang-Göns. Die Pfarrei St. Josef Langgöns gehört mit der Pfarrei Christkönig Linden zur Pfarrgruppe Linden/Langgöns, die zusammen mit der Pfarrei St. Martin Pohlheim den Pfarreienverbund „Am Limes“ bildet.

Katholiken in Lang-Göns Bis zur Reformation Südlich von Lang-Göns und dem Limes ist das Christentum früh nachweisbar (Wiesbaden, 3. Jhd.). Das Lahngau wurde erst später von Iro-schottischen Mönchen begonnen zu missionieren, bevor schließlich 721 Bonifatius mit einem päpstlichen Missionsauftrag nach Hessen kam.Bayer: Die Zeit der Merowinger und Karolinger, in: Zur Geschichte der Gemeinde Lang-Göns, S. 17 Die Gönser Mark (erste urkundliche Erwähnung als Gunnesheimer marca im Lorscher Codex 777), eine Markgemeinschaft aus der die vier Göns-Orte, Ebersgöns, Lang-Göns, Kirch-Göns und Pohl-Göns hervorgingen, gehörte im Mittelalter zum Diaconat Wetzlar im Archidiakonat Dietkirchen in der Erzdiözese Trier. Anfangs von der Mutterkirche in Großen Linden betreut, wurde Lang-Göns später Filial von Kirch-Göns und im 13. Jahrhundert als Pfarrei selbständig.Bayer: Kirche, in: Zur Geschichte der Gemeinde Lang-Göns, S. 64 Eine Urkunde (nicht mehr erhalten) von 1220 berichtet von einer ersten Kirche in „villa Günße“ (eine vorherige Kapelle wird angenommen) die ein Junker Hildericus auf seinen Eigengütern gebaut hat. Möglicherweise stammen Reste, die man beim Neubau des Langschiffs der Jakobuskirche Lang-Göns 1971 fand, von diesem Vorgängerbau. Erster urkundlich erwähnter Pfarrer war 1296 Giselbert von Göns, der sich selbst als „rector ecclesie“ bezeichnete.Weyrauch: Langgöns, in: Die Kirchen des Altkreises Gießen, 1979, S. 104 Nach Giselbert von Göns kommende Pfarrer waren „her Hrynrich der pernere“ (1334), Ebirhart Snauharte (1370er, 1390er), Conrad der Zentgraf (1440) und Heinrich Meyden (1453, 1459). Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen führte zwar schon Mitte der 1520er die Reformation in seinem Territorium ein. Im Amt Hüttenberg, in dem Lang-Göns lag, und das er als Kondominium gemeinsam mit dem Grafen von Nassau-Saarbrücken regierte, setzte sich die Reformation jedoch nur langsam durch, sodass Philipp erst 1531 die evangelische Predigt in Lang-Göns durchsetzen konnte.W. Wahl: Die Kirche, in: Hofmann: Lang-Göns, ein Dorfbuch aus dem Hüttenberg, 1955, S. 171, S. 182 98 Prozent der Bevölkerung Oberhessens bekannten sich am Ende der Gegenreformation zum evangelischen Glauben, so auch die Gemeinde der Jakobuskirche in Lang-Göns. Jacob Cordtwage (1530er) war möglicherweise der erste evangelische Pfarrer in der bis dahin katholischen Kirche in Lang-Göns.

Kriegszeiten und Wunder Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) litten die Hüttenberger an Abgaben sowohl an evangelische als auch an katholische Soldaten. Nach den Siegen des katholischen Heerführers Tilly zu Beginn der 1620er in der Unterpfalz soll sich ein Wunder in Lang-Göns zugetragen haben.Johann Arnd: Verschiedene Wunder-Geschichte, so sich mit Hn. Joh. Arnds sel. Paradieß-Gärtlein im Feuer zugetragen, In: Paradieß-Gärtlein voll Christlicher Tugenden, Frankfurt 1694 1624 soll ein spanischer papsttreuer Leutnant seinem Trompeter ein evangelisches Erbauungsbuch (Paradies-Gärtlein von Johann Arndt), das dieser im Lang-Gönser Pfarrerhaus gefunden und gelesen hatte, weggenommen und in den Ofen des Wirtshauses geworfen haben. Nach einer Stunde soll die Wirtin das Buch jedoch unversehrt aus den Flammen gezogen haben. Landgraf Philip ließ das Buch in die fürstliche Bibliothek nach Butzbach bringen. Das Haus, in dessen Vorgängerbau sich die Geschichte zugetragen haben soll, ist heute als Haus Paradiesgärtlein hessisches Kulturdenkmal.Chr. Diemer: Johann Arndts Paradieß-Gärtlein, in: Hofmann: Lang-Göns, ein Dorfbuch aus dem Hüttenberg, 1955, S. 343–345Das „Paradies“ im Archiv – Übergabe eines Exemplars des „Paradiesgärtleins“ von Johann Arndt aus dem Jahr 1756 an das Gemeindearchiv Langgöns, in: Gießener Zeitung vom 23. Dezember 2011, abgerufen am 19. Dezember 2014. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und in den Koalitionskriegen 1792–1815 litt der Hüttenberg unter Einquartierungen, Truppendurchzügen, Plünderungen und Fuhrdiensten katholischer Franzosen und deren Widersacher.

Aufklärung bis Anfang des 20. Jahrhunderts Vor 1800 gab es in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt mehr Juden als Katholiken.Fleck: Die Eingabe an den Kirchen- und Schulrat von 1821, in: Fleck: Katholisches Leben in Butzbach in Mittelalter und Neuzeit, 1994, S. 71 Die Aufklärung im 18. Jahrhundert kam zwar beiden Minderheiten zugute, sodass einzelne Katholiken in protestantischen Landen geduldet wurden, sie unterstanden jedoch weiterhin der Huld des Landesherren, bzw. dessen protestantischem Konsistorium. Die auf die Französische Revolution folgende Napoleonischen Ära veränderte die Territorialverhältnisse im Heiligen Römischen Reich grundlegend. Die im Friede von Lunéville und im Reichsdeputationshauptschluss beschlossenen Säkularisationen zerschlugen die geistlichen Kurfürstentümer. Frankreich besetzte das linke Rheinufer und entschädigte die weltlichen Fürstentümer für ihre verlorenen linksrheinischen Gebiete mit rechtsrheinischen bis dahin geistlichen Territorien. Für das davon profitierende weltliche Fürstentum Hessen-Darmstadt endete damit die konfessionelle Geschlossenheit. Der hessische Staat wurde durch die Säkularisation Verwalter von katholischem Kirchenvermögen. Die neuen katholischen Untertanen in Starkenburg und Westphalen mussten dank der im Reichsdeputationshauptschluss beschlossenen Sicherheiten zwar nicht den Glauben ihres Landesherrn annehmen, waren aber über das Staatskirchensystem einer landesherrlich geistlichen Aufsichtsbehörde, dem „Kirchen- und Schulrat“, unterstellt, der eine evangelische und eine katholische Abteilung besaß.Fleck: Die Eingabe an den Kirchen- und Schulrat von 1821, in: Fleck: Katholisches Leben in Butzbach in Mittelalter und Neuzeit, 1994, S. 72 1816 wurde dem nunmehr zum Großherzogtum Hessen firmierten Land das Gebiet Rheinhessen und die katholische Stadt Mainz zugeschlagen. Artikel 21 der 1820 erlassenen Verfassung des Großherzogtums Hessen gewährte Religionsfreiheit für die christlichen Konfessionen. 1830 wurde das Dekanat Gießen gebildet.Weyrauch: Gießen – Erste katholische Kirche, in: Die Kirchen des Altkreises Gießen, 1979, S. 200 Bei einem Antrag Butzbach zur Pfarrkuratie zu erheben zählte Pfarrer Mees Katholiken aus umliegenden Dörfern, u. a. in Lang-Göns, auf, die von Gießen nach Butzbach einzupfarren wären. 1892 wurde Butzbach Pfarrkuratie.Fleck: Vom eigenen Kirchengebäude bis zur selbständigen Pfarrkuratie, in: Fleck: Katholisches Leben in Butzbach in Mittelalter und Neuzeit, 1994, S. 97

1830 beschrieb Georg Wilhelm Justin Wagner, großherzoglicher Geometer, das Großherzogtum Hessen, darunter auch Langgöns: „Der Ort hat 196 Häuser und 1151 Einwohner, die außer 2 Katholiken, 5 Mennnoniten und 30 Juden evangelisch sind.“ Die beiden Katholiken waren Ferdinand von Ritgen und seine Frau Clara. Der in Gießen wirkende Professor Ritgen hatte das abgebrannte Amthaus gekauft, das sein Sohn Hugo von Ritgen wiederaufbaute.Berndt: Lang-Göns ; Einblicke in die Vergangenheit, S. 46

Nach 1945 mini|hochkant|Urkunde der Sudetendeutschen Landsmannschaft für die Unterstützung der ehemaligen Bewohner und Angehörigen des Landkreises Bärn

In der unmittelbaren Zeit vor 1946 lebte in Lang-Göns nur eine einzige katholische Familie. In den Wirrungen des Zweiten Weltkriegs kamen Evakuierte, darunter viele Katholiken, aus den bombenbedrohten Städten des Rhein-Main-Gebietes nach Lang-Göns, kehrten jedoch in ihre nahen Herkunftsorte zurück. 1945 kamen schlesische Flüchtlinge und nach dem Krieg sudetendeutsche Heimatvertriebene und in kleinerem Umfang Banater Schwaben nach Lang-Göns. Die Neubürger bildeten eine katholische Gemeinde und machten 1950 mit 763 von 3013 Einwohnern etwa 25 % der Bevölkerung des Ortes aus.Artur Seidel: Die katholische Kirche in Lang-Göns, in: Hofmann: Lang-Göns, ein Dorfbuch aus dem Hüttenberg, 1955, S. 189Viktor Aschenbrenner: Die Neubürger in Lang-Göns, in: Hofmann: Lang-Göns, ein Dorfbuch aus dem Hüttenberg, 1955, S. 246–249↔ Die katholische Gemeinde wurde in der Nachkriegszeit vom 10 km entfernten Butzbach betreut.Butzbach, St. Gottfried, bistummainz.de, gesehen am 21. März 2013 Am 15. Oktober 1946 wurde in Lang-Göns eine Lokalkaplanei errichtet, zu der auch die benachbarten Orte Grüningen und Kirch-Göns gehörten.Fleck: Katholische Integration der Vertriebenen und erneuter Kirchbau, in: Fleck: Katholisches Leben in Butzbach in Mittelalter und Neuzeit, 1994, S. 122 Artur Seidel, der vorher schon in Wiesenberg (Ostsudetenland) Pfarrer war, wurde 1947 erster Pfarrer in Lang-Göns. Ab 1949 begann man eigene Tauf-, Trauungs- und Sterberegister zu führen. Mit Inkrafttreten der Diözesanstatuten wurde die Lokalkaplanei am 25. Dezember 1957 zum Pfarr-Rektorat umbenannt. Bischof Herrmann Volk erhob am 22. November 1968 Lang-Göns mit Wirkung zum 1. Dezember 1968 zur Pfarrkuratie.ws: Zur Pfarrkuratie erhoben, Gießener Allgemeine, Silvester 1968, S. 21 Titel dieser Kuratie wurde St. Josef, und Langgöns damit selbständig. Nach Artur Seidel kommende Pfarrer waren Wolfgang Grabosch (1972), Franz Sachs (1980), Heribert Kronberger (1987), Manfred Lebisch (1997) und seit 2005 Mariusz Drwal. Ende Dezember 2012 umfasste die Gemeinde 1162 Mitglieder.

1963 wurde Lang-Göns Patenstadt für die Gemeinde Groß-Dittersdorf im Landkreis Bärn (Sudetenland). In Lang-Göns findet seitdem jährlich das Bärner Heimattreffen statt. 1964, bzw. 1974, wurde die Bärner Heimatstube als Museum eingerichtet und befindet sich heute mit ca. 4.000 Exponaten im Langgönser Bürgerhauses.Heimatstube des Heimatkreises Bärn, Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen EuropaBärner Heimatstube, Gemeinde Langgöns, abgerufen am 26. März 2018.Heimatkreis Bärn

Kirchenbau mini|Nordseite in konstruktivem Fachwerk, Aufbau des Glockenturms 1961